Monika Griefahn sprach bei Landesverbandstagung der Musikschulen in Soltau:
Am 12. März war Monika Griefahn als örtliche Bundestagsabgeordnete wie auch Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien bei der zweitägigen Jahrestagung des Verbandes der Niedersächsischen Musikschulen in Soltau zu Gast. Sie freute sich, dass der Verband im Bereich der neu gegründeten Heidekreis-Musikschule Soltau-Fallingbostel tagte. „Es ist eine Musikschule, die noch mit kommunaler Förderung ausgestattet ist. In Zeiten knapper Kassen wird vielfach an der Musik- und Kulturförderung gespart.“ Die SPD-Politikerin machte kein Hehl daraus, dass sie dies für den falschen Weg hält. „Musikschulförderung sollte eine öffentliche Pflichtaufgabe sein. Private Musikschulen müssen sich mehr am Gewinn orientieren und können nicht alle Instrumente in der Breite anbieten, wie es eine staatliche Schule kann. Wo kann man heute noch Oboe lernen? Fast nur in öffentlich geförderten Musikschulen.“
Sie wünschte sich, es sollte ein Landesmusikschulgesetz geben. „Dann würden Musikschulen in allen Landkreisen gefördert und nicht nur in wenigen.“ Nicht glücklich zeigte sie sich mit der Haltung des Landes Niedersachsen, dass Landkreise, die Bedarfszuweisungen erhielten, sich in einer Zielvereinbarung mit dem Land verpflichten müssten, keine Musikschulen mehr zu fördern. „Warum gibt der Bund kein Geld, werde ich immer wieder gefragt“, erläuterte die Bundestagsabgeordnete. „Er würde ja gerne, weil wir alle es für eine wichtige Aufgabe halten, aber die Länder bestehen darauf, dass die Kulturhoheit in ihren Händen liegt. Dies rächt sich natürlich, wenn dann die Mittel für die Kulturarbeit vom Land zusammengestrichen werden. Wir können also nur einige Projekte über die Bundeskulturstiftung fördern – ansonsten sind uns die Hände gebunden. Der Bund hat die Mittel für Soziokultur verdoppelt, doch das kann nicht alles wettmachen, was vom Land gestrichen wird.“ Die eigentliche Arbeit laufe aber vor Ort. Da müsse man auf die Leute zugehen. Sie riet den Musikschulen, sich kommunale Unterstützung und Partner vor Ort zu suchen.
Kinder, die intensiven Musikunterricht haben, sind auch in anderen Schulfächern besser
Auch in Verbindung mit den Ganztagsschulen hält Monika Griefahn die Musikschulen für einen sehr wichtigen Partner, um Kindern Musik nahe zu bringen und die Lust am Musizieren zu wecken. Sie erinnerte an die Bastian-Studie, die sehr deutlich gemacht habe, dass Kinder, die in der Schule intensiv Musikunterricht gehabt haben, auch in anderen Fächern besser waren. „Da klappt es dann besser mit Mathematik oder mit dem Lernen von Vokabeln. Musische Bildung fördert erwiesenermaßen die Intelligenz und das Sozialverhalten. Auch das Zusammenspiel ist sehr wichtig, denn dabei lernen Menschen auch die soziale Kompetenz des aufeinander Hörens. Zudem sitzen Kinder heute immer länger vor dem Fernseher oder dem Computer. Sie nehmen dabei nur noch passiv wahr, wodurch die Allgemeinbildung und Persönlichkeitsentfaltung beeinträchtigt werden. Hier brauchen Kinder einen Gegenpol und da halte ich musikalische Bildung für eine geeignete Aufgabe.“
Man brauche auch neue Wege, um Musik zu transportieren. Monika Griefahn sprach das Projekt „Rhythm is it“ an, über das auch ein Dokumentarfilm gedreht worden ist. Hier arbeiteten die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle mit Kindern zusammen, die noch nie Kontakt mir klassischer Musik gehabt hatten. In einem gemeinsamen Arbeitsprozess schaffte es das Orchester mit den Kindern, Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ mit viel Spaß umzusetzen. „Es ist ein wunderschönes Erlebnis gewesen, die Gesichter der Kinder dabei zu sehen, die Ausstrahlung der Begeisterung. Auch durch solche Projekte wird kulturelle Kompetenz vermittelt.“
„Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit“
Musische Bildung sollte auch ein Bestandteil des lebenslangen Lernens ausmachen, stellte sie heraus. Ob also im Kindergarten, der Schule, der beruflichen Ausbildung oder der Erwachsenen-Weiterbildung – heute könne sich keiner mehr auf das einmal Gelernte zurückziehen und denken das reiche für das ganze Leben. Monika Griefahn stimmt dem Innenminister zu, der einmal sagte: Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit. „Wenn man bei der Musikförderung spart, muss man nachher mehr Geld in Resozialisierungsmaßnahmen und Polizisten investieren, die Kinder von der Straße holen“, hob sie hervor.
Reform der Musiklehrerausbildung ist notwendig
In ihrem Referat forderte die Bundestagsabgeordnete auch eine Reform der Ausbildung für Musiklehrer. „Der Mangel an Musikunterricht ist ein akutes Problem, das aber zum Teil damit zusammenhängt, dass es zu wenig ausgebildete Lehrer gibt. Egal ob Musiklehrer oder Musikschaffender, die Eingangsvoraussetzungen sind quasi gleich. Wir haben die Verpflichtung, dass die Ausbildung der Musiklehrer geändert wird. Wenn man z.B. Kindern etwas pädagogisch vermitteln kann und damit die Freude an der Musik weckt, muss man kein Klaviervirtuose sein, um ein guter Klavierlehrer zu werden.“ Das Musikstudium hält sie für dringend überarbeitungsbedürftig, um mehr Musiklehrer an die Schulen bringen zu können. 40 % der Musiklehrerstellen an den Schulen seien nicht besetzt, weil es keine geeigneten Bewerber gebe. „Wir haben die Situation, dass die Standards der Ausbildung der Musiklehrer in den Ländern unterschiedlich sind. Hier wäre es sinnvoll, gemeinsam zu arbeiten.“ Auch der Musikrat des Bundes versucht daran zu arbeiten.
„Der Luchs im Harz oder die Musikschulen – gefährdete Arten sind beide“
Abschließend wünschte Monika Griefahn den niedersächsischen Musikschulen viel Erfolg beim Weiterleben der Musikschulen, für die Arbeit vor Ort und für die Motivation der Kinder. „Keiner muss pessimistisch sein und wegen der sinkenden Zahl von Musikschulen verzweifeln. Es gibt viele Möglichkeiten unser Bildungssystem und die Musikschulen als wichtigen Bestandteil darin zu erneuern und zu verbessern. Mit der Gewissheit, dass wir uns auf Bundesebene weiterhin intensiv dafür einsetzen, kann ich versichern, dass ich ganz optimistisch für die Zukunft bin.“
Geert Latz, der Vorsitzende des niedersächsischen Musikschulverbandes dankte Monika Griefahn für ihren kompetenten Vortrag und wunderte sich, wie sie als ehemalige Umweltministerin sich jetzt auf dem Gebiet der Kultur engagiert. „Engagieren kann man sich überall“, entgegnete sie, „ob man sich nun für den Luchs im Harz oder für die Musikschulen einsetzt – gefährdete Arten sind beide.“