Nachhaltigkeit ist also eine gesellschaftliche
Perspektive, sie hat nicht eine Perspektive, sie ist
eine! Wir müssen dazu beitragen, dass wir, um mit den Worten von
Margot Käßmann zu sprechen, "Begeisterung für Nachhaltigkeit und
begeisternde Nachhaltigkeit" erreichen. Dafür will ich mich einsetzen.
Volker Hauff, der Vorsitzende des
Rates für nachhaltige Entwicklung, hat davon gesprochen, dass die
Debatte um Nachhaltigkeit auch die Wünsche, Träume, Fragen und Ängste
der Menschen umfassen müsse. Es soll ein lebendiges Bild entstehen,
das von Kreativität, Aufbruch und Kommunikation geprägt ist.
Deshalb setze ich mich auch sehr
dafür ein, dass die Kultur bei alle dem nicht zu kurz kommt. In
der Strategie der Bundesregierung findet sie keinen oder nur geringen
Eingang.
Die kulturellen Grundlagen der Nachhaltigkeit
werden zu wenig mitgedacht. Zu einer Konzeption nachhaltiger Politik
gehört auch eine Kultur der Nachhaltigkeit. Auch die Kulturpolitik
muss stärker auf die Themen der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.
Es ist also eine kulturpolitische Erweiterung des Nachhaltigkeitsdiskurses
vonnöten.
Eine erste Initiative dazu waren
die "Toblacher Thesen", verabschiedet vom Ökoinstitut Tirol, die
versuchen, die Nachhaltigkeitsdebatte um die Dimensionen der Ästhetik,
der Werte und der Lebensstile zu erweitern.
1998 befand die UNESCO-Konferenz
zu Kultur und Entwicklung, dass die Nachhaltige Entwicklung die
Grundlage für den Erhalt und die Förderung der kulturellen Vielfalt
darstellt. Kultur soll, so das "Tutzinger Manifest", als querliegende
Dimension der Nachhhaltigkeit etabliert werden und damit die drei
"klassischen Dimensionen", Ökologie, Ökonomie und Soziales, erweitern.
Denn eine Zukunftsperspektive kann, global gesehen, heute nur gemeinsam
gesichert werden; die Globalisierung braucht den Dialog der Kulturen.
Eines ist klar: um nachhaltig agieren
zu können, bedarf es der Ausprägung von Wissen, es bedarf der Fähigkeit,
Probleme zu erkennen und sie zu lösen, es muss ethisch gehandelt
werden. Dies sind Aufgaben für Bildung, Ausbildung und berufliche
Qualifikation und sie beruhen auf den kulturellen Werten und den
Traditionen, die in einer Gesellschaft herrschen. Lebensstile und
Religion tragen das ihre dazu bei. Ohne Kultur geht es also nicht.
Ich wünsche mir also, dass die
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung vor Ort, in den lokalen
Agendagruppen und vor allem auch in der lokalen Wirtschaft, aufgenommen
wird und weitere Schritte auslöst. Der Gipfel von Johannesburg bietet
dazu eine gute Gelegenheit, denn es wird explizit dazu aufgerufen,
dass gesellschaftliche Gruppen, also auch die Wirtschaft, sich in
Partnerschaften und Kooperationen begeben. Machen Sie davon regen
Gebrauch.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."