Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs
Gerald Thalheim
auf dem Hof Cordes und Diskussion mit dem Arbeitskreis
interessierter Landwirte am 18.6.2002
Einführungsreferat von Monika Griefahn MdB
Zu einem wichtigen Thema, was sie
alle beschäftigen wird, vorweg eine gute Nachricht- vielleicht hat
sie sich noch nicht zu ihnen allen durchgesprochen- es gibt Nitrofen-
Entwarnung für Niedersachsen! Die Ermittlungen des Landesamtes für
Verbraucherschutz (LAVES) haben ergeben: fünf Firmen in Niedersachsen
haben bei Fugema Waren gekauft. Alle Waren wurden im Rahmen sogenannter
"Streckengeschäfte" erworben und so nicht nach Niedersachsen, sondern
ausschließlich an Abnehmer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
geliefert. Die dortigen Behörden wurden durch das Landesamt unverzüglich
unterrichtet, damit die Ware von dort sofort weiterverfolgt werden
kann. Das sechste Unternehmen ist ein Betrieb mit nicht Lebensmittel
produzierender Tierhaltung.
Im übrigen haben alle durchgeführten Untersuchungen von aktuell
im Verkehr befindlichen Futtermitteln negative Ergebnisse in Bezug
auf Nitrofen-Rückstände erbracht! (Pressemitteilung des Niedersächsischen
Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten vom 14. Juni
2002)
Was war die Ursache der Verunreinigungen
durch Nitrofen? Sicher, die Kontrollmechanismen müssen noch verbessert
werden. Aber, verantwortlich sind hier an erster Stelle diejenigen,
die auf unlautere Weise mit Futtermitteln Geschäfte gemacht und
dabei die geltenden Gesetze mißachtet haben! Etwa die Inhaber der
GS Agri. Es geht hier eben nicht um ein Problem des Ökolandbaus
oder der konventionellen Landwirtschaft. Gott sei Dank ist es unserer
Bundesministerin Künast und Ihrem Ministerium gelungen, das Problem
schnell in den Griff zu kriegen und Sanktionen aus Brüssel zu vermeiden.
Jetzt zu erfreulicheren Themen:
Niedersachsens Landwirtschaft ist ein vielfältiger und lebendiger
Bereich, als Wirtschaftsfaktor von entscheidender Bedeutung, und
offen für neue Entwicklungen - das zeigt sich in den Bereichen ökologischer
Landbau, Ferienhöfe und "Bauernhof als Klassenzimmer". Zudem gehen
unsere Bauern auf die Bevölkerung zu und machen ihre Produktionsmethoden
transparent- so wurde vorgestern, am Sonntag den 16. Juni, in ganz
Niedersachsen der "Tag des offenen Hofes" angeboten, an dem sich
über 100 Höfe beteiligten, und, stellvertretend für alle Bauernhöfe
in Niedersachsen, ihre Tore öffneten und ein attraktives Programm
boten. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam vom Landvolk,
den Landfrauen und der Landjugend mit dem NDR 1, - der Sender strahlte
bereits im Vorfeld ein Gewinnspiel aus. Landwirtschaftsminister
Uwe Bartels besuchte gemeinsam mit Wilhelm Niemeyer vom Niedersächsischen
Landvolk den Hof Kokemüller in Seelze-Dedensen sowie den Hof Meineke
in Wunstorf-Luthe. Solche Offenheit schafft Vertrauen! Die Verbraucher
möchten zunehmend genauer wissen, woher die Produkte stammen, die
sie kaufen und ob etwa die Tiere artgerecht gehalten werden.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, wie glücklich ich
darüber bin, dass wir im Mai diesen Jahres endlich den Tierschutz
als Staatsziel im Grundgesetz verankert haben. Dies wird für künftige
Abwägungsentscheidungen Folgen haben, es muss dann auch das Wohl
unserer Mitgeschöpfe, der Tiere mit auf die Waagschale gelegt werden.
Die Landwirtschaft hat in Niedersachsen
mit insgesamt: über 63.000 Höfe (genau: 63.102) einen sehr hohen
Stellenwert. Niedersachsens Landwirtschaft ist sehr vielseitig:
dafür stehen, um nur die wichtigsten zu nennen, unsere Obstbauern,
Milchbauern, Getreidebetriebe, Schweinezüchter und Lammzüchter.
Die niedersächsischen Landwirte haben mit dem Landvolk seit nunmehr
fünfzig Jahren eine starke und aktive Interessenvertretung.
Von den niedersächsischen Höfen
sind derzeit 859 Biobetriebe (um 130 gestiegen im Jahr 2001), Tendenz
steigend. Sie bewirtschaften mit 43.013 ha Fläche 1, 624 % der Anbaufläche
in Niedersachsen. (Bundesweit: 14.400 Ökobetriebe = 3, 87 % der
Anbaufläche).
Diese Höfe werden durch den Versuchs- und Beratungsring Ökologischer
Landbau Niedersachsen mit Sitz in Walsrode unterstützt. Das Begleitprogramm
für Umsteller, ein Modellprojekt, wird vom Bundesverbraucherministerium
gefördert (an dem Modellprojekt nehmen außer Niedersachsen noch
Bayern und Ostdeutschland teil). (Zudem wurde Ende April diesen
Jahres im Landesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten
der "Beirat zur Förderung des ökologischen Landbaus" gegründet.
Sein Ziel ist es, die Landesregierung in wichtigen Fragen speziell
zur Steigerung des Absatzes von Ökoerzeugnissen zu beraten. Mitglieder
sind: Landwirte, Vermarkter, Verarbeiter, Wissenschaftler und Vertreter
des Verbraucherschutzes.)
Gerade fanden die Aktionstage Ökolandbau
in Niedersachsen und Bremen statt -vom 1. bis 16. Juni 2002 -, auf
denen ein Schwerpunktthema in Niedersachsen hergestellter Bio-Käse
war.
"Erleben und Verwöhnen", Ferien
auf dem Bauernhof sind ein weiteres wichtiges Thema, sie ergänzen
das Angebot unserer Bauern und stabilisieren ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse. Der Tourismus auf dem Bauernhof ist immer besser organisiert.
Die Ferienhöfe in Niedersachsen finden die Bürgerinnen und Bürger
auch im Internet, dort kann man sogar über das "last-minute Buchungssystem",
Buchungen vornehmen: Und, last but not least, Ferien auf dem Bauernhof
sind zumeist preisgünstig und familienfreundlich!
"Bauernhof als Klassenzimmer" -
eine Aktion des Landvolkes - ist ein gutes Beispiel für die Öffnung
und Nachwuchspflege der Landwirtschaft. Hier wird Schülern und Lehrern
beim Hofbesuch das Thema Landwirtschaft an den "lebenden Objekten"
nahegebracht. Woher stammt die Milch? Wie wird aus Kartoffeln eine
Pommes? Und andere drängende Fragen können beantwortet werden. Darüber
hinaus bietet der Landvolkverband sogar Unterrichtsmaterialien an.