Kategorie-Archiv: Kultur und Medien

Olaf Schwencke – ein Mann mit Herz für Europa und die Kultur

Von Monika GriefahnBei der Buchvorstellung.

 

Olaf Schwencke war Europa immer wichtig, solange ich ihn kenne. Und Kultur war ihm immer wichtig! Wenn es nicht ein kulturelles Projekt Europa gibt, dann bricht alles auseinander – so sein Plädoyer. Europa existiere nicht ohne ethische Grundlage, aber auch die Region sei ein wichtiger Faktor für Europa. Eine größere Krise gab es da bereits 2005, als Frankreich und die Niederlande in Volksentscheiden die neue Verfassung Europas abgelehnt haben. Der Lissabon-Vertrag brachte eine Korrektur, doch heute scheint dieses (kulturelle) Projekt Europa gefährdeter denn je.

Dieses und viele weitere europäische und bundesdeutsche Hintergründe und Geschichten erzählt Olaf Schwenke in seinem Buch Europa. Kultur. Politik. Die kulturelle Dimension im Unionsprozess“, das kürzlich von Thorsten Schäfer Gümbel, Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie, und dem Bundestagsabgeordneten Axel Schäfer im Willy-Brandt-Haus in Berlin vorgestellt wurde. Es ist eine spannende Textsammlung über die letzten 70 Jahre ohne Krieg in Europa, mit Zeitzeugen aus Deutschland und Gedanken an die über 60 Loccumer Kulturpolitischen Kolloquien in Kooperation mit der Kulturpolitischen Gesellschaft in Bonn, dessen Gründungspräsident Schwencke war und die er von 1976 für zwei Jahrzehnte geleitet hat.

Vieles aus dem Leben Schwenckes, der Bundestags- und Europa-Abgeordneter war, der als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Loccum arbeitete, der Professor und Doktorvater vieler (so auch meiner) kultur- und europapolitischen Dissertationen war, kann man in dem Buch nachlesen. Die Diskussion zu den Texten hat in der Veranstaltung lebendig deutlich gemacht, wie vielfältig das Leben von Olaf Schwencke ist! Denn nicht nur Europa und Kultur beschäftigt ihn, sondern auch Umwelt und Partizipation. Als Wegbegleiter von Robert Jungk hat er die kritische Atomdebatte aber auch das positive Konzept von Zukunftswerkstätten begleitet. Und immerhin hat er vor seinem Studium der Germanistik, Theologie, Soziologie und Pädagogik eine grundsolide Ausbildung als Schiffsmaschinenschlosser gemacht, um seinen Jugendtraum zu erfüllen, zur See zu fahren!

Nun wird Olaf Schwencke 80 Jahre alt. Ich sage herzlichen Glückwunsch und wünsche ihm, dass er noch lange auf seinen geliebten Wanderwegen tippeln kann. Wir feiern ihn am 29. Januar von 15 bis 19 Uhr im Willy-Brandt-Haus mit der Veranstaltung „Kulturpolitik als Demokratiepolitik“. Darin wird es einen Blick auf die Kulturpolitik der vergangenen Jahrzehnte geben, und mit der Diskussion darüber, ob wir die Neue Kulturpolitik noch brauchen, auch einen Blick nach vorn. Ich bin außerdem schon sehr gespannt auf die Laudatio, die Wolfgang Thierse halten wird.

Das Foto zeigt: (v.l.) Axel Schäfer, Thorsten Schäfer Gümbel und Olaf Schwencke bei der Buchvorstellung.

Das Programm mit dem Link zur Anmeldung (bis 27.1.2016): Kulturpolitik als Demokratiepolitik

 

Politisches Vermächtnis vom Querdenker der SPD

Von Monika Griefahn Buchvorstellung Willy Brandt Haus

Ich kenne Erhard Eppler natürlich als „Urgestein“ der SPD. Schon in den 1970er Jahren hat er von „Lebensqualität“ gesprochen und ist durch seine Arbeit als Entwicklungsminister auch zu dem Umwelt- und Friedenspolitiker der SPD geworden. Lange war er bei den Obergenossen nicht en vogue, wie auch sehr schön in seinem neuen Buch „Links leben“, das er im Willy-Brandt-Haus vorgestellt hat, in der Auseinandersetzung mit Helmut Schmidt beschrieben wird. Er trat sogar als Minister zurück, weil nach dem Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler und Helmut Schmidts Amtsübernahme dieser den Entwicklungshilfeetat erheblich kürzte.

Für meine Doktorarbeit habe ich Erhard Eppler interviewt. Wir saßen bei ihm zu Hause, seine Frau servierte Tee. Wir aßen selbstgezüchtetes Biogemüse aus seinem Garten, und wir sprachen über seine aktive Zeit in der SPD. Wie er als Entwicklungsminister erkannt hat, dass Umweltschutz wichtig ist in der internationalen Zusammenarbeit, wie er versuchte, Willy Brandt das Thema Nachhaltigkeit in seine Reden zu schreiben, wie er mit den Protesten gegen Whyl sein Nein zur Atomkraft formte, wie er als einer der ersten einen Unterschied machte zwischen dem finanziellen Lebenswohl und der allgemeinen Lebensqualität – und das auf einer IG-Metall-Tagung in den 1970er Jahren! Er ist ein weiser Mann, dessen Engagement sich aus den Erfahrungen speist, die er in seinem persönlichen Leben, in seiner Arbeit gemacht hat.

Erhard Eppler hat fast ein Jahrhundert Zeitgeschichte miterlebt, und so direkt wie er auch redet – heute mit Respekt angehört –, so ist auch sein Buch geschrieben.

Es ist ein Lebensbericht und ein Zeitzeugnis. Das Kulturforum der Sozialdemokratie nennt es auch ein „politisches Vermächtnis“. Und der Ullstein-Verlag schreibt: „Das sehr persönliche Buch eines politischen Vordenkers, das fast ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte erzählt und einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen bundesrepublikanischer Macht wirft.“ Klar ist: Erhard Eppler hat wichtige Jahre der Bundesrepublik Deutschland mit geprägt. Es ist fein, dass er selbst mit fast 90 Jahren noch einen 27-jährigen taz-Redakteur beeindrucken konnte, der im Dezember zur Buchvorstellung gegangen war. Als einer, der Erhard Eppler gar nicht mehr in politischer Verantwortung erlebt hat, befand der Journalist am Ende seines Artikels „Dieser Eppler ist gar nicht so übel.“

 

Klimaschutz: Hoffnung für Paris?

Von Monika Griefahn

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Viele Länder haben die Bedrohung unseres Lebens auf der Erde durch den Klimawandel erkannt und machen sich mit konkreten Absichten und konkretem Engagement auf den Weg nach Paris, wo am 30. November die UN-Klimakonferenz beginnt. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion sowie die Preisträger des diesjährigen DBU-Umweltpreises, des am höchsten dotierten Umweltpreises in Europa, verliehen durch den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck. In Paris soll endlich ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen für den Schutz des Klimas abgeschlossen werden.

Auch zwei mir sehr liebe Bekannte waren dieses Jahr unter den Preisträgern bei der DBU, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt:

Klimaforscher Mojib Latif, der wissenschaftliche Zusammenhänge auch für Kinder verständlich erklärt und mit mir bei AIDA in seiner Funktion als Schirmherr der Organisation „atmosfair“ für eine klimafreundliche Kreuzfahrt arbeitet. Er zeigt eindringlich, dass Meeresschutz auch Klimaschutz ist, weil versauerte Meere keine Puffer mehr für die CO2-Speicherung haben.

Und Michael Succow, der auch als Alternativer Nobelpreisträger von 1997 vorgestellt wurde. Er hat gezeigt, dass guter Naturschutz und der Erhalt der Artenvielfalt viel zum Klimaschutz beiträgt. Er ist mein Vorbild, da er in den letzten Tagen der DDR auf einen Schlag zehn Großschutzgebiete (Nationalparke und Biosphärenreservate) ausgewiesen hat, während man zu der Zeit in Westdeutschland schon zehn Jahre lang über ein einziges diskutierte. (In meiner Amtszeit als Umweltministerin in Niedersachsen habe ich drei Großschutzgebiete verwirklichen können: Harz, Elbtalaue und die Ergänzung zum UNESCO-Welterbe „Man and Biosphere“ des Niedersächsischen Wattenmeeres).

Besonders gefreut hat mich, dass diese Mal die Stadt Essen Gastgeber für den Umweltpreis war. Essen wird 2017 Umwelthauptstadt Europas sein (nachdem sie 2010 bereits Kulturhauptstadt war) und zeigt sich als ein Motor der Umwelttechnik und Konversion. So fand die Verleihungsgala beispielsweise in einer alten Krupp-Werkhalle statt. Hier erlebt die spröde Malocher-Architektur ein Recycling als Kulturort (Colosseum Theater) und die Versöhnung mit der Umwelt (DBU-Preise). So also stelle ich mir die Verwirklichung des Mottos „Schwerter zu Pflugscharen“ im 21. Jahrhundert vor – nachdem in den 1990er Jahren zum Beispiel schon die Kaserne von Lüneburg zur Universität umgewidmet und umgebaut wurde.

Zum Foto:

Das Foto zeigt (v.l.): Preisträger Prof. Dr. Mojib Latif und Prof. Dr. Johan Rockström, DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, Ehrenpreisträger Prof. em. Dr. Michael Succow, Bundespräsident Joachim Gauck, NRW-Umweltminister Johannes Remmel und DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann. © DBU/Peter Himsel

„Aida“ in Eutin

Von Monika Griefahn

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Nein, dieses Mal erzähle ich nicht von dem Kreuzfahrtunternehmen, für das ich tätig bin, sondern von der Verdi-Oper „Aida“, die 1871 in Kairo uraufgeführt wurde. In wunderbarer Kulisse in Eutin erfreuten ausdrucksstarke Sänger jetzt die 1600 Premierengäste der diesjährigen Eutiner Festspiele. Seit 65 Jahren und mit viel Auf und Ab engagieren sich die künstlerische Leitung sowie viele Unterstützer immer wieder aufs Neue, im Norden ein Kultur-Highlight in toller Umgebung zu präsentieren. Das gelingt immer wieder – ich empfehle also unbedingt einen Ausflug an die Ostseeküste. Bis Ende August stehen Aufführungen der Oper „Aida“ oder der Operette „Der Vogelhändler“ auf dem Programm.

In der großen Oper von Giuseppe Verdi geht es um Liebe und Macht. Es sind die Themen, die über die Jahrhunderte ihre Aktualität nicht verlieren, auch, wenn die historische Einkleidung wechseln mag. Zum Inhalt: Aida, Tochter des äthiopischen Königs, wurde nach Ägypten verschleppt. Sie liebt Radames, der ihre Liebe erwidert, doch als die Äthiopier nach Ägypten vordringen, um die Prinzessin zu befreien, muss Radames das ägyptische Heer anführen. Er sieht sich nicht nur diesem Konflikt ausgesetzt, sondern steht auch zwischen zwei Frauen, die ihn begehren: neben Aida noch die Tochter des ägyptischen Pharaos Amneris.

Die beiden Frauen werden zu Rivalinnen. Lügen und Berechnung, Verrat und Opferfähigkeit machen die Kriegs- und Gefühlswirren komplett. Am Ende, so beschreiben es die Verantwortlichen der Eutiner Festspiele auf ihrer Homepage, am Ende „siegt die Liebe: ,Leb wohl, o Erde, du Tal der Tränen‘ singen Radames und Aida – nur im Tode endlich vereint.“

Schon, als die Oper 1871 ihre Uraufführung erlebte, rissen die „prächtigen Chorszenen, die mitreißenden Arien und romantischen Duette“ die Zuschauer von ihren Plätzen. Die Premiere zur Eröffnung der Eutiner Festspiele 2015, also 144 Jahre später, begeisterte nun mich und viele um mich herum – so muss es auch damals gewesen sein. Neben dem exzellenten Ensemble und dem monumental-puristischen Bühnenbild macht auch die Anlage an sich einen Teil des Opern-Erlebnisses in Eutin aus: Die Freilichtbühne liegt im Schlossgarten am Ufer des Eutiner Sees. Ein perfektes Erlebnis, wenn das Wetter mitspielt – und das hat es bei der Premiere getan. (Foto: Eutiner Festspiele)

Zu den Eutiner Festspielen

Das verflixte siebte Jahr ist ein hervorragendes Jahr!

Von Monika Griefahn/Pressemitteilung

Deutscher Computerspielpreis 2015

Es war die beste Gala, seit es den Computerspielpreis gibt: Kurzweilig und mit einem tollen Show-Act – „Laing“ aus Berlin, sozusagen das weibliche Pendant zu Kraftwerk!

Ich habe gemeinsam mit Dorothee Bär von der CSU, die heute parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Vorsitzende der Jury ist, Mitte der 2000er Jahre einen Antrag im Bundestag gestellt, um die guten Computerspiele, die in Deutschland entwickelt werden zu würdigen. Daraus ist der Computerspielpreis entstanden. Die Spielebranche ist eine Branche, die damals schon mehr Umsatz machte als die Filmbranche. Ich freue mich, dass der Preis sich etabliert hat und den Eltern Hilfestellung in der Auswahl von Spielen für ihre Kinder gibt. Ich freue mich auch, dass das Ministerium auch die Arbeit der Stiftung Digitale Spielkultur, deren Beiratsvorsitzende ich sein darf, kontinuierlicher unterstützen will. Auch wenn meine Kinder inzwischen als Testspieler ausfallen, habe ich mich gefreut, dass ich die Laudatio für die Hamburger Spielentwickler des Besten Deutschen Kinderspiels „Fire“ halten konnte.

Nachfolgend Auszüge aus der offiziellen Pressemitteilung:

In 13 Kategorien sind am 21. April die besten Spiele des Jahres mit dem Deutschen Computerspielpreis im Berliner „ewerk“ ausgezeichnet worden. Neu in diesem Jahr: die Kategorien „Beste Innovation“, „Beste Inszenierung“, „Bestes Gamedesign“ sowie die drei undotierten internationalen Kategorien „Bestes internationales Spiel“, „Bestes internationales Multiplayer-Spiel“ und „Beste internationale neue Spielwelt“. Premiere feierte in diesem Jahr auch der Publikumspreis, über den allein die Spieler und Fans per Online-Voting entschieden haben. Vor über 600 Gästen aus der Computer- und Videospielbranche, Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien präsentierte Moderatorin Judith Rakers gemeinsam mit prominenten Rednern und Laudatoren die Sieger. Ermittelt wurden die Gewinner aus 320 Einreichungen durch eine mit Experten besetzte Fachjury sowie eine Hauptjury. Große Freude gab es auch bei den Nachwuchs-Spieleentwicklern: Insgesamt 60.000 Euro gingen an Studenten aus Trier, Köln und Darmstadt, die in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept Fördergeld erhielten.

Verliehen wird der DCP durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und die Branchenverbände BIU und GAME. Auf der Grundlage unabhängiger Entscheidungen von Fach- und Hauptjurys wird die Entwicklung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele „Made in Germany“ gefördert. Ein weiteres wichtiges Kriterium, das über die Prämierung entscheidet, ist zudem Spielspaß. Der DCP wird ab 2015 erstmals in bis zu 14 Kategorien vergeben, um der Vielfalt von Computerspielen gerecht zu werden. Neu dabei sind der Publikumspreis und drei internationale Kategorien.

Alle Gewinner des Deutschen Computerspielpreises 2015:

  • Bestes Kinderspiel: Fire (Hamburg), Daedalic Entertainment
  • Bestes Jugendspiel: TRI: Of Friendship and Madness (Halle), Rat King Entertainment, Rising Star Games
  • Bestes Serious Game: Utopolis – Aufbruch der Tiere (München), Reality Twist, Nemetschek Stiftung
  • Bestes Nachwuchskonzept: In Between (Trier), Hochschule Trier, UnderRaid (Darmstadt), Hochschule Darmstadt / Mediencampus Dieburg, Simon Cooks (Köln), SAE Institute Köln
  • Bestes Mobiles Spiel: Rules! (München), The Coding Monkeys
  • Bestes Gamedesign: The Last Tinker – City of Colors (München), Mimimi Productions
  • Beste Inszenierung: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Innovation: Spiel des Friedens (Ludwigsburg), Studio Fizbin, Landesmuseum für Kunst und Kultur Münster
  • Bestes Deutsches Spiel: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Internationale neue Spielewelt: This War of Mine (Polen), 11Bit Studios, Koch Media
  • Bestes Internationales Multiplayer-Spiel: Hearthstone: Heroes of Warcraft, Blizzard
  • Bestes Internationales Spiel: This War of Mine (Polen), 11bit Studios, Koch Media
  • Publikumspreis: Dark Souls 2, From Software, Bandai Namco Entertainment

Großes Kino mit kleinem Budget

Von Monika Griefahn (Jurymitglied Ökofilmtour)

 Sie finden die diesjährigen Preisträger untenstehend!

IMG_8196_blogIn diesem Jahr tourt das Festival des Umwelt- und Naturfilms, die Ökofilmtour, zum zehnten Mal durch Brandenburg. Das Programm ist richtig gut: tolle Filme, kreative Ideen, engagierte Regisseure und Autoren, zahlreiche Ehrenamtliche, die mit anpacken. Dass dieses Festival bis heute immer wieder zittern muss, dass genug Fördergelder zusammenkommen, das ist grundfalsch. Immerhin: Das Land Brandenburg honoriert die Arbeit der Festival-Organisatoren jetzt mit einer festen Haushaltsposition. Dafür danke. Vielleicht eifert diesem Vorbild ja jemand nach, damit das Festival endlich Planungssicherheit bekommt! Liebe Unternehmen – hier gibt es ein wunderbares kulturelles Angebot, für das sich finanzielles Engagement wirklich lohnt!

Kultur, haben wir in der SPD immer gesagt, ist Lebensmittel. Was wir gemeint haben – und was ich auch heute immer noch meine -, ist: Kultur befriedigt elementare Bedürfnisse. Musik, Gesang, Tanz – all diese kulturellen Phänomene sind elementar im Leben eines Menschen. Und der Mensch befriedigt diese Bedürfnisse ja ständig, wenn es möglich ist – egal, ob er unter der Dusche singt, in die Disko oder in ein Konzert geht.

Im ländlichen Raum ist das in mancherlei Hinsicht schwierig: Das Angebot an Theatern, Museen und andere Einrichtungen ist nicht so vielfältig wie in der Stadt. Das bedeutet nicht, dass es keine kulturellen Angebote auf dem Land gibt – oft existieren Musikschulen, Kulturinitiativen oder Heimatvereine. Wo Kommunen mit der Kulturförderung nicht nachkommen können, wächst oft das Bürgerengagement. Das zeigt noch einmal mehr, dass kulturelle Bildung oder Unterhaltung ein wichtiges Bedürfnis der Menschen ist.

Die Ökofilmtour erreicht ebenfalls den ländlichen Raum. Im Gepäck hat sie hohe Qualität! Mit den nominierten und prämierten Filmen reisen Organisator Ernst-Alfred Müller und seine Mitstreiter Jahr für Jahr durch 60 bis 70 Orte in Brandenburg, in denen es keine Kinos gibt. In der Fläche zeigen sie Filme, diskutieren mit dem Publikum oder erörtern sie mit Schulklassen. Oft sind Regisseure oder Autoren mit von der Partie. Die Zuschauer können sie hautnah erleben und viel über ihre Arbeit erfahren.

200 ehrenamtliche Mitveranstalter gibt es im ganzen Land, und was dann auf Leinwänden gezeigt wird, legt thematisch entweder den Finger in die Wunde oder zeigt wunderbare Bilder von der Schönheit der Natur. In diesem Jahr spielen Themen wie Landgrabbing eine Rolle – das ist brandaktuell und hochbrisant in den östlichen Bundesländern – oder auch die Themen TTIP, Atomausstieg oder die ökologischen Folgen von Kriegen.

Die Filme stammen von Autoren, die zu den besten Dokumentaristen und Naturfilmern Deutschlands gehören. Wenn wir mit ihnen sprechen, wird deutlich, wie schwer es ist, sich mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die meisten von ihnen sind Freiberufler, und deren Honorare stagnieren seit Jahren. Sie packen brisante Themen an, die intensive, lange, manchmal teure und zu Teil auch gefährliche Recherche und viel Hartnäckigkeit erfordern. Haben sie ihr Material erfolgreich zusammen, dann müssen sie darum kämpfen, dass ihre Filme auch gezeigt werden. Und allzu oft erhält dann leider eine großartige Reportage einen Sendeplatz irgendwann gegen Mitternacht, wenn die meisten Menschen im Bett liegen.

Es werden so unglaublich hohe Summen für die Rechte von Sportübertragungen gezahlt, da muss doch bei den Medienanstalten ein bisschen mehr Geld übrig sein für Autoren und Regisseure, die mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen und die echte Bildungsarbeit leisten! Mein Appell richtet sich besonders an die Öffentlich-rechtlichen, denn Bildung gehört ausdrücklich zu ihrem Auftrag.

Die Preisträger 2015 sind:

IMG_2873_beaZukunftsfilmpreis
„Energie vom Feld“, von Lorenz Knauer
Produktion für den Bayerischen Rundfunk

Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm
„Natur unter Beschuss – ökologische Folgen des Krieges“ von Maximilian Mönch
Produktion für 3sat

Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung, verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
„Böse Mine, gutes Geld. Das schmutzige Geschäft mit der Kohle“ von Peter Ruppert, Jo Schück und Michael Strompen
Produktion für das ZDF

Bester Kinder- und Jugendfilm
„Karussell des Lebens – die Streuobstwiese“ von Annette und Klaus Scheurich, Mi-Yong Brehm und Moritz Mayerle
Produktion für BR, WDR, ZDF und ARTE

Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung
„Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten“ von Cornelia Grünberg
Kino-Produktion

Lobende Erwähnung der Jury
„Ozon unterwegs: Fleisch vom Fließband – Massentierhaltung und ihre Folgen“ von Hartmut Sommerschuh, Maren Schibilsky, Felix Krüger und Wolfgang Albus
Produktion fürs rbb Fernsehen

Publikumspreis
„Das Salz der Erde“ von Wim Wenders, David Rosier und Juliano Ribeiro Salgado
Kino-Produktion

 Mehr zur Ökofilmtour

Grimme-Preis in Marl – eine bodenständige Veranstaltung

Von Monika Griefahn

Sie holten einen syrischen Flüchtlingschor auf die Bühne und kritisierten gleichzeitig spitzzüngig die Abschottungspolitik Deutschlands – für ihre künstlerischen Leistungen in der ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ sind Claus von Wagner, Max Uthoff und ihr Kollege Dietrich Krauss jetzt in der Kategorie „Unterhaltung“ mit einem Grimme-Preis bedacht worden. „Sie haben aus der Gewohnheit, Kabarettsendungen als Werbeflächen für Bühnenprogramme zu missbrauchen, die Tugend einer packenden Ensembleaufführung gemacht“, hieß es in der Begründung der elfköpfigen Jury.

IMG_20150327_Grimme_blogDer Grimme-Preis gilt als prestige-reichste Fernsehauszeichnung Deutschlands. In diesem Jahr vergab die Jury, die sich unter anderem aus Fachleuten und Medienjournalisten zusammensetzt, in den drei Wettbewerbskategorien „Fiktion“, „Information & Kultur“ und „Unterhaltung“ zwölf Preise für herausragende TV-Produktionen. Dazu kamen Sonderpreise und -ehrungen. Es gewannen dieses Jahr nur öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die Grimme-Preis-Verleihung ist eine Veranstaltung ohne den üblichen Sternchen-Glamour. Eine roten Teppich gibt es zwar, aber davor auch gleichzeitig eine Demo, die auf ein Problem vor Ort aufmerksam macht: die schlechte Ausstattung eines Flüchtlingsheims.

Gut, dass es noch immer den Ehrgeiz von Filmemacherinnen und -machern gibt, einen Grimme-Preis zu erhalten. Denn auch die Öffentlich-Rechtlichen schauen immer mehr nach der Quote und kommen ihrem Auftrag, Fernsehen für alle und auch Bildung zu machen, häufig nur zu nachtschlafender Zeit nach. Außerdem leiden gerade die Dokumentarfilmer daran, dass ihre Honorare seit 20 Jahren nicht gestiegen sind, wohl aber die Entstehungskosten ihrer Produktionen. Umso bemerkenswerter die ausgezeichneten Werke: zum Beispiel „Camp 14“ über nordkoreanische Lager von Marc Wiese oder „Wir waren Rebellen“ über den Südsudan von Katharina Schröder und Florian Schewe, die Aufwand und Gefahr in der Produktion auf sich nahmen.

Und wie Hermine Hundgeburth, die ihren vierten Grimme-Preis mitnahm, so schön sagte: Auch Frauen haben immer noch weniger Chancen, Aufträge zu bekommen, obwohl gleich viele Frauen ausgebildet werden: „Vollständig erklären kann ich das nicht. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich von einer bekannten Drehbuchautorin gehört habe. Der wurde in einer Runde mit Redakteuren und Produzenten eine Liste von Namen vorgelegt, wer für die Regie in Frage käme. Darunter war keine einzige Frau. Als die Autorin nachfragte, warum das so sei, war die Antwort: ,Uns fallen keine Regisseurinnen ein.‘ Allein deshalb ist ,Pro Quote Regie‘ schon sinnvoll: Sie macht die Vielzahl von guten Regisseurinnen sichtbar, die es in Deutschland gibt, und die Lust haben zu arbeiten“ berichtete die erfolgreiche Regisseurin gegenüber Spiegel-online.

Die Berlinale bleibt politisch

Von Monika Griefahn

Berlinale - mit Benny Andersson von ABBA.

Bewegende Bilder sind wieder in Berlin zu sehen – wie jedes Jahr im Februar. Die Berlinale läuft, die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Sie sind ein Publikumsfestival. Mehr als 300.000 Eintrittskarten zählen die Kinokassen, und nahezu 20.000 Fachbesucher aus 124 Ländern tummeln sich im halbwinterlichen Berlin.

Und Dieter Kosslick, jetzt zum 14. Mal Direktor dieses wichtigen A-Festivals der Filmbranche, zeigt es allen: Mit „Taxi“ wird zum wiederholten Male Jafar Panahi aus dem Iran präsentiert, der eigentlich Arbeitsverbot hat und im Gefängnis sitzen müsste. Und dennoch erhält sich der Regisseur seine bissige und satirische Sicht auf sein Land und die politischen Verhältnisse. Er hat eine Low-Budget Produktion verwirklicht, die zuweilen auch die Lachmuskeln beschäftigt. Panahi selbst sitzt am Steuer eines Taxis, und die vielen Fahrgäste erzählen die Facetten des Lebens. Ein Mann fordert die Todesstrafe für Nichtigkeiten, ein anderer macht nach einem Motorradumfall ein Handy-Testament zugunsten seiner Frau. Dazu muss man wissen, dass im Fall des Todes des Mannes eine Frau vollkommen rechtlos ist… Eine Anwältin fährt mit – sie besucht eine Gefangene im Hungerstreik und hat Rosen dabei. Wie lange sie selbst noch praktizieren darf, weiß sie nicht.

Herauszuheben ist auch „Ixcanul Vulcano“, ein Film von Jayro Bustamante, der auf einfühlsame Weise beschreibt, wie die armen Bauern in Guatemala noch immer fast Leibeigene der Landbesitzer sind. Selbst Babys werden unter der Behauptung weggenommen, sie seien tot.

Eine Kinderjury gibt es bei der Berlinale ebenfalls, und die Jugendlichen kommen auf ihre Kosten, zum Beispiel mit dem schwedischen Film „The Circle“. Der Streifen zeigt unter der Handlung mit allerlei Hexen-Brimborium das Zusammenwachsen von fünf Mädchen zu Freundinnen. Attraktion bei dieser Film-Präsentation waren allerdings neben den fünf hübschen Schwedinnen der ABBA-Sänger und Komponist Benny Andersson (Bild oben, 2. v.r.) und sein Sohn Ludvig, selbst Songwriter und Musiker.

Auch wenn es zur Berlinale immer viel Glamour und Glitzer in Berlin gibt, so zeigt die Branche doch auch, dass das Medium Film politisch sein und Geschichte und Zeitgeschehen auf interessante, intensive Weise vermitteln kann. Ich wünsche Dieter Kosslick noch viele produktive Jahre und freue mich, dass sein Vertrag gerade bis 2019 verlängert wurde.

Berlinale

Was schafft Kultur? Gute Gespräche bei Buchvorstellung im WBH

Von Monika Griefahn

(v.l.) Monika Griefahn, Edda Rydzy, Klaus-Jürgen Scherer und Karin Seidel

Mal ganz abgesehen davon, dass Edda Rydzy und ich unser gemeinsames Buch „Natürlich wachsen“ vorgestellt haben und es danach noch tolle Gespräche gab, empfand ich den Abend im Willy-Brandt-Haus auch aus anderer Sicht sehr gelungen. Klaus-Jürgen Scherer vom Kulturforum der Sozialdemokratie hat eine tiefgründige Einleitung zu unserem Buch gegeben, und Karin Seidel von der Buchhandlung im Willy-Brandt-Haus hatte einen wunderbaren Rahmen für die Buchvorstellung organisiert. Wir haben in der „vorwärts“-Buchhandlung „gelesen“, und das gab mir Gelegenheit, nach „getaner Arbeit“ einmal selbst in aller Ruhe wieder nach schönen Büchern zu stöbern. Es gibt doch kaum etwas Inspirierenderes als das!

Schön war, in den Gesprächen über unser Buch zu spüren, dass wir, Edda Rydzy und ich, ebenfalls inspirieren konnten. Unsere Grundfrage lautet: Was können Kultur und Kulturpolitik leisten, um zu helfen, große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit zu lösen? Die existenzielle Herausforderung dieser Zeit ist unserer Meinung nach, wie Menschen mit den limitierten „Ressourcen“ umgehen  können.

Wo und wie kann Kultur und Kulturpolitik einen Unterschied machen, wenn es um Wachstum und den Umgang mit Ressourcen geht?

Wachstum existiert immer. Auch, wenn wir uns vornähmen, in Europa als Menschen nicht mehr zu existieren, gäbe es weiterhin Wachstum: von Bäumen, von den Menschen weltweit, ….. Wir können von der Natur lernen: Sie kennt keinen Abfall. Wir müssen Nährstoffe (also Materialien ) so einsetzen, dass sie entweder biologisch abbaubar sind, also neue Erde bilden, oder in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, also neue Produkte werden. Kultur und Kulturpolitik verkörpern die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen, sie sind gefragt. Sie unterscheiden uns Menschen von den anderen Lebewesen!

Als realistischen Weg einer intelligenten Produktions- und Stoffpolitik haben wir das „Cradle to Cradle“-Prinzip vorgestellt. Es beschreibt eine Welt, in der das Konzept „Abfall“ nicht mehr existiert und Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht werden. Menschen sind Teil der Natur. Sie können als kulturelle Wesen Produkte und Produktionsprozesse neu gestalten. Kultur und Kulturpolitik sollten dabei das Leitmotiv „Nachhaltigkeit“ neu definieren, und zwar auf der Seite des gestaltenden, positiven Prozesses. Effizienz alleine reicht nicht. Dann könnten wir auch eine Tablette zur Ernährung nutzen, statt aus der Vielfalt der Lebensmittel zur wählen. Die ästhetische und musische Bildung im frühkindlichen Alter hat nachweislich Einfluss auf die Hirnentwicklung, kann somit grundlegende Kompetenzen und Verhaltensweisen, insbesondere die Kreativität, prägen. Und die Kreativität ist notwendig, um Ingenieure, Designer und Entwickler zu gemeinsamen konstruktiven Lösungen zu bewegen!

Let’s make Music as Friends (Leonard Bernstein)

Von Monika Griefahn

Let's make music as friends

Die Waffen ruhen nicht. Im Nordirak, in Gaza und Israel. In der Ukraine sterben sinnlos Kinder, Frauen, Männer. Warum ist dort kein Dialog möglich? Warum gibt es keine Verständigungsmöglichkeiten? Und darüber hinaus entwickeln demokratisch gewählte Staatsoberhäupter wie Putin oder Erdogan immer autoritärere Züge.

Könnte es nicht alles einfacher sein? Es gibt doch gute Vorbilder! Nelson Mandela hat zur Versöhnung aufgerufen und dafür die Wahrheits- und Versöhnungskommission eingerichtet. Künstler haben immer wieder beispielhafte Initiativen gestartet, das Miteinander zu lernen. Wie zum Beispiel Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus Palästina und Israel, aber auch aus Ägypten, Syrien, dem Iran und dem Libanon, aus Jordanien, Tunesien und Andalusien zusammen Musik machen. Oder auch Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen ist zu nennen. Begründer einer Kultur – und zwar im Sinne von praktizierter Kultur – der Versöhnung und Verständigung hier in Deutschland war aber Leonard Bernstein mit der Orchesterakademie auf dem Schleswig-Holstein-Musikfestival im Jahre 1987, an dem auch Yehudi Menuhin intensiv mitwirkte. Und diese Idee lebt bis heute fort!

Auf der Nord-Art

Ich durfte es in Rendsburg gerade selbst erleben, wie 120 junge Musiker aus 34 Ländern, alle unter 26 Jahren, bravourös die 5. Sinfonie von Gustav Mahler meisterten, obwohl sie sich fünf Wochen zuvor noch nicht einmal gekannt hatten. Sie verständigten sich unter der klugen Anleitung von Pedro Halffter.

Mich bewegt jedes Mal, wenn ich eines der internationalen Jugendorchester erlebe. Und ich denke: Können wir das Miteinander nicht überall schaffen?

Was dort auf der Bühne geschieht in Sachen Verständigung und Kultur, geht über das bloße Konzert hinaus! Zeitgenössische Künstler aus China, den Baltischen Staaten, Deutschland, Mexiko, Polen, Südkorea und und und sind auch in der Büdelsdorfer Carlshütte auf der Nord-Art zu sehen. Die Ausstellung zeigt seit schon seit 1999 in den Sommermonaten zeitgenössische Kunst. Mehr als 200 Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Bilder, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen. Die Nord-Art läuft noch bis zum 12. Oktober und ist absolut empfehlenswert.

Nord-Art