Archiv für den Autor: Monika Griefahn

A greener future for Kazakhstan?

By Monika Griefahn

Kazakhstan hasn’t been a major focus of attention for many people across Europe. Can the EXPO that took place in Astana recently change that?

Yes, Europeans may have heard about Kazakhstan’s long-time leader, Nursultan Nazarbayev, as well as the country’s political centralism. But have people across the continent also been paying attention to the EXPO 2017 that took place recently in Astana, the newly built capital in the middle of nowhere? (A city, incidentally, that doesn’t seem very environmentally friendly with its many motorways and its concrete high-rises equipped with air conditioners instead of windows.)

And in any case: what do we know about the people of Kazakhstan, apart from the fact that they have a lot of precious resources that all the world is interested in? Yet the country has a lot of interesting facets: its president, for instance, is attempting to position himself in a somewhat „neutral“ position between Russia and the other Asian powers. Young people grow up learning three different languages: Kazakh, Russian and English. The president attaches a lot of importance to the education of the country’s youth and staunchly supports the co-operation with the European Erasmus program. It provides young Kazakhs with the opportunity of attending a European university for a semester. Moreover, many people in Kazakhstan, even the younger ones, are a little worried about what might come after Nazarbayev, a man who, after all, has been in power for 26 years and is well into his 70s.

Now the country is staking new claims by hosting the EXPO 2017 Future Energy Forum, which is all about „green“ themes: the Kazakh pavilion showcased an exhibition of all forms of renewable energy, from wind, water and solar to geothermal power and biomass. (Interestingly, nuclear power is absent although it is also considered a form of renewable energy in Kazakhstan). Among the countless other pavilions there was also one featuring „best practices worldwide“ as well as an interactive German one that has been very well frequented. A lively cultural program completed the show and attracted visitors to the EXPO campus. It includes the popular DJ David Guetta, who brought out many young families with his trademark mix of electronic beats and pop music.

In addition the EXPO organisers had initiated a series of twelve conferences featuring international experts to look at topics including „energy for all“, „renewable energies and quality of life“, „technologies for de-carbonisation“ or even „international business and environmental policies“.

Those topics are no coincidence. After all, Kazakhstan has pledged to meet half of its energy demand from renewables by the year 2050. This in the face of unusual challenges – for example, it is hard to imagine that electric cars will become very popular in a region with temperatures ranging from minus 40 degrees centigrade in the wintertime to plus 40 degrees in the summer. Just think of how quickly batteries deplete in extreme temperature conditions.

I was invited to speak at one of the conferences. The idea that turned out to be the most popular – and that was even taken on by Kazakhstan’s biggest construction company for further investigation – was the concept of renting solar panels instead of buying them.

So far the solar revolution seems to stagnate because the necessary systems are too pricey for most people. With an average monthly income of the middle class – teachers, doctors and engineers – of roughly 500 US dollars the initial investment necessary for a solar energy plant is prohibitively expensive. The idea that an investor builds the systems and then rents them out is of course based on the Cradle to Cradle world of ideas and is intended to ensure that

–    the best materials are used
–    the systems do indeed last as long as the manufacturers promise
–    the raw materials can be re-purposed

After all, if the panels are returned to the manufacturers after the lease has ended, they themselves have a vested interest in using only the best materials.

A further discussion panel focused on the role that NGOs play in attempting to change politics and society. There are a number of NGOs active in Kazakhstan, and some of them have been very successful. One of the best-known groups is probably Nevada-Semipalatinsk, which brought an end to nuclear weapons testing in Semipalatinsk. However, the discussion was rendered a little theoretical by the fact that no NGOs were in attendance at the conference.

What I personally took away from my trip was the realisation that Kazakh people, and especially Kazakh women, are very inquisitive, open-minded, well educated and friendly and that they have a genuine interest in positively shaping the future. I am curious to see how the political situation will develop. Already the president’s daughter has called for the transformation of the presidential democracy into a parliamentary one.

Grüne Zukunft für Kasachstan?

Von Monika Griefahn

Kasachstan steht in europäischen Augen nicht immer gerade im Mittepunkt. Kann die derzeit in Astana laufende EXPO das ändern?

Ja, man hat vielleicht in Europa schon einmal etwas von dem Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew gehört, vom politischen Zentralismus in Kasachstan. Aber haben sich Europäer bislang für die EXPO 2017 interessiert – in der neu erbauten Hauptstadt Astana „in the middle of nowhere“? (Eine Stadt, die nicht sehr ökologisch erscheint mit ihren Riesenautobahnen und Betonhochhäusern, die mit Klimaanlagen statt Fenstern ausgerüstet sind).

Und überhaupt: Was wissen wir über die Kasachen, außer, dass es eine Menge Rohstoffe hat, die die Welt interessieren? Dabei gibt es eine Menge Interessantes: zum Beispiel, dass der Präsident versucht, sich quasi „neutral“ zwischen Russland und den anderen asiatischen Mächten auszutarieren. Dass die jungen Leute von Anfang an drei Sprachen lernen, kasachisch, russisch und englisch. Dass der Präsident viel Wert auf eine gute Bildung seiner Landeskinder legt und die Kooperation mit dem europäischen Erasmus-Programm sehr unterstützt. Das Programm gibt jungen Kasachen die Möglichkeit, ein Semester in einer europäischen Universität zu studieren. Und dass viele, auch junge Kasachen ein wenig Angst davor haben, was nach Nasarbajew kommt – immerhin ist er schon seit 26 Jahren im Amt und bereits weit über 70.

Und nun schlägt das Land mit der EXPO 2017 Future Energy Forum einen weiteren Pflock ein. Es geht um „grüne“ Themen: Der kasachische Pavillon präsentiert eine Leistungsschau aller erneuerbaren Energien von Wind über Wasser und Solar bis hin zu Geothermie und Biomasse (interessanterweise ohne Atomenergie, obwohl die in Kasachstan auch zu den Erneuerbaren zählt). Ferner gibt es einen Pavillon mit „best practices worldwide“ und neben vielen anderen auch einen sehr gut besuchten und interaktiven deutschen Pavillon. Abgerundet wird die Weltschau durch ein munteres Kulturprogramm, das die Leute auf den EXPO-Campus treibt, zum Beispiel zum dem Jugendschwarm DJ David Guetta. Als der seine Elektropopplatten auflegte, strömten Familien mit Kinderwagen und Kegel in den lauen Sommerabend.

Daneben organisierte die EXPO-Leitung eine Serie von zwölf Konferenzen mit Experten aus aller Welt zu Themen wie „Energie für alle“, „Erneuerbare Energien und Lebensqualität“, „Dekarbonisierungstechnologien“ oder auch „Internationale Wirtschafts- und Umweltschutzpolitk“.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Kasachstan hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahre 2050 seinen eigenen Energiebedarf zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Dabei stoßt das Land auf besondere Herausforderungen. Ich kann mir zum Beispiel schwer vorstellen, dass es eine große Zahl von Elektroautos geben wird bei Klimabedingungen von 40 Grad minus im Winter und 40 Grad plus im Sommer. Man denke nur daran, wie schnell sich Batterien bei extremen Temperaturen entladen.

Ich war eingeladen, auf einer der Konferenzen zu sprechen. Die Idee, die am besten ankam und sogar von dem größten Bauunternehmen aus Kasachstan zur Prüfung mitgenommen wurde, war, Solaranlagen zu vermieten, statt sie kaufen zu müssen. Bislang nämlich scheint die Solarwende zu stocken, da die Anlagen für die meisten Bauherren zu teuer sind. Bei Durchschnittgehältern der Mittelklasse – Lehrer, Ärzte, Ingenieure – von rund 500 US-Dollar fehlt das Geld für die Anfangsinvestition zumeist. Die Anlagen von Investoren bauen zu lassen und sie dann zu mieten, ist ein Vorschlag, der natürlich aus der Ideenwelt von Cradle to Cradle stammt und dazu dienen soll, dass
•    a. die besten Materialien genutzt werden,
•    b. die Anlagen auch wirklich so lange halten, wie die Hersteller versprechen und
•    c. dann tatsächlich die Rohstoffe zurückgewonnen werden können.

Denn wenn Hersteller die Anlage nach der Mietzeit zurückbekommen, haben sie selbst ein Interesse daran, nur gute Materialien verbaut zu haben.

Ansonsten ging es in einer weiteren Diskussionsrunde auch um die Rolle von NGOs beim Versuch, Politik und Gesellschaft zu verändern. Es gibt einige Nichtregierungsorganisationen in Kasachstan, die auch sehr erfolgreich waren. Eine der bekanntesten dürfte die Antiatomwaffenbewegung Nevada-Semipalatinsk sein, die in Semipalatinsk einen Stopp von Atomwaffentests durchsetzen konnte. Allerdings waren NGOs nicht auf der Konferenz, was die Diskussion ein wenig theoretisch machte.

Mitgenommen habe ich selbst von meiner Reise, dass die Kasachen und insbesondere die Frauen sehr interessiert, aufgeschlossen, gut ausgebildet und freundlich sind und wirklich ein Interesse haben, Zukunft zu gestalten. Ich bin gespannt, wie die politische Entwicklung weitergeht. Immerhin hat die Tochter des Präsidenten schon einmal darauf gedrungen, die präsidentielle Demokratie in eine parlamentarische zu transformieren.

Private or public – how should international aid be organised?

By Monika Griefahn / Picture: Mercy Ships

The Africa Mercy as the sun sets over the port of Cotonou, Benin 2017.

The main headlines about the G20 summit in the German city of Hamburg in June were about the heavy and destructive violence that was perpetrated by protesters. The fact that actual political agreements were made under the protection of a substantial security operation largely fell by the wayside. All the more reason to focus on what was actually achieved.

One example is Africa: in order to reduce social inequalities and differences in standards of living around the world the G20 member states founded an Africa partnership with the aim of enabling „sustainable and inclusive economic growth“ on the continent. The initiative is especially keen on creating humane income opportunities for women and young people. At the same time the group wants to combat poverty and inequality as the main causes behind migration. The final communiqué made reference to a „partnership at eye level“ as well as the private sector, improved opportunities for investments, sustainable infrastructure and even support in the educational sector.

So the discussion is focusing more or less on economic topics – and if one believes that investments and support for private enterprises does indeed contribute to wealth creation, that may be understandable. However, experience teaches that too often only few people benefit. The hope remains that the „sustainable economic growth“ mentioned in the final communiqué actually does refer to a form of growth that’s ecologically sound while at the same time respecting social issues such as fair wages, humane working hours and employee participation.

One issue that the final document does not mention at all is healthcare. In many African countries the provision of medical services to the population is generally of a comparably low standard – apparently the G20 intends to leave this aspect to NGOs, charities and volunteers. We can bemoan that fact, or we can act ourselves.

One project that I find remarkable in this context is Mercy Ships, an NGO that aims to improve access to basic medical care in developing countries. The Africa Mercy is a non-military hospital ship. The entire crew of over 400 people consists of volunteers. Doctors and dentists aboard the ship are able to help in emergency situations. They are also able to perform surgical procedures that aren’t available locally in the country where the ship is moored. An additional important aspect is the fact that the crew takes on volunteers with other qualifications – recently, a nautical engineer from the Costa cruise group joined up. The NGO also co-operates with government agencies in order to improve local medical systems. All this work depends on donations.

What both kinds of development aid – private as well as public – should feature in practice is the approach at eye’s level. I suppose that many developmental measures have failed in the past because they didn’t take into account local cultures, special traditions or specific behaviours. If there’s one thing we should have learned during decades of international development aid it should be to not repeat those mistakes. Every culture requires its own individual approach.

More Information about Mercy Ships

Final communiqué of the G20 summit

Study: can conservation and the energy transition co-exist?

By Petra Reinken

Windräder an der Nordseeküste
Here’s the good news: yes, we can! Christina von Haaren of the Institute of Environmental Planning at the University of Hanover and her team are currently preparing a study for the Federal Ministry of the Environment in Germany to find out whether Germany can achieve its energy transition by 2050 in a fashion that is environmentally sound. The key question is whether the goals of the electricity revolution in Germany and the principles of environmental protection can be streamlined. And indeed: shortly before the completion of the research scientists say that yes, it is possible.

However, Fritz Brickwedde from the German Renewable Energy Federation (BEE), sitting next to von Haaren during the recent presentation of the study’s preliminary results in Berlin, shook his head. Germany had long lost its status as a trailblazer in the field of renewable energies, the former secretary general of the German Federal Environmental Foundation (DBU) said. „We are missing our goals every day because we have the wrong tax incentives.“ As an example Brickwedde cited a tax incentive the Federal government has created for oil-fired heating systems, saying: „When it comes to the energy transition, we are acting counterproductively and inconsistently.“

The general reaction from the podium to Brickwedde’s arguments was that the regulatory framework could after all be changed. Christina von Haaren for one wasn’t ready to have her optimism taken away from her. Her study features three scenarios under which Germany’s electricity needs can be fully covered through renewable energy sources by the year 2050 without any harm to the environment. What’s remarkable: all three scenarios in the study are based on the assumption that solar energy will make up significantly more than half of Germany’s future electricity mix and that all eligible roofs in residential areas will feature photovoltaic cells. Land-based wind energy would become the other main pillar of the energy transition – depending on the scenario it would cover between 19 and 32 per cent of Germany’s electricity needs. However, von Haaren does acknowledge that “political frameworks and a social awakening are necessary in order to make the energy transition sustainable and achievable by 2050.”

The largest portion of the discussion between the five panellists focused on the topic of wind energy, and specifically on the availability of eligible space and distance rules. The important issue of “power to gas”, which relates to the storing of excess wind energy was not addressed even though the technology could make the construction of further long distance electricity links obsolete.

Another issue that wasn’t mentioned was the question of why high energy savings are being factored into many projections regardless of the fact that in the past expected savings have almost always been neutralised by rebound effects and the introduction of new energy intensive equipment. Furthermore, nobody challenged the twice-mentioned sentiment that the energy transition in the automotive world was almost entirely unconnected to environmental issues. In reality, an electric car requires just as much traffic space as a conventional car does – every bridge and every bypass road has a negative impact on nature.

But maybe in the end it’s simply about this clear statement: yes, we can! If that is the case then what are we waiting for?

An abriged version of the preliminary study results in German is available here.

Privat oder Staat – so kann Entwicklungshilfe aussehen

Von Monika Griefahn / Foto: Mercy Ships

The Africa Mercy as the sun sets over the port of Cotonou, Benin 2017.

Im Gedächtnis geblieben ist der G20-Gipfel im Juli in Hamburg maßgeblich durch heftige, zerstörerische Ausschreitungen von G20-Gegnern. Dass abgeschirmt von der Gewalt die zusammengekommenen Politiker aber tatsächlich Vereinbarungen getroffen haben, ist weitgehend untergegangen. Grund genug, das Augenmerk gerade darauf zu legen.

Nehmen wir Afrika: Um Ungleichheiten von Gesellschaften und Lebensstandards auf der Welt zu verringern, haben die G20-Staaten eine Afrika-Partnerschaft gegründet. Es soll „nachhaltiges, inklusives Wirtschaftswachstum“ auf dem Kontinent ermöglichen. Vor allem für Frauen und Jugendliche sollen menschenwürdige Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. Armut und Ungleichheiten als Ursache von Migration will die Gruppe bekämpfen. Im Abschlusskommuniqué ist von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“ die Rede, vom privatwirtschaftlichen Sektor, von verbesserten Rahmenbedingungen für Investitionen, von nachhaltiger Infrastruktur, sogar von Unterstützung im Bildungsbereich.

Es ist also mehr oder weniger von Wirtschaftsthemen die Rede – und geht man davon aus, dass Investitionen und die Förderung von Unternehmen tatsächlich zum Wohlstand beitragen, mag das nachvollziehbar sein. Allein, die Erfahrung zeigt, wie oft nur einige wenige profitieren. Bleibt zu hoffen, dass „nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ im Abschlusskommuniqué auch wirklich ein Wachstum meint, das ökologisch vertretbar ist und soziale Belange – gerechte Löhne, Mitbestimmung, humane Arbeitszeiten – berücksichtigt.

Was gar nicht in dem Abschlussdokument vorkommt, ist die Frage der Gesundheitsversorgung. Sie, die in den afrikanischen Ländern generell auf vergleichsweise niedrigem Niveau ist, ist offenbar den gemeinnützigen Organisationen und dem Ehrenamt überlassen. Wir können das bedauern, oder wir können uns engagieren.

Ein Projekt, das ich in dieser Hinsicht lobenswert finde, ich Mercy Ships. Diese Nichtregierungsorganisation (NGO) will den Zugang zur medizinischen Grundversorgung in Entwicklungsländern verbessern. Die Africa Mercy ist ein Lazarettschiff, hat aber mit dem Militär nichts zu tun. Das Besondere: Die gesamte, mehr als 400 Helfer starke Besatzung ist ehrenamtlich tätig. Auf dem Schiff arbeiten Ärzte und Zahnärzte, die in akuten Situationen helfen können, aber auch Operationen durchführen, die es vor Ort nicht gibt. Wichtig ist, dass sich auch Ehrenamtliche melden, die andere Qualifikationen haben (wie zum Beispiel gerade ein Maschineningenieur der Costa-Kreuzfahrtgruppe). Außerdem arbeitet die NGO mit Regierungen zusammen, um das lokale Gesundheitssystem zu verbessern. Auch dafür braucht es Spenden.

Was wir bei beiden „Projekten“, der privaten Hilfe und den staatlichen Bündnissen, in der Praxis nicht vergessen sollten, ist die Augenhöhe. Vermutlich sind schon viele Entwicklungshilfemaßnahmen daran gescheitert, dass lokale Kulturen nicht berücksichtigt, besondere Traditionen nicht erkannt und spezifisches Verhalten nicht verstanden wurde. Wenn wir eines in den vergangenen Jahrzehnten der Entwicklungshilfe gelernt haben sollten, dann, diesen Fehler nicht mehr zu machen. Alle  Kulturen benötigen jeweils individuelle Lösungen.

Mehr zu Mercy Ships
Das G20-Abschlusskommuniqué

Emotion Award – A Prize for women who inspire

By Monika Griefahn  (photographs: Franziska Krug/Getty Images for Emotion.award)

Dr. Alexandra Widmer? Heike Langguth? Annette Pascoe? None of them are names necessarily known to everyone. And yet all of these women have recently received the Emotion Award in Germany. It’s an award that recognised women who inspire others. For instance, the category „Women in Leadership“ is given to women who „promote a special corporate culture and redefine employee development as well as to women who managed to made a name for themselves in a male domain, thereby paving the way for other women.“ In general, any female company director is eligible, and it is for this reason that I am especially happy for the lesser known laureates. For the award means that they are being creative and achieve a lot in their respective areas of responsibility without being the subject of much publicity.

However, the special award was given to a woman whose name has been known for decades in German politics: Rita Süssmuth. I worked with her for years in the Interparliamentary Union and therefore I know that she has always lobbied for equality. In her party, the German Christian Democratic Union (CDU), she fought for a women’s quota, which for the longest time must have been a rather frustrating debate within the party. In the 1980s she was the Federal Minister for Family Affairs and the President of the Bundestag for ten years. Now she is 80 years old and she is as committed as ever.

And there is another beautiful aspect to the award: while it’s all about women it’s not a purely female event. Around one fifth of the audience consisted of men, and men also were part of the jury deciding whom to honour with the awards. The presenters of the awards included GErman television personalies Johannes B. Kerner and Jörg Thadeusz. It’s great because it illustrates that more and more men are ready to honour the lifetime achievements of women and that individual and strong women’s biographies are becoming more and more mainstream. The fact that the magazine „emotion“ is keeping women’s issues at the forefront of the public debate, even though it currently may not be in very great demand, is very important.

Apart from the „Women in Leadership“ category – which, among others, was given to Heike Langguth, director of the riot police of the federal state of Thuringia – the Emotion Award is also awarded in the categories „Social Values“, „Special Team Award Hand in Hand“, „Entrepreneurs/Founders“, „Woman of the Hour“ and „Lifetime Achievement“ (Rita Süssmuth). It’s a worthwhile endeavour to read up on the 19 laureates, which anyone can do on the Emotion Award’s web site (in German).

Utopian ideas and clear outlines against political disillusionment

By Monika Griefahn


Already, the campaign for this year’s parliamentary elections in Germany is looming. In order to inspire citizens, and especially young people, to get involved with politics (again) the Friedrich Ebert foundation and our local Member of Parliament, Svenja Stadler from the Social Democratic Party (SPD), decided to organize an alternative talk show. The subject: “Talking to each other instead of complaining about one another – an alternative talk show on political disillusionment.“

Both the headline and the question of what exactly would be alternative about the event made me curious, so I decided to attend. The concept, as it turned out, was similar to that of the popular German television chat show “Hard But Fair”. The discussion, in the northern German town of Buchholz, was streamed live to the Internet, with viewers being able to contribute to the debate. However, the interconnection between the actual live debate and the online chat didn’t work out very well – the high number of verbal contributions on stage almost drowned out the live chat, all but turning the two into separate events.

Nevertheless, the discussion itself proved informative: Dr Matthias Micus of the Göttingen Institute for Democracy Research took the disillusionment of many citizens with politics, parties or politicians seriously. The dynamic, he said, had hollowed out the political parties as the most important pillar of the political system in Germany. As a result fewer and fewer eligible voters decided to lend their electoral support to the major people’s parties.

“Participation”, Micus said, “depends on interest, which in turn depends on the perceived effectiveness of one’s own actions.” Whenever people lost the belief that they could change or influence things, he added, participation waned. Although the overall level of voluntary engagement was on the rise, those who had already been sidelined could no longer be reached, even through new and unconventional instruments of participation. The resulting gap, Micus warned, was widening. On those occasions where people did end their personal passivity and were politically reactivated, they tended to do so in a pessimistic and distrustful manner. Micus then formulated a demand: “The established forces must better defend the political parties because they are filters against populism.”

In order to inspire people to become invested in politics again, Micus believes, political parties have to reach out to them and initially kindle their interest with non-political offerings and without any self-interest, thereby lowering psychological barriers. This, he said, could eventually pave the way towards more political engagement. At the same time Micus called on the major people’s parties to offer more utopias and visions: “Mobilisation is a result of clear political profiles and distinctiveness.”

So, how disillusioned is the population with regard to politics? The youngest member of the panel, Sophie Röhse from Buchholz youth council, said: “I do believe that there’s an interest in politics. But although it is very relevant to young people, they don’t tend to feel represented.” Even if this is the case, it means that there must be young people who actively get involved – otherwise, who will represent young people?

Indeed some participants of the discussion were not perceived as much as they could have been and also didn’t take part much in the debate – which, after all, is exactly what we don’t want. Young Sophie Röhse for example was hardly included in the conversation, and local politician Martin Gerdau also didn’t get the opportunity to contribute much. As mentioned above, the online chat also didn’t figure very prominently, and didn’t remain accessible for later reference.

The idea of an alternative chat show is a good one, and the concept may indeed become highly participative. However, the actual realisation is something that requires some more work.

Emotion Award – Preis für Frauen, die begeistern

Von Monika Griefahn (Fotos: Franziska Krug/Getty Images for Emotion.award)


Dr. Alexandra Widmer? Heike Langguth? Annette Pascoe? Das sind Namen, die man nicht unbedingt kennt, und dennoch sind diese Frauen jetzt mit dem Emotion Award ausgezeichnet worden. Bei diesem Preis geht es allgemein darum, Frauen zu würdigen, die begeistern. In der Kategorie „Frauen in Führung“ etwa wurden Frauen gesucht, „die eine besondere Firmenkultur fördern, die Mitarbeiterförderung neu definieren. Und Frauen, die sich in Männerdomänen einen Namen verschafften konnten, die den Weg für andere Frauen ebnen.“ Das kann grundsätzlich jede Firmenchefin sein, und darum freue ich mich sehr auch für die unbekannteren Preisträgerinnen. Denn die Auszeichnung bedeutet, dass sie in ihrem eigenen Verantwortungsbereich ohne viel Publicity kreativ arbeiten und Vieles leisten.

Den Sonderpreis bekam allerdings doch eine Frau, deren Namen man seit Jahrzehnten kennt: Rita Süssmuth. Ich habe mit ihr lange in der Interparlamentarischen Union zusammengearbeitet und weiß, dass sie sich immer für Gleichberechtigung eingesetzt hat. Sie hat in ihrer Partei der CDU für die Frauenquote gekämpft, was sicherlich lange Zeit eine eher frustrierende Auseinandersetzung in der Partei gewesen sein muss. Sie war in den 1980er Jahren Bundesfamilienministerin und zehn Jahre lang Präsidentin des Deutschen Bundestages. Jetzt ist sie 80Jahre alt und engagiert wie eh und je.

Und noch etwas ist schön an diesem Preis: Es geht um Frauen, aber es ist keine reine Frauenveranstaltung. Ins Publikum hatten sich vielleicht 20 Prozent Männer gemischt, und auch in der Jury entschieden Männer über die Preisvergabe mit. Zu den Laudatoren gehörten Johannes B. Kerner und Jörg Thadeusz. Das alles ist fein, denn es zeigt, dass immer mehr Männer Leistung und Lebenswerk von Frauen honorieren – dass eigene, starke Frauenbiografien selbstverständlicher werden. Dass die Zeitschrift „emotion“ das Frauenthema mit einer ehrenvollen Veranstaltung wie der Preisverleihung aufrechterhält, obwohl es derzeit vielleicht nicht so sehr Konjunktur hat, ist wichtig.

Der Emotion Award wird neben der Kategorie „Frauen in Führung“, wo unter anderem die oben genannte Heike Langguth als Leiterin der Bereitschaftspolizei Thüringen sich den Preis verdient hat, auch vergeben in den Kategorien „Soziale Werte“, „Team Sonderpreis Hand in Hand“, „Unternehmerinnen/Gründerinnen“, „Frau der Stunde“ und „Lebenswerk (Rita Süssmuth). Es lohnt sich, sich über die 19 Preisträgerinnen einmal genauer zu informieren – und das geht auf der Internetseite des Emotion Awards. Hier entlang!

Utopien und klare Konturen gegen Politikverdrossenheit

Von Monika Griefahn

Der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 wirft seine Schatten voraus. Um Menschen und besonders junge Menschen (wieder) für Politik zu interessieren, legten die Friedrich-Ebert-Stiftung und unsere SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler den Finger in die Wunde und luden zur alternativen Talkshow ein. Das Thema: „Miteinander reden statt übereinander klagen. Eine alternative Talkshow zur Politikverdrossenheit“.

Der Inhalt und die Frage, was an der Veranstaltung alternativ sein würde, machten mich neugierig, und so ging ich hin. Das Konzept, stellte sich dann heraus, war angelehnt an die Sendung „Hart aber fair“. Die Diskussion in Buchholz wurde per Livestream in Internet übertragen, und „da draußen“ diskutierten Zuhörer mit. Die Verzahnung von Vor-Ort-Debatte und dem Online-Chat gelang indes nicht gut – aufgrund vieler direkter Wortbeiträge wurde der Livechat fast vollständig vergessen und blieb letztlich eine separate Veranstaltung.

Die inhaltliche Analyse war aufschlussreich: Dr. Matthias Micus vom Göttinger Institut für Demokratieforschung nahm die Verdrossenheit der Bürger ernst – sei es nun Politik-, Partei- oder Politikerverdrossenheit. Denn diese Verdrossenheit habe die Parteien als wichtigste Säule des politischen Systems in Deutschland porös und instabil gemacht. Und immer weniger Wahlberechtigte entschieden sich für die Volksparteien.

„Partizipation“, sagte Micus, „hängt vom Interesse ab, und das hängt vom Selbstwirksamkeitsempfinden ab.“ Wo der Glaube herrsche, man könne nichts verändern, da schwinde die Partizipation. Zwar sei das ehrenamtliche Engagement insgesamt gestiegen, aber jene, die schon im Abseits stünden, würden auch durch neue, unkonventionelle Instrumente der Partizipation nicht erreicht. Die Schere klaffe auseinander, und wer aus der Passivität zurückdränge in die Aktivität, tue das meist nicht konstruktiv, sondern pessimistisch und misstrauisch. Micus forderte: „Die etablierten Kräfte müssen Parteien offensiver verteidigen, denn sie sind Filter gegen Populisten.“

Um Menschen wieder für Politik zu gewinnen, so Micus, müssten Parteien sie zunächst über unpolitische Angebote wieder interessieren, erst einmal ohne Eigennutz, denn dann würden Hemmschwellen abgebaut. Das könne schließlich wieder zu politischem Engagement führen. Gleichzeitig forderte er von den Volksparteien, wieder Utopien und Visionen anzubieten, denn: „Eine Mobilisierung überhaupt ergibt sich aus klaren politischen Profilen und Unterscheidbarkeiten.“

Wie politikverdrossen ist die Bevölkerung nun? Die jüngste Kandidatin auf dem Podium, Sophie Röhse vom Jugendrat in Buchholz, sagte: „Ich glaube, es gibt ein Interesse an Politik. Sie ist auch relevant für junge Menschen, aber die fühlen sich nicht repräsentiert.“ Das mag so sein, aber das bedeutet auch, dass es junge Menschen geben muss, die sich aktiv engagieren – wer sonst soll die jungen Leute repräsentieren?

Tatsächlich aber wurden einige Teilnehmer des Podiums nicht besonders wahrgenommen und konnten nicht so recht an der Diskussion partizipieren – genau das, was wir doch nicht wollen. So wurde die junge Sophie Röhse kaum in das Gespräch einbezogen, und der engagierte Kommunalpolitiker Martin Gerdau kam ebenso selten zu Wort. Der Internetchat lief wie gesagt nebenher und war später auch nicht mehr einsehbar.

Die Idee der alternativen Talkshow war also gut, und das Konzept könnte wirklich partizipativ werden – wenn an der Umsetzung noch ein bisschen gearbeitet wird.

Bäume hören nicht auf McKinsey

Von  Petra Reinken

Der Österreicher Erwin Thoma ist gelernter Forst- und Betriebswirt. Heute, mit Mitte 50, ist er Inhaber eines Unternehmens, das Massivholzhäuser baut – und zwar ohne Schrauben, ohne Leim. Er ist auch Autor, und er hat eine Botschaft: Seid wie die Fichte!

„Die Fichte ist der Baum, der am wenigsten kann“, erzählt Erwin Thoma bei einem unterhaltsamen Vortrag in Hollenstedt. Der Zimmereibetrieb Holzbau Mojen hatte dazu ins Weinkonzept im Gewerbegebiet eingeladen. Mehrere hundert Zuhörer ließen sich vom Referenten aus Österreich in die Wunderwelt der Bäume entführen und vom Massivholzbau begeistern. Und vielleicht auch davon, ein bisschen mehr zu sein wie die Fichte, wie der Baum, der am wenigsten kann. „Das Holz der Fichte ist nachgiebig“, sagt Thoma, „der Baum schmalbrüstig, seine flachen Wurzeln überlassen das Erdreich den anderen.“ Trotzdem sei die Fichte der Baum, der sich am weitesten durchgesetzt habe. „Wie kann das sein?“

Thoma löst das Rätsel selbst auf: „Die Fichte, die hätte jeder gerne als Nachbarn. Sie tut niemandem weh, sie kann teilen, sie wird gerne geduldet. Und damit kommt sie am weitesten.“ Diese Kooperationsbereitschaft der Fichte, die sei auch das Credo für sein Leben geworden. Dass er sein Wissen über den Wald, die Bäume und den Massivholzbau in Büchern veröffentliche – es mit anderen teile – das habe sich zig-fach ausgezahlt durch Aufträge bis hin ins ferne Japan. „Bäume hören nicht auf McKinsey“, fasst Thoma zusammen – ein Seitenhieb auf alle Unternehmensberater mit Ellenbogenmentalität.

Eindringlich ließ er die Zuhörer teilhaben an seiner Familiengeschichte: dass er die Firma mit seinem Großvater zusammen gründete, der weise sagte: „Du musst das Holz in seiner besten Form verwenden: schlage es bei abnehmendem Mond“. Dazu ließ er sich mehr überreden als überzeugen, doch heute sagt er in seinem so stark österreichischen Dialekt, dass der Norddeutsche ihn phasenweise kaum versteht: „Wos der Opa g‘wusst hat, des is a Woahnsinn!“ Seine „Mondbäume“ zeigten sich deutlich resistenter gegenüber Pilzen und Insekten als Bäume, die zu anderen Zeiten geschlagen wurden. Chemische Behandlungen, die aus dem Naturstoff Holz Sondermüll machen, brauchen sie nicht.

In seiner besten Form – das bedeutet auch: massiv. Thoma hat eine Massivholzbauweise entwickelt, die einzelne Holzlagen verzapft, sodass keinerlei Schrauben nötig sind. Gleichzeitig behält der Naturstoff seine hervorragenden Eigenschaften was Dämmung, Feuerfestigkeit und Temperaturkonstanz angeht. Der Unternehmer hat all dies in seiner Laufbahn beweisen müssen, um Baugenehmigungen zu bekommen. Und zusammen mit dem Mediziner Maximilian Moser bewies er auch noch, dass das Wohnen im Holzhaus den Menschen gesundheitlich guttut: Es stärkt das Immun- und Nervensystem und sorgt für einen tieferen Schlaf. Der Herzschlag verlangsamt sich. Thoma selbst scheint der beste Beweis: Es ist 55 Jahre alt und dabei ein Mann mit unbändiger Energie. Sein Vortrag trägt weit über den Abend hinaus. Bleibt nur am Ende die Frage, was man nun tun soll, mit dem Backsteinhaus, in dem man wohnt.