Monika
Griefahn, Abgeordnete des Wahlkreises Soltau-Fallingbostel - Winsen
L., zu den heute erschienenen Artikeln zur Zukunft der Waldklinik
in Jesteburg:
"Die heute verbreiteten Meldungen, nach denen der Waldklinik in Jesteburg
möglicherweise 2004 das Geld ausgehen könnte, treffen nicht zu. Ich
habe mich sofort im Gesundheitsministerium vergewissert, dass Jesteburg
nicht gefährdet ist, und auch keine andere Klinik. Ich möchte die
Gelegenheit nutzen und einige Erläuterungen zum neuen System geben:
Am 1.1.2003 wird das Fallpauschalensystem auf freiwilliger
Basis eingeführt. Damit wird dem Votum von 70 Prozent aller deutschen
Krankenhäuser gefolgt, die bereits zu diesem Zeitpunkt dieses neue
Abrechnungssystem nach Fallpauschalen einführen wollen. Diese überwältigende
Zustimmung ist auch kein Wunder. Denn das neue Vergütungssystem wird
für mehr Qualität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Krankenhausbereich
sorgen. Der entscheidende Vorteil für die Kliniken: Sie müssen nicht
mehr nach Tagespflegesätzen für belegte Betten abrechnen, sondern
ihre Leistungen werden erstmals aufwandsbezogen mit einem Festpreis
vergütet. Das heißt: Das Geld folgt der Leistung. Krankenhäuser, die
nach Fallpauschalen abrechnen, wissen unmittelbar, was sie verdient
haben und können dementsprechend planen und kalkulieren.
Aber das neue Gesetz bringt nicht nur für den Beitragszahler eine
Ersparnis von rund 1,5 Milliarden Euro, sondern auch große Vorteile
für den Patienten. Denn Krankenhäuser, die im Wettbewerb bestehen
wollen, müssen ihre Leistungen auf die Bedürfnisse und Erfordernisse
des Patienten zuschneiden. Dies erfordert neue, optimierte Betriebsabläufe,
die dazu führen, dass ein Patient in kürzester Zeit behandelt wird.
Noch mehr wird der Patient an Qualität und Transparenz gewinnen. Die
Mindestmengenregelung bedeutet, dass planbare Leistungen nur noch
das Krankenhaus anbieten darf, das eine Mindestzahl von Behandlungen
nach internationalen Standards und damit entsprechende Routine und
Qualität nachweisen kann. Ein Weiteres kommt hinzu: Das Gesetz verpflichtet
die Krankenhäuser, kontinuierlich ihre Leistungsqualität zu sichern
und zu verbessern. Ihre Qualitätsberichte müssen sie ins Internet
stellen. So wird die "Dunkelkammer" der Krankenhäuser geöffnet, Transparenz
für Patienten und Ärzte geschaffen, die sich über die jeweils besten
Leistungen informieren wollen.
Sicher, es hat am Anfang einige Unsicherheiten gegeben, da nicht alle
Fälle bedacht wurden. Im Laufe das Jahres 2003 wird der gesamte Prozess
durch ein neu gegründetes Institut begleitet werden, dessen Aufgabe
in nichts anderem bestehen wird, alle möglichen und denkbaren Fälle
und die Ergebnisse des medizinisch-technischen Fortschritts zu erfassen
und in das Fallpauschalensystem einzuarbeiten. Damit dürfte klar sein,
dass auch Jesteburg und seine neurologische Frührehabilitation nicht
in Gefahr sind. Ich werde diesen Prozess begleiten und biete an, sich
bei Schwierigkeiten an mich zu wenden."