Kategorie-Archiv: „Alternativer Nobelpreis“

Neuer Wind in Ägypten

Von Monika Griefahn

Sekem-Besuch

Ich komme gerade aus Kairo zurück, wo ich als Vorstandsmitglied der Heliopolis-Universität unterwegs war. Die Nachhaltigkeits-Universität Heliopolis gehört zu Sekem, einer Initiative für organischen Landbau und ganzheitliche Produktion, die tausenden Menschen dort Arbeit gibt. An der Uni, die 2012 gegründet wurde, werden inzwischen 554 Studenten ausgebildet, davon 397 in (Pflanzen-)Pharmazie, 92 Ingenieure, und 65 in Sustainable Business und Marketing.

Nicht nur reine Fachausbildung wird dort geleistet, sondern die zum Teil sehr schüchternen Studenten entwickeln sich zu Persönlichkeiten und lernen auch, dass Musik, Kunst und anderen soziale Fähigkeiten ihnen helfen, Konflikte anders anzugehen und auf andere zuzugehen. Das sind die Menschen, die wir in einem Land, dass so viele Umstürze hinter sich, aber noch nie echte Demokratie erlebt hat, dringend brauchen. Ägypten ist aber ein Land, in dem gute Hoffnungen bestehen, dass der arabische Frühling dauerhaft Früchte trägt – umso wichtiger ist das Engagement der Heliopolis.

Die Forschungen an der Universität zeigen auch, dass nur biologischer Landbau die zukünftige Ernährung sichern kann – nicht Gentechnik oder andere konventionelle Techniken. Sekem ist ohnehin seit Jahrzehnten der beste Beweis dafür.

Das bedeutet kein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert, wie so oft geunkt wird. Denn in der biologischen Landwirtschaft kommen gleichwohl neueste Techniken zum Einsatz. In Sekem arbeitet man mit Solarpumpen, die die unterirdische Bewässerungen der Felder noch nachhaltiger gestalten, und  mit Gewächshäusern aus Photovoltaikplatten, die Aquakultur ermöglichen. Das Projekt wird von der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft der KfW, gefördert. Mit Extrakten aus Heilkräutern ist es außerdem möglich, nicht gewünschte Insekten fernzuhalten.

Vieles, was die Uni erforscht oder lehrt, kommt auch gleichzeitig direkt der „Commmunity“ – was Gemeinde und Gemeinschaft bedeutet – zugute. Beispiel Wasser – ein rares Gut in Ägypten. Im Prinzip müssen 40 Prozent des Wassers importiert werden, also geht alles darum, den „Wasserfußabdruck“ zu verringern. Aber wie, wenn man weiß, dass für eine Pizzaschnitte schon 1260 Liter verbraucht werden? Das rechnete Dr. Hani Sewilami von der RWTH Aachen vor (Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen). Frische organische Lebensmittel sind da eine Alternative. Wie anerkannt Sekem inzwischen ist, zeigt, dass auch die internationale Demeter-Gesellschaft im Juni in Sekem tagen wird – ein Bio-Verband, der eine lange Tradition hat und hohes Vertrauen genießt.

Die drei Säulen der Heliopolis-Universität verbinden Bildung und Forschung mit Anwendung in der „Community“. Wenn man die leuchtenden Augen der Studenten bei der Präsentation ihrer Labors sieht, dann weiß man, dass die Sekem-Gruppe um den Alternativen Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish mit der Verwirklichung ihrer Vision die richtige Entscheidung getroffen hat: Inzwischen bestehen ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Firma, die die Produkte verarbeitet, ein Kindergarten und eine Schule, eine Lehrwerkstatt… Da war es ganz folgerichtig, auch eine Universität zu gründen, um die Erfahrungen aus der Initiative weiterzutragen, aber auch, um sie zu dokumentieren und weiter zu erforschen.

Lassen Sie uns diese engagierten und mutigen Menschen unterstützen!

Das ist Sekem.

Das ist die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.

„Alternativer Nobelpreis“: Edward Snowden erhält Auszeichnung

Von Monika Griefahn

Edward Snowden ( Foto: The Guardian)

Foto: The Guardian

Als Jury-Mitglied und Co-Vorsitzende der Right Livelihood Award Foundation ist es mir eine Ehre, auch hier in meinem Blog verkünden zu können, wer in diesem Jahr unsere Auszeichnung erhalten wird. Der „Alternative Nobelpreis“ belohnt Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Kampf gegen den Klimawandel.

2014 geht der nicht dotierte Ehrenpreis an Edward Snowden (USA), „weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt“, und an Alan Rusbridger (Großbritannien) „für den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt“. Zwar ist der Ehrenpreis nicht mit einem Preisgeld verbunden, aber wir als Stiftung haben vor, Rechtskosten für Edward Snowden zu finanzieren.

Drei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 1,5 Millionen Schwedischen Kronen (ca. 162.000 EUR): Wir haben Asma Jahangir (Pakistan) ausgezeichnet, „weil sie die Menschenrechte in Pakistan und darüber hinaus verteidigt, schützt und stärkt – oft in sehr schwierigen und komplexen Situationen und unter großem persönlichen Risiko“. Es ist das erste Mal, dass ein Right Livelihood Award nach Pakistan geht.

Die Jury ehrte weiterhin Basil Fernando und die Asian Human Rights Commission (Hongkong/China) „für die unermüdliche und herausragende Arbeit für die Umsetzung der Menschenrechte in Asien und deren Dokumentation“.

Auch Bill McKibben (USA) hat uns beeindruckt mit seinem Engagement. Er erhält den Preis „für die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit“.

Die Verkündung der Preisträger war für den 25. September im Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums geplant, wo diese seit 1995 stattgefunden hat. Die Pressekonferenz wurde aber vom schwedischen Außenministerium in diesem Jahr abgesagt. Die Stiftung hat daher entschieden, die Nachricht schon einen Tag vorher über ihre Website und über Nachrichtenagenturen zu verbreiten.

Zur Internetseite der Right Livelihood Foundation.

Appell der Umweltpreisträger!

Von Monika Griefahn

160 Gewinner von Umweltpreisen aus verschiedenen Ländern haben einen eindringlichen Appell an alle Stiftungen und Menschenfreunde der Welt gerichtet, mit ihrem Geld die Maßnahmen zu unterstützen, die zur Rettung der Zivilisation beitragen. Angesichts der Erderwärmung, angesichts der Gefahr, sich aufgrund von Umweltkatastrophen nicht mehr mit Nahrung versorgen zu können, angesichts des Eindrucks, dass Regierungen nicht ihre ganze Kraft gegen den Treibhauseffekt einsetzen, angesichts all dessen möchten die Umweltpreisträger ein Zeichen setzen und weitere Gelder für den Schutz des Klimas generieren. Der Appell wurde mit einer durch Crowd-Funding finanzierten Anzeige in der New York Times verbreitet und maßgeblich über die European Environment Foundation vorbereitet.

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Konferenz der Weltverbesserer im positivsten Sinne

Von Monika Griefahn

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Monika Griefahn und Ibrahim Abouleish

„Regionalkonferenz klingt klein und überschaubar. Die Regionalkonferenz der Right Livelihood Award Foundation – also der Stiftung, die den „Alternativen Nobelpreis“ vergibt –umfasste jedoch ganz Afrika und den Nahen Osten. Sie fand Pfingsten in Sekem nahe Kairo statt. Aus dieser „Region“ waren zehn Preisträger zusammengekommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und eine Plattform für ihr Anliegen zu schaffen. Nicht zuletzt ging es darum, mit dieser neuen Öffentlichkeit den Schutz der Einzelnen zu erhöhen und perspektivisch enger zusammenzuarbeiten, um den großen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.

Für mich war es ein großartiges Gefühl, wieder in Sekem zu sein. Das Projekt wurde 2003 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet, und es ist eine Freude zu sehen, wie diese Oase in der Wüste sich entwickelt.

Aber der Reihe nach: Wer nahm an der Konferenz teil? Das waren:

–          Dr. Ibrahim Abouleish, Sekem-Gründer, Ägyptent (RLA 2003) und Helmy Abouleish, der Geschäftsführer von Sekem

–          Nnimmo Bassey, Nigeria (RLA 2010)

–          Matron Sr. Tenadam Bekele Wolde, Äthiopien (RLA 2009)

–          Jumanda Gakelebone, Botswana (RLA 2005)

–          Guillaume Harushimana, Burundi (RLA 2002)

–          Legborsi Saro Pyagbara, Nigeria (RLA 1994)

–          Jacqueline Moudeina, Tschad (RLA 2011)

–          René Ngongo, Demokratische Republik Kongo (RLA 2009)

–          Nomewende Joël Ouedraogo, Burkina Faso, (RLA 1990)

Raji Sourani aus dem Gaza-Streifen (RLA 2013) konnte nicht kommen, da die Grenze schon seit Monaten geschlossen ist; ebenso mussten Dr. Ruchama Marton (RLA 2010) und Adam Keller von Gosh Schalom ihre Teilnahme absagen, weil kein Visum für israelische Teilnehmer ausgestellt wurde. Gekommen war hingegen noch Dr. Hans Herren aus der Schweiz/Kenia (RLA 2013).

Der Name „Sekem“ ist jetzt ein paar Mal gefallen – es ist ein Betrieb, der von dem Ägypter Ibrahim Abouleish im Jahre 1978 mitten in der Wüste aufgebaut wurde. Heute gibt es dort eine Produktion für biologische Lebensmittel in Demeter-Qualität, ein pharmazeutisches Unternehmen für Pflanzenmedizin, einen Betrieb für Kleidungsstücke aus ökologischer Baumwolle, die auch in Deutschland zum Beispiel bei dm verkauft werden. Ferner umfasst das Gelände eine Schule, einen Kindergarten, eine Krippe, eine Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen, eine Ausbildungsstätte für Tischler, Elektriker, Maschinenbauer und Erzieher sowie den Bereich der Lehrerfortbildung. 2012 hat sogar eine „Nachhaltigkeitsuniversität“ ihren Betrieb aufgenommen – die Heliopolis Universität mit den Fachbereichen Pharmazie, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften.

Das Treffen gab wichtige Inspirationen für Zusammenarbeit zwischen den Preisträgern, die in sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern agieren – zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte oder der organischen Landwirtschaft. Auch ging es um Gesundheitsfragen, zum Beispiel um die Fistelerkrankungen vieler beschnittener Frauen auf dem afrikanischen Kontinent.

An der Uni hatten wir die Chance, mit ägyptischen Organisationen besonders aus dem NGO-Bereich zu diskutieren. Schnell konnten wir feststellen, dass die (nicht)Unabhängigkeit des Rechtssystems in Tschad ein ähnliches Problem ist wie eine überforderte oder nicht handelnde Regierung im Ogoniland in Nigeria. Dort wird die seit 2011 existierende UN- Resolution nicht umsetzt, das ölverseuchte Land zu sanieren. Auch die „Bushmen“ in Burkina Faso stoßen an Grenzen: Ihr Recht auf ihr Land wird ignoriert, obwohl nur noch 5000 von ihnen dort leben.

Aber wir bekamen auch Hoffnung: Sekem, aus dem Nichts aufgebaut, gibt heute mehr als 3000 Menschen Arbeit, und bezieht Lieferungen von Hunderten Bauern im Nildelta, die auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben. Hans Herren zeigte auf, dass die Zukunft der Ernährung nicht in der Gentechnik liegt, und mithin nicht bei den großen Konzern wir Monsanto oder Syngenta, sondern in Familienbetrieben, die heute 75 Prozent der Lebensmittel zur Verfügung stellen.

Die Preisträger vereinbarten eine gemeinsame Pressearbeit, Petitionen und starteten gleich mit einer Unterschriftenaktion zur ökologischen Landwirtschaft. So sieht Engagement aus!

"Right Livelihood"-Regionalkonferenz in Kairo

Bangladesch auf dem Weg zur „Solar-Nation“

Von Moritz Petersmann

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Man kommt ins Staunen, wenn man Dipal Chandra Barua berichten hört von seiner Arbeit und seiner Vision: Bangladesch soll die weltweit erste „Solar-Nation“ werden! Das mag im ersten Moment nach einer Träumerei klingen, schaut man sich jedoch genauer an, was der Träger des Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) leistet, stimmt das optimistisch. Auf der Konferenz „Teaching Right Livelihood“ – ausführlicher bloggte Monika Griefahn dazu am 27. Mai 2014 – hatte ich die Ehre ihn zu treffen und an einem Workshop teilzunehmen, in dem er seine Arbeit vorstellte und anschließend mit dem Publikum diskutierte.

Dipal Barua

Schnell konnte man feststellen, dass Dipal Chandra Barua nicht nur über Probleme und Missstände lamentiert, sondern selbst aktiv ist, vor Ort Probleme direkt an der Wurzel anpackt und langfristige Lösungen anbietet. Tausende Dörfer in Bangladesch besuchte Dipal Chandra Barua bereits und machte sich vor Ort ein Bild. Oft leben die Menschen in diesen ländlichen Gebieten Bangladeschs ohne einen Anschluss an das Stromnetz (1996 etwa 85 Prozent der Bevölkerung) und somit nach Sonnenuntergang in absoluter Dunkelheit. Als Lichtquelle dienen an erster Stelle kerosinbetriebene Lampen.

Seit Gründung der Non-Profit-Organisation Grameen Shakti 1996 verändert sich die Lebenssituation in den beschriebenen ländlichen Gebieten jedoch zusehends. Denn Dipal Chandra Barua bietet mit seinem Modell zur Verbreitung nachhaltiger Beleuchtung und Energie eine Win-Win Situation: Die ländliche Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Chance durch Installation eigener „Solar Home“-Systeme (SHS) den Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer, klimafreundlicher Energien voranzutreiben. Dabei hilft ein finanzieller Mechanismus, der die Kosten für eine eigene Solaranlage auf die monatlichen Kosten für Kerosin reduziert. Und das Modell hat Erfolg: Bis heute wurden etwa 3 Millionen „Solar Home“-Systeme in ländlichen Gebieten Bangladeschs installiert. Bemerkenswert ist ebenso, dass Dipal Chandra Barua durch seine Green Technology Center (GTC) explizit Frauen unterstützt und ermutigt, eine technische Ausbildung zu absolvieren. Auch dies mit Erfolg! Viele Frauen arbeiten als „grüne Entrepreneure“ im wachsenden Markt der erneuerbaren Energien und bewirken neben dem positiven Umweltnutzen auch ein verändertes Ansehen von Frauen in der muslimisch geprägten Gesellschaft Bangladeschs…

Dipal Barua zeigt wie es funktionieren kann mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern: dezentral und mit einem Mehrwert für Gesundheit, Bildung und Produktivität. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann Dipal Chandra Baruas Vision in Erfüllung geht und 75 Millionen Menschen in Bangladesch von der Nutzung erneuerbarer Energien profitieren!

Teaching Right Livelihood – jeder kann die Welt verändern!

Von Monika Griefahn

Teaching Right Livelihood (v.l.): Monika Griefahn, Dipa Barua, Sima Samar und Raul Montenegro.

 

Die Träger des Right Livelihood Awards – des „Alternativen Nobelpreises“, sind allesamt Vorbilder für persönliches Engagement, Durchsetzungskraft und Überzeugung. Es sind Leute, die die Welt verbessern, und darum ist es nur folgerichtig, wenn wir die Gedanken und Visionen des Preises und seiner Preisträger in schulisches Lernen integrieren. Wir animieren junge Leute, auch Vorbild zu sein! Unter diesen Vorzeichen stand die Lehrerfortbildung „Teaching Right Livelihood“ an der Universität in Kassel vergangene Woche. Ich durfte sie eröffnen, und wie immer in der Gegenwart von Preisträgern fühlte ich mich irgendwie auf dem richtigen Weg. Ich hoffe, die Lehrerinnen und Lehrer sind genauso gestärkt und inspiriert aus der Tagung hervorgegangen wie ich.

Im Juni 2012 hat Ellen Christoforatou, die Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung ist, bereits einen Grundstein gelegt mit der Herausgabe einer Handreichung für Lehrkräfte und Lehrerbildner mit englischsprachigen Unterrichtsmaterialien zum Thema „Teaching Right Livelihood“. Die Konferenz war ein weiterer Meilenstein.

Drei Preisträger waren zugegen, berichten aus ihren Projekten, von ihren Erfolgen und Schwierigkeiten: Dr. Sima Samar, Prof. Dr. Raúl Montenegro und Dipal C. Barua. Sima Samar, die sich in Afghanistan für Menschenrechte einsetzt, speziell für die Rechte der Frauen; Raúl Montenegro aus Argentinien, der sich in beeindruckender Weise für den Schutz der Umwelt und natürlicher Ressourcen engagiert; Dipal C. Barua, der 2007 ausgezeichnet wurde, weil er die Verbreitung von Solartechnik und anderer erneuerbarer Energiequellen in Dörfern in Bangladesch maßgeblich vorantreibt.

Ich fand besonders klasse, was Raul Montenegro gesagt hat: Die Preisträger seien keine Helden, keine Führungspersönlichkeiten. Sie seien ganz normale Menschen, die ihre Fähigkeiten nutzten, um etwas zu verändern in der Welt. Die Dinge so zu sehen, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, denn es bedeutet, dass jeder in der Lage ist, die Welt zu verändern! Die Konferenz versuchte, dies durch eine Kombination aus wissenschaftlicher Tagung und schulpraktischen Foren zu vermitteln. Wenn die Lehrer diese Einstellung in die Schulen weitertragen, werden in der nächsten Generation viele mutige und entschlossene Menschen heranwachsen. Darauf freue ich mich!

Stiftungen sollen ihr Kapital umweltverträglich und fair anlegen

Von Monika Griefahn

Plakate Freiburg

Wie bei einem Familientreffen fühlte ich mich da: alte Mitstreiter und neue Preisträger, die die Stadt Freiburg mit ihrem Bürgermeister Dr. Dieter Salomon gemeinsam mit dem Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme von Prof. Eicke Weber eingeladen hatte. Das Treffen der Umweltpreisträger aus aller Welt beim internationalen Kongress der European Environment Foundation war eine wunderbare Runde, um sich auszutauschen, zu inspirieren und auch etwas zu lernen und nicht zu vergessen, auch Spaß miteinander zu teilen.

Ich habe zum Beispiel Ernst Ulrich und Christine von Weizsäcker getroffen, die jeder in ihrem Feld vieles bewegt haben: Ernst Ulrich zum Thema Energie und Christine zur biologischen Vielfalt. In Freiburg waren auch Dipal Barua, einer der Mitbegründer von Grameen Shakti, einer Organisation für Solar-Home-Anlagen in Bangladesh, (auch einer von den Trägern des „Alternativen Nobelpreises“), oder Jeremy Leggett, der schon gemeinsam mit mir Campaigner bei Greenpeace war und heute ein optimistisches Bild darüber malt, dass die Industrie gar nicht anders kann als in die Zukunft der Sonne zu investieren (Franz Alt wird es freuen…).

Aber wir erfuhren auch vieles über neue Projekte – zum Beispiel stellten sich die Macher des Fairphones vor. Es ist schon ein Trauerspiel, dass ein Studenten-Startup zeigen muss, wie es geht und Apple mit seiner Marktmacht es erst nach und nach anpackt: dass unsere elektronischen Geräte auch hergestellt werden können, ohne dass die Zulieferer und Erzarbeiter unter miesen Bedingungen arbeiten müssen. (Dafür macht Apple dann eine ganzseitige Anzeige in der Süddeutschen am 22. April 2014…).

Paul Walker, unsere Preisträger des Right Livelihood Awards 2014 („Alternativer Nobelpreis“) berichtete hier auch über seinen langen Kampf gegen Chemiewaffen.

Einen wegweisenden Entschluss fassten die Preisträger am Ende der Tagung: Viele sind durch Stiftungen ausgezeichnet worden, und eine Menge Stiftungskapital liegt in der Welt in nicht immer fairen und umweltverträglichen Anlagen. Wenn nur die Stiftungen, die Umweltpreisträger auszeichnen, ihre Investitionen in Kohle oder Atom zurückziehen würden, käme diese Industrie weltweit ins Straucheln. Zumindest wäre das ein wirksamer Schritt zu einem notwendigen neuen Klimaabkommen 2015 in Paris!

„Working tirelessly to rid the world of chemical weapons“ – Paul Walker

Von Moritz Petersmann

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Zu Gast in Hamburg war gestern einer der weltweit angesehensten Experten zur Abrüstung von Chemiewaffen: Paul Walker.
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Am 2. Dezember 2013 erhielt Paul Walker den Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) in Stockholm für seinen unermüdlichen Einsatz um die Welt von chemischen Waffen zu befreien. Nur eine Woche später reiste er nach Oslo, um dort die Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises zu verfolgen. Ausgezeichnet wurden dort seine Kollegen, mit denen er seit Jahren eng zusammenarbeitet: die Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW).

Eine interessante Parallele aus meiner Sicht. Erinnert man sich zurück an Wangari Maathai, die 2004 den Friedensnobelpreis erhielt – 20 Jahre nach der Auszeichnung mit dem Right Livelihood Award – so lässt sich daraus vielleicht eine Entwicklung in der Denkrichtung des Friedensnobelpreiskomitees ablesen? Fest steht zumindest, dass die beiden renommierten Preise dem Verbot chemischer Waffen Weltöffentlichkeit verliehen haben.

Einen spannenden Einblick zu diesem sehr aktuellen Thema gab Paul Walker gestern interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern in einem Vortrag mit dem Titel:

„From Ypres to Damascus: The Quest to Abolish Chemical Weapons Globally“

In seinem Vortrag berichtete Paul Walker, nach einem geschichtlichen Einblick zum Einsatz von Chemiewaffen, vor allem von den unvorstellbar großen Mengen an Chemiewaffen, die in einigen wenigen Ländern der Welt gelagert wurden, bzw. gelagert werden. Die größten, bekannten Bestände lagern in den USA und Russland. Ein prägendes Erlebnis für Paul Walker war 1994 der Besuch des russischen Chemiewaffenlagers in Shchuch‘ ye. Die Lagerstätten fand er damals in verwahrlostem Zustand vor. Die Sicherheitsvorkehrungen waren primitiv und ein riesiges Arsenal an Chemiewaffen war leicht zugänglich für jedermann. Bestürzt und zugleich angespornt durch dieses Erlebnis engagiert sich Paul Walker in den darauf folgenden Jahren bis zum heutigen Tag aktiv für die Abrüstung von Chemiewaffen.

Zu dem Prozess der Chemiewaffenvernichtung in Syrien berichtete Paul Walker dann ausführlicher: Bereits die Hälfte aller deklarierten syrischen Bestände sind vernichtet worden. Die komplette Vernichtung soll im Laufe des Jahres 2014 erfolgen. Welch aufwändiger Prozess die Zerstörung von Chemiewaffen darstellt machte Paul Walker auch klar. Obwohl er schon auf viele Erfolge in der weltweiten Abrüstung von Chemiewaffen zurückblicken kann, sieht Paul Walker seine Mission längst nicht als erfüllt und verweist auf künftige Herausforderungen, die es noch zu meistern gilt. Hervorzuheben ist dabei die enorme finanzielle Belastung, die durch die Vernichtung von Chemiewaffen entsteht und weiterhin getragen werden muss. Nicht zu vernachlässigen ist laut Paul Walker jedoch vor allem eines: Bei der Zerstörung von Chemiewaffen muss mit großer Transparenz gearbeitet werden und alle betroffenen Akteure müssen in diesen Prozess mit eingebunden werden. Das ist essentiell für den Erfolg des Programms. Chemiewaffen gehören zur Kategorie der Massenvernichtungswaffen. Gelingt es diese Klasse der Massenvernichtungswaffen komplett zu vernichten, so wäre das ein großer Erfolg auf dem Weg zu einer friedlicheren Welt. Ein Beitrag dazu wird übrigens auch in der Lüneburger Heide am Bundeswehrstandort Munster geleistet. Dort wird nämlich ein Teil der syrischen Chemiewaffen vernichtet…

Zum Kolloquium „Frieden und Sicherheit“ hatte das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) in Kooperation mit dem Carl Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) Paul Walker eingeladen.

Ausstellung „Bescheidene Helden“

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Von Monika Griefahn

Ein toller Erfolg: Die Vernissage der Ausstellung „Bescheidene Helden“ im Willy Brandt Haus war hervorragend besucht, und das aus gutem Grund: Vierzig Trägerinnen und Träger des Right Livelihood Award hat die Fotografin Katharina Mouratidi in Szene gesetzt. Allen Bildern gemein ist die Komposition – ein Rokoko-Salonsessel, auf und an dem die Preisträger sich fotografieren ließen. Die Szenerie ist gleich, die Preisträger lassen aber gerade dadurch ihre Ausstrahlungskraft wirken. Es sind eben allesamt Charakterköpfe! Eine der porträtierten Preisträgerinnen, Monika Hauser, war selbst vor Ort und hat ihre bewegende Arbeit für vergewaltigte Frauen in Bosnien, Afghanistan und dem Kongo vorgestellt.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. März 2014 – ich kann sie nur empfehlen! (Fotos in diesem Beitrag: Holger Biermann)

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Einweihung des Right Livelihood College in Nigeria

Von Monika Griefahn

Für den „Alternativen Nobelpreis“ war ich in Port Harcourt, Nigeria, um dort ein Right Livelihood College (RLC) einzuweihen. Auszüge aus der Pressemitteilung von “The Health of Mother Earth (HOMEF)” dazu sind weiter unten zu finden.

Was mich aber bei meinem Besuch in Nigeria ziemlich deprimiert hat, war der Besuch im Ogoni-Gebiet, das durch die Förderung von Erdöl verseucht ist. Es sieht dort immer noch so aus wie vor zehn Jahren – ein See aus Öl!

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Man muss wohl davon ausgehen, dass immer noch Rohöl an die Oberfläche gelangt. Wir haben das Dorf Goi besucht, das inzwischen verwaist ist. Betreten ist laut Schildern ohnehin verboten. Der ehemalige Besitzer einer Bäckerei erzählte, dass wesentliche Maschinen gestohlen wurden. Die Regierung hat den Menschen des Ogoni-Gebiets keinerlei Hilfe angeboten, kein neues Zuhause und keine Alternativen, Geld zu verdienen. Dabei hatte das United Nations Environmental Program (UNEP) einen Renaturierungsfonds für das Ogoni-Gebiet vorgeschlagen, der eine Soforthilfe von einer Milliarde US-Dollar beinhalten sollte. Gespeist werden sollte er von der nigerianischen Regierung und der Ölindustrie. Nur zum Vergleich: Seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexico sind zur Sanierung und Entschädigung der Fischer und Bürger vor Ort bislang 46 Milliarden Dollar geflossen.

Wenn wir nun in Port Harcourt ein RLC einweihen konnten, ist das auch eine direkte Unterstützung für die Ogoni, die endlich auch Argumente aus wissenschaftlicher Sicht bekommen. Unsere „Alternativen Nobelpreisträger“ können an den RLCs lehren und Mut machen. Nnimmo Bassey, unser Preisträger ist seit langem mit der Bewegung vor Ort verbunden und hat auch mit HOMEF wichtige Schritte gemacht. Er ist die Verbindungsperson zur Universität in Port Harcourt.

Hier Auszüge aus der Pressemitteilung von „The Health of Mother Earth (HOMEF)“ dazu!

The Health of Mother Earth (HOMEF), University of Port Harcourt (UNIPORT) and the Right Livelihood Award Foundation signed a Memorandum of Understanding (MoU) to co-host the Right Livelihood College (RLU) at the Faculty of Social Science on Monday 25th November, 2013. The Vice-Chancellor, Prof Joseph Ajienka ably represented by the Deputy Vice-Chancellor Prof Ethelbert Chinaka Nduka expressed his delight at the honour of being the first Nigerian university to host such a laudable initiative which will immensely benefit the students and young researchers in the university and increase the quality of education, while opening them to more international learning opportunities.
The event which was also the second edition of HOMEF’s Sustainable Academy (HOME School #02) had Comrade Noble Wadzah of Oilwatch Ghana as the lead Instigator for the session. The Right Livelihood College is an international capacity building initiative of the Right Livelihood Award Foundation to generate knowledge and communication values for a peaceful and sustainable world. The college aims to harness and promote ideas and knowledge of laureates through research and the University of Port Harcourt is the fifth of the campuses in the world.

The former Dean of Faculty of Social Sciences and chairman of the occasion, Prof Willy Okowa welcomed the guests, staff and the participating students to the event and implored them to take full advantage of the resources available. In his opening remark, Prof Alapiki, Dean of the faculty highlighted ways the young scholars can access the learning platform provided by the Right Livelihood College.

The 2010 Right Livelihood Laureate and Director of HOMEF, Nnimmo Bassey stated that “living in the Niger Delta can be equated to living in a laboratory of contestations and experimentations birthed by failed promises, dashed hopes, brutalised lives and a thoroughly polluted environment”. He continued, “We pay keen attention to the line of our national anthem that warns that “the labor of our heroes past shall never be in vain. It is this stubborn struggle for dignity and justice that has empowered the oppressed to stand on the ruins of our homesteads and shattered lives and proclaim we shall overcome, we shall rebuild, we shall not be buried in the dust.” He expressed his hope that “through this partnership with UNIPORT, doors of scholarship, exchanges and deep examination of our environment in all ramifications will be opened.”

HOMEF’s work tracks ecological and political education aimed at examining the roots of exploration of resources, labour, peoples and entire regions. It hopes this will contribute to the rebuilding of our national resources and the restoration of dignity and harmonious living with full respect of natural cycles of Mother Earth.