Archiv für den Autor: Monika Griefahn

… dann kommt der Preis eben zu ihr

Von Monika Griefahn / Right Livelihood Award Foundation

Eigentlich haben wir den letzten Right Livelihood Award („Alternativen Nobelpreis“) im November 2016 verliehen. Da aber unsere Preisträgerin Mozn Hassan aus Ägypten nicht ausreisen durfte, konnte sie an der Zeremonie in Stockholm nicht teilnehmen. Nun kam der Preis zu ihr: Eine Delegation unserer Stiftung, begleitet von Abgeordneten aus dem deutschen, schwedischen und dem Europaparlament war Ende März in Kairo, um das Engagement der Frauenrechtlerin Mozn Hassan und der Gruppe Nazra zu würdigen und ihr den Preis zu überreichen.

Wir hoffen, ihrem Anliegen damit eine Stimme zu verleihen und der jungen Frau und ihren MitstreiterInnen Stärke zu geben. Denn: Ihre Situation ist schwierig. Aufgrund ihres Engagements für die Gleichstellung von Mann und Frau droht ihr die Schließung der Organisation. Die Konten sind bereits eingefroren, sodass keine Gehälter oder Mieten mehr bezahlt werden können. Mit einem neuen NGO-Gesetz versucht die ägyptische Regierung, alle Bürger, die nicht ausschließlich die Meinung der Regierung vertreten, mundtot zu machen. Nach diesem Gesetz ist es verboten ausländisches Geld für zivilgesellschaftliche Arbeit in Ägypten anzunehmen. Die Angst war vor und selbst bei der feierlichen Zeremonie immer im Raum, und dennoch blieb Mozn Hassan mutig und unerschrocken. Sie reiht sich ein in die Riege der Preisträger, die die drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angehen – auch unter Lebensgefahr.

Für unsere Delegation war die Reise eine Gelegenheit, die fragile Situation in Ägypten hautnah zu erleben. Im Vorhinein war nicht klar, ob wir einreisen durften, ob wir den Raum, den wir angemietet hatten, wirklich für die Feierlichkeiten nutzen konnten und ähnliche Unsicherheiten mehr. Es hat geklappt, und viele engagierte Menschen aus der ägyptischen Gesellschaft sind gekommen und haben einen Abend lang gefeiert. Viele fühlten sich gestärkt – allein dadurch, dass die Right Livelihood Award Foundation sie beachtet und würdigt.

Leider wissen wir nicht, wie lange die scheinbare Ruhe hält. Am nächsten Tag, nachdem wir das Büro von Nazra besucht hatten, kam die Geheimpolizei. Wie lange die Organisation – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – überhaupt noch arbeiten kann, ist unklar.

Nachfolgend die Pressemitteilung, die unsere Stiftung über die Preisverleihung herausgegeben hat:

Trotz Ausreiseverbot: Ägyptische Feministin Mozn Hassan erhält ihren „Alternativen Nobelpreis“

Die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, die sich derzeit nicht international bewegen kann und der eine 25-jährige Haftstrafe droht, hat ihren „Alternativen Nobelpreis“ in einer privaten Zeremonie in Kairo entgegengenommen.

Sie erhielt ihn gemeinsam mit ihrer Organisation Nazra für feministische Studien „für ihr Bestehen auf Frauenrechte und auf die Gleichstellung der Frau in Umständen, in denen sie und ihre Organisation Opfer von fortdauernder Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung sind.“

Hassan konnte der Verleihungszeremonie in Stockholm im November 2016 nicht beiwohnen, da sie Ausreiseverbot hat. Die ägyptischen Machthaber verhängten es gegen sie und andere prominente Aktivisten. Ihr Vermögen und das von Nazra ist eingefroren – Teil von derzeit laufenden Ermittlungen gegen diverse ägyptische NGOs mit dem Vorwurf, ausländische Gelder angenommen zu haben.

In ihrer Dankesrede sagte Hassan: “Die Entscheidung der Right Livelihood Award Stiftung, für die Preisverleihung nach Ägypten zu kommen, ist wirklich wichtig. Denn sie bedeutet, dass uns Wertschätzung und Solidarität auch bei einem Ausreiseverbot erreichen kann. Heute fühlen wir, dass die Arbeit der ägyptischen Frauenrechtlerinnen, besonders nach 2011, von verschiedenen Akteuren auf der ganzen Welt gesehen und wertgeschätzt wird.“

Zur Verleihung, die auf dem Restaurant-Schiff Le Pacha 1901 stattfand, kamen rund 150 Gäste, darunter wichtige Personen der ägyptischen Zivilgesellschaft, europäische und ägyptische Parlamentarier, andere Preisträger, Diplomaten und Würdenträger.

Die Stiftungsvorsitzende Monika Griefahn überreichte den Preis. „Mozn Hassan und Nazra für feministische Studien verkörpern die jüngste Generation in einer langen Reihe von Anführerinnen der ägyptischen Frauenbewegung. Alle haben eine unglaublich wichtige Rolle gespielt, um die Gleichberechtigung im Land voranzubringen.“

„Die derzeitigen Sanktionen gegen Mozn Hassan und Nazra sind nicht nur ungerecht, sondern machen es auch schwieriger, ihre wichtige Botschaft weiter zu verbreiten und den Frauen in Ägypten und im weiteren Nahen Osten Stärke zu geben“, fügte Griefahn hinzu. Sie forderte, dass alle Anschuldigungen gegen Hassan fallengelassen werden sollten.

In der Zeremonie sprach auch Lynn Boylan, die im europäischen Parlament die Sinn Féin Partei vertritt. Sie sagte: „Überall auf der Welt versuchen jene, die sich von starken Frauen bedroht fühlen, diese loszuwerden und zu beleidigen. Aber Feministen werden sich nicht unterkriegen lassen. Jede neue Generation wird weiter starke und mutige Frauen haben bis die Gleichberechtigung durchgesetzt ist.“

Cecilia Magnusson, Mitglied im schwedischen Parlament, sagte: „Auch in Schweden gibt es für Frauenrechte noch etwas zu tun, aber es ist wichtig, dass wir, die wir schon so viel erreicht haben, jenen den Rücken stärken, die in anderen Ländern kämpfen, wo noch so viel im Argen liegt.“

Bärbel Höhn als Mitglied im Deutschen Bundestag sagte: „In Deutschland haben wir ebenfalls hart für unsere Rechte kämpfen müssen. Es brauchte Veränderungen in der Gesellschaft, auch Veränderungen in der Sichtweise der Männer, die nicht gewillt waren ihre Macht abzugeben. Aber es ist Fakt: Eine Gesellschaft, die die Fähigkeiten von der Hälfte der Bürger ungenutzt lässt – also die der Frauen -, wird nie die besten Ergebnisse erzielen und verschwendet ihre Möglichkeiten.

Mit der Verleihung des „Alternativen Nobelpreises“ an Mozn Hassan und Nazra geht die Auszeichnung das dritte Mal an Menschen und Organisationen in Ägypten: 1980 bekam Hassan Fathy, bekannt als der „Architekt der armen Leute“ den Preis. Die Entwicklungsinitiative Sekem und ihr Gründer Ibrahim Abouleish erhielten die Auszeichnung im Jahr 2003.

Zur Organisation Nazra

Environmental activists from around the world debate Cradle to Cradle

By Monika Griefahn

At this year’s meeting of environmental award winners from all over the world in the southern German city of Freiburg, participants from Brazil, China, India and other countries showed a lot of interest in the Cradle to Cradle design concept. After the introductory talk on the subject a lively and fruitful discussion took place.

The meeting of international environmental award winners is organised every year by the European Environment Foundation. Participants get a chance to meet each other and, ideally, to initiate co-operations across national borders. Around 100 activists take part every year. Life isn’t always easy for them in their home countries – the annual meeting gives like-minded people an opportunity to gather strength for the challenges associated with their daily activities. The fact that life as an environmentalist can be very dangerous has been gravely underlined by the case of Berta Cáceres, who was murdered in her own home in Honduras in 2016 because she fought against illegal construction projects. With this firmly in mind the award winners formulated a final declaration at the conference urging an end of the suppression of environmental activists (see pdf file at the end of this article).

The participants of my workshop about Cradle to Cradle outbid each other with questions and contributions to the discussion. Two topics that arose during the debate were of particular interest to me: One was the question of whether C2C production necessarily had to be more costly than conventional means of manufacturing. My answer was no – oftentimes the transformation of a product into one that conforms to C2C specifications comes with a reduction of components. While the decoding of the old formula and the development of a new one may be more costly the new product itself can however be less expensive than the old one.

Participants also argued that C2C products should come with a dedicated label in order to advertise their inherent value. Of course Cradle to Cradle already does offer a possibility to undergo a process of certification. In gradual steps from basic to platinum it shows how much a manufacturer has already analysed his product: how well does he know its components, has he replaced problematic components, has he developed and deployed a functioning returns system? In the end however, it’s all about transparency, which ideally should be attainable without a label. Certification processes make products more expensive after all. However, as labels seem to increase credibility, certainly in an international context, each and every enterprise must consider for itself whether certification makes sense. Participants at the workshop tended to feel that a label was important to provide a degree of orientation.

I am glad to have been able to make Cradle to Cradle better known internationally. Now I hope the attendees will spread the idea around in their respective home countries by telling colleagues at NGOs, companies and in their communities. For one thing is clear: Sufficient stimulation to do so certainly wasn’t lacking at the meeting.

Environmental laureates‘ call to end repression against environmental defenders

Video of Cradle to Cradle masterclass

 

Internationale Umweltaktivisten diskutieren über Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

Beim diesjährigen Treffen internationaler Umweltpreisträger in Freiburg interessierten sich Teilnehmer aus Brasilien, China, Indien und anderen Ländern auch für das Cradle to Cradle Designkonzept. Wir hatten nach dem einführenden Vortag über das Konzept eine lebhafte, interessante Diskussion.

Das Treffen der internationalen Umweltpreisträger wird alljährlich von der European Environment Foundation organisiert. Es gibt den Teilnehmern die Chance, sich kennenzulernen und im Idealfall gemeinsam grenzübergreifend zu arbeiten. Ungefähr 100 Aktivisten nehmen in jedem Jahr teil. Die engagierten Menschen haben es in ihren Ländern nicht immer leicht – so ist die Jahrestagung auch eine Möglichkeit, unter Gleichgesinnten Kraft zu tanken für die Herausforderungen der eigenen Arbeit. Dass Umweltschützer unter Umständen gefährlich leben, zeigen Beispiele wie das von Berta Cáceres, die 2016 in ihrem Haus in Honduras getötet wurde, weil sie sich unter anderem gegen illegale Bauprojekte einsetzte. Die Preisträger verfassten auch aus diesem Anlass zum Ende der Konferenz einen Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten (siehe PDF am Ende des Artikels).

In meinem Workshop zu Cradle to Cradle, überschlugen sich die Teilnehmer mit Fragen und Diskussionsbeiträgen. Besonders interessant für mich waren in der Diskussion zwei Themen: Zum einen die Frage, ob C2C-Produktionen immer teurer seien als herkömmliche. Das konnte ich verneinen, denn oft geht die Veränderung eines Produkts nach C2C-Kriterien mit einer Verringerung der Inhaltsstoffe einher. Die alte Rezeptur zu entschlüsseln und eine neue zu entwickeln, mag mehr Geld kosten. Das neue Produkt selbst kann dann aber unter Umständen sogar günstiger werden als das alte.

Zum anderen verfochten die Teilnehmer die Ansicht, man brauche ein Label, um die C2C-Wertigkeit deutlich zu machen. Nun ist es auch bei Cradle to Cradle möglich, einen Zertifizierungsprozess zu durchlaufen. Der zeigt in verschiedenen Abstufungen von Basic bis Platin, wie sehr sich ein Hersteller schon mit seinem Produkt beschäftigt hat: Wie gut kennt er die Inhaltsstoffe, hat er problematische Inhaltsstoffe ausgetauscht, hat er ein funktionierendes Rücknahmesystem entwickelt? Letztlich aber geht es doch hauptsächlich um Transparenz, die auch ohne Label möglich ist. Der Zertifizierungsprozess macht das Produkt letztlich teurer. Offenbar aber sorgen Zertifizierungen für eine höhere Glaubwürdigkeit – mindestens im internationalen Kontext – sodass jedes Unternehmen überlegen muss, ob sich der Prozess bezahlt macht. Die Teilnehmer des Workshops jedenfalls fanden ein Label zur Orientierung wichtig.

Ich freue mich, Cradle to Cradle international bekannter gemacht zu haben. Nun hoffe ich, dass sie in ihren Ländern davon erzählen – bei den Kollegen aus den NGOs, den Unternehmen und den Kommunen. Anregungen gab es in der lebhaften Diskussion dazu allemal.

Masterclass-Video hier ansehen

Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten

„Inside Fukushima“

By Monika Griefahn (Photo: Andreas Conradt)


It’s very important that we all remind ourselves of the following: on the occasion of the sixth anniversary of the nuclear catastrophe at the Fukushima power plant in Japan the literature festival “Reading without Nuclear Power” took up a topic that’s all but forgotten – the plight of “disposable workers” at nuclear power plants. The discussion panel in Hamburg, which I chaired, featured a number of high-profile participants: the Japanese journalist Tomohiko Suzuki presented his book “Inside Fukushima”, which had been published in German only a few days earlier. For his research he worked covertly in the damaged power plant so it was an obvious choice to also invite the German investigative journalist and author Günter Wallraff onto the podium. In the 1980s he also went undercover to expose the recruitment structures for power plants within the nuclear industry. The actress Anna Thalbach read from “Inside Fukushima” to stunning effect while Sebastian Pflugbeil, an expert on the nuclear lobby and the President of the German Society for Radiation Protection (GSS) revealed a wealth of detailed information from national and international regulation authorities. If the topic wasn’t so depressing and the experiences of the undercover researchers so terrible – and terribly similar – the 500 members of the audience, as well as myself, could have returned home with a spring in our steps.

However, what we heard was truly sobering: Suzuki described his colleagues from his time undercover as ordinary people who need money. Recruitment, he said, was the responsibility of the Yakuza, the Japanese mafia, whose members were recognised people well-grounded in society.

Günter Wallraff recounted similar findings from 1980s Germany. He said those responsible for the recruitment of staff for especially dangerous tasks in nuclear power stations had been well-connected “human traffickers” who were acknowledged by local political actors. He added that even homeless persons had been recruited because the maximum radiation dose for workers at the time was reached very quickly and therefore many people were needed. It’s not for nothing that critics call these people “disposable workers”.

Indeed, nuclear expert and critic Sebastian Pflugbeil supports these claims on the basis of publicly available data. According to a 2011 answer by the federal government in response to a parliamentary query by the Left party in 2009 roughly 6,000 regular employees worked and were being monitored for radiation exposure in 17 nuclear power plants across Germany. In contrast, more than 24,000 subcontract staff also worked there and were being monitored. “Specialists on permanent contracts are too expensive to be exposed to high dosages of radiation because it makes them unusable too quickly”, Pflugbeil summarized matter-of-factly.

He rates as strange the way Japan treats nuclear power. In spite of the experiences the country made at the end of the Second World War, when nuclear bombs were dropped on Hiroshima and Nagasaki, the Japanese liked to repress the topic, he said. He added that institutions of higher education were afraid to deal with the issue and that projects that made the danger more visible were redacted.

Suzuki confirmed this. He said the aftermath of the Fukushima tsunami had not been as dramatic as had initially been feared, which had led many to believe that the accident didn’t compromise everyday life and that the nuclear energy issue could somehow be brought under control. Nevertheless, Suzuki is convinced that one day there will be no more nuclear power plants on the planet. Maybe his book will play a small part in reaching this goal.

Information about the book

Festival „Reading without Nuclear Power“

Nothing is lost! Cradle to Cradle pioneers from the garment sector debate

By Cradle to Cradle e.V. – slightly amended, slightly shortened and with many thanks!


After having served its intended purpose for several years a well-loved denim jacket is laid to rest as compost, thereby remaining in the natural cycle in the form of nutrients. The metallic buttons meanwhile are repurposed as a new raw material in the technical cycle – nothing is lost!

This is what the future of our clothes could look like under the Cradle to Cradle concept. Successes that the concept can already take credit for in the garment sector, innovative ideas that only wait for their realisation and stumbling blocks that still remain – those were the topics at the expert forum #2 „textiles – cycles – procurement – supply chains“ at the Sarah Wiener Restaurant in Berlin. It was one of a series of industry-specific events that aim to bring together practitioners from society, business as well as politics.

Experts from fields including the garment industry, fashion design, politics, consulting and research debated topics such as healthy textiles, material cycles and transparent supply chains. The challenges surrounding homogenous separation of natural and artificial materials as well as their return to the natural and the technical cycles were on the agenda, as was the basic application of healthy materials. Opening the meeting, Monika Griefahn stressed the significance of the garment sector as it is a daily part of everyone’s lives. Cradle to Cradle, she said, stood for health, quality and especially for cycles.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parliamentary State Secretary at Germany’s Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Building and Nuclear Safety, said the textile industry was one of the industries with the highest turnovers and outlined the German government’s political objectives: by the year 2020 half of all textiles procured for the public sector must adhere to sustainability standards. She emphasised the public sector’s special function as a role model in this regard.

Designer Friederike von Wedel-Parlow described the poignant experiences she made at the Paris Fashion Week, which inspired her to come up with new concepts for create clothes. Once she came upon the Cradle to Cradle idea, she began realising it in creative ways with her master students in her role as professor for a course in „Sustainable Design Strategies“ at the ESMOD Berlin International Academy of Fashion. In the autumn of 2016 she founded the „Beneficial Design Institute“ where together with different companies she’s been working to achieve market maturity for different Cradle to Cradle products. She said it was the responsibility of future consumers to learn how to pass the garments on to the appropriate recipients.

Albin Kälin, founder and director of EPEA Switzerland GmbH, brought several practical examples from his work for different companies from the garment industry. For instance he used a bra to demonstrate the necessity of rethinking textiles because, he said, „with its different components a bra is a cocktail of chemicals.“ He added that it was a challenge to find healthy alternatives to the materials used previously and to feed them back into their respective cycles homogenously. He said the Wolford products for 2018 that had recently been unveiled in Paris were a step in the right direction.

Volker Steidel, executive partner at Lauffenmühle, a manufacturer of yarns and fabrics, used the story of his product infinito to show how much creative effort can go into developing materials that represent real solutions. Already Infinito, a polymer fibre that is biologically recyclable, could be used to make great products that would adhere to Cradle to Cradle standards. Steidel also stressed the importance of transparency „from the fibre to the final product“. He said the work clothes used in his own company were produced under Cradle to Cradle criteria and were especially suitable for being recycled.

After the debate the guests engaged in another important activity – enjoy dinner and continue the discussion in direct conversation. Company representatives met individual attendees including staff from the Federal Ministry for Development and the Federal Ministry for the Environment, designers, representatives of several different C2C enterprises as well as decision-makers from various institutions and companies.

A third expert forum is already being planned, which, on a forthcoming date in the summer, will likely focus on the topic of packaging.

„Inside Fukushima“

Von Monika Griefahn (Foto: Andreas Conradt)

Wie wichtig, dass wir uns das alle noch einmal klarmachen: Anlässlich des sechsten Jahrestages der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat das Literaturfestival „Lesen ohne Atomstrom“ ein fast vergessenes Thema aufgegriffen: „Wegwerfarbeiter“ in Atomkraftwerken. Die Diskussionsrunde in Hamburg, die ich moderiert habe, war großartig besetzt: Der japanische Journalist Tomohiko Suzuki stellte sein Buch „Inside Fukushima“ vor, das nur wenige Tage zuvor auf Deutsch erschienen war. Und weil er dafür undercover in dem havarierten Atomkraftwerk gearbeitet hatte, war es mehr als naheliegend, den deutschen Enthüllungsautoren Günter Wallraff mit aufs Podium zu holen. Auch er hatte in den 1980er Jahren undercover die Strukturen der Personalrekrutierung für Atomkraftwerke aufgedeckt. Schauspielerin Anna Thalbach las mit beeindruckender Wirkung aus „Inside Fukushima“, und Sebastian Pflugbeil als Kenner der Atomszene und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz  sorgte für viele Details auch aus den nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden. Wäre es nicht so ein bedrückendes Thema gewesen, wären die Erlebnisse der Undercover-Recherchen nicht so entsetzlich – und entsetzlich ähnlich –, die rund 500 Zuhörer und ich hätten beschwingt nach Hause gehen können.

Doch was wir hörten, war ernüchternd: Die Arbeiter seien einfache Menschen, die Geld bräuchten, beschreibt Suzuki seine Kollegen aus der Undercover-Zeit. Die Rekrutierung läge in den Händen der japanischen Mafia, der Yakuza. Ihre Angehörige seien anerkannte Personen und hervorragend in der Gesellschaft verankert.

Nichts anderes berichtet Günter Wallraff aus den 1980er Jahren in Deutschland. Die „Menschenhändler, die die Mitarbeiter für besonders gefährliche Aufgaben in Atomkraftwerken rekrutierten, seien bestens vernetzt und angesehen in der lokalen Politik gewesen. Sie hätten sogar Obdachlose rekrutiert, da die Höchst-Strahlendosis seinerzeit für die Arbeiter sehr schnell erreicht wurde und man jede Menge Leute benötigte. Nicht umsonst nennen Kritiker diese Menschen „Wegwerfarbeiter“.

Tatsächlich stützt auch Atomkenner und –kritiker Sebastian Pflugbeil diese Aussagen auf Basis zur Verfügung stehender Daten. Im regulären Betrieb von 17 deutschen AKW standen 2009 nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken den knapp 6000 Mitarbeitern des Eigenpersonals, die in Bezug auf die Strahlenbelastung überwacht werden, gut 24.000 überwachte Fremdarbeiter gegenüber. „Festangestellte Fachleute“, stelle Pflugbeil nüchtern fest, „sind zu teuer, um sie hohen Strahlendosen auszusetzen, sie sind dann zu schnell nicht mehr einsetzbar.“

Japans Umgang mit der Atomkraft ist für ihn befremdlich. Trotz der Erfahrung mit den zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgeworfenen Atombomben in Hiroshima und Nagasaki schöben die Menschen das Thema gerne weg. An Hochschulen gebe es eine Furcht, sich mit dem Thema zu beschäftigen – Projekte, die die Gefahr plastisch machen, würden zurückgezogen.

Das bestätigt auch Suzuki: Die Folgen des Fukushima-Tsunamis seien nicht so dramatisch gewesen, wie zunächst befürchtet. So habe sich mehrheitlich der Eindruck durchgesetzt, der Unfall gefährde den Alltag nicht und man würde die Kernenergie schon in den Griff bekommen. Dennoch glaubt er, dass es irgendwann keine Atomkraftwerke auf der Welt mehr geben werde. Vielleicht trägt er mit seinem Buch ein kleines bisschen zu diesem Ziel bei.

Zum Buch „Inside Fukushima“

Zur Veranstaltung „Lesen ohne Atomstrom“

 

Nichts geht verloren! Cradle to Cradle Pioniere aus der Textilbranche diskutieren

Vom Cradle to Cradle e.V. – leicht geändert, leicht gekürzt und mit herzlichem Dank!


Die geliebte Jeansjacke wandert, nachdem sie lange gute Dienste erwiesen hat, einfach auf den Kompost und bleibt so als Nährstoff im natürlichen Kreislauf erhalten. Die metallischen Knöpfe werden zu einem neuen Rohstoff im technischen Kreislauf… Nichts geht verloren!

So kann nach dem Cradle to Cradle Konzept die Zukunft unsere Textilien aussehen. Welche Erfolge mit Cradle to Cradle im Textilbereich bereits erzielt wurden, welche innovativen Ideen nur noch auf ihre Umsetzung warten und welche Hürden noch genommen werden müssen, darum ging es beim Expertenforum #2 „Textilien – Kreisläufe – Beschaffung – Lieferketten“ im Sarah Wiener Restaurant in Berlin. Die Veranstaltung gehört zu einem Format, das branchenbezogen Praktiker aus der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik  zusammenbringen soll.

So diskutierten Experten unter anderem der Textilindustrie, Modedesign, Politik, Beratung und Forschung zu den Themen gesunde Textilien, Materialkreisläufe und transparente Lieferketten. Die Herausforderungen rund um die sortenreine Trennung natürlicher und künstlicher Materialen sowie ihre Rückführung in den natürlichen bzw. technischen Kreislauf, aber auch der grundsätzliche Einsatz gesunder Materialen wurden erörtert.

Zu Beginn betonte Monika Griefahn die Tragweite des Themenfeldes Textilien als wichtigen Bestandteil unseres täglichen Lebens. Cradle to Cradle stehe für Gesundheit, für Qualität und insbesondere für Kreisläufe.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, bezeichnete die Textilbranche als einen der umsatzstärksten Wirtschaftszweige und informierte über die Ziele der Politik: Die Bundesregierung habe sich bis 2020 verpflichtet, die Hälfte der öffentlich beschafften Textilien anhand von Nachhaltigkeitsstandards auszuwählen. Sie unterstrich die Bedeutung der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand.

Designerin Friederike von Wedel-Parlow schilderte ihre einschneidenden Erlebnisse auf der Pariser Modewoche, die sie dazu bewogen, sich mit neuen Konzepten zur Gestaltung von Textilien zu beschäftigen. So stieß sie auf die Cradle to Cradle Idee, welche sie seitdem in ihrer Funktion als Professorin für „Sustainable Design Strategies“ an der Kunsthochschule ESMOD mit Masterstudierenden auf kreative Weise umgesetzt hat. Im Herbst 2016 gründete sie das „Beneficial Design Institute“ und arbeitet dort mit verschiedenen Firmen an der Marktreife von Cradle to Cradle Produkten. Die Aufgabe der zukünftigen Konsumenten sei es dann zu lernen, die genutzten Textilien an die richtigen Adressaten zu geben.

Albin Kälin, Gründer und Geschäftsführer der EPEA Switzerland GmbH, brachte mehrere Praxisbeispiele aus seiner Arbeit mit verschiedenen Textilunternehmen mit. Unter anderem veranschaulichte er die Notwendigkeit eines Neudenkens von Textilien am Bespiel eines BHs, „weil ein BH mit seinen verschiedenen Bestandteilen ein Chemiecocktail ist.“ Für die bisher verwandten Materialien gesunde Alternativen zu finden und diese anschließend sortenrein in ihre entsprechenden Kreisläufe zurückführen zu können, sei eine Herausforderung. Mit den kürzlich in Paris präsentierten Wolford-Produkten sei man ab 2018 auf dem Weg.

Volker Steidel, seines Zeichens geschäftsführender Gesellschafter beim Garn- und Gewebehersteller Lauffenmühle, zeigte unter anderem anhand der Geschichte seines Produkts infinito, wie mit viel schöpferischer Kraft Materialien entwickelt werden können, die echte Lösungen darstellen. Mit der Polymerfaser infinito, die biologisch kreislauffähig ist, könnten wir bereits heute „tolle Produkte machen“, die Cradle to Cradle Standards entsprächen. Er betonte auch die Wichtigkeit von Transparenz „von der Faser bis zum Endprodukt“. Gerade Berufskleidungen seiner Firma, die heute besonders nach Cradle to Cradle Kriterien hergestellt würden, eigneten sich besonders für Kreisläufe.

Nach der offiziellen Diskussionsrunde taten die Gäste das, was auch wichtig ist – etwas essen und die Gespräche untereinander weiterführen. So trafen sich Firmenvertreter und Einzelpersonen – darunter Mitarbeiter aus dem Bundesentwicklungs- und dem Umweltministerium sowie Designer, Vertreter unterschiedlicher C2C Unternehmen und Entscheider verschiedenster Institutionen und Unternehmen.

Ein drittes Expertenforum ist bereits in Planung – voraussichtlich wird es an einem Termin im Sommer um das Thema Verpackungen gehen.

Hier geht es zum Cradle to Cradle e.V.

GAME 2016 – Experiences in a scientific exchange program

Ein interessanter Bericht von Dea Fauzia Lestari, Master-Studentin aus Indonesien, die im Rahmen eines Austausch-Projektes in Deutschland zur maritimen Umwelt geforscht hat. AIDA Cruises hat das Projekt unterstützt, und Dea Fauzia Lestari berichtet in Englisch über ihre Forschungsarbeiten.

Von Dea Fauzia Lestari, Indonesien

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“I’d like to share a couple of the hundreds of experiences I had while in Germany for GAME 2016 research exchange.

My name is Dea Fauzia Lestari, currently I’m completing a Master’s degree in Marine Science of Bogor Agricultural University at Indonesia. I joined GAME (Global Approach by Modular Experiment) which was conducted by GEOMAR, Kiel. This research exchange was followed by 10 participants from different universities around the world, such as Germany, Portugal, Spain, Indonesia, Japan, and Chile.

We had 10 months for our program, we spent 4 months in Kiel, Germany (March, October – December 2016) and 6 months in our own countries (April – September 2016). We had many activities during GAME program. For example we visited Geltinger Birk and a fossil beach area in Maasholm. We learned about the importance of protected areas for animals and its relation to human life. Additionally in the fossil beach we learned how to recognize fossil shapes of marine organism which could be found on the flaky rock. Another activity was a one day excursion with Alkor, one of GEOMAR research vessels, it was a very memorable experience. We joined benthos sampling in the Baltic Sea with benthic researchers of the institute.  As young researchers we also got the chance to spend the night at a light house in the Wadden Sea area, a UNESCO world heritage site. During the fieldtrip we observed organisms and phenomena that occurred in the very large intertidal zone.

The main activity of the program was a laboratory experiment using marine filter feeder. We worked together with one foreign partner student. My partner came from Spain, so I did not work alone on the lab. In Indonesia we used Asian green mussel Perna viridis and we took it from Banten Bay, Indonesia. We tested interaction effects of different temperature and microplastic levels (as stressor) on physiological effect. This research is important to investigate the phenomena on the environment which become trending topic like global warming and microplastic pollution. The result showed different responses for each stressor. Perna viridis was highly reactive to heat stress and microplastic on respiration rate but not for the interaction of both stressor. High temperature also influenced the survival rate of this mussel species.

It is not so easy to work together with many different people, different brains, and different characters. But in this program we learned how to make a good team work and respected each other to get to the same main purpose. Many days were used for discussions and data analysis of our experiment result. We were also required to be able to convey and communicate our research results to the public such as in presentations and scientific papers. Hence we got the training about how to have a good presentation and write a scientific journal. After getting the training we presented the research result in Bogor Agricultural University and several universities in Germany such as Kiel, Bremen, Rostock, Oldenburg, and Hamburg University. Additionally, the presentations have been conducted in Toxicology Institute of Kiel, GEOMAR, and school kids.

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We also had the opportunity to present our result in front of our sponsor. In this event I meet the Chief Sustainability Officer of AIDA Cruises as my sponsor. I appreciated this company because it is a company who cares for science and environment issues. This company continually supports the GAME program from year to year. This support is needed by young researchers like me to keep working on science and have the opportunity to work abroad.

After my own experience, I now believe that research exchange programs can develop human resources and are the most powerful way to see another world from science perspective.“

War without rules: Syria’s White Helmets between recognition and bitter reality

By Monika Griefahn

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As a way of sending out a message against the war in Syria the Right Livelihood Award Foundation this year gave one of its four Right Livelihood Awards – also often referred to as the Alternative Nobel Prizes – to the Syrian White Helmets. What courageous people! In this war, which has been raging for several years and in which all rules seem to have been thrown overboard, the White Helmets rescue those who have been injured or buried alive from destroyed buildings and from the debris of their lives. Watching footage of their work gives me goose bumps. And then, only one day after the awards were announced, a large portion of their equipment was destroyed in the relentless bombing in Aleppo. I am helpless with rage.

The White Helmets, also known as the Syrian Civil Defence, are a group of around 3,000 volunteers who have been risking their lives since 2013 in order to save others. They’ve been able to save tens of thousands of people from the rubble of war, regardless of their religion or their political views. They also attempt to reconstruct damaged infrastructure and to educate people about safety measures so that they learn how to better protect themselves. The war turned tailors, teachers and merchants alike into fire fighters and emergency relief workers. Many of them have been killed in the most recent fighting. We mourn for them all!

It is good to know that even in times of such dramatic circumstances as we currently witness them in Syria humanity can persevere. It’s good that the barbarism of others won’t rub off on those who believe in the good. I hope that being honoured with an Alternative Nobel Prize will help the White Helmets in Syria to not lose their courage.

Ahmad al-Youssef is a member of the Syrian Civil Defence. He travelled to Stockholm for the awards ceremony and, at the end of November, also spoke before the newly founded parliamentary group „Alternative Nobel Prize“ in the German Bundestag. Afterwards, the MP Michael Brand read al-Youssef’s speech before the parliament. Many thanks for that.

Ahmad al-Youssef’s speech:

„My name is Ahmad al-Youssef. I am from Syria and I am here to represent the Syrian Civil Defence, also known as White Helmets, the only organisation dedicated to rescuing civilians who are victims of the daily bombings in Syria. We have approximately 3,000 volunteers spread across 120 bases who have decided to put their lives on the line in order to save human lives in one of the most dangerous places on earth where the morals of the world have disappeared in the face of barbarism and the organised crime that is being perpetrated against not only the Syrian people but against all of mankind. To be completely frank, I am at a complete loss – I am standing helplessly before you as well as before my relatives in Syria – and especially before those in the eastern region of Ghuta near Damascus as well as in Aleppo. Aleppo, where the world is watching today how people are being slaughtered, and where the world is watching how entire cities are being destroyed.

To be honest I hesitated before agreeing to come here. I remember my comrades, my 150 comrades of the Civil Defence, who, when performing their work attempting to save human lives, were killed themselves. I have spoken to many of them and I have left them behind. They are looking death in the eye and I don’t know what message I should take back to them.

We appreciate greatly the fact that you have decided to bestow this award upon us. We are thankful for all awards because they are messages of solidarity that give us hope. We are also thankful for the ambulances and fire engines that you send us and that help us rescue civilians before they’re bombed by Syrian and Russian planes. At the same time I feel embarrassed to accept these awards while our relatives in Syria are being killed on a daily basis.

At this very moment while I am speaking to you civilians in eastern Aleppo are being made homeless. They escape from catastrophe. They walk through rubble looking for shelter. Meanwhile the injured are bleeding to death in the face of the doctors‘ inability to offer them medications or treatment after Syrian and Russian planes have destroyed all hospitals and clinics. Image for once how dramatic this situation is. What’s happening in Syria is an indescribable and unbelievable horror, and the incapability of the world to initiate steps in order to end all this is just as unbelievable! What will come of all this, the tragedies, the pain and the hatred is also unbelievable.

We carry the message of life to our people and into the world. Where are our partners? Who is prepared to aid us in Syria in the face of death and to accompany us on the path of life? Stand by us, ladies and gentlemen! Stand by us! Stand by humanity!“

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Speech of Michael Brand in the German parliament.

More about the Syrian White Helmets.

„Alternativer Nobelpreis“ – Besuch beim Bundespräsidenten und im Bundestag

Von Monika Griefahn, Vorsitzende des „Alternativen Nobelpreises“

Right Livelihood Award 2016 Stockholm 11 / 2016 Photo: Wolfgang Schmidt

Right Livelihood Award Stockholm 11/2016; Foto: Wolfgang Schmidt

Zunächst war es eine Hiobsbotschaft, dann machten wir das Beste daraus – und vielleicht ist es jetzt sogar besser als vorher: Der Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) durfte 2016 nicht mehr im schwedischen Reichstag verliehen werden, wo er seit 1985 alljährlich verliehen worden ist. In diesem Jahr also waren wir gezwungen, für die Zeremonie ein Umfeld zu finden, das genauso gut deutlich macht, wie wertvoll dieser Preis für die ist, die ihn bekommen. So erhielten die Preisträger ihre Urkunden 2016 im Stockholmer Vasa Museums vor der Kulisse des pompösen und so kläglich untergegangenen historischen Kriegsschiffes Vasa. Ein wunderbares Symbol für unser Anliegen!

In diesem Jahr ging der Preis an die russische Menschenrechtlerin Svetlana Gannushkina, an die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, an die Redakteure der türkischen Zeitung Cumhuriyet und an den syrischen Zivilschutz „Weißhelme“. Mozn Hassan wurde die Ausreise aus Ägypten verweigert, sie konnte ihre Urkunde nicht persönlich entgegennehmen. Das mag deutlich machen, wie wichtig es ist, dass unser Preis, den Jakob von Uexküll einst ins Leben rief, Öffentlichkeit schaffen kann.

In einem mehrtägigen, internationalen Programm in Schweden, Deutschland und der Schweiz haben wir den Preisträgern Türen geöffnet, ihre Arbeit bekannt zu machen. Besonders hat mich gefreut, dass sich in Deutschland eine neue Parlamentsgruppe „Alternativer Nobelpreis“ gegründet und die Preisträger empfangen hat. Im Europasaal des Bundestages gab es viele Gespräche und bewegende Momente – besonders, als Ahmad al-Jussuf von der riskanten Arbeit der syrischen Weißhelme erzählte (Blog-Artikel „Weißhelme“).

Auch, dass der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck sich Zeit für die Gäste nahm, war Balsam für die Seelen. Alle Preisträger hatten Gelegenheit, weitere Menschen zu treffen, die ihnen bei ihrem Engagement helfen könnten, die ihnen zumindest deutlich machen können, dass sie mit ihrem Anliegen nicht allein sind – darunter Justizminister Heiko Maas und die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Bärbel Kofler. Das war auch in den vergangenen Jahren schon so: Unsere Preisträger sind sehr mutige Leute, sie kämpfen oft unter Einsatz ihres Lebens dafür, die Welt besser zu machen. Mit dem „Alternativen Nobelpreis“ versuchen wir, ihnen jede mögliche Unterstützung zu geben. Öffentlichkeit kann helfen, sie zu schützen.

Das Deutschlandprogramm umfasste zum Beispiel einen Besuch bei „Reporter ohne Grenzen“ für die Vertreter der Tageszeitung Cumhuriyet, einen Auftritt im Deutsch-russischen Forum für Svetlana Gannushkina und ein Gespräch der Weißhelme mit „Human Rights Watch“. In Genf war die Podiumsdiskussion „Speaking Truth to Power“ mit allen Preisträgern hervorragend besucht, und in Zürich sprach Can Dündar in einer öffentlichen Vorlesung an der Universität. Dündar ist der ehemalige Chefredakteur von Cumhuriyet. Er wurde in der Türkei der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen für schuldig befunden, nachdem er darüber berichtet hatte, dass der türkische Geheimdienst islamische Milizen in Syrien mit Munition versorgt hat. Dündar ist nach Deutschland geflohen.

Indes – die Geschichten dieses Jahres waren auch besonders bedrückend. Alljährlich zeigen uns die Preisträger, wie viel Ungerechtigkeit, Willkür und Unglück auf der Welt herrschen. Die Probleme in Deutschland werden kleiner in solchen Momenten. Selten kommt bei ihnen Hoffnungslosigkeit durch, sie sind alle stark und zuversichtlich. Doch in diesem Jahr, vor allem mit dem Blick nach Syrien, war das ein bisschen anders. Wertvoll ist und bleibt jedoch, die Menschen kennenzulernen, die an das Gute glauben. Wenn wir ihnen helfen können, müssen wir es tun.

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