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Ich freue mich sehr, dass 2006 nun schon zum dritten Mal in Folge der „Bürgerpreis für den Landkreis Harburg“ verliehen werden kann. Möglich ist dies nur durch die dankenswerte Unterstützung der Sparkasse Harburg-Buxtehude und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Harburg, mit meinem Bundestagskollegen, Herrn Michael Grosse-Brömer MdB, und dem diesjährigen Jurymitglied Frau Irmtraud Viertel, langjährige Vorsitzende des Fördervereins Elbmarschkultur.
Es geht bei diesem Preis um das Bürgerschaftliche Engagement. Solch ein Einsatz von Menschen zahlt sich immer aus und zwar noch in viel mehr als nur in den Preisen, die in den drei Kategorien verliehen werden. Bürgerschaftliche Engagement macht eine lebenswerte Gesellschaft erst möglich und bringt jedem etwas: denen, die sich engagieren und denen, die unterstützt werden.
Das Thema des Bürgerpreises 2006 „Kultur verbindet“ ist deswegen wirklich gut gewählt. Einerseits ist es Bestandteil und Beweis von Kultur, wenn sich Bürger für eine gute Sache engagieren. Nicht umsonst findet dieses Engagement auch so oft direkt im kulturellen Bereich statt. Andererseits zeigt der Ausspruch „Kultur verbindet“, dass hier durch Projekte, Initiativen und die Arbeit im kulturellen Bereich, sich Menschen finden und zusammengebracht werden.
Ganz entscheidend trifft das für Kinder und Jugendliche und damit auf den Aspekt der kulturellen Bildung zu. Doch warum müssen wir Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Kunst und Kultur vermitteln? Ist es denn überhaupt nützlich in kulturelle Bildung zu investieren? Zugegeben: Diese Frage wird selten ausgesprochen. Sie gilt schließlich nicht gerade als politisch korrekt. Dennoch: unterschwellig steht diese Frage im Raume, besonders in Zeiten knapper Kassen. Daher sollten wir diese Frage ruhig aufgreifen und eine selbstbewusste Antwort geben.
So machen wir deutlich, worum es uns bei kultureller Bildung gehen muss, und worum nicht. Ich möchte drei Punkte herausheben:
Erstens: Durch musikalische oder andere kreative Bildung entwickeln Kinder Kreativität, soziale Kompetenz, Intelligenz und Ausdauer – alles Fähigkeiten, die ihnen in allen Lebenslagen helfen. Wer ein Musikinstrument lernt, entwickelt Möglichkeiten, die ganz entscheidend auch anderen Fächern wie Mathematik oder den Sprachen zugute kommen. Außerdem lernt man ja bekanntlich nicht für die Schule sondern für das Leben und genau dafür sind solche Fähigkeiten genauso dringend notwendig.
Gerade die Sinne der Kinder und Jugendliche, deren Fähigkeiten vor dem Fernseher und Computer verkümmern, werden durch Musik oder die bildenden Künste herausgefordert. Wer es schafft sie dafür zu begeistern, bekommt Kinder, die die Welt mit regen Augen sehen. Kinder, die in ihren Handlungen ebenso experimentierfreudig und unkonventionell ist, wie die Künste selbst.
Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte, betrifft die „kulturelle Intelligenz“. Vielfach wird über das zunehmende Inseldenken unserer Kinder geklagt. Unsere Wissensvermittlung krankt häufig daran, dass unsere Kinder verschiedene Inhalte nicht mehr miteinander verknüpfen. Für viele Kinder gehören Friedrich der Große und Voltaire in zwei verschiedene Schulfächer, die sich nie begegnen. Der erste ist Teil von Geschichte, der andere steht in Französisch auf dem Lehrplan.
Abhilfe kommt hier von einer richtig verstandenen kulturellen Bildung. Kunst, als ein Querschnittsphänomen, das alle Wissensbereiche unserer Gesellschaft tangiert, führt zu einem zusammenhängenden Wissen und ist eine Grundlage der Gesellschaft. Wir sind eine Kulturnation! Ein Kind mag den Strahlensatz aus der Mathematik verstehen. Aber erst dessen Anwendung im perspektivischen Zeichnen macht den Strahlensatz intuitiv begreifbar. Und schon sind wir bei einem ganz konkreten Beispiel, bei dem klar wird, dass die Beschäftigung mit der Kunst zu einem gesteigerten Interesse an anderen Fächern wie Mathematik führen kann.
Mein dritter Punkt betrifft das persönliche Glück und den Erfolg der Kinder. Die Beschäftigung mit Kunst gibt ihnen entscheidende Mittel an die Hand, um das eigene Leben zu meistern. Kulturelle Bildung erlaubt mehr über sich selbst zu erfahren und zu lernen, sich auszudrücken. Die Unterhaltung über die „Zauberflöte“ von Mozart oder über ein selbst gemaltes Bild ist Kommunikation, die sich nicht nur auf die Sachebene beschränkt, sondern Gefühle, Wünsche und Spannungen thematisieren kann. Das hilft für Konfliktfähigkeit.
Was sind also die Forderungen aus den drei genannten Punkten?
Es muss klar werden, dass kulturelle Bildung unverzichtbarer Teil der Bildung bei Kindern und Jugendlichen ist. Kulturelle Bildung muss geeignet sein, das Denken in Schulfächern und festen Rubriken zu überwinden. Kultur verbindet nicht nur Menschen. Kultur verbindet auch Wissen. Und das schaffen wir nur, wenn die schulische Bildung auch durch außerschulische Bildung ergänzt wird.
Bisher sind die Kooperationsformen von schulischer und außerschulischer Bildung noch lange nicht genügend ausgebaut. Hier sehe ich in dem Konzept der Ganztagsschule besonders große Chancen. Die Verzahnung von Unterricht und Freizeitgestaltung liefert den idealen Rahmen, um richtig kulturelle Bildung zu betreiben, mit den nötigen spielerischen Freiräumen.
Mit dem Ganztagsschulprojekt der Bundesregierung unter Gerhard Schröder haben wir den Ländern dafür 4 Milliarden Euro zu Verfügung gestellt. Leider haben viele Landesregierungen – unter anderem die Niedersachsens – nicht so davon Gebrauch gemach wie wir uns das vorgestellt haben.t. Doch dieses Engagement steht für uns weiter auf dem Programm. Unabhängig von dem Ergebnis einer Föderalismusreform haben wir im Koalitionsvertrag zusammen mit der Union festgeschrieben, dass die 4 Milliarden bis zur nächsten Bundestagswahl zur Verfügung stehen werden.
Das gibt den Ländern die Chance mit Ganztagsschulen einen großen Schritt in Richtung bessere Bildung und bessere Betreuung zu machen. Davon profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern, die wieder freier in ihren beruflichen Möglichkeiten werden.
Bei aller Bedeutung für die Ausbildung; Kunst und Kultur sollen in erster Linie Spaß machen! Deswegen sollte kulturelle Bildung immer einen spielerischen Aspekt haben. Erst so haben wir auch Erfolg mit den anderen angesprochenen Zielen. In diesem Sinne freue ich mich, dass wir in diesem Jahr mit dem Bürgerpreis in der neuen Kategorie „Junior“ unsere Kinder und Jugendliche ermuntern, sich auszuprobieren, und ihre Experimentierfreude fördern.
Ich gebe das Wort nun an meinen Kollegen, Herrn Michael Grosse-Brömer MdB.
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