Kategorie-Archiv: Cradle to Cradle

Handwerk und Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

expertenkreiseEs ist schön zu bemerken, dass das Cradle-to-Cradle-Konzept inzwischen bei den allermeisten Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen werde, bekannt ist. So auch bei der Tagung der Expertenkreise „Energie und Umwelttechnik“ und „Bau- und Restaurierungstechnologien“ des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik an der Uni Hannover. Eine Welt ohne Abfall – sie wird nicht mehr nur als unerreichbare Vision gesehen, sie wird mehr und mehr zum erreichbaren Ziel. Jetzt geht es ans „Finetuning“: Wie kann Cradle to Cradle in den Betrieben angewendet und umgesetzt werden?

Bei der Tagung der Expertenkreise konnte ich einige Beispiele aus dem Handwerk vorstellen, bei denen Cradle to Cradle schon berücksichtigt wird. Immer wieder begeistert bin ich zum Beispiel von den mörtellosen Fassaden von Daas Baksteen, die mit einem Klicksystem gebaut werden. Dadurch sind sie bei Abbruch des Hauses einfach wieder auseinanderzunehmen, und die Fassade kann wiederverwendet werden. Oder – bei der Innenraumgestaltung – gibt es Stoffe, Farben und Bodenbeläge, die ohne schädliche Stoffe auskommen und so einfacher recycelt werden können. Außerdem ein Trend: Vollholzhäuser ohne Verleimungen. Der Wert eines Hauses steckt zu großen Teilen in den Materialien, und Pionier-Unternehmen präsentieren immer bessere Wege, diesen Wert auch nach der Nutzungsdauer eines Hauses zu erhalten.

Die Handwerksbetriebe, -beauftragten und Behördenvertreter bei der Expertenkreise-Tagung sprachen mit mir auch über schwierige Marktsituationen und Befürchtungen im Zusammenhang mit der Umsetzung des Konzepts. Denn dieses Konzept beinhaltet auch Leasing-Systeme für Maschinen und Bauteile. Verkauft werden sollen zum Beispiel nicht Waschmaschinen, sondern Waschgänge, nicht Fernseher, sondern Fernsehstunden. Nach einer bestimmten Nutzungsdauer erhält der Hersteller sein Gerät zurück. Er kann die Materialien dann wieder nutzen und – so das Kalkül – wird darum nur positiv definierte Materialien einsetzen. Die Betriebe, so wurde deutlich, befürchteten bei diesem Konzept, dass regionale Händler überflüssig würden und es keine Reparaturaufträge mehr gebe.

Klar ist sicherlich, dass Leasing- und Contracting-Verträge einfacher werden müssen, damit auch kleinere Betriebe die Chance haben, sich als Dienstleistungsanbieter zu behaupten. Unter Umständen sind von Dachverbänden entwickelte Musterverträge hier eine Möglichkeit, der Bürokratisierung entgegenzuwirken.

Mein Appell geht auch an die öffentliche Hand: Diese fordere, so die Aussagen bei der Expertenkreise-Tagung, vor Auftragsvergaben immer häufiger Zertifikate ein, die kleine lokale Betriebe aufgrund des Arbeits- und Finanzaufwandes, sie zu bekommen, nicht beibringen könnten. Öffentliche Auftraggeber können sich aber bei der einen oder anderen Entscheidung auch auf die Kenntnis der lokalen Gegebenheiten verlassen und den Firmen vor Ort, die sie seit Jahren oder Jahrzehnten kennen, die Erfüllung ihrer angebotenen Dienstleistungen zutrauen.

Das Bild zeigt:  (v. l.) Jans-Paul Ernsting (Handwerkskammer Hannover), Walter Pirk (Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover) und  Dr. Frank-Peter Ahlers (Handwerkskammer Hannover).

Cradle to Cradle e.V. zieht in neues Büro

Von Monika Griefahn und dem Redaktionsteam des Cradle to Cradle e.V.

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Der Verein wird flügge: Im Jahr 2012 haben wir den „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V.“ gegründet, und jetzt sind die Aktiven in Berlin in ein schönes helles Büro mit mehreren Arbeitsplätzen gezogen. Nach wie vor lebt der Verein vom Ehrenamt, vom Engagement vieler. Doch das Büro mit der hauptamtlichen Struktur, wie wir sie inzwischen haben, ist wichtige Anlaufstelle für all die Menschen, die helfen, die Cradle-to-Cradle-Denkschule in die Gesellschaft zu bringen.

Am Donnerstag, den 9. Juli 2015, begrüßten wir Aktive, Partner, Freunde und Bekannte in den ersten eigenen Räumen. Seit Anfang 2015 arbeitet das Team des e.V. in der Naugarder Straße 43 in Berlin. Unter den Gästen der Einweihungsfeier waren unter anderem die Schauspielerin, Geschäftsführerin des Miwai Eco Fashion Onlinestores und Beirätin des C2C e.V. Inez Bjørg David, die Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Clara West, der Geschäftsführer von Biomimicry Germany Dr. Arndt Pechstein, die Gründerin von Schule im Aufbruch und Schulleiterin Margret Rasfeld, der Vizepräsident der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit Martin Wittkau, Sascha Rieth von der Biocompany sowie weitere Personen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Geschäftsführer Nora Sophie Griefahn und Tim Janßen berichteten aus der Arbeit und den aktuellen Projekten. So betreut das Büroteam unter anderem die 22 Regionalgruppen im ganzen Bundesgebiet, engagiert sich in der Vorbereitung der „Akademie“ vom 21. bis 22. August und bereitet natürlich den kommenden, zweiten Cradle-to-Cradle-Kongress unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am 31. Oktober 2015 in Lüneburg vor.

Vielen Dank für die konstruktiven und freundlichen Gespräche! Das C2C-Team (siehe Foto unten, mit Monika Griefahn und Inez Bjørg David) freut sich auf die weitere Zusammenarbeit in Berlin.

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Holz und sonst gar nichts

Von Monika Griefahn und Petra Reinken

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Matthias Korff hatte schwer zu tragen, als er beim Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ an der TU Hamburg-Harburg in den Seminarraum kam. Er hatte das Muster eines Wandquerschnitts mitgebracht – komplett aus Vollholz, so, wie er Häuser baut. Matthias Korff ist der Geschäftsführer von Deepgreen Development und hat den markanten „Woodcube“ auf der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 in Hamburg-Wilhelmsburg gebaut. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist dieses mehrstöckige Wohngebäude komplett aus Holz.

Im Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ haben wir in jedem Semester externe Referenten zu Gast, die aus ihrer Arbeitswelt oder von ihrem Engagement erzählen. Sie kommen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und schaffen genau das, was mit dem Seminar erreicht werden soll: Die Studierenden, allesamt angehende Ingenieure, bekommen einen Einblick in das Denken und Handeln anderer gesellschaftlicher Akteure.

Korff erzählte, wie er zum Holz kam. Krank sei er geworden durch Chemie in Baumaterialien. Inzwischen ist er voller Überzeugung für ein Bauen ohne Kleber, ohne Beschichtungen oder synthetische Verbundstoffe. In seinen Entwürfen lässt er nur den Baustoff Holz gelten. Den Studierenden erzählte er von seinem Besuch in einer Holzproduktion, wo Schicht um Schicht mit Leim verklebt wurde – ein Leim, dessen mehrseitige Schadstoffdeklaration ihm Angst gemacht habe. In seinen eigenen Häusern, zeigte er an dem schweren Modell, das er auf den Tresen gehievt hat, sei nichts verklebt. Die einzelnen Brettlagen hielten durch Buchenholzschrauben. Einen Naturbaustoff so zu behandeln, dass er dann zu Sondermüll werde, das nennt er zynisch.

Korff erzählte, dass es kein einfacher Weg sei, mit Vollholzhäusern sein Geld verdienen zu wollen. Allein all die Tests und Gutachten, die er zum Thema Brandschutz und Dämmeigenschaften habe nachweisen müssen. Und, dass geschafft, dann der steinige Weg in der Praxis. „Wir hatten 50.000 Besucher auf der IBA bei uns im Woodcube, und ich möchte sagen, alle waren begeistert von dem Haus. Doch dann geht einer, der so ein Haus bauen will, zum Architekten und zum Bauträger, und die kennen das alles nicht und trauen sich dann auch nicht an so ein Projekt.“

Korff will das ändern, auch deswegen hat er die Einladung in unser Seminar angenommen. Er möchte, dass mehr Berufsgruppen dem Baustoff Holz wieder mehr zutrauen und ihn so nutzen, wie es seiner Meinung nach am besten ist. Pur. Bei den Studierenden hat er jedenfalls die Aufmerksamkeit für seine Herangehensweise geweckt – und dieses „Offen sein für andere Wege“ ist ja das, was wir mit dem Seminar auch erreichen möchten. Einige der jungen Leute stehen noch nach dem Seminar um den Referenten und sein Wandmodell herum und stellen Fragen. Einer sagt, er wolle mit seinem Prof über Vollholzprojekte sprechen, ein anderer fragt Korff, ob er ihn mal kontaktieren könne, wenn er in zehn Jahren ein Haus bauen wolle.

Das sind tolle Beispiele für den Cradle-to-Cradle-Gedanken!

Von Monika Griefahn

Diskussionsrunde in Weiden

Michael Spitzbarth (Foto unten, links), Gründer und CEO der „bleed clothing gmbh“ macht es vor: Er ist Textildesigner und war irgendwann nicht mehr zufrieden mit den herkömmlichen Kollektionen. Kurzerhand gründet er sein eigenes Label: bleed. „Bluten?“ fragte ich mich als Moderatorin der Veranstaltung „Ressourceneffizienz neu denken und neu handeln“ des Netzwerkes Ressourceneffizienz und des RKW Bayern in Weiden. Ich gruselte mich ein wenig. Doch da wird Michael Spitzbarth genauer. Er produziere Outdoor- und Freizeitkleidung aus biologischer Baumwolle – eine faire Produktion und vegan nach dazu, also ohne Leder und Fell. Stattdessen setzt der Designer Kork ein und unterstützt damit auch die klammen Korkbauern in Portugal.

Monika Griefahn im Gespräch

Der Betrieb von Michael Spitzbarth ist klein, nur sechs Mitarbeiter sind dort tätig. Deshalb macht der Chef viel selbst: Kontrolle der Lieferanten vor Ort, Kollektionen prüfen und eben auch über das reden, was er tut, auf Veranstaltungen wie dieser. Der Designer zeigt, dass man etwas ändern kann, wenn man sich nur drum kümmert. Und das ist ja auch das, was Cradle to Cradle will: dass man positive Substanzen aussucht, die dem Menschen und der Umwelt nicht schaden, sondern nützen. Substanzen, die faire Arbeitsverhältnisse erlauben in Unternehmen, die für ihre Produktion erneuerbare Energien nutzen.

Und solche Beispiele gab es einige bei der Veranstaltung in Weiden. So präsentierte Werner Maass, der Mitglied der Geschäftsleitung des VDI Zentrums für Ressourceneffizienz in Berlin ist, das Beispiel einer Firma, die jetzt LED-Glühbirnen in herkömmlichem Design aus nur sechs Komponenten zusammensteckt. Das macht die Einzelbestandteile wieder leichter trenn- und recyclebar. Das ist eine Revolution nach all den zusammengeklebten und ineffektiven, Müll verursachenden Energiesparlampen der letzten Jahre! Und das Beste: Diese neuen Lampen kann man in Zukunft bei einem großen nordeuropäischem Möbelhaus kaufen – auch das ist ein Fortschritt.

Mit auf dem Podium war auch Michael Korndörfer (Foto: rechts) von der CERC Umweltberatung, der darauf hinwies, dass gerade Holz in Kaskaden genutzt werden und nicht sofort als Pellet in Heizungsanlagen landen sollte. Ein Baum sollte mindestens eine so lange Lebensdauer haben, wie er gebraucht hat, um für uns zu Holz zu werden.

Dem RKW Bayern ist große Anerkennung und Dank auszusprechen, dass sie den bayrischen Mittelstandsunternehmen mit der Veranstaltung aufgezeigt hat, was alles möglich ist und dass die Innovationen gerade aus dem Mittelstand kommen. Wenn das kein Ansporn für mehr ist!

Michael Spitzbarth und Michael Korndörfer._blog

Hundertprozentig positiver Fußabdruck

Von Ina Rieck

Beim Cradle-to-Cradle-Kongress

„Es geht darum, die Menschen als Chance zu sehen und zu feiern!“ rief Professor Michael Braungart dem Auditorium zu. Und so kam es auch. Der erste Cradle to Cradle (C2C) Kongress am Wochenende an der Leuphana Universität in Lüneburg war ein regelrechtes Fest: ein Feuerwerk an Ideen und Inspiration, das Lust macht auf Mehr und Mut für die Zukunft. Mit dabei: Über 600 Menschen, quer durch alle Bereiche von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik bis Kultur und Zivilgesellschaft.
Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende des Cradle to Cradle  – Von der Wiege zur Wiege e. V., nannte den Kongress ein Meilenstein zum Ziel, dass die Vision C2C in naher Zukunft selbstverständlich ist.

Was ist C2C? Dieses radikal andere Umweltverständnis verdanken wir Professor Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough: Wir sollen mit der Umwelt nicht sparsamer, sondern intelligenter umgehen! Es ist die Vision einer Welt ohne Abfall. Kompostierbare T-Shirts werden zu Humus, Metalle werden unendlich oft zu Waschmaschinen. In dieser Kreislaufwirtschaft sind Menschen Nützlinge mit positivem Fußabdruck.

In einer scharfsinnigen Rede kritisierte Braungart bisherige Strategien: „Ökoeffizienz reicht nicht. Falsches effizient gemacht, wird nicht gut.“ Die erste Frage müsse deshalb sein: Was ist das Richtige? Es geht ihm um Effektivität, nicht um Effizienz: „Treppensteigen kostet fünfmal mehr Energie, als den Aufzug zu nehmen und ist dennoch sinnvoll für die Gesundheit. Auch Lippenstift ist vollkommen ineffizient, aber sehr effektiv.“
Dr. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Schriftsteller, bezeichnete in seiner Keynote C2C als vierte industrielle Revolution. Seine Antwort auf Kritik, das Konzept sei weder technologisch noch gesellschaftlich umsetzbar: „Mangel an Fantasie ist nicht zu verwechseln mit Realismus.“

Der C2C Verein hatte im Vorfeld betont, der Kongress sollte keine wissenschaftliche Veranstaltung werden. Das ist gelungen: Die Fantasie der Teilnehmenden wurde genährt, praktische Anregungen gab es in den zahlreichen Vorträgen, Workshops und Diskussionen im Überfluss. C2C begegnet einem im Alltag öfter als man meint: in Sitzbezügen, Teppichen, Verpackungen, Spülmitteln – und Lippenstiften. Schönheit, Vielfalt und Qualität sind also möglich, wenn Ingenieure, Designer und Marketing anders denken und zusammenarbeiten.

Anders, positiv anders, waren auch Stimmung und Atmosphäre. Das lag daran, dass die Veranstalter vieles auch anders organisiert hatten: vegetarisches Catering, zubereitet in Zelten, wiederbefüllbare Flaschen zum Mit-Nachhause-Nehmen, „essbare“ Kongressunterlagen auf C2C-Papier und Strom, sehr effektiv über Kunst generiert. Dr. Monika Griefahn und ihr junges Team aus vielen ehrenamtlichen Helfern wurden mit minutenlangem Standing Ovation gefeiert.
Die Bilanz des ersten Cradle to Cradle Kongresses? Ein hundertprozentig positiver Fußabdruck!

Ina Rieck ist Beraterin für Nachhaltigkeitskommunikation in Berlin

Der Cradle to Cradle e.V.

Die Akteure des Cradle-to-Cradle-Kongresses.

Was schafft Kultur? Gute Gespräche bei Buchvorstellung im WBH

Von Monika Griefahn

(v.l.) Monika Griefahn, Edda Rydzy, Klaus-Jürgen Scherer und Karin Seidel

Mal ganz abgesehen davon, dass Edda Rydzy und ich unser gemeinsames Buch „Natürlich wachsen“ vorgestellt haben und es danach noch tolle Gespräche gab, empfand ich den Abend im Willy-Brandt-Haus auch aus anderer Sicht sehr gelungen. Klaus-Jürgen Scherer vom Kulturforum der Sozialdemokratie hat eine tiefgründige Einleitung zu unserem Buch gegeben, und Karin Seidel von der Buchhandlung im Willy-Brandt-Haus hatte einen wunderbaren Rahmen für die Buchvorstellung organisiert. Wir haben in der „vorwärts“-Buchhandlung „gelesen“, und das gab mir Gelegenheit, nach „getaner Arbeit“ einmal selbst in aller Ruhe wieder nach schönen Büchern zu stöbern. Es gibt doch kaum etwas Inspirierenderes als das!

Schön war, in den Gesprächen über unser Buch zu spüren, dass wir, Edda Rydzy und ich, ebenfalls inspirieren konnten. Unsere Grundfrage lautet: Was können Kultur und Kulturpolitik leisten, um zu helfen, große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit zu lösen? Die existenzielle Herausforderung dieser Zeit ist unserer Meinung nach, wie Menschen mit den limitierten „Ressourcen“ umgehen  können.

Wo und wie kann Kultur und Kulturpolitik einen Unterschied machen, wenn es um Wachstum und den Umgang mit Ressourcen geht?

Wachstum existiert immer. Auch, wenn wir uns vornähmen, in Europa als Menschen nicht mehr zu existieren, gäbe es weiterhin Wachstum: von Bäumen, von den Menschen weltweit, ….. Wir können von der Natur lernen: Sie kennt keinen Abfall. Wir müssen Nährstoffe (also Materialien ) so einsetzen, dass sie entweder biologisch abbaubar sind, also neue Erde bilden, oder in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, also neue Produkte werden. Kultur und Kulturpolitik verkörpern die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen, sie sind gefragt. Sie unterscheiden uns Menschen von den anderen Lebewesen!

Als realistischen Weg einer intelligenten Produktions- und Stoffpolitik haben wir das „Cradle to Cradle“-Prinzip vorgestellt. Es beschreibt eine Welt, in der das Konzept „Abfall“ nicht mehr existiert und Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht werden. Menschen sind Teil der Natur. Sie können als kulturelle Wesen Produkte und Produktionsprozesse neu gestalten. Kultur und Kulturpolitik sollten dabei das Leitmotiv „Nachhaltigkeit“ neu definieren, und zwar auf der Seite des gestaltenden, positiven Prozesses. Effizienz alleine reicht nicht. Dann könnten wir auch eine Tablette zur Ernährung nutzen, statt aus der Vielfalt der Lebensmittel zur wählen. Die ästhetische und musische Bildung im frühkindlichen Alter hat nachweislich Einfluss auf die Hirnentwicklung, kann somit grundlegende Kompetenzen und Verhaltensweisen, insbesondere die Kreativität, prägen. Und die Kreativität ist notwendig, um Ingenieure, Designer und Entwickler zu gemeinsamen konstruktiven Lösungen zu bewegen!

Monika Griefahn im TV: Lust auf Konsum! Schnäppchen erlaubt?

Sonntag, 10. August 2014, in Sat.1 Weck up

Aufzeichnung der Weck-Up-Sendung „Lust auf Konsum! Schnäppchen erlaubt?“ mit diesem Thema weckt der Fernsehsender Sat.1 am Sonntag, dem 10. August, ab 8 Uhr seine Zuschauer auf. Mit dabei: Monika Griefahn. Sie diskutiert mit Thomas Tanklay, dem TV-„Schnäppchen-König“, und dem Journalisten und Autoren Caspar Dohmen über Konsum, das Wegwerfen und Wiederverwenden und natürlich über Cradle to Cradle.

Wecker stellen, angucken!

Verstehen. Umdenken. Gestalten!

Von Tim Janßen, Geschäftsführer des Vereins „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege“

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„Verstehen. Umdenken. Gestalten!“ – unter diesem Motto steht der erste „Cradle to Cradle“-Kongress. Der Cradle to Cradle e.V. lädt alle Menschen, die Gesellschaft gestalten und verbessern wollen, dazu am Samstag, den 15. November 2014, nach Lüneburg ein.

Endlich! Termin und Ort stehen fest, viele spannende Referenten haben zugesagt, die Anmeldephase ist gestartet und die Vorbereitungen laufen jetzt so richtig auf Hochtouren. Ein nächster Meilenstein auf unserem Weg, die gegenwärtige Welt in eine Cradle to Cradle-Welt zu transformieren, steht kurz bevor.

Im Frühjahr 2012 wurde der gemeinnützige Cradle to Cradle e.V. mit Sitz in Hamburg gegründet. Seitdem hat sich einiges bewegt! Nun wollen wir mit dem Kongress alle Vertreter gesellschaftlicher Gruppen zusammenbringen, um das Cradle to Cradle-Konzept als Lösungsansatz für viele drängende Herausforderungen der Gegenwart zu diskutieren. Mit dem 1. Cradle to Cradle Kongress fordern wir zum Mitdenken auf und bieten gute Kontaktmöglichkeiten sowie einschlägige Referenten.

Mit dabei sind unter anderem Stef Kranendijk (ehem. CEO Desso) als Koryphäe der Cradle to Cradle Bewegung und Mann der Praxis, Christiane Benner, Vorstand der IG Metall (Cradle to Cradle Kampagne „Besser statt billiger“), Maximilian Gege, Gründer und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises Umweltbewußtes Management (Baum e.V.), Michael Schmidt-Salomon (Philosoph, Schriftsteller und Begründer der Giordano-Bruno-Stiftung) und Michael Braungart, Mitbegründer des Cradle to Cradle Konzepts.

Die Cradle to Cradle-Denkschule beschreibt eine Kreislaufwirtschaft, in der alle Produkte zirkulieren. Dafür müssen sie so beschaffen sein, dass sie bzw. ihre Materialien für biologische oder technische Kreisläufe konzipiert sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass Produkte wieder auseinandergebaut und ihre Materialien sortenrein getrennt werden können. Im Prinzip muss also jedes Produkt von Anfang an neu gedacht werden. Es muss so konzipiert sein, dass es beim Recycling nicht an Wert verliert und in anderen Kreisläufen nützlich ist.

Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter, engagierte Bürger und Kulturschaffende – sie alle können und sollen bei dem Kongress mitdiskutieren über die Welt, in der wir leben wollen. In einem Mix aus Vorträgen, offenen Foren und Fachworkshops sollen die Grundzüge des Konzepts und die gesellschaftlichen Bereiche, in denen es wirken kann, deutlich werden. Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr die Bereiche Architektur, Textil und Bildung.

Der Kongress findet am 15. November ab 9.30 Uhr an der Leuphana Universität in Lüneburg statt, ist aber ausdrücklich keine rein wissenschaftliche Veranstaltung. Interessierte können sich auf der Kongress-Internetseite anmelden und erhalten dort auch weitere Informationen.

Wir freuen uns auf viele interessierte Teilnehmer!

Woodcube – Bauen mit Zukunft?

Von Monika Griefahn

Woodcube Hamburg-Wilhelmsburg„Cradle to Cradle“ – abgekürzt „C2C“ – ist meine Leidenschaft. Und am sogenannten „Woodcube“ in Hamburg kann man gut sehen, was genau C2C von anderen Recyclingideen und sonstigen Nachhaltigkeitsansätzen unterscheidet. Der Woodcube ist ein Haus nahezu komplett aus Holz, das für die Internationale Bauausstellung 2013 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg entstanden ist.

Diverse Hauser sind dort für die Bauausstellung unter energieeffizienten und vermeintlich innovativen Gesichtspunkten gebaut worden. Die Betrachtung nach einem Jahr ist ernüchternd: In einigen Häusern stehen die Wohnungen leer, in anderen gibt es Probleme mit der aufwändigen Technik, die für die Entlüftung und Bewirtschaftung der Passivenergiehäuser nötig ist.

Nicht so im Woodcube, den wir vor Kurzem besichtigt haben. Die Raumatmosphäre fühlt sich gut an, die Bewohner haben weniger Allergiebeschwerden als vorher, das Ganze kommt mit einem Minimum an Technik aus.

Und das Interessante ist: Der Brandschutz bei richtig gebauten Holzhäusern ist wesentlich höher als bei Stahl-Beton-Konstruktionen. Leider haben sich die Genehmigungsbehörden beim Woodcube in Wilhelmsburg nicht getraut, diesem Umstand Rechnung zu tragen, so dass hier das Treppenhaus aus Beton errichtet werden musste.

Sie glauben mir nicht und meinen, ein Holzhaus brenne doch schneller als eines aus Beton? Falsch. Man muss nur einige Dinge beachten: das Holz muss – wie von alters her bekannt – im Winter geschlagen sein, wenn es „saftlos“ ist, es muss trocknen, bevor es verbaut wird, und es sollten auch keine Elemente aus Woodcube Hamburg-WilhelmsburgMetall in den Wänden vorhanden sein, da diese viel schneller heiß werden als Holz. Im Woodcube werden die Wände durch Holzdübel verbunden, die in ihren Löchern quellen und die Schichten unlösbar zusammenhalten. Holzhäuser halten 100 Jahre und mehr, wenn man diese Grundsätze und eine durchdachte Bautechnik beachtet. Wie mag es sein mit den gängigen, styroporgedämmten Gebäuden? Zerkrümelt die Isolierung nicht irgendwann? Auf jeden Fall hat man eine Menge unrecyclebaren Müll, wenn diese Häuser abgerissen werden müssen. Da ist mir der Woodcube 100.000 Mal lieber!

Das Wohnklima in Holzhäusern ist harmonisch und angenehm – jeder, der in einem wohnt oder mal gewohnt hat, weiß das. Die 32 Zentimeter dicken Schichtwände des Woodcube sind schon von der Grundausstattung her sehr warm und brauchen auch kein extra Lüftungssystem. Das könnte schimmeln. Für mich ist ein zentrales Wohlfühlargument auch, dass man die Fenster normal benutzen kann und lüftet, wenn einem danach ist.

Die sachkundige Erklärung von Matthias Korff, dem Bauherrn, begeisterte nicht nur mich, sondern auch die junge Harburger Regionalgruppe des Cradle-to-Cradle-Vereins, mit der ich gemeinsam das erste mehrstöckige Referenzgebäude am Inselpark besuchte.

Matthias Korff wird übrigens auch Rede und Antwort stehen im Forum Architektur beim ersten Cradle-to-Cradle-Kongress am 15. November in Lüneburg. Eine Anmeldung ist in Kürze möglich – save the date!

Mehr zum Woodcube in Hamburg finden Sie hier.

„Natürlich wachsen“-Lesung in Hannover

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Von Monika Griefahn

Seit Edda Rydzy und ich unser Buch „Natürlich wachsen. Erkundungen über Mensch, Natur und Wachstum aus kulturpolitischem Anlass.“ im Oktober 2013 vorgestellt haben, gab es einige Lesungen bzw. Vorträge zum Inhalt. Bei den „Lindener Literaturtagen“ durfte ich ebenfalls aus dem Buch berichten. Dank an die ASF-Frauen, die den Abend organisiert und mich eingeladen haben!

Das Buch stellt die Kurzfassung der Doktorarbeit dar, mit der wir im Jahr 2013 promovierten. Die gesamte Arbeit trägt den Titel „Der Grundwiderspruch der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Cradle to Cradle als möglicher Lösungsweg. Ansatzpunkte und strategische Potenziale von Kulturpolitik“. Sie ist in der Online-Bibliothek der FU Berlin zu finden.

Die Langfassung enthält einen Anhang mit insgesamt 24 Interviews mit bedeutenden Nachhaltigkeits-Praktikern dieser Zeit aus vielen Ländern der Welt, die mit mir über den Einfluss von Kultur auf ihr Leben und Handeln sprachen, und zwar mit Ibrahim Abouleish (Ägypten), Marianne Anderson (Schweden), Maude Barlow (Kanada), Dipal. C. Barua (Bangladesch), Anke Kohler-Brummer (Deutschland), Paul Ekins (Großbritannien), Erhard Eppler (Deutschland), Anwar Fazal (Malaysia), Maximilian Gege (Deutschland), Pat Mooney (Kanada), René Ngongo (Demokratische Republik Kongo), Juan Pablo Orrego (Chile), Michael Otto (Deutschland), Vithal Raja (Indien), Vandana Shiva (Indien), Michael Succow (Deutschland), Alice Tepper-Marlin (USA), Andreas Troge (Deutschland), Jakob von Uexküll (Deutschland/Schweden), Alyn Ware (Neuseeland), Ernst-Ulrich von Weizsäcker (Deutschland), Alla Yaroshinskaya (Russland), Angelika Zahrndt (Deutschland).