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Donnerstag, 10. April 2008
 
Fair gehandelte Ware - eine Option für alle?

Monika Griefahn erklärte, sie sehe auch die Unternehmer in der Pflicht, für Fairness zu sorgen. Achim Lohrie von der Tchibo GmbH, dem fairen Handel gegenüber sehr aufgeschlossen, hört zu.

Dass die Einladung für eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fairer Handel“ aus dem Bereich der Wirtschaft kam, fand Monika Griefahn ungewöhnlich und spannend zugleich. Gerne sagte die Abgeordnete also zu, als eine Gruppe Schüler des Buchholzer Fachgymnasiums Wirtschaft einlud, zum Thema „Ist Fairtrade ökonomisch überhaupt vertretbar?“ zu diskutieren. Mit von der Partie waren neben Vertretern von CDU und Grünen auch Anke Steuber vom Verein Transfair, ein Vertreter der Firma Gepa und Achim Lohrie von der Tchibo GmbH.

Erstaunlich war eine Zahl, die die Schüler präsentierten. Bei einer Umfrage in Buchholz hatte sich herausgestellt, dass 83 Prozent der Befragten mit „Fair Trade“ nichts anzufangen wussten. Offenbar liegt es am Marketing, dass sich fair gehandelte Produkte, die es inzwischen auch in Discountern gibt, noch nicht gut verkaufen bzw. wenig bekannt sind.

Tchibo-Vertreter Achim Lohrie machte keinen Hehl daraus, dass für Unternehmen eine Aufnahme von fair gehandelter Ware ins Sortiment eine neue Möglichkeit sei, sich zu inszenieren. Nichtsdestotrotz heiße dass, dass man die Bedingungen für das Siegel dann auch erfüllen müsse. Tchibo sei gerade dabei, auch fair gehandelten Kaffee in seinen Filialen einzuführen und die dafür nötigen Handelsbeziehungen aufzubauen.

Monika Griefahn begrüßt diesen Schritt, konnte sie sich doch am Beispiel von Blumen selbst davon überzeugen, dass fairer Handel wirklich etwas bewirkt. Bei einem Besuch in Kenia hatte sie die Möglichkeit, eine Blumenplantage zu besuchen und mit den Arbeiterinnen dort zu sprechen. Die hatten erstmals ein faires Auskommen, Gesundheitsvorsorge und konnten sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern.

Für sie ist der Status „fair gehandelt“ wie die besondere Eigenschaft einer Marke zu sehen. Es sei dann in Ordnung, wenn man dafür einen ordentlichen Preis zahle. Sie äußerte sich jedoch besorgt darüber, dass die etablierten Siegel ihre Aussagekraft verlieren könnten, wenn fairer Handel zum Mainstream werde - was natürlich einerseits begrüßenswert sei. Andererseits aber habe man bei der Einführung des EU-Siegels für Bioqualität gesehen, dass etablierte Bio-Hersteller wie Bioland und demeter es dann schwerer hätten. Der Kunde kaufe allgemein „bio“, und die noch strengeren Richtlinien der Anbauverbände gerieten dabei leicht ins Hintertreffen.

Insbesondere durch die Ausführungen von Achim Lohrie zeigte sich, dass Verbraucher eine erhebliche Macht haben. Nach Medienberichten, die die Produktionsbedingungen bei der Herstellung von Tchibo-Kleidung angeprangert hatten, sei der Umsatz erheblich zurückgegangen. Und es sei sehr langwierig, solche Einbrüche wieder wettzumachen und das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen. Auch der Mineralölkonzern Shell hat das nach der geplanten und von Greenpeace vereitelten Versenkung der Ölplattform Brent Spar zu spüren bekommen. Monika Griefahn teilte diese Meinung, wollte die Unternehmen aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: „Was soll der Verbraucher alles tun?“, fragte sie. Er könne sich nicht über die gesamte Produktionskette sämtlicher Güter, die er kaufe, informieren. Die Unternehmen müssten einen Wertekodex einhalten, der schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung nicht in Kauf nehme.

Übrigens: Fairer Handel muss nicht zwingend etwas mit Entwicklungsländern zu tun haben. Bio-Anbauverbände zum Beispiel sorgen auch hierzulande mit fairen Preisen für Milchbauern für Konditionen, mit denen der Landwirt gerechter entlohnt wird als das bei konventionellen Produkten normalerweise der Fall ist.