Kategorie-Archiv: „Alternativer Nobelpreis“

… dann kommt der Preis eben zu ihr

Von Monika Griefahn / Right Livelihood Award Foundation

Eigentlich haben wir den letzten Right Livelihood Award („Alternativen Nobelpreis“) im November 2016 verliehen. Da aber unsere Preisträgerin Mozn Hassan aus Ägypten nicht ausreisen durfte, konnte sie an der Zeremonie in Stockholm nicht teilnehmen. Nun kam der Preis zu ihr: Eine Delegation unserer Stiftung, begleitet von Abgeordneten aus dem deutschen, schwedischen und dem Europaparlament war Ende März in Kairo, um das Engagement der Frauenrechtlerin Mozn Hassan und der Gruppe Nazra zu würdigen und ihr den Preis zu überreichen.

Wir hoffen, ihrem Anliegen damit eine Stimme zu verleihen und der jungen Frau und ihren MitstreiterInnen Stärke zu geben. Denn: Ihre Situation ist schwierig. Aufgrund ihres Engagements für die Gleichstellung von Mann und Frau droht ihr die Schließung der Organisation. Die Konten sind bereits eingefroren, sodass keine Gehälter oder Mieten mehr bezahlt werden können. Mit einem neuen NGO-Gesetz versucht die ägyptische Regierung, alle Bürger, die nicht ausschließlich die Meinung der Regierung vertreten, mundtot zu machen. Nach diesem Gesetz ist es verboten ausländisches Geld für zivilgesellschaftliche Arbeit in Ägypten anzunehmen. Die Angst war vor und selbst bei der feierlichen Zeremonie immer im Raum, und dennoch blieb Mozn Hassan mutig und unerschrocken. Sie reiht sich ein in die Riege der Preisträger, die die drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angehen – auch unter Lebensgefahr.

Für unsere Delegation war die Reise eine Gelegenheit, die fragile Situation in Ägypten hautnah zu erleben. Im Vorhinein war nicht klar, ob wir einreisen durften, ob wir den Raum, den wir angemietet hatten, wirklich für die Feierlichkeiten nutzen konnten und ähnliche Unsicherheiten mehr. Es hat geklappt, und viele engagierte Menschen aus der ägyptischen Gesellschaft sind gekommen und haben einen Abend lang gefeiert. Viele fühlten sich gestärkt – allein dadurch, dass die Right Livelihood Award Foundation sie beachtet und würdigt.

Leider wissen wir nicht, wie lange die scheinbare Ruhe hält. Am nächsten Tag, nachdem wir das Büro von Nazra besucht hatten, kam die Geheimpolizei. Wie lange die Organisation – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – überhaupt noch arbeiten kann, ist unklar.

Nachfolgend die Pressemitteilung, die unsere Stiftung über die Preisverleihung herausgegeben hat:

Trotz Ausreiseverbot: Ägyptische Feministin Mozn Hassan erhält ihren „Alternativen Nobelpreis“

Die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, die sich derzeit nicht international bewegen kann und der eine 25-jährige Haftstrafe droht, hat ihren „Alternativen Nobelpreis“ in einer privaten Zeremonie in Kairo entgegengenommen.

Sie erhielt ihn gemeinsam mit ihrer Organisation Nazra für feministische Studien „für ihr Bestehen auf Frauenrechte und auf die Gleichstellung der Frau in Umständen, in denen sie und ihre Organisation Opfer von fortdauernder Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung sind.“

Hassan konnte der Verleihungszeremonie in Stockholm im November 2016 nicht beiwohnen, da sie Ausreiseverbot hat. Die ägyptischen Machthaber verhängten es gegen sie und andere prominente Aktivisten. Ihr Vermögen und das von Nazra ist eingefroren – Teil von derzeit laufenden Ermittlungen gegen diverse ägyptische NGOs mit dem Vorwurf, ausländische Gelder angenommen zu haben.

In ihrer Dankesrede sagte Hassan: “Die Entscheidung der Right Livelihood Award Stiftung, für die Preisverleihung nach Ägypten zu kommen, ist wirklich wichtig. Denn sie bedeutet, dass uns Wertschätzung und Solidarität auch bei einem Ausreiseverbot erreichen kann. Heute fühlen wir, dass die Arbeit der ägyptischen Frauenrechtlerinnen, besonders nach 2011, von verschiedenen Akteuren auf der ganzen Welt gesehen und wertgeschätzt wird.“

Zur Verleihung, die auf dem Restaurant-Schiff Le Pacha 1901 stattfand, kamen rund 150 Gäste, darunter wichtige Personen der ägyptischen Zivilgesellschaft, europäische und ägyptische Parlamentarier, andere Preisträger, Diplomaten und Würdenträger.

Die Stiftungsvorsitzende Monika Griefahn überreichte den Preis. „Mozn Hassan und Nazra für feministische Studien verkörpern die jüngste Generation in einer langen Reihe von Anführerinnen der ägyptischen Frauenbewegung. Alle haben eine unglaublich wichtige Rolle gespielt, um die Gleichberechtigung im Land voranzubringen.“

„Die derzeitigen Sanktionen gegen Mozn Hassan und Nazra sind nicht nur ungerecht, sondern machen es auch schwieriger, ihre wichtige Botschaft weiter zu verbreiten und den Frauen in Ägypten und im weiteren Nahen Osten Stärke zu geben“, fügte Griefahn hinzu. Sie forderte, dass alle Anschuldigungen gegen Hassan fallengelassen werden sollten.

In der Zeremonie sprach auch Lynn Boylan, die im europäischen Parlament die Sinn Féin Partei vertritt. Sie sagte: „Überall auf der Welt versuchen jene, die sich von starken Frauen bedroht fühlen, diese loszuwerden und zu beleidigen. Aber Feministen werden sich nicht unterkriegen lassen. Jede neue Generation wird weiter starke und mutige Frauen haben bis die Gleichberechtigung durchgesetzt ist.“

Cecilia Magnusson, Mitglied im schwedischen Parlament, sagte: „Auch in Schweden gibt es für Frauenrechte noch etwas zu tun, aber es ist wichtig, dass wir, die wir schon so viel erreicht haben, jenen den Rücken stärken, die in anderen Ländern kämpfen, wo noch so viel im Argen liegt.“

Bärbel Höhn als Mitglied im Deutschen Bundestag sagte: „In Deutschland haben wir ebenfalls hart für unsere Rechte kämpfen müssen. Es brauchte Veränderungen in der Gesellschaft, auch Veränderungen in der Sichtweise der Männer, die nicht gewillt waren ihre Macht abzugeben. Aber es ist Fakt: Eine Gesellschaft, die die Fähigkeiten von der Hälfte der Bürger ungenutzt lässt – also die der Frauen -, wird nie die besten Ergebnisse erzielen und verschwendet ihre Möglichkeiten.

Mit der Verleihung des „Alternativen Nobelpreises“ an Mozn Hassan und Nazra geht die Auszeichnung das dritte Mal an Menschen und Organisationen in Ägypten: 1980 bekam Hassan Fathy, bekannt als der „Architekt der armen Leute“ den Preis. Die Entwicklungsinitiative Sekem und ihr Gründer Ibrahim Abouleish erhielten die Auszeichnung im Jahr 2003.

Zur Organisation Nazra

Internationale Umweltaktivisten diskutieren über Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

Beim diesjährigen Treffen internationaler Umweltpreisträger in Freiburg interessierten sich Teilnehmer aus Brasilien, China, Indien und anderen Ländern auch für das Cradle to Cradle Designkonzept. Wir hatten nach dem einführenden Vortag über das Konzept eine lebhafte, interessante Diskussion.

Das Treffen der internationalen Umweltpreisträger wird alljährlich von der European Environment Foundation organisiert. Es gibt den Teilnehmern die Chance, sich kennenzulernen und im Idealfall gemeinsam grenzübergreifend zu arbeiten. Ungefähr 100 Aktivisten nehmen in jedem Jahr teil. Die engagierten Menschen haben es in ihren Ländern nicht immer leicht – so ist die Jahrestagung auch eine Möglichkeit, unter Gleichgesinnten Kraft zu tanken für die Herausforderungen der eigenen Arbeit. Dass Umweltschützer unter Umständen gefährlich leben, zeigen Beispiele wie das von Berta Cáceres, die 2016 in ihrem Haus in Honduras getötet wurde, weil sie sich unter anderem gegen illegale Bauprojekte einsetzte. Die Preisträger verfassten auch aus diesem Anlass zum Ende der Konferenz einen Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten (siehe PDF am Ende des Artikels).

In meinem Workshop zu Cradle to Cradle, überschlugen sich die Teilnehmer mit Fragen und Diskussionsbeiträgen. Besonders interessant für mich waren in der Diskussion zwei Themen: Zum einen die Frage, ob C2C-Produktionen immer teurer seien als herkömmliche. Das konnte ich verneinen, denn oft geht die Veränderung eines Produkts nach C2C-Kriterien mit einer Verringerung der Inhaltsstoffe einher. Die alte Rezeptur zu entschlüsseln und eine neue zu entwickeln, mag mehr Geld kosten. Das neue Produkt selbst kann dann aber unter Umständen sogar günstiger werden als das alte.

Zum anderen verfochten die Teilnehmer die Ansicht, man brauche ein Label, um die C2C-Wertigkeit deutlich zu machen. Nun ist es auch bei Cradle to Cradle möglich, einen Zertifizierungsprozess zu durchlaufen. Der zeigt in verschiedenen Abstufungen von Basic bis Platin, wie sehr sich ein Hersteller schon mit seinem Produkt beschäftigt hat: Wie gut kennt er die Inhaltsstoffe, hat er problematische Inhaltsstoffe ausgetauscht, hat er ein funktionierendes Rücknahmesystem entwickelt? Letztlich aber geht es doch hauptsächlich um Transparenz, die auch ohne Label möglich ist. Der Zertifizierungsprozess macht das Produkt letztlich teurer. Offenbar aber sorgen Zertifizierungen für eine höhere Glaubwürdigkeit – mindestens im internationalen Kontext – sodass jedes Unternehmen überlegen muss, ob sich der Prozess bezahlt macht. Die Teilnehmer des Workshops jedenfalls fanden ein Label zur Orientierung wichtig.

Ich freue mich, Cradle to Cradle international bekannter gemacht zu haben. Nun hoffe ich, dass sie in ihren Ländern davon erzählen – bei den Kollegen aus den NGOs, den Unternehmen und den Kommunen. Anregungen gab es in der lebhaften Diskussion dazu allemal.

Masterclass-Video hier ansehen

Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten

„Alternativer Nobelpreis“ – Besuch beim Bundespräsidenten und im Bundestag

Von Monika Griefahn, Vorsitzende des „Alternativen Nobelpreises“

Right Livelihood Award 2016 Stockholm 11 / 2016 Photo: Wolfgang Schmidt

Right Livelihood Award Stockholm 11/2016; Foto: Wolfgang Schmidt

Zunächst war es eine Hiobsbotschaft, dann machten wir das Beste daraus – und vielleicht ist es jetzt sogar besser als vorher: Der Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) durfte 2016 nicht mehr im schwedischen Reichstag verliehen werden, wo er seit 1985 alljährlich verliehen worden ist. In diesem Jahr also waren wir gezwungen, für die Zeremonie ein Umfeld zu finden, das genauso gut deutlich macht, wie wertvoll dieser Preis für die ist, die ihn bekommen. So erhielten die Preisträger ihre Urkunden 2016 im Stockholmer Vasa Museums vor der Kulisse des pompösen und so kläglich untergegangenen historischen Kriegsschiffes Vasa. Ein wunderbares Symbol für unser Anliegen!

In diesem Jahr ging der Preis an die russische Menschenrechtlerin Svetlana Gannushkina, an die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, an die Redakteure der türkischen Zeitung Cumhuriyet und an den syrischen Zivilschutz „Weißhelme“. Mozn Hassan wurde die Ausreise aus Ägypten verweigert, sie konnte ihre Urkunde nicht persönlich entgegennehmen. Das mag deutlich machen, wie wichtig es ist, dass unser Preis, den Jakob von Uexküll einst ins Leben rief, Öffentlichkeit schaffen kann.

In einem mehrtägigen, internationalen Programm in Schweden, Deutschland und der Schweiz haben wir den Preisträgern Türen geöffnet, ihre Arbeit bekannt zu machen. Besonders hat mich gefreut, dass sich in Deutschland eine neue Parlamentsgruppe „Alternativer Nobelpreis“ gegründet und die Preisträger empfangen hat. Im Europasaal des Bundestages gab es viele Gespräche und bewegende Momente – besonders, als Ahmad al-Jussuf von der riskanten Arbeit der syrischen Weißhelme erzählte (Blog-Artikel „Weißhelme“).

Auch, dass der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck sich Zeit für die Gäste nahm, war Balsam für die Seelen. Alle Preisträger hatten Gelegenheit, weitere Menschen zu treffen, die ihnen bei ihrem Engagement helfen könnten, die ihnen zumindest deutlich machen können, dass sie mit ihrem Anliegen nicht allein sind – darunter Justizminister Heiko Maas und die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Bärbel Kofler. Das war auch in den vergangenen Jahren schon so: Unsere Preisträger sind sehr mutige Leute, sie kämpfen oft unter Einsatz ihres Lebens dafür, die Welt besser zu machen. Mit dem „Alternativen Nobelpreis“ versuchen wir, ihnen jede mögliche Unterstützung zu geben. Öffentlichkeit kann helfen, sie zu schützen.

Das Deutschlandprogramm umfasste zum Beispiel einen Besuch bei „Reporter ohne Grenzen“ für die Vertreter der Tageszeitung Cumhuriyet, einen Auftritt im Deutsch-russischen Forum für Svetlana Gannushkina und ein Gespräch der Weißhelme mit „Human Rights Watch“. In Genf war die Podiumsdiskussion „Speaking Truth to Power“ mit allen Preisträgern hervorragend besucht, und in Zürich sprach Can Dündar in einer öffentlichen Vorlesung an der Universität. Dündar ist der ehemalige Chefredakteur von Cumhuriyet. Er wurde in der Türkei der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen für schuldig befunden, nachdem er darüber berichtet hatte, dass der türkische Geheimdienst islamische Milizen in Syrien mit Munition versorgt hat. Dündar ist nach Deutschland geflohen.

Indes – die Geschichten dieses Jahres waren auch besonders bedrückend. Alljährlich zeigen uns die Preisträger, wie viel Ungerechtigkeit, Willkür und Unglück auf der Welt herrschen. Die Probleme in Deutschland werden kleiner in solchen Momenten. Selten kommt bei ihnen Hoffnungslosigkeit durch, sie sind alle stark und zuversichtlich. Doch in diesem Jahr, vor allem mit dem Blick nach Syrien, war das ein bisschen anders. Wertvoll ist und bleibt jedoch, die Menschen kennenzulernen, die an das Gute glauben. Wenn wir ihnen helfen können, müssen wir es tun.

Mehr zur Right Livelihood Award Foundation

Krieg ohne Regeln: Weißhelme in Syrien zwischen Anerkennung und bitterer Realität

Von Monika Griefahn, Fotos Janine Escher

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Wir wollten mit der Right Livelihood Award Stiftung („Alternativer Nobelpreis“) ein Zeichen setzen gegen den Krieg in Syrien und haben in diesem Jahr einen der vier Right Livelihood Awards („Alternative Nobelpreise“) an die Weißhelme in Syrien vergeben. Was für mutige Menschen! In diesem jahrelang andauernden Krieg, der keine Regeln mehr zu kennen scheint, retten sie verletzte, verschüttete Zivilisten aus zerstörten Häusern, aus den Trümmern ihres Lebens. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die Bilder ihrer Arbeit sehe. Und dann, am Tag nach der Bekanntgabe der Auszeichnung, wurden große Teile ihre Ausrüstung im Bombenhagel von Aleppo zerstört. Ohnmächtig vor Wut.

Die syrischen Weißhelme, auch Zivilschutz genannt, sind eine Gruppe aus rund 3000 Freiwilligen, die seit 2013 ihr eigenes Leben riskieren, um das anderer zu retten. Mehrere zehntausend Menschen konnten sie schon aus den Trümmern des Krieges befreien, ungeachtet ihrer Religion oder ihrer politischen Einstellung. Sie versuchen auch, zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen und über Sicherheitsmaßnahmen aufzuklären, damit die Menschen besser wissen, wie sie sich schützen können. Aus Schneidern, Lehrern und Händlern machte der Krieg Feuerwehrleute und Katastrophenhelfer.

Viele von ihnen sind in den letzten Gefechten ums Leben gekommen. Wir trauern um sie!

Es ist gut zu wissen, dass selbst in Zeiten solch dramatischer Verhältnisse, wie sie derzeit in Syrien herrschen, noch Menschlichkeit existiert. Es ist gut, dass die Barbarei anderer nicht abgefärbt hat auf jene, die an das Gute glauben. Ich wünsche mir, dass die Auszeichnung mit dem „Alternativen Nobelpreis“ den Weißhelmen in Syrien hilft, nicht den Mut zu verlieren.

Ahmad al-Jussuf gehört dem syrischen Zivilschutz an. Er ist zur Preisverleihung nach Stockholm gekommen und hat dann auch Ende November vor der neu gegründeten Parlamentariergruppe „Alternativer Nobelpreis“ des deutschen Bundestages gesprochen haben. Der Abgeordnete Michael Brand trug danach die Rede von Ahmad al-Jussuf im Parlament vor. Dafür herzlichen Dank.

Rede von Ahmad al-Jussuf:

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„Mein Name ist Ahmad al-Jussuf. Ich bin aus Syrien, repräsentiere hier den syrischen Zivilschutz, die sogenannten Weißhelme, die einzige Organisation in Syrien zur Rettung von Zivilisten, die Opfer des täglichen Bombardements werden. Bei uns arbeiten etwa 3000 Freiwillige in 120 Stützpunkten in acht syrischen Provinzen, die sich dafür entschieden haben, ihr Leben einzusetzen für die Rettung von Menschenleben an einem der gefährlichsten Orte der Welt, wo die Moral der Welt angesichts der Barbarei verschwunden ist und angesichts des organisierten Verbrechens, das dem syrischen Volk, aber auch der ganzen Menschheit angetan wird. Ganz ehrlich gesagt, ich bin ratlos und stehe hilflos vor Ihnen und hilflos vor meinen Angehörigen in Syrien, insbesondere in der östlichen Region von Ghuta bei Damaskus und in Aleppo. Aleppo, wo die Welt heute zusieht, wie Menschen abgeschlachtet werden, und wo die Welt zusieht, wie ganze Städte zerstört werden.

Ehrlich gesagt, ich habe gezögert, bevor ich mich entschied, hierherzukommen. Ich erinnere mich an meine Kameraden, meine 150 Kameraden vom Zivilschutz, die bei ihrer Arbeit, bei ihrem Versuch, Menschenleben zu retten, selbst ums Leben kamen. Ich habe mit vielen von ihnen gesprochen, und ich habe sie zurückgelassen. Sie blicken dort dem Tod ins Auge, und ich weiß nicht, mit welcher Botschaft ich zu ihnen zurückkommen soll.

Wir schätzen es sehr, dass Sie uns diesen Preis verliehen haben. Wir bedanken uns für alle Preise; denn sie sind eine Botschaft der Solidarität, die uns Hoffnung gibt. Wir bedanken uns auch für die Krankenwagen und die Feuerwehrfahrzeuge, die Sie uns schicken und die uns dabei helfen, Zivilisten zu retten, bevor sie von syrischen und russischen Flugzeugen bombardiert werden. Gleichzeitig ist es mir aber auch peinlich, solche Preise entgegenzunehmen, während unsere Angehörigen in Syrien Tag für Tag getötet werden.

In diesem Moment, während ich zu Ihnen spreche, werden Zivilisten in Aleppo, in Ost-Aleppo, obdachlos gemacht. Sie fliehen aus der Katastrophe. Sie laufen durch Trümmer und suchen nach einem Schutz. Währenddessen verbluten Verwundete angesichts der Ohnmacht der Ärzte, die ihnen keine Medikamente mehr und keine Behandlung mehr zuteilwerden lassen können, nachdem syrische und russische Flugzeuge alle Krankenhäuser und Kliniken zerstört haben. Stellen Sie sich einmal vor, welch dramatische Situation das ist! Was in Syrien passiert, ist ein unbeschreiblicher und unglaublicher Schrecken, und das Unvermögen der Welt, Schritte zu unternehmen, um all das zu beenden und um das Töten zu beenden, ist ebenso unglaublich! Was sich daraus entwickeln wird, aus Tragödien, Schmerz und Hass, ist ebenso unglaublich.

Wir tragen die Botschaft des Lebens an unser Volk und an die Welt. Wo sind unsere Partner? Wer wird sich bereiterklären, uns angesichts dieses Todes in Syrien beizustehen und uns auf dem Weg des Lebens zu begleiten? Stehen Sie zu uns, meine Damen und Herren! Stehen Sie uns bei! Stehen Sie der Menschlichkeit bei!“

Video der Rede von Michael Brand im Deutschen Bundestag

Mehr zu den syrischen Weißhelmen

Raúl Montenegro leitet den achten RLC-Campus

Von Monika Griefahn

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Cordoba

 

Es ist ein Ort des Austausches von Wissenschaftlern und Aktivisten, die sich für Menschenrechte, Umwelt und soziale Gerechtigkeit einsetzen: Jetzt  haben wir mit der Right Livelihood Award Stiftung („Alternativer Nobelpreis“) das achte Right Livelihood College (RLC) auf dem Campus der Nationalen Universität in Cordoba (Argentinien) eröffnet. Raúl Montenegro, der den „Alternativen Nobelpreis“ 2004 für sein Engagement für die Umwelt und die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen gemeinsam mit lokalen Gruppen und Indigenen erhielt, leitet den Campus. Er ist seit 1985 Professor für Evolutionsbiologie an der Nationalen Universität von Cordoba im Fachbereich Psychologie mit 10.000 Studenten, so tatkräftig und empathisch wie am ersten Tag und voller positiver Energie für die Veränderungen zum Guten.

Die Eröffnung des RLC-Campus‘ in Cordoba stand auch unter dem Eindruck der Ermordung von Berta Cáceres aus Honduras. Die Umweltaktivistin war Anfang März von Bewaffneten in ihrem Haus erschossen worden. Verwundet wurde auch ein Mexikanischer Umweltaktivist, Gustavo Castro Soto. Als Reaktion auf dieses Attentat haben rund 50 Preisträger des „Alternativen Nobelpreises“ eine Petition an den Präsidenten von Honduras, den Parlamentspräsidenten und den obersten Gerichtshof des Landes verfasst. Darin fordern sie die Regierung auf, zu diesen Geschehnissen nicht zu schweigen. Präsident und Justiz sollen das Attentat untersuchen und aufklären, um das Leben der anderen Mitglieder von Berta Cáceres Civil Council of Popular and Indegenous Organisation (COPINH) zu schützen.

Ich habe dieses Attentat in meiner Eröffnungsrede aufgegriffen, denn es erschüttert mich, wie unsicher Menschen leben, die sich doch nur für das Gute einsetzen. Neben Berta Cáceres wurden in Brasilien im April mit Leomar Bhorbak and Vilmar Bordim auch zwei junge Aktivisten erschossen, die sich für eine Landreform eingesetzt haben. Viele Menschen – 2014 waren es in Lateinamerika 88 Verteidiger von Land- und Umweltrechten – lassen für diese elementaren Themen ihr Leben, was nur zeigt, wie hart der Kampf um natürliche Ressourcen heutzutage ist. Auch Berta Cáceres hatte sich gegen ein Staudammprojekt eingesetzt.

Ereignisse wie diese betreffen auch die Aktivisten in der Nähe von Cordoba – ganz aktuell. Viele Dörfer sind bedroht durch den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat durch Monsanto. Ganze Gegenden werden per Flugzeug besprüht. Tiere züchten lohnt sich in Argentinien nicht mehr. Die neue Währung heißt Soja – für den Export: als Futtermittel, aber auch für die wachsende Vegetariergemeinde. Auf der Strecke bleiben Kinder, die schön früh Krankheiten haben, Grundwasser, das belastet ist. Die Uni und Raúl Montenegro helfen den Betroffenen vor Ort – ein wunderbares Beispiel, wie Universität im Dienste des Menschen handeln kann! Und es zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns hier in Europa weiterhin gegen die weitere Zulassung von Glyphosat einsetzen.

Es ist also in jeder Hinsicht – getötete Aktivisten oder gefährliche Chemikalie – wichtig, dass wir zusammenstehen – Akademiker mit Aktivisten, Wissenschaftler mit Studenten, Bauern mit Menschenrechtlern. Genau dafür sind die Right Livelihood Colleges da: dass wir alle einen Weg finden, die Arbeit eines jeden zu unterstützen und gemeinsam reagieren zu können, wenn jemand bedroht wird. Wir hoffen, dass unsere Einbettung in die Universitäten uns einen sicheren Raum für friedvolles Arbeiten gibt. Mit der Hilfe von Raúl Montenegro wollen wir auch in Cordoba Wege dafür finden, dass die Kriminalisierung von friedlichen Menschen aufhört und wir eine kraftvolle Zivilgesellschaft auf dem Kontinent und im Brückenschlag mit Europa bekommen.

Nepal grün machen

Von Monika Griefahn

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Weil man gemeinsam stärker ist, haben sich jetzt mehrere Träger des Right Livelihood Awards (RLA, „Alternativer Nobelpreis“) in Kathmandu (Nepal) zu einer Seminarwoche getroffen, um Shrikrishna Upadhyay von Sappros-Nepal und Partner zu unterstützen. Seine neue Initiative: Nepal grün machen. Upadhyay hat die Auszeichnung im Jahr 2010 erhalten. Preisträger aus China, Japan und Indien waren gekommen, beziehungsweise per Skype zugeschaltet, um ihr Know-how mit den Aktivisten aus Nepal zu teilen. Auch für uns vom RLA-Vorstand war die Woche lehrreich und – wie so oft – inspirierend, das Land kennenzulernen und die Menschen, die sich trotz aller Widrigkeiten für eine nachhaltigere Welt engagieren.

Die Initiative „Make Nepal Green“ entstand nach dem verheerenden Erdbeben im April 2015. Der Druck zur Erneuerung ist in Nepal groß: Nach wie vor gibt es noch viel zu tun beim Wiederaufbau 2016-02-21 10.26.44_blogdes Landes. Es herrscht in weiten Teilen Wassermangel, und selbst Tempel sind zerstört und müssen wiederaufgebaut werden. Da stimmt es wirklich positiv, dass wir eine große Offenheit spürten gegenüber erneuerbaren Energien, ökologischem Landbau und lokaler Partizipation an Entscheidungen. Die internationalen Preisträger vor Ort zu haben, verleiht der Initiative mehr Gehör, damit möglichst viele ihrer Ideen und Vorstellungen in den Wiederaufbau und in die Zukunft Nepals einfließen können. Gleichzeitig konnte jeder direkt vom Know-how des andern profitieren.

Bezüglich des Themas erneuerbare Energien war es zum Beispiel hervorragend, dass mit Huang Ming aus China ein Solar-Visionär anwesend war, wie es hierzulande der viel zu früh verstorbene Hermann Scheer gewesen ist. Ming erhielt den „Alternativen Nobelpreis“ im Jahr 2011 dafür, Hightech-Solaranlagen für die Masse attraktiv gemacht zu haben. Der Unternehmer sparte nicht mit markigen Worten: „Bei der Klima-Konferenz in Paris habe ich gesagt, dass ich mich in den letzten 21 Jahren auf China konzentriert habe. Jetzt habe ich für die nächsten 21 Jahre die Welt im Blick. Ich will die Ärmsten der Armen mit Solarenergie ausstatten und mich hier auf den Norden Nepals konzentrieren“, sagte Ming, der sich selbst als „verrückten Solartypen“ bezeichnete. Er stellt außerdem fest: „Solarenergie ist praktisch. Sie ist nicht nur für die Reichen da oder für die Mittelklasse. Sie ist auch für die Armen. Für jeden.“

Insgesamt hoffen wir von der Right Livelihood Award Foundation, einen „Make Nepal Green Fund“ auf den Weg bringen zu können. Mit dem Geld versuchen wir dann, das, was viele kleine Initiativen des Landes schon im Bereich erneuerbare Energien, Ökolandbau oder Ökotourismus tun, auf das ganze Land zu übertragen. Wir haben bei unserer Reise schon viele Kontakte mit Politikern, Banken, Diplomaten und Aktivisten geknüpft und wollen den Dialog fortsetzen. Wir wollen den Entscheidungsträgern in Nepal mit Hilfe unserer wunderbaren Preisträger zeigen, was alles möglich ist, wenn man nur will. Perfekt wäre, wenn Nepals Premierminister einmal das Unternehmen von Huang Ming anschauen würde – der Mann überzeugt jeden!

Klimawandel endlich adé? Die Klimakonferenz in Paris

Von Monika Griefahn

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Nicht gleich wieder unken, nicht gleich miesepetrig sein: Nein, dass es auf der Klimakonferenz in Paris einen Durchbruch gegeben hat, davor muss man den Hut ziehen. Seit 2012 ist das Kyoto-Protokoll ausgelaufen, 2010 das Debakel mit der gescheiterten Konferenz in Kopenhagen. Jetzt ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen darüber zu haben, dass die Erderwärmung nicht um mehr als zwei Grad steigen soll, möglichst nicht mehr als 1,5 Grad, ist erst einmal ohne Wenn und Aber ein großartiger Erfolg.

Es gab dieses Mal einen stärkeren Willen, zu einem Abschluss zu kommen als 2010. Wenn wegen Smog in Peking Alarmstufe rot ausgerufen werden muss und die Menschen dort kaum die Hand vor Augen sehen können, dann wird jedem – außer vielleicht Donald Trump klar – dass es so nicht weitergehen kann. Das Thema wurde in Paris höher aufgehängt als in Kopenhagen, was den Druck, zu einer Einigung zu kommen, verstärkt hat. Zu Beginn der Konferenz sind alle Staats- und Regierungschefs nach Paris gefahren und haben Gesicht gezeigt. Auch die Ressortminister waren vor Ort – ich war selbst im Zug mit Umweltministerin Barbara Hendricks nach Paris unterwegs, und meines Erachtens trägt vieles in der Vereinbarung auch die deutsche Handschrift.

Weiterhin gab es eine ausgefeiltere Diplomatie als 2010. Frankreichs Außenminister Fabius, Frankreichs Politik insgesamt, hat im Vorfeld der Konferenz für einen erfolgreichen Abschluss geworben und während der Konferenz geschickt agiert. Nicht zu vergessen: Diese Konferenz ist gewissenhafter vorbereitet worden – was wiederum den stärkeren Willen ausdrückt, ein Ergebnis erzielen zu wollen.

Auch ein Mann, den ich noch nicht lange persönlich kenne, aber der mir schnell sehr wichtig geworden ist, hat alles in die Waagschale geworfen, was er hatte: Tony de Brum, der Außenminister der Marshall-Inseln, den wir gerade erst mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet haben. Auf den Marschallinseln sind Springfluten längst Alltag, da der Meeresspiegel steigt.

Schon bei einer Festveranstaltung des Right Livelihood Awards in Genf, kurz nach Beginn der Klimakonferenz, haben Barbara Hendricks und er deutlich gemacht, wie wichtig das Klima-Abkommen ist. Vielleicht haben der „Alternative Nobelpreis“ und Barbara Hendricks‘ Laudatio geholfen, Tony de Brum das Gehör zu verschaffen, das er benötigt hat. Wenn ja, dann hat die Auszeichnung genau den Zweck erfüllt, für die sie ins Leben gerufen wurde.

Jetzt sind also die neuen Klimaziele da:IMG_3473_Rohloff.Pictures_quelle_Jonas-Rohloff_blog

  • Die Erderwärmung soll im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um maximal 2 Grad steigen, besser noch nur um 1,5 Grad.
  • Bis 2100 sollen nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als durch Senken wieder kompensiert werden können. Man merke auf: Es geht nicht nur um CO2 – es geht um alle Treibhausgase, also auch Methan und Lachgas.
  • Alle fünf Jahre sollen die Ziele nachgebessert werden, wenn nötig
  • Industriestaaten sollen ihre Entwicklungshilfe in Richtung Klimaschutz intensivieren, ärmeren Staaten soll geholfen werden.

Was die Staaten derzeit in ihren nationalen Klimaschutzplänen zusammengetragen haben, reicht noch nicht, um diese Ziele zu erreichen. Es liegt aber ja auf der Hand, was jeder tun muss, und ich wünsche mir, dass Deutschland die Sache wieder so ernst nimmt wir zu Zeiten der Rot-grünen Koalition:

  • Mehr Naturschutz, Förderung ökologischer Landwirtschaft und naturnaher Waldwirtschaft. Denn gesunde Böden, reife Wälder und unberührte Moore sind hervorragende natürliche Speicher von Treibhausgas.
  • Ein konsequenter Weg hin zu 100 Prozent erneuerbare Energien. Hermann Scheer hat in seinem Buch „Der energethische Imperativ“ aufgezeigt, wie es geht. Und bitte nicht von den etablierten Playern Angst machen lassen. Der Strukturwandel auf dem Energiesektor ist unumgänglich.
  • Veränderte Mobilitätskonzepte mit alternativen Antrieben wie Öko-Elektro oder – für den Übergang – Erdgas.
  • Bewusstseinsänderung: Vielleicht ist das die wichtigste und schwierigsten Aufgabe, die die Staaten haben: Sie müssen es schaffen, aus jedem Beitrag zum Klimaschutz eine gute Tat zu machen. Durch Anreize, die sie entwickeln, durch Bilder, die sie zeichnen, durch Konzepte, die sie anbieten. Jeder Beitrag zum Klimaschutz ist eine gute Tat, wird aber allzu oft noch als Gängelung oder Verzicht oder unattraktive Notwendigkeit empfunden. Erst, wenn die Menschen Spaß daran haben, das Klima zu schützen (sprich: sich selbst und ihre Gesundheit zu schützen), dann werden sie es als wohltuend und gewinnbringend empfinden. Und erst dann wird es 100prozentig funktionieren.

Also: los geht’s.

Das Foto oben zeigt Jakob von Uexküll, Tony de Brum und Monika Griefahn. Das Foto weiter unten zeigt Tony de Brum und Barbara Hendricks auf der RLA-Festveranstaltung in Genf. Foto: Jonas Rohloff.

„Alternative Nobelpreise“ gehen nach Italien, Uganda, Kanada und an die Marshallinseln

Aus der Pressemitteilung der Right Livelihood Award Stiftung

Der Außenminister der Marshallinseln, der mit den Mitteln des Völkerrechts die Atommächte herausfordert; eine Inuit-Aktivistin, die für die Erhaltung der Arktis im Angesicht des Klimawandels kämpft; eine ugandische Menschenrechtlerin, die sich gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Afrika einsetzt und ein italienischer Arzt und Kriegsgegner, der zahllose Menschenleben in bewaffneten Konflikten gerettet hat, sind die diesjährigen Preisträger des Right Livelihood Award, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.

De Brum & Todd SternDer Ehrenpreis geht in diesem Jahr an

Tony de Brum und das Volk der Marshallinseln, „in Anerkennung ihrer Vision und ihres Mutes, mit rechtlichen Mitteln gegen die Atommächte vorzugehen, weil diese ihren Abrüstungsverpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht nachkommen”. (Foto: Public domain; Tony de Brum (l.) with US Special Envoy for Climate Change Todd Stern)

Sheila Watt-CloutierDrei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von umgerechnet rund 320.000 Euro:

Die Jury ehrt Sheila Watt-Cloutier aus Kanada „für ihren lebenslangen Einsatz für die Rechte der Inuit und für den Erhalt ihrer Lebensgrundlage und Kultur, die vom Klimawandel akut bedroht sind“. (Foto: Stephen
Lowe)Kasha Jaqueline Nabagesera

Die Jury zeichnet Kasha Jacqueline Nabagesera aus Uganda aus, „weil sie sich trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt mit Mut und Hartnäckigkeit für das Recht von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen auf ein Leben ohne Vorurteile und Verfolgung einsetzt“. (Foto: Christine DierenbGino Stradaach)

Gino Strada, Mitgründer der Organisation EMERGENCY (Italien), erhält den Preis „für die Schaffung hervorragender medizinischer und chirurgischer Nothilfe für die Opfer von Konflikt und Ungerechtigkeit und für seinen furchtlosen Einsatz gegen die Ursachen von Krieg“. (Foto: Emergency)

Die Preisträger wurden unlängst von der Vorsitzenden der Right Livelihood Award Stiftung, Dr. Monika Griefahn, und dem Stiftungsdirektor Ole von Uexküll in Stockholm bekannt gegeben. Die Stiftung übergibt die Preise am 30. November feierlich im schwedischen Parlament.

Ole von Uexküll zeigte sich beeindruckt von den persönlichen Leistungen und dem unerschütterlichen Engagement der Preisträger: „Die vier tun nicht weniger, als für unsere Grundrechte zu kämpfen – für die Rechte von indigenen Völkern oder Homosexuellen und für das Recht aller Bürger auf ein Leben frei von Krieg und Klimachaos. Mit ihrer unermüdlichen Arbeit, an den Schauplätzen globaler Krisen und in Gerichtssälen, verteidigen sie die Werte, die vor 70 Jahren zur Gründung der Vereinten Nationen führten. Im Angesicht sich zuspitzender humanitärer Notstände bieten sie konkrete Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Krieg, Klimawandel und Diskriminierung.“

Monika Griefahn zollte den eigenen Preisträgern ihren Respekt, freut sich aber auch darüber, dass der Friedensnobelpreis 2015 an das Quartett für den Nationalen Dialog aus Tunesien ging. Der Gruppe wünscht sie viel Erfolg in ihren Bemühungen um eine pluralistische Demokratie. Das sei eine schwere Aufgabe.

Weitere Informationen zu den Preisträgern des „Alternativen Nobelpreises“ gibt es auf der Internetseite der Right Livelihood Award Stiftung.

Die Mitteilung ist in Schwedisch, Spanisch, Italienisch oder Französisch verfügbar. Klicken Sie bitte jeweils auf die Sprache.

Für die englische Version klicken Sie bitte hier.

Geballte Frauenpower und solare Technik für den Alltag

Von Monika Griefahn

Right Livelihood Laureates and observers at Asian Regional Confe

 

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Immer wieder überraschen und überwältigen mich das Engagement und die Durchsetzungskraft unsere Alternativen Nobelpreis-Gewinner!

Vom 3. bis zum 6. März trafen sich die Preisträger aus dem asiatischen und pazifischen Raum auf Einladung der Tata-Universität, Centre for Livelihoods and Social Innovation (CLSI) in Mumbai, Indien. Da stellte nicht nur Huang Ming aus China seinen transportablen Solarkocher vor, sondern Shrikrishna Upadhyay aus dem Nepal vermittelte uns auch, welche Kräfte die eine Million Menschen, die im ländlichen Nepal ihre Lebensbedingungen gemeinschaftlich verbessert haben, mobilisieren konnten.

Monika Griefahn, Huang MingBesonders beeindruckend waren wieder einmal die Frauen: Sima Samar aus Afghanistan sowie Medha Patkar und Ruth Manorama aus Indien, unterstützt durch den Menschenrechtler Basil Fernando aus Hongkong/Sri Lanka, stellten sehr deutlich dar, wie wichtig die Bildung und Gesundheitsversorgung von Frauen für die Weiterentwicklung von Gesellschaften ist.

Madha Patkar streitet für die Wanderarbeiter/innen, die noch nicht einmal die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen, da sie keinen festen Wohnsitz haben. Und die Angehörigen der Dalit, der unteren Kaste in Indien, die es eigentlich laut Verfassung nicht mehr gibt, werden noch immer aus Geschäften gejagt (ich habe es selbst gesehen!) und bekommen auch viel weniger die Möglichkeiten, eine anständige Ausbildung zu machen. Ruth Manorama hat als charismatische Kämpferin schon viel für die Schwächsten in der Gesellschaft erreicht. Aber das Bewusstsein ist noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen. Und Sima Samar hat aus Mangel an Einrichtungen mal eben selbst ein Krankenhaus, eine Schule und eine Universität und Ausbildungseinrichtungen – eben auch für Frauen – gegründet und vorangetrieben. Als ich dieser Diskussion „Transforming Livelihoods: Creating an Enabling Environment for Civil Society in the Asia-Pacific“ so zuhörte, fühlten sich unsere Diskussionen hier in Europa schon fast als Jammern auf hohem Niveau an.

Diese anstrengende und lehrreiche Woche, die aber auch zeigte, dass es überall Menschen gibt, die für das Gute eintreten und es auch erreichen, endete mit einer Ersten Konferenz der Right Livelihood Colleges. Das sind die sieben Universitäten (in Mumbai in Indien, Addis Abeba in Äthiopien, Port Hartcourt in Nigeria, Valdivia in Chile, Lund in Schweden, Bonn in Deutschland und Santa Cruz in den USA) weltweit, die genau das versuchen weiterzugeben: den Geist der Innovation und Möglichkeiten, und zwar in einer menschlichen und nicht nur in einer technischen Hinsicht – wie unsere Gastgeberin Prof. Dr. Swati Banerjee vom Tata-Institute for Social Sciences ihren Bildungsauftrag beschrieb.

Neuer Wind in Ägypten

Von Monika Griefahn

Sekem-Besuch

Ich komme gerade aus Kairo zurück, wo ich als Vorstandsmitglied der Heliopolis-Universität unterwegs war. Die Nachhaltigkeits-Universität Heliopolis gehört zu Sekem, einer Initiative für organischen Landbau und ganzheitliche Produktion, die tausenden Menschen dort Arbeit gibt. An der Uni, die 2012 gegründet wurde, werden inzwischen 554 Studenten ausgebildet, davon 397 in (Pflanzen-)Pharmazie, 92 Ingenieure, und 65 in Sustainable Business und Marketing.

Nicht nur reine Fachausbildung wird dort geleistet, sondern die zum Teil sehr schüchternen Studenten entwickeln sich zu Persönlichkeiten und lernen auch, dass Musik, Kunst und anderen soziale Fähigkeiten ihnen helfen, Konflikte anders anzugehen und auf andere zuzugehen. Das sind die Menschen, die wir in einem Land, dass so viele Umstürze hinter sich, aber noch nie echte Demokratie erlebt hat, dringend brauchen. Ägypten ist aber ein Land, in dem gute Hoffnungen bestehen, dass der arabische Frühling dauerhaft Früchte trägt – umso wichtiger ist das Engagement der Heliopolis.

Die Forschungen an der Universität zeigen auch, dass nur biologischer Landbau die zukünftige Ernährung sichern kann – nicht Gentechnik oder andere konventionelle Techniken. Sekem ist ohnehin seit Jahrzehnten der beste Beweis dafür.

Das bedeutet kein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert, wie so oft geunkt wird. Denn in der biologischen Landwirtschaft kommen gleichwohl neueste Techniken zum Einsatz. In Sekem arbeitet man mit Solarpumpen, die die unterirdische Bewässerungen der Felder noch nachhaltiger gestalten, und  mit Gewächshäusern aus Photovoltaikplatten, die Aquakultur ermöglichen. Das Projekt wird von der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft der KfW, gefördert. Mit Extrakten aus Heilkräutern ist es außerdem möglich, nicht gewünschte Insekten fernzuhalten.

Vieles, was die Uni erforscht oder lehrt, kommt auch gleichzeitig direkt der „Commmunity“ – was Gemeinde und Gemeinschaft bedeutet – zugute. Beispiel Wasser – ein rares Gut in Ägypten. Im Prinzip müssen 40 Prozent des Wassers importiert werden, also geht alles darum, den „Wasserfußabdruck“ zu verringern. Aber wie, wenn man weiß, dass für eine Pizzaschnitte schon 1260 Liter verbraucht werden? Das rechnete Dr. Hani Sewilami von der RWTH Aachen vor (Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen). Frische organische Lebensmittel sind da eine Alternative. Wie anerkannt Sekem inzwischen ist, zeigt, dass auch die internationale Demeter-Gesellschaft im Juni in Sekem tagen wird – ein Bio-Verband, der eine lange Tradition hat und hohes Vertrauen genießt.

Die drei Säulen der Heliopolis-Universität verbinden Bildung und Forschung mit Anwendung in der „Community“. Wenn man die leuchtenden Augen der Studenten bei der Präsentation ihrer Labors sieht, dann weiß man, dass die Sekem-Gruppe um den Alternativen Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish mit der Verwirklichung ihrer Vision die richtige Entscheidung getroffen hat: Inzwischen bestehen ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Firma, die die Produkte verarbeitet, ein Kindergarten und eine Schule, eine Lehrwerkstatt… Da war es ganz folgerichtig, auch eine Universität zu gründen, um die Erfahrungen aus der Initiative weiterzutragen, aber auch, um sie zu dokumentieren und weiter zu erforschen.

Lassen Sie uns diese engagierten und mutigen Menschen unterstützen!

Das ist Sekem.

Das ist die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.