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Pressemitteilung
Montag, 4. Juli 2005
 
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Bürgerpreis Landkreis Harburg 2005 wurde verliehen

Präventionsrat Seevetal und Courage Frauen- und Mütterzentrum Neu Wulmstorf erhalten Bürgerpreis / Elisabeth Tomm wird für Einzelengagement ausgezeichnet / Margarete Buchholz für Lebenswerk geehrt.


Der Präventionsrat Seevetal e.V. und das Courage Frauen- und Mütterzentrum Neu Wulmstorf e. V. sind die diesjährigen Preisträger des Bürgerpreises Landkreis Harburg. Wie im Jahr zuvor, als der Bürgerpreis zum ersten Mal vergeben wurde, hat sich die Jury damit in der Kategorie Projekte für zwei Preisträger entschieden – denn beide Projekte erhielten bei der Bewertung, die verschiedene Kriterien berücksichtigt, die gleiche Punktzahl. In der Kategorie Einzelengagement wird der Bürgerpreis an Elisabeth Tomm aus Stelle für ihre langjährige Betreuung von Russlanddeutschen vergeben. In der Kategorie Lebenswerk fiel die Entscheidung der Jury zugunsten von Margarete Buchholz aus Brackel. Mit der Ehrung ist ein Preisgeld von insgesamt 6.000 Euro ausgelobt – je 2.000 Euro pro Kategorie. Wie schon im vergangenen Jahr wird das Preisgeld in der Kategorie Projekte auf beide Preisträger verteilt. Mit dem Preisgeld sollen die bürgerschaftlichen Aktivitäten weiter gefördert werden.

Das Schwerpunktthema für die Vergabe des Bürgerpreises 2005 lautete: „Zusammen leben – Nachbarschaft neu entdecken.“ In Zeiten zunehmender Mobilität, Anonymität und Vereinsamung wird damit solches ehrenamtliche Engagement gewürdigt, das zur Gestaltung und Bereicherung des unmittelbaren Lebensumfeldes beiträgt und zwischenmenschliche Anteilnahme und Geborgenheit fördert.


Das Foto zeigt die Preisträger bei der Verleihung des
Bürgerpreises. Frau Tomm ist durch ihren Sohn vertreten.

Die Bürgerpreis-Jury – bestehend aus dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Harburg Buxtehude, Heinz Lüers, den Bundestagsabgeordneten Monika Griefahn und Michael Grosse-Brömer, Landrat Axel Gedaschko, sowie dem Direktor des Amtsgerichts Winsen, Albert G. Paulisch – mussten in diesem Jahr unter 16 Vorschlägen bzw. Bewerbungen die Bürgerpreis-Träger auswählen. Im vergangenen Jahr waren es 23. „Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie breit verankert und wie vielfältig das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Harburg ist und wie viele Menschen sich unter Zurückstellung persönlicher Interessen ehrenamtlich einbringen“, erläutert der Sprecher der Jury, Heinz Lüers. Die Jury habe mal wieder die Qual der Wahl gehabt. „Alle eingereichten Vorschläge haben unsere große Anerkennung und unseren Respekt verdient – wie überhaupt alles ehrenamtliche Engagement.“ Der Bürgerpreis setze ein wichtiges Zeichen für mehr öffentliche Anerkennung des freiwilligen Einsatzes. „Unsere Gesellschaft lebt von diesem Engagement – weit mehr, als oftmals angenommen wird“, so der Vorstandschef der Sparkasse. „Wenn wir dies mit der Preisverleihung bewusst machen können, hat der Bürgerpreis einen wesentlichen Zweck erfüllt.“

Mit dem Präventionsrat Seevetal, der 1998 als gemeinnütziger Verein gegründet wurde, würdigte die Bürgerpreis-Jury insbesondere die Vielseitigkeit des Projektes. Ziel ist es, mit verschiedensten Maßnahmen zur Eindämmung und Verhinderung von Kriminalität, Gewalt und Suchtgefährdungen insbesondere unter Jugendlichen beizutragen. Eng damit verbunden ist die Entwicklung und Förderung der Gemeinschaft – etwa in Schule und Familie – als Voraussetzung für die Integration von Jugendlichen, bei der alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte eingebunden werden. Rund 140 Mitglieder gehören dem Verein derzeit an – nicht nur Personen, sondern auch Institutionen und Unternehmen. Umgesetzte Projekte des Präventionsrates sind z.B. die Bunten Bahnhöfe Maschen und Meckelfeld, die Ausbildung von Konfliktlotsen an Seevetaler Schulen, Informationsveranstaltungen zu den Themen „Schule gegen Gewalt“ und „Drogenprävention“, ein Fußballturnier unter dem Titel „Fair-Play-Cup“, die jährliche Dorfputzaktion in Meckelfeld, die Aktion „Hilfe für Kinder“ in Seevetal und das Präventions- und Integrationsprojekt Seevetal an der Grund- und Hauptschule Meckelfeld. Neue Projekte sind unter anderem Pflegepatenschaften für Buswartehäuschen und Stromverteilerkästen sowie eine Anti-Graffiti-Aktion in Hittfeld.

Der zweite Preisträger in der Kategorie Projekte, das Courage Frauen- und Mütterzentrum Neu Wulmstorf, wurde 1996 gegründet, um Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Nach und nach entstand über einen „Offenen Treff“ mit Kinderbetreuung ein enges soziales Netzwerk, das Frauen und Familien unterstützt und mit dazu beiträgt, sie in Neu Wulmstorf zu integrieren und heimisch werden zu lassen. Courage, das seit 2002 Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist und rund 60 Mitglieder davon rund 30 freiwillige Helfer zählt, bietet soziale Beratung, viele Veranstaltungen, ein umfangreiches Kursangebot und Unterstützung für Selbsthilfegruppen. Außerdem hat das Mütter- und Familienzentrum die Trägerschaft für einen naturnahen Spielplatz sowie einen Kindergarten übernommen. Wie beim Präventionsrat Seevetal zeigte sich die Jury auch beim Courage-Zentrum von der Vielseitigkeit des Engagements und des Angebots überzeugt. Neue Entwicklungen würden aufgegriffen, und mit dem „Offenen Treff“ sei ein Ort der Begegnung geschaffen worden, der Anonymität und Einsamkeit vorbeuge.

Für die Betreuung von ca. 35 deutschen Aussiedler-Familien seit 1996 erhält die Stellerin Elisabeth Tomm den Bürgerpreis in der Kategorie Einzelengagement. Zunächst kümmerte Sie sich auf Anregung des damaligen Bürgermeisters um eine Familie aus Kasachstan, die der Gemeinde Stelle nach der Quotenregelung zugewiesen wurde. Im Laufe der Jahre nahmen die Anzahl der Aussiedlerfamilien und der Betreuungsumfang deutlich zu. Die Deutschkenntnisse der Aussiedler waren zunächst gering – und Elisabeth Tomm half beim Einkaufen, Einrichten von Bankkonten, bei Behördenangelegenheiten und allen Formalien, die zunächst für eine Einbürgerung in Deutschland notwendig sind. Ihr Engagement bezog sich aber auch auf die Integration dieser Familien in das Arbeits- und Gemeindeleben – sie stellte Kontakte zu Kindergärten und Schulen her, war Ansprechpartner für Lehrer und Erzieher, erkundete Umschulungsmöglichkeiten, half bei der Vermittlung von Wohnungen und in Arbeit und bahnte auch zahlreiche gesellschaftliche Kontakte der Aussiedler, etwa zu Vereinen, an. Sie ließ aber auch keine Gelegenheit aus, auf die spezifischen Nöte und Schwierigkeiten der Aussiedler hinzuweisen. Insbesondere ihrem freiwilligen Einsatz ist es zu verdanken, dass die Integration der Aussiedler in die Gemeinde Stelle enorm vorangeschritten ist und heute eine große Akzeptanz der Neu-Steller in der Gemeinde registriert werden kann. Auch derzeit steht Elisabeth Tomm den Familien als Ansprechpartnerin und mit Rat und Tat zur Seite. Die Bürgerpreis-Jury lobte ihr herausragendes Engagement, wobei die Wirkung der gelungenen Ausländerintegration auch im nachbarschaftlichen Bereich von hoher Bedeutung sei.

Margarete Buchholz aus Brackel, die für Ihr Lebenswerk geehrt wurde, gehört seit 62 Jahren dem Roten Kreuz an. Sie hat – insbesondere als Vorsitzende seit 1971 – maßgeblich daran mitgewirkt, dass der DRK-Ortsverein auf über 300 Mitglieder anwuchs und sich mit zahlreichen Hilfs- und Unterstützungsaktionen – etwa für Tschernobylkinder, das Albert-Schweitzer-Hospital Lambarene, die Palliativstation in Winsen oder die Bürgerstiftung Hospiz in der Nordheide – auch weit über ihre Heimatgemeinde hinaus erfolgreich engagierte. In Brackel selbst organisierte sie zahlreiche Angebote für Senioren, Frauen und Mädchen oder Pflegbedürftige. Darüber hinaus ist Margarete Buchholz seit 1945 Mitglied beim MTV Brackel, wo sie über die Jahrzehnte hinweg als Übungsleiterin tätig war. Sie war aber auch viele Jahre beratendes Mitglied im Samtgemeindeausschuss für Jugend, Sport und Soziales der Samtgemeinde Hanstedt, Mitglied im Kreisseniorenbeirat, seit über 30 Jahren Mitglied in den Gemeindewahlausschüssen sowie Geschäftsführerin der Brackeler Sterbekassen, und über 50 Jahre stand sie auch als Mitspielerin bei den Brackeler Theater- und Dorfabenden auf der Bühne. Bis 2003 war die heute 80-jährige noch teilzeitbeschäftigt in der Firma Webs in Brackel. Die Jury beeindruckte insbesondere das jahrzehntelange bürgerschaftliche Engagement von Margarete Buchholz in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen und mit einem ausgesprochen hohen persönlichen Einsatz.

 
Diese Pressemitteilung finden Sie auf: www.monika-griefahn.de