Archiv für den Autor: Petra Reinken

Nachhaltigkeit bei Immobilien: Energieeffizienz – und dann?

Von Petra Reinken

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Gaaaanz langsam scheint sich die Sichtweise in der Immobilienwirtschaft – und vielleicht auch dann irgendwann in der Bundesförderpolitik – durchzusetzen, dass ein dick gedämmtes Haus vielleicht nicht viel Energie verbraucht, aber doch die eine oder andere neue Schwierigkeit mit sich bringt: schlechte Innenraumluft, technisch aufwändige Lüftungen, um Schimmel zu vermeiden und ähnliches. Beim ECE-Nachhaltigkeitskongress in Hamburg war das das Thema des Tages: Wie sieht die Immobilie von morgen aus, wie sieht die Stadtplanung von morgen aus, wie das Quartier von morgen? Prof. Kunibert Lennerts vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) brachte es in der letzten Diskussionsrunde auf den Punkt: Er wünsche sich bei der Immobilie der Zukunft, dass man auch einfach mal wieder das Fenster aufmachen könne. Erstaunlich deutlich sahen die meisten Teilnehmer dieser Diskussionsrunde den großen Hemmschuh für eine sinnvolle nachhaltige Immobiliensanierung bei der Förderpolitik des Bundes.

Man könne gerade im Bestand nicht alle Häuser über einen Kamm scheren, individuelle Lösungen seien aber in der hoch reglementierten Bauwirtschaft kaum möglich. Und: Es ginge bei den Förderprogrammen fast nur um Neubauten, wo doch das große Potenzial in der Sanierung des Bestandes liege. Die 2016er Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV), die für Neubauten gilt, bringe fast nichts an CO2-Einsparungen, Neubauten würden aber um acht Prozent teurer.

Immerhin, der Zentrale Immobilienaussschuss (ZIA), das Lobbyorgan der Immobilienwirtschaft, ist da tatsächlich schon deutlich weiter. Er wirbt dafür, Quartiere unter ganzheitlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Da müsse es möglich sein, individuell die beste Form der Energieversorgung für den jeweiligen Standort zu prüfen, da müsse Energieberatung für die Mieter dabei sein, da müssten Handwerker qualifiziert werden für komplexe technische Wärmelösungen. Zu meiner Freude und ganz im Sinne des Cradle to Cradle Konzepts kamen sogar Begrünungspläne und soziale Räume in der Quartiersplanung vor.

Am weitesten ging mit seinen Ideen Bernd Schwarzfeld von BZE-Ökoplan: Er forderte, bei Bestandssanierungen und Umnutzungsprojekten in Städten eine eigene Wärmeversorgung zu verbieten und stattdessen nach kreativen Lösungen zu suchen, wie die Energieversorgung aus Überschüssen der Umgebung gewonnen werden könnte. Ob das in jedem Fall realisierbar ist, mag dahingestellt sein, es ist auf aber ein Ziel, das technische Innovationen jenseits der Mainstream-Konzepte anstoßen kann.

Insgesamt aber gab es leider kaum Beiträge in den Diskussionen und Vorträgen, die wegführten vom Credo der Effizienzpolitik. Was leider auch – und das kam ein ums andere Mal durch – daran liegt, dass Themen wie gesunde Innenraumluft, verwendete Materialien oder soziale Komponenten von Wohnungs- und Ladenmietern oder Kunden selten angesprochen werden. Doch den schwarzen Peter woanders hinzuschieben, sollten Investoren und Objektanbieter nur bedingt. Wenn – wie sich in mehreren Gesprächen zeigte – etliche Teilnehmer eines Nachhaltigkeitskongresses ohne groß nachzudenken mit dem Flieger anreisen, aus Städten mit hervorragenden Bahnverbindungen, dann ist da auch auf der eigenen Baustelle noch viel zu tun.

Footprint for Indoor Air Quality: Stop Laser Printers!

By Achim Stelting, nano-Control foundation

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In just 20 years the prevalence of allergies has doubled. One in three people now suffers from allergic reactions. Asthma is the most common chronic condition in children and youths. Four million people are diabetes patients. According to the World Health Organization (WHO), cases of cancer will have increased by 20 per cent in 2025. Skin cancer cases have doubled in ten years. Sickness absenteeism from work is at a 20-year-high and one in four employees will be incapacitated before reaching retirement age. Those developments have underlying causes.

As early as 1995 the American environmental authority realized that polluted indoor air is one of the biggest risk factors to the national health, especially so because we spend 80 to 90 per cent of our time inside buildings. As room air is unfiltered breathing air it should be as worthy of protection as food. The USEPA statement came after an investigation into the emissions of copying machines. Today, around one billion laser printers and copiers around the world emit billions of mainly ultra-fine particles per page – unfiltered and with fatal consequences.

At the invitation of Professor Dr Michael Braungart, chairman of the Hamburg Environmental Institute, the Hamburg-based foundation nano-Control left behind a special kind of footprint in the form of an art performance in support of healthy room air at the Footprint Days of the 2016 Venice Biennial on August 20 and 21. The biennial, which runs until November 27, 2016, is often referred to as the Olympics of architecture.
For their performance the „Nanos“ took signs from the very convincing Sick-Building exhibition (from which garden gnomes – which are known as nanos in Greek – flee) as well as from the light and airy building that’s as useful as a tree, adorned them with warning messages similar to those on cigarette packs, and

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brought those messages into the fresh air.
The stroll through the world of architecture, which was accompanied by Monika Griefahn, was stopped quickly by security guards and police officers equipped with automatic pistols, but the message had already been sent: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Even the friendly policemen were interested.

In order to rescue the garden gnomes, nano-Control equipped two of them with fine particle masks upon their return to the Sick-Building.

Four days after the performance the German government warned for the first time against health risks associated with nano particles emitted by laser printers. If we’ve learned anything from nano particles it’s the fact that even the tiniest nanos can have huge consequences.

Ein Fußabdruck für Innenraumluft: Stoppt Laserdrucker!

Von Achim Stelting, Stiftung nano-Control

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Allergien haben sich in nur 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen reagiert jede/r Dritte allergisch. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter. Vier Millionen Menschen haben Diabetes. Krebserkrankungen werden laut WHO bis 2025 um 20 Prozent zunehmen, die Fälle von Hautkrebs haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Krankschreibungen haben einen 20-Jahres-Höchststand erreicht, und jede/r Vierte wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Solche Entwicklungen haben Ursachen!

Schon 1995 erkannte die US-Umweltbehörde, dass von der Innenraumluft die größten Risiken für die nationale Gesundheit ausgehen, zumal wir uns 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Räumen aufhalten. Raumluft ist also direkte Atemluft und damit schützenswert wie ein Lebensmittel. Hintergrund der Aussage der USEPA waren Untersuchungen der Emissionen von Kopierern. Inzwischen emittieren über eine Milliarde Laserdrucker und Kopierer weltweit Milliarden vor allem ultrafeine Partikel, pro Seite, ungefiltert und mit fatalen Folgen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Michael Braungart, dem Vorsitzendenden des Hamburger Umweltinstituts, hinterließ die Hamburger Stiftung nano-Control am 20. und 21. August 2016 mit ihrer Art-Performance für gesunde Raumluft einen besonderen Fußabdruck auf den Footprint Days der Biennale 2016 in Venedig. Die Biennale ist sozusagen die „Olympiade“ der Architekten und läuft noch bis zum 27. November 2016.

Die „Nanos“ nahmen für ihre Performance Schilder aus der überzeugenden Ausstellung vomachim_stelting_blog2 Sick-Building, aus dem die Gartenzwerge (griechisch Nanos) flüchten, und aus dem luftigen hellen Haus, das nützlich ist wie ein Baum, versahen sie mit Warnungen, wie auf Zigarettenschachteln und trugen die Botschaft an die frische Luft. Der Spaziergang durch die Welt der Architektur, begleitet von Monika Griefahn, wurde zwar schnell von Security und Polizisten mit MPs gestoppt, doch die Botschaft war in der Welt: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Auch die freundlichen Polizisten zeigten sich interessiert.

Zur Rettung der Zwerge schützte nano-Control nach der Rückkehr zwei der kleinen „Kollegen“ im Sick-Building mit ihren Feinstaubmasken.

Vier Tage später warnte die Bundesregierung erstmals vor ernsten Gesundheitsgefahren durch Nanopartikeln aus Laserdruckern. Wir haben von den Nanopartikeln gelernt, dass auch winzige Nanos große Wirkung entfalten können.

Die Energiewende – Operation am offenen Herzen

Von Petra Reinken

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„Es ist eine Operation am offenen Herzen“ – so bezeichnete Energie-Expertin Claudia Kemfert die Energiewende, als sie im Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ von Monika Griefahn an der TU Hamburg-Harburg als Rednerin zu Gast war. Das Seminar war für diesen prominenten Gast hochschulweit geöffnet worden, und zwischen den rund 100 Zuhörern und der Referentin entwickelte sich eine teils hitzige Debatte. Das mag zeigen, wie schwierig diese Operation am offenen Herzen ist.

Gemeint hatte Kemfert Folgendes: Die Energiewende sei „technisch keine Hexerei“, es brauche aber noch den Markt für die neuen Angebote, da das alte System der Energieversorgung und deren Akteure nach wie vor existierten. Denn – das hat auch schon Hermann Scheer in seinem Buch „Der energet(h)ische Imperativ“ sehr deutlich gemacht – die Energiewende ist nichts weniger als ein System-Umsturz. Alte Machtstrukturen werden aufgebrochen, Machtgefüge verschieben sich. Wer jahrzehntelang fest im Sattel saß, fühlt sich nun bedroht. Kein Wunder, dass es Gegner der Erneuerbaren gibt.

Langsam aber komme Dynamik in den Markt, der mit dem langen Weg zum Atomausstieg angefangen habe, sich zu verändern. Das, was Großkonzerne jetzt tun – ihr Geschäft aufspalten, politische Lobbyarbeit und ähnliches -, bezeichnete Kemfert als „Rückzugsgefechte“. Fakt sei: „Wir haben derzeit massive Überkapazitäten, exportieren so viel Strom wie noch nie.“

Den Stromüberschuss hätten wir, weil die konventionellen Energien des alten Systems – namentlich die Kohlekraftwerke – nicht heruntergefahren würden. Mit dieser politischen Entscheidung geht Kemfert hart ins Gericht. Acht Kohlekraftwerke sind unter dem Mantel der Versorgungssicherheit in eine sogenannte „Klimareserve“ überführt worden. Sie laufen weiter, die Betreiber erhalten dafür Geld. Kemfert: „Ohne den Kohlestrom würden die Preise sich stabilisieren und die Emissionen gingen zurück.“ Bedauerlich sei, schreibt sie in einem Artikel, dass „der Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Energiewende mit dieser Maßnahme nicht gefördert, sondern eher behindert wird.“

Der Markt werde dennoch perspektivisch dezentraler, und die Frage der lückenlosen Versorgungssicherheit über 24 Stunden am Tag führe zu einem neuen Marktdesign. Das beinhalte zum Beispiel Preisschwankungen in Zeiten hoher und niedriger Stromproduktion und die Frage der Speicherkapazitäten.

Den Netzausbau mit großen Leitungen von Norden nach Süden, der derzeit stockt, sieht sie gar nicht als Engpass für die Stromversorgung. „Wir haben einige Netze ausgebaut, die können noch optimiert werden“, schlägt die Energie-Expertin vor. Sie finde es „interessant“, dass die großen geplanten Stromtrassen an den Kohlerevieren vorbeiliefen. Wenn Bayern und Baden-Württemberg übergangsweise Gaskraftwerke hinzubauen oder zumindest nicht stilllegen würden, wäre das sinnvoller als auf die langen Leitungen zu warten. Nur, wenn wir Kohle- und Erneuerbare parallel laufen lassen, dann wären die geplanten Leitungen nötig, meint Kemfert, die aber genau das nicht für richtig hält. Für sie steht fest: „Der Kohleausstieg ist das A und O für eine gelungene Energiewende. Nötig sind dezentrale Verteilnetze, keine Monsterleitungen.“

„Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“

Von Petra Reinken

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Auf der Bühne steht Machu: dunkle Klamotten, dunkle Haut und in der Hand ein knallrotes Musikinstrument. Er beginnt zu spielen auf diesem – was immer das ist – und es wird ruhig im Raum. Er braucht nicht einmal die vollen zwei Lieder, um das Publikum zu verzaubern. Machu, ein Flüchtling aus Eritrea. Einer wie wir, der Musik mag und Gesang. Sein Instrument ist eine Krar.

Wenige Tage vorher hatten die Anschläge in Paris die westliche Welt aus den Angeln gehoben. Im Gymnasium Tostedt, wo Machu sein Gastspiel gegeben hat, zündeten wir eine Kerze an und schwiegen für eine Minute – wie der Rest Europas. Irgendwie und indirekt hatte das, weswegen wir hier versammelt waren, mit Machu zu tun und mit Paris. Die weiterführenden Schulen in Tostedt luden nämlich ein zur Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ – eine Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Inzwischen haben die Geschehnisse in Köln, Hamburg und anderen Städten, wo mutmaßlich viele Flüchtlinge Frauen belästigt und bestohlen haben, es vielen Vertretern einer Willkommenskultur schwerer gemacht; haben das Vertrauen in das Gute erschüttert. Nun der Anschlag in Istanbul. Tagtäglich Anschläge in den arabischen Ländern, aber wenn es in Europa passiert, oder wenn es deutsche Opfer sind, trifft das ins Mark, was sonst nur in den Nachrichten passiert. Aber dennoch – ist nicht die Antwort immer noch die gleiche?

Eine starke Demokratie benötigen wir: um ein gutes Modell gegen den Terror des IS und anderen fanatischen Gruppen leben zu können und um eine Antwort gegen die inneren Feinde von rechts zu haben. Um so zu leben, wie wir es wollen: frei. Wir haben das bei Veranstaltungen des Aktionskreises „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ selbst erlebt: Wenn Neonazis im Raum sind und versuchen, die Diskussion an sich zu reißen, dann wird die Stimmung kalt und der Nachhauseweg ist angstbegleitet. Doch Pegida zeigt, wie ungemütlich es in dieser Gesellschaft erst einmal wird, wenn die Demokraten zu Hause bleiben.

Andreas Speit ist einer, der seit Jahren gegen diesen Trend arbeitet. Der Journalist und Kenner der rechtsextremistischen Szene hielt bei der Ausstellungseröffnung in Tostedt einen beeindruckenden Vortrag. 182 Tote habe es in Deutschland durch Rassisten und Rechtsextreme schon gegeben – das Jahr 2015 hat hunderte Angriffe auf Flüchtlingsheime gezählt. Auf ganz normale Menschen wie Machu mit der Krar. Es sei bei einigen Übergriffen nachzuzeichnen, dass der verbalen Hetze im Internet Taten gefolgt seien – mit Alkohol als Katalysator.

Beim Thema Islam und Flüchtlinge, da gingen alle Szenen zusammen: rechte Parteien, Hooligans, das Rockermilieu, die intellektuelle Rechte und Bürger. Wer früher noch Hemmungen gehabt habe, mitzumarschieren, wenn die NPD dabei war, habe heute jede Scham verloren, konstatierte Speit.

Tostedt und seine Schulen setzen seit vielen Jahren Aufklärung und Engagement dagegen – mit dieser Ausstellung und vielen anderen Veranstaltungen in der Vergangenheit. Wo er konnte, hilft der Aktionskreis „Gesicht zeigen!“. Nach einem Benefizkonzert, das Monika Griefahn mit Konstantin Wecker vor Jahren in der Buchholzer Empore organisierte, verfügt der Aktionskreis über einen Geldbetrag, mit dem er bis heute Projekte fördert. Nicht nur die Tostedter Ausstellung, für die mit dem Geld Ausstellungslotsen unter den Schülern ausgebildet worden sind, gehört dazu. Erst kürzlich wurde die Oberschule Meckelfeld „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, und wir konnten diesen Prozess unterstützen. Wir machen das weiter, solange noch Geld da ist. Weil es wichtig ist.

Die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ ist weitergezogen und zum Beispiel vom 8. bis zum 19. Februar 2016 im Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz (Nordheide) zu sehen.

Bericht auf der Seite des Gymnasiums Tostedt

Cradle to Cradle e.V. zieht in neues Büro

Von Monika Griefahn und dem Redaktionsteam des Cradle to Cradle e.V.

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Der Verein wird flügge: Im Jahr 2012 haben wir den „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V.“ gegründet, und jetzt sind die Aktiven in Berlin in ein schönes helles Büro mit mehreren Arbeitsplätzen gezogen. Nach wie vor lebt der Verein vom Ehrenamt, vom Engagement vieler. Doch das Büro mit der hauptamtlichen Struktur, wie wir sie inzwischen haben, ist wichtige Anlaufstelle für all die Menschen, die helfen, die Cradle-to-Cradle-Denkschule in die Gesellschaft zu bringen.

Am Donnerstag, den 9. Juli 2015, begrüßten wir Aktive, Partner, Freunde und Bekannte in den ersten eigenen Räumen. Seit Anfang 2015 arbeitet das Team des e.V. in der Naugarder Straße 43 in Berlin. Unter den Gästen der Einweihungsfeier waren unter anderem die Schauspielerin, Geschäftsführerin des Miwai Eco Fashion Onlinestores und Beirätin des C2C e.V. Inez Bjørg David, die Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Clara West, der Geschäftsführer von Biomimicry Germany Dr. Arndt Pechstein, die Gründerin von Schule im Aufbruch und Schulleiterin Margret Rasfeld, der Vizepräsident der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit Martin Wittkau, Sascha Rieth von der Biocompany sowie weitere Personen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Geschäftsführer Nora Sophie Griefahn und Tim Janßen berichteten aus der Arbeit und den aktuellen Projekten. So betreut das Büroteam unter anderem die 22 Regionalgruppen im ganzen Bundesgebiet, engagiert sich in der Vorbereitung der „Akademie“ vom 21. bis 22. August und bereitet natürlich den kommenden, zweiten Cradle-to-Cradle-Kongress unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am 31. Oktober 2015 in Lüneburg vor.

Vielen Dank für die konstruktiven und freundlichen Gespräche! Das C2C-Team (siehe Foto unten, mit Monika Griefahn und Inez Bjørg David) freut sich auf die weitere Zusammenarbeit in Berlin.

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„Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“ – Austausch ohne Durchbruch

Von Petra Reinken

Die Evangelische Akademie Loccum ist ein Garant für inspirierende Fortbildungen und perfekten Austausch zwischen den Teilnehmern von Seminaren. So war es auch bei der Fortbildung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“. Lehrer, Vertreter außerschulischer Bildungseinrichtungen, Professoren, kommunale Verantwortliche, engagierte Bürger, Agenda-Aktive – das Publikum kam zwar mehrheitlich aus dem Lehramtsbereich, war aber immer noch eine bunte Mischung all derer, die sich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE – engagieren.

Es zeigte sich, dass auf der Ebene von Schulen, Kommunen oder eigenem Engagement in Sachen BNE sehr viel passiert, sehr viele Ideale gelebt werden. Die Diskussionen offenbarten aber auch: Sobald die Prinzipien der BNE (siehe dazu Link am Ende des Textes) verstetigt werden sollen – sei es in kommunale Leitlinien, in Prüfungsplänen oder in gemeinsame Grundsätze einer Schule -, gerät individuelles Engagement an seine Grenzen. Lehrer stoßen bei ihren Kollegen auf Ablehnung, wenn sie Flugreisen thematisieren. Agenda-Aktiven geht der Ansatz der eigenen Stadtverwaltung nicht weit genug. Den Meister im Betrieb interessiert wenig, was der Azubi in der Berufsschule über den nachhaltigen Einsatz von Materialien gelernt hat.

Leider gelang auch bei dieser Fortbildung kein Durchbruch. Was besprochen wurde, drehte sich im geschlossenen Kreis von „Energie sparen“, „Kommunen haben kein Geld“ oder „Ich bin Einzelkämpfer“. Diskussionen zeigten bei allem Engagement eine Ratlosigkeit, wie dieser Kreis zu öffnen sei  – oder mündeten auch in dem Unwillen, neue Wege zu denken, wenn die alten nicht funktionieren. Welche Strategien müssen erprobt werden? Vorsichtshalber wurde in einem Seminarmodul denn auch abgelehnt, „am ganz großen Rad zu drehen“.

Die vielfach erfolgreichen Grundsätze der Werbung anzuwenden und zu versuchen, Nachhaltigkeit „sexy“ zu machen, sie zu verkaufen, stieß somit nicht auf Gegenliebe bei den vielen individuellen Idealisten, wurden als „irgendwie schmutzig“ empfunden. Oder in der Berufsbildung: Der Bruch, an dem Nachhaltigkeitsgrundsätze wieder abhandenkommen, diagnostizierten die Teilnehmer eines Seminar-Moduls am Übergang von der Schule in die Berufswelt. Gleichwohl kam keiner auf die Idee, BNE stärker in der betrieblichen Praxis unterzubringen. Ein Berufsschullehrer vermutete den „Wirkungsgrad von Schule bei zehn Prozent“, dennoch stand am Ende des Moduls lediglich die Forderung, BNE in Prüfungsanforderungen einzubinden.

Es gibt viele Strategien, wie Gesellschaft auf diese Unzulänglichkeiten reagieren könnte, um sich selbst zu retten, und es ist schwer zu sagen, welche wohl die richtige ist – beziehungsweise, wie sie alle ineinander greifen können. Konsistenzstrategie, Gemeinwohlökonomie, Postwachstum – Ansätze für einen Paradigmenwechsel gibt es. Aber diese zu diskutieren, soweit sind wir in dem Seminar nicht gekommen. Es war ein wichtiger Austausch, und doch bleibt am Ende das Gefühl, nur auf der Stelle zu treten. Dafür aber haben wir keine Zeit.

Zu den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Zur Evangelischen Akademie Loccum

Holz und sonst gar nichts

Von Monika Griefahn und Petra Reinken

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Matthias Korff hatte schwer zu tragen, als er beim Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ an der TU Hamburg-Harburg in den Seminarraum kam. Er hatte das Muster eines Wandquerschnitts mitgebracht – komplett aus Vollholz, so, wie er Häuser baut. Matthias Korff ist der Geschäftsführer von Deepgreen Development und hat den markanten „Woodcube“ auf der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 in Hamburg-Wilhelmsburg gebaut. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist dieses mehrstöckige Wohngebäude komplett aus Holz.

Im Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ haben wir in jedem Semester externe Referenten zu Gast, die aus ihrer Arbeitswelt oder von ihrem Engagement erzählen. Sie kommen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und schaffen genau das, was mit dem Seminar erreicht werden soll: Die Studierenden, allesamt angehende Ingenieure, bekommen einen Einblick in das Denken und Handeln anderer gesellschaftlicher Akteure.

Korff erzählte, wie er zum Holz kam. Krank sei er geworden durch Chemie in Baumaterialien. Inzwischen ist er voller Überzeugung für ein Bauen ohne Kleber, ohne Beschichtungen oder synthetische Verbundstoffe. In seinen Entwürfen lässt er nur den Baustoff Holz gelten. Den Studierenden erzählte er von seinem Besuch in einer Holzproduktion, wo Schicht um Schicht mit Leim verklebt wurde – ein Leim, dessen mehrseitige Schadstoffdeklaration ihm Angst gemacht habe. In seinen eigenen Häusern, zeigte er an dem schweren Modell, das er auf den Tresen gehievt hat, sei nichts verklebt. Die einzelnen Brettlagen hielten durch Buchenholzschrauben. Einen Naturbaustoff so zu behandeln, dass er dann zu Sondermüll werde, das nennt er zynisch.

Korff erzählte, dass es kein einfacher Weg sei, mit Vollholzhäusern sein Geld verdienen zu wollen. Allein all die Tests und Gutachten, die er zum Thema Brandschutz und Dämmeigenschaften habe nachweisen müssen. Und, dass geschafft, dann der steinige Weg in der Praxis. „Wir hatten 50.000 Besucher auf der IBA bei uns im Woodcube, und ich möchte sagen, alle waren begeistert von dem Haus. Doch dann geht einer, der so ein Haus bauen will, zum Architekten und zum Bauträger, und die kennen das alles nicht und trauen sich dann auch nicht an so ein Projekt.“

Korff will das ändern, auch deswegen hat er die Einladung in unser Seminar angenommen. Er möchte, dass mehr Berufsgruppen dem Baustoff Holz wieder mehr zutrauen und ihn so nutzen, wie es seiner Meinung nach am besten ist. Pur. Bei den Studierenden hat er jedenfalls die Aufmerksamkeit für seine Herangehensweise geweckt – und dieses „Offen sein für andere Wege“ ist ja das, was wir mit dem Seminar auch erreichen möchten. Einige der jungen Leute stehen noch nach dem Seminar um den Referenten und sein Wandmodell herum und stellen Fragen. Einer sagt, er wolle mit seinem Prof über Vollholzprojekte sprechen, ein anderer fragt Korff, ob er ihn mal kontaktieren könne, wenn er in zehn Jahren ein Haus bauen wolle.

Klima. Wandel. Gerechtigkeit. Welchen Fußabdruck willst du hinterlassen?

Von Moritz Petersmann, Leuphana-Student

Podium mit Monika GriefahnDrei Tage lang elektrisierende Stimmung auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg: Die jährlich stattfindende Konferenzwoche hat es wieder geschafft, viele junge Menschen in ihren Bann zu ziehen. Sie ist ein beeindruckender Höhepunkt des Studienmoduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“  an unserer Universität.

Vom 25.  bis zum 27. Februar machten sich in Lüneburg etwa 1500 Studierende des ersten Semesters bei der Konferenz auf verschiedene Wege des Wandels, um den Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Es lockten große Arenen mit prominenten Gästen wie Klaus Töpfer, langjähriger Direktor bei den Vereinten Nationen, Stefan Wenzel, niedersächsischer Umweltminister, Katharina Fegebank, Landesvorsitzende der Grünen in Hamburg, Menschenrechtsaktivistin Ruth Weiss, Club of Rome-Mitglied Uwe Schneidewind, Starköchin Sarah Wiener oder dem Yale-Philosophen Thomas Pogge.

Doch auch die Studierenden selbst prägen mit der Präsentationen ihrer Forschungsergebnisse die Konferenz maßgeblich mit. Der „Gallery Walk“ verwandelt zum Beispiel den Hörsaalgang dann in eine bunte Messe mit viel Ideenreichtum. Ein beeindruckendes Beispiel aus diesem Jahr ist das Projekt „Papp Dich“. Inspiriert durch den „Cradle to Cradle“-Gedanken will die Projektgruppe mit einem flexiblen und nachhaltigen Möbelsystem ein klares Statement setzen für Kreativität und Wirtschaften in Kreisläufen.

Neben den geläufigen Formaten einer Konferenz bietet die Leuphana Konferenzwoche immer auch einige Spezialitäten. So kann man auf der Spielwiese dem Konferenztrubel entfliehen und neben einem wunderbaren Angebot veganer und vegetarischer Köstlichkeiten das Thema gesellschaftliche Verantwortung erkunden. Kunst, Musik und interaktive Formate kultureller und sozialer Initiativen finden dort Platz.

Gast am dritten Konferenztag war auch Monika Griefahn. Zum „Kampf der Strategien“ hatten sich neben ihr auch BUND-Ehrenvorsitzende Angelika Zahrnt, Leonie Bellina, Expertin u.a. zum Thema Environmental Justice (umweltbezogene Gerechtigkeit) und der Dekan der Lüneburger Nachhaltigkeitswissenschaften Leuphana-LogoDaniel Lang auf dem Podium zusammengefunden. Dort wurde klar: Wir brauchen eine integrierende Strategie, die sich Gerechtigkeit zum Ziel (und zum Weg) macht. Das Nebeneinander von Suffizienz-, Konsistenz-, Effizienz- und weiteren Strategien des Wandels reicht also nicht aus. Gefordert ist vor allem auch das Engagement jedes Einzelnen!

Zum Abschluss der Konferenz spürten wir Studenten neben der Erschöpfung dreier intensiver Tage voller Lernen und Begegnung eine Aufbruchsstimmung auf dem Campus. Die wollen wir mitnehmen in das nächste Semester und darüber hinaus. Damit ist klar: Die Konferenzwoche hat ihr Ziel erreicht. Sie setzt Impulse für Transformation – im Kleinen wie im Großen.

Nächstes Jahr, Ende Februar 2016, ist es wieder soweit. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen und willkommen. Wir sehen uns!

Zur Leuphana-Konferenzwoche

Hundertprozentig positiver Fußabdruck

Von Ina Rieck

Beim Cradle-to-Cradle-Kongress

„Es geht darum, die Menschen als Chance zu sehen und zu feiern!“ rief Professor Michael Braungart dem Auditorium zu. Und so kam es auch. Der erste Cradle to Cradle (C2C) Kongress am Wochenende an der Leuphana Universität in Lüneburg war ein regelrechtes Fest: ein Feuerwerk an Ideen und Inspiration, das Lust macht auf Mehr und Mut für die Zukunft. Mit dabei: Über 600 Menschen, quer durch alle Bereiche von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik bis Kultur und Zivilgesellschaft.
Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende des Cradle to Cradle  – Von der Wiege zur Wiege e. V., nannte den Kongress ein Meilenstein zum Ziel, dass die Vision C2C in naher Zukunft selbstverständlich ist.

Was ist C2C? Dieses radikal andere Umweltverständnis verdanken wir Professor Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough: Wir sollen mit der Umwelt nicht sparsamer, sondern intelligenter umgehen! Es ist die Vision einer Welt ohne Abfall. Kompostierbare T-Shirts werden zu Humus, Metalle werden unendlich oft zu Waschmaschinen. In dieser Kreislaufwirtschaft sind Menschen Nützlinge mit positivem Fußabdruck.

In einer scharfsinnigen Rede kritisierte Braungart bisherige Strategien: „Ökoeffizienz reicht nicht. Falsches effizient gemacht, wird nicht gut.“ Die erste Frage müsse deshalb sein: Was ist das Richtige? Es geht ihm um Effektivität, nicht um Effizienz: „Treppensteigen kostet fünfmal mehr Energie, als den Aufzug zu nehmen und ist dennoch sinnvoll für die Gesundheit. Auch Lippenstift ist vollkommen ineffizient, aber sehr effektiv.“
Dr. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Schriftsteller, bezeichnete in seiner Keynote C2C als vierte industrielle Revolution. Seine Antwort auf Kritik, das Konzept sei weder technologisch noch gesellschaftlich umsetzbar: „Mangel an Fantasie ist nicht zu verwechseln mit Realismus.“

Der C2C Verein hatte im Vorfeld betont, der Kongress sollte keine wissenschaftliche Veranstaltung werden. Das ist gelungen: Die Fantasie der Teilnehmenden wurde genährt, praktische Anregungen gab es in den zahlreichen Vorträgen, Workshops und Diskussionen im Überfluss. C2C begegnet einem im Alltag öfter als man meint: in Sitzbezügen, Teppichen, Verpackungen, Spülmitteln – und Lippenstiften. Schönheit, Vielfalt und Qualität sind also möglich, wenn Ingenieure, Designer und Marketing anders denken und zusammenarbeiten.

Anders, positiv anders, waren auch Stimmung und Atmosphäre. Das lag daran, dass die Veranstalter vieles auch anders organisiert hatten: vegetarisches Catering, zubereitet in Zelten, wiederbefüllbare Flaschen zum Mit-Nachhause-Nehmen, „essbare“ Kongressunterlagen auf C2C-Papier und Strom, sehr effektiv über Kunst generiert. Dr. Monika Griefahn und ihr junges Team aus vielen ehrenamtlichen Helfern wurden mit minutenlangem Standing Ovation gefeiert.
Die Bilanz des ersten Cradle to Cradle Kongresses? Ein hundertprozentig positiver Fußabdruck!

Ina Rieck ist Beraterin für Nachhaltigkeitskommunikation in Berlin

Der Cradle to Cradle e.V.

Die Akteure des Cradle-to-Cradle-Kongresses.