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Kreislaufwirtschaft – gelingt der EU der große Wurf?

Von Monika Griefahn / Fotos: Land Oberösterreich

Aus Abfall wird Nährstoff: Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket könnte ein großer Wurf werden – zumindest der größte, den wir in der Frage „Was machen wir mit unserem Müll?“ jemals hatten.

Denn im Zusammenhang mit diesem Paket, das derzeit in den europäischen Institutionen verhandelt wird, taucht auf, dass ein von Vornherein gut durchdachtes Design eines Produkts das Recycling beflügeln kann. Es taucht auch der Punkt auf, dass Hersteller mehr Verantwortung für ihre Produkte übernehmen sollen – zum Beispiel, indem sie an den Entsorgungskosten beteiligt werden sollen. Und die Abfallhierarchie „Vermeidung vor Wiederverwendung vor Recycling vor energetischer Verwertung vor Entsorgung“ stellt das Paket nicht infrage. Das ist, sollte das umgesetzt werden, fast historisch. Denn dann werden wichtige Aspekte des Cradle to Cradle Konzeptes endlich in geltendes Recht umgesetzt.

Allein, die europäischen Länder sind in Sachen Abfallmanagement noch sehr weit voneinander entfernt. Das wurde deutlich beim Oberösterreichischen Umweltkongress in Linz, bei dem ich als Referentin eingeladen war. Nehmen wir das Beispiel Deponierung von Siedlungsabfällen, für das ein Reduktionsziel auf zehn Prozent angestrebt wird. 2011 hatten nur sechs EU-Mitgliedstaaten weniger als 3 Prozent deponiert, 18 mehr als 50 Prozent und einige davon sogar mehr als 90 Prozent. Oberösterreich, berichtete Landrat Rudi Anschober bei der Veranstaltung, sei bei einem Prozent. So wird das Paket sicher ein Kompromiss werden, bei dem einige Länder die Bestimmungen schon längst übererfüllen. Schlimm ist das nicht, denn es bedeutet, dass in diesen Ländern die Strukturen dafür schon vorhanden sind – dann werden sie auch genutzt. Für die anderen Länder ist es ein Ziel, das es zu verwirklichen gilt.

Ich war bei meiner Teilnahme am Umweltkongress in Linz erfreut über die vielen neuen Ideen und Strukturen, die ausprobiert werden, um Abfall zu vermeiden und Rohstoffe zu schonen: Repair-Cafés, Nähwerkstätten, Second-Hand-Verkäufe, Recycling von Baumasse. Aber noch mehr sollten die Gedanken dahin gehen, wie man die Rohstoffe hochwertig in Kreisläufen halten kann. Wir müssen idealerweise dahin kommen, dass ein Material über lange Zeit in gleicher Qualität eingesetzt werden kann, auch nach dem x-ten Recycling. Da bietet das Cradle to Cradle Konzept mit der strikten Trennung eines technischen und eines biologischen Kreislaufs immer noch den besten Ansatz – den, bei der Produktentwicklung, beim Design.

Auch nimmt das Service-Konzept nach Cradle to Cradle die Hersteller konsequenter in die Pflicht: Es werden keine Waschmaschinen mehr verkauft, sondern Waschladungen. Keine Fernsehgeräte, sondern Sehstunden. Nur dann, wenn der Hersteller Besitzer des Gerätes bleibt, macht er sich wirklich Gedanken darum, was er nach der Nutzung damit anstellen kann.

Tolle praktische Beispiele lieferte auch Reinhard Backhausen (der ja schon mit seinen Interior-Stoffen das C2C Prinzip umgesetzt hatte und heute viele Firmen berät, wie man eine Umstellung angeht). Ebenso beeindruckend war die Gründerin von „Göttin des Glückes“, Lisa Muhr, die sowohl die sozialen wie auch die ökologischen Themen in ihrem Modeunternehmen behandelt. Insgesamt war erfreulich, dass sich 260 Menschen für den Kongress interessierten und dabei auch zwei Schulklassen teilnahmen. Oberösterreich ist also schon weiter als andere.

Was ist das EU-Kreislaufwirtschaftspaket?

  • Soll bestehende EU-Richtlinien zusammenfassen: (EU-Abfallrahmenrichtlinie, EU-Richtlinie über Abfalldeponien, EU-Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle, EU-Richtlinien über Altfahrzeuge, Altbatterien und Elektroaltgeräte)
  • Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft listet weitere Maßnahmen auf, die die EU auf den Pfad einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft bringen soll
  • Abfall-Hierarche: Vermeidung vor Wiederverwendung vor Recycling vor energetischer Verwertung vor Entsorgung
  • Ziel sind höhere Recyclingquoten, strenge Quoten für unbehandelte Abfälle (kein komplettes Deponieverbot angestrebt), strikte Vorgaben für das Getrenntsammeln von Abfällen genauso wie besseres Ökodesign von Produkten, Anreize für Hersteller, mehr Sekundärrohstoffe in ihren Produkten zu benutzen (also recycelte Materialien)
  • Angestrebt ist ein Verhandlungsabschluss bis Ende 2017.

Weitere Informationen zum Beispiel unter euwid-recycling.de