Archiv für den Autor: Moritz Petersmann

Bangladesh on its way to a „solar nation“

By Moritz Petersmann

Dipal Barua
Listening to Dipal Chandra Barua might cause astonishment every time one hears him talk about his work and his vision: He wants Bangladesh to be the world’s first „solar nation“!
This might sound like daydreaming at first, but if you have a closer look at the work of Dipal Barua, laureate of the Right Livelihood Award („Alternative Nobel Prize“), there is reason to be optimistic. At the conference „Teaching Right Livelihood“ in Kassel in May, I had the privilege to meet him and could participate in a workshop in which he presented his work and afterwards discussed his actions and vision with the audience.

One notices quickly that Dipal Chandra Barua not only complains about worldwide problems and wrongdoing, but is active himself. He gets down to the root of a problem and offers long-term solutions. Dipal Chandra Barua has already visited thousands of villages in Bangladesh and has gotten an idea of the situation. Often people living in these rural areas of Bangladesh had to get along without any connection to the electricity grid (in 1996 this was so for about 85 percent of the population). That is why they spent the time after sunset in absolute darkness. Their light source mainly consisted of kerosene-fueled lamps.

After the non-profit organization Grameen Shakti was established in 1996 the situation changed quickly in those rural areas. That is due to Dipal Chandra Barua’s model for implementing sustainable light and energy – both of which provides a win-win situation: On the one hand the rural population of Bangladesh gets the chance to raise its standard of living by installing its own solar home systems (SHS), on the other hand and at the same time they support the expansion of renewable, climate-friendly energy sources. A financial mechanism helps to reduce the cost of the installation of an SHS to the monthly cost of kerosene. The model is successful: Up to now about 3 million solar home systems have been installed in rural areas of Bangladesh. It is also remarkable that Dipal Chandra Barua with his Green Technology Center (GTC) explicitly supports and encourages women to complete a technical training. He does so with great success! Many women work as „green entrepreneurs“ in the growing market of renewable energies. This causes, in addition to the environmental benefits, a change in the reputation of women in the Bangladeshi society, in which the majority of the people belongs to the Muslim religious community.

Dipal Barua demonstrates how the expansion of renewable energies in developing countries can become a success: it takes a decentralized supply with renewable energy and additional value for health, education, and productivity. Now it remains to be seen whether Dipal Chandra Barua’s vision comes true a 100 percent, which would mean that 75 million people in Bangladesh benefit from the use of renewable energy.

Ein Weckruf auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Von Moritz Petersmann

Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages im Gespräch mit Andreas Jung (MdB)
Blickt man zurück auf die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 2. Juni 2014, bleibt besonders der „Weckruf“ von Konstantin Wecker in Erinnerung. Mit seiner Forderung nach mehr Poesie in der Politik prägte er die 14. Jahreskonferenz zum Abschluss nochmals entscheidend. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon viele Teilnehmer verabschiedet.

Unter dem Motto „verstehen, vermitteln, verändern“ fand die diesjährige Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung im bcc Berlin Congress Center statt. Die Bandbreite der Themen war enorm, das zeigte gleich der Auftakt. Besonders Harald Welzer stach hervor. Er untersucht Bürgervisionen und lokale Initiativen, wie zum Beispiel die Elektrizitätswerke Schönau, die aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden. Erfolgsbedingungen für solche Initiativen seien eine flexible Zielverfolgung, Vertrauensbeziehungen auf lokaler Kultur und Kunden als Teilhaber des Veränderungsprozesses, so Welzer. An die Politik richtete er die Forderung, dass das derzeitige Nischendasein dieser vielen lokalen Initiativen überwunden werden müsse!

Vom Nischendasein zum Mainstream, dieser Weg muss für Nachhaltigkeitsbestrebungen geebnet werden. Darüber herrscht Konsens. Wie dies tatsächlich geschehen soll, dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich dazu im Rahmen der Konferenz und betonte besonders, dass man weltweit eine Verbindung von Wohlstand und Nachhaltigkeit erreichen müsse, um sich erfolgreich auf den Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung zu machen. Die Rolle des Rates für Nachhaltige Entwicklung stellte sich im Gespräch mit Angela Merkel als die eines „Wachhundes“ heraus, der wachsam und teils bissig die Aktivitäten der Bundespolitik beeinflusst. Den Wachhund imitierten am Nachmittag dann auch drei jugendliche Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages, als sie Andreas Jung (MdB) mit den dringlichsten Forderungen ihrer Agenda für Nachhaltigkeit konfrontierten.

Inwiefern es wünschenswert ist, dass Nachhaltigkeitsbelange mit Hilfe eines Wachhundes durchgesetzt werden, bleibt jedem selbst zu urteilen. Konstantin Wecker sprach am Ende zumindest jeden einzeln an, als er mehr Idealismus und mehr „zu sich selbst stehen“ forderte. Nachhaltigkeit muss im Grundgesetz verankert sein, der Würde des Menschen zuliebe, so Konstantin Wecker. Der Weg dorthin ist noch weit, aber je mehr Menschen dem Aufruf folgen, desto eher kommen wir der Idee einer nachhaltigen Entwicklung näher.

Konstantin Wecker

Bangladesch auf dem Weg zur „Solar-Nation“

Von Moritz Petersmann

(Click here for the English version)

Man kommt ins Staunen, wenn man Dipal Chandra Barua berichten hört von seiner Arbeit und seiner Vision: Bangladesch soll die weltweit erste „Solar-Nation“ werden! Das mag im ersten Moment nach einer Träumerei klingen, schaut man sich jedoch genauer an, was der Träger des Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) leistet, stimmt das optimistisch. Auf der Konferenz „Teaching Right Livelihood“ – ausführlicher bloggte Monika Griefahn dazu am 27. Mai 2014 – hatte ich die Ehre ihn zu treffen und an einem Workshop teilzunehmen, in dem er seine Arbeit vorstellte und anschließend mit dem Publikum diskutierte.

Dipal Barua

Schnell konnte man feststellen, dass Dipal Chandra Barua nicht nur über Probleme und Missstände lamentiert, sondern selbst aktiv ist, vor Ort Probleme direkt an der Wurzel anpackt und langfristige Lösungen anbietet. Tausende Dörfer in Bangladesch besuchte Dipal Chandra Barua bereits und machte sich vor Ort ein Bild. Oft leben die Menschen in diesen ländlichen Gebieten Bangladeschs ohne einen Anschluss an das Stromnetz (1996 etwa 85 Prozent der Bevölkerung) und somit nach Sonnenuntergang in absoluter Dunkelheit. Als Lichtquelle dienen an erster Stelle kerosinbetriebene Lampen.

Seit Gründung der Non-Profit-Organisation Grameen Shakti 1996 verändert sich die Lebenssituation in den beschriebenen ländlichen Gebieten jedoch zusehends. Denn Dipal Chandra Barua bietet mit seinem Modell zur Verbreitung nachhaltiger Beleuchtung und Energie eine Win-Win Situation: Die ländliche Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Chance durch Installation eigener „Solar Home“-Systeme (SHS) den Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer, klimafreundlicher Energien voranzutreiben. Dabei hilft ein finanzieller Mechanismus, der die Kosten für eine eigene Solaranlage auf die monatlichen Kosten für Kerosin reduziert. Und das Modell hat Erfolg: Bis heute wurden etwa 3 Millionen „Solar Home“-Systeme in ländlichen Gebieten Bangladeschs installiert. Bemerkenswert ist ebenso, dass Dipal Chandra Barua durch seine Green Technology Center (GTC) explizit Frauen unterstützt und ermutigt, eine technische Ausbildung zu absolvieren. Auch dies mit Erfolg! Viele Frauen arbeiten als „grüne Entrepreneure“ im wachsenden Markt der erneuerbaren Energien und bewirken neben dem positiven Umweltnutzen auch ein verändertes Ansehen von Frauen in der muslimisch geprägten Gesellschaft Bangladeschs…

Dipal Barua zeigt wie es funktionieren kann mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern: dezentral und mit einem Mehrwert für Gesundheit, Bildung und Produktivität. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann Dipal Chandra Baruas Vision in Erfüllung geht und 75 Millionen Menschen in Bangladesch von der Nutzung erneuerbarer Energien profitieren!

Leichtmetall mit schweren Folgen: „Akte Aluminium“ – ein Filmtipp

Plakat der ÖkofilmtourVon Moritz Petersmann

Zahlreiche Filme wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 vorgestellt. Viele der Produktionen sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen auch zum Diskurs an. Hervorgestochen hat unter anderem der Film „Akte Aluminium“. Zum Abschluss der Ökofilmtour wurde er mit dem Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung ausgezeichnet.
Der Dokumentarfilm porträtiert das Metall der Moderne in seinen verschiedenen Facetten von der Produktion bis hin zum Inhaltsstoff diverser Produkte. Es wird schnell deutlich, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Seine toxische Wirkung kann gravierende Folgen für Mensch und Umwelt bewirken. Dabei ist Aluminium Bestandteil vieler Produkte, die uns tagtäglich umgeben! Wieso müssen wir unser Trinkwasser mit Aluminium reinigen? Wieso müssen Deos, Sonnencremes, Medikamente und Kaugummis allesamt dieses giftige Metall enthalten?

Wenn nicht einmal die Aluminium-Lobby bestreitet, dass Aluminium giftig ist, warum wählen wir für unsere Produkte nicht gleich zu Beginn Bestandteile aus, die nicht gesundheitsschädlich sind? Wir können sogar Produkte entwerfen, die nützlich für uns und unsere Umwelt sind! Also: Augen auf beim Einkauf! Und wer noch mehr machen will, dem seien darüber hinaus auch eigene Aktivitäten empfohlen für einen positiven Fußabdruck und umfassende Qualität in Produkten und Prozessen – zum Beispiel im Verein Cradle to Cradle e.V.

„Working tirelessly to rid the world of chemical weapons“ – Paul Walker

Von Moritz Petersmann

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Zu Gast in Hamburg war gestern einer der weltweit angesehensten Experten zur Abrüstung von Chemiewaffen: Paul Walker.
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Am 2. Dezember 2013 erhielt Paul Walker den Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) in Stockholm für seinen unermüdlichen Einsatz um die Welt von chemischen Waffen zu befreien. Nur eine Woche später reiste er nach Oslo, um dort die Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises zu verfolgen. Ausgezeichnet wurden dort seine Kollegen, mit denen er seit Jahren eng zusammenarbeitet: die Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW).

Eine interessante Parallele aus meiner Sicht. Erinnert man sich zurück an Wangari Maathai, die 2004 den Friedensnobelpreis erhielt – 20 Jahre nach der Auszeichnung mit dem Right Livelihood Award – so lässt sich daraus vielleicht eine Entwicklung in der Denkrichtung des Friedensnobelpreiskomitees ablesen? Fest steht zumindest, dass die beiden renommierten Preise dem Verbot chemischer Waffen Weltöffentlichkeit verliehen haben.

Einen spannenden Einblick zu diesem sehr aktuellen Thema gab Paul Walker gestern interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern in einem Vortrag mit dem Titel:

„From Ypres to Damascus: The Quest to Abolish Chemical Weapons Globally“

In seinem Vortrag berichtete Paul Walker, nach einem geschichtlichen Einblick zum Einsatz von Chemiewaffen, vor allem von den unvorstellbar großen Mengen an Chemiewaffen, die in einigen wenigen Ländern der Welt gelagert wurden, bzw. gelagert werden. Die größten, bekannten Bestände lagern in den USA und Russland. Ein prägendes Erlebnis für Paul Walker war 1994 der Besuch des russischen Chemiewaffenlagers in Shchuch‘ ye. Die Lagerstätten fand er damals in verwahrlostem Zustand vor. Die Sicherheitsvorkehrungen waren primitiv und ein riesiges Arsenal an Chemiewaffen war leicht zugänglich für jedermann. Bestürzt und zugleich angespornt durch dieses Erlebnis engagiert sich Paul Walker in den darauf folgenden Jahren bis zum heutigen Tag aktiv für die Abrüstung von Chemiewaffen.

Zu dem Prozess der Chemiewaffenvernichtung in Syrien berichtete Paul Walker dann ausführlicher: Bereits die Hälfte aller deklarierten syrischen Bestände sind vernichtet worden. Die komplette Vernichtung soll im Laufe des Jahres 2014 erfolgen. Welch aufwändiger Prozess die Zerstörung von Chemiewaffen darstellt machte Paul Walker auch klar. Obwohl er schon auf viele Erfolge in der weltweiten Abrüstung von Chemiewaffen zurückblicken kann, sieht Paul Walker seine Mission längst nicht als erfüllt und verweist auf künftige Herausforderungen, die es noch zu meistern gilt. Hervorzuheben ist dabei die enorme finanzielle Belastung, die durch die Vernichtung von Chemiewaffen entsteht und weiterhin getragen werden muss. Nicht zu vernachlässigen ist laut Paul Walker jedoch vor allem eines: Bei der Zerstörung von Chemiewaffen muss mit großer Transparenz gearbeitet werden und alle betroffenen Akteure müssen in diesen Prozess mit eingebunden werden. Das ist essentiell für den Erfolg des Programms. Chemiewaffen gehören zur Kategorie der Massenvernichtungswaffen. Gelingt es diese Klasse der Massenvernichtungswaffen komplett zu vernichten, so wäre das ein großer Erfolg auf dem Weg zu einer friedlicheren Welt. Ein Beitrag dazu wird übrigens auch in der Lüneburger Heide am Bundeswehrstandort Munster geleistet. Dort wird nämlich ein Teil der syrischen Chemiewaffen vernichtet…

Zum Kolloquium „Frieden und Sicherheit“ hatte das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) in Kooperation mit dem Carl Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) Paul Walker eingeladen.

„Working tirelessly to rid the world of chemical weapons“ – Paul Walker

By Moritz Petersmann

Yesterday evening, one of the world’s most respected experts on disarmament of chemical weapons – Paul Walker – was in Hamburg to give a lecture.

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On 2nd December 2013, Paul Walker received the Right Livelihood Award in Stockholm for his tireless work to rid the world of chemical weapons. Just one week later, he traveled to Oslo to attend the Nobel Peace Prize ceremony. His colleagues from the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW), with whom he worked closely for years, were awarded the Nobel Peace Prize 2013.

An interesting parallel from my point of view is Wangari Maathai, who was awarded the Nobel Peace Prize 2004 – 20 years after she received the Right Livelihood Award – you may recognize a development of the Nobel Peace Prize Committee’s direction of thought? Both prestigious prizes focused global public interest on the abolition of chemical weapons, that’s for sure!

A fascinating insight to this topical subject was given by Paul Walker yesterday evening. Interested listeners were paying attention to his lecture with following title:

„From Ypres to Damascus: The Quest to Abolish Chemical Weapons Globally“

After giving an interesting overview of salient events in the history of the use of chemical weapons, Paul Walker drew attention to the incredible large amount of chemical weapons that was stored or in some cases is still being stored in a few countries round the world. The largest known stockpiles are situated in Russia und the USA. Visiting the Russian chemical weapons stockpile in Shchuch‘ ye 1994, Paul Walker mentioned to be a formative incident. The Shchuch‘ ye stockpile was dilapidated. The security precautions were primitive and the huge stockpile was easily accessible for everyone. Shocked by this visit, but encouraged at the same time, Paul Walker became very involved in the process of ridding the world of chemical weapons in the following years until today.

The destruction of Syrian chemical weapons was of course a topic of great interest, and that’s why Paul Walker mentioned some details on this process, which is occuring currently. Roughly half of Syria’s chemical weapons have already been destroyed. Complete destruction is scheduled for the end of 2014. The abolition of chemical weapons is a complex process and Paul Walker’s mission is not yet finished. He has already reached a lot of milestones, but there are still challenges to cope with. In particular, there is this enormous financial burden resulting from the destruction of chemical weapons that needs to be addressed. But it’s also very important to ensure transparency and ensure broad stakeholder involvement. Chemical weapons belong to the category of weapons of mass destruction. If it’s successful to abolish this, a whole class of weapons of mass destruction, it would be a great achievement on the way to a more peaceful world. By the way a contribution was made at Munster, a base of the German army. Parts of Syrian chemical weapons were destroyed there…

The Institute for Peace Research and Security Policy (IFSH) invited Paul Walker in cooperation with the Carl Friedrich von Weizsäcker – Centre for Science and Peace Research (ZNF) to this colloquium on „peace and security“.