Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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    09.07.2007

    SPD Kunst- und Kulturpreises im Uhle-Hof Schwarmstedt

    Rede anlsslich der Verleihung der Auszeichnung


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Liebe Mitglieder der Malgruppe Monika Bittner,
    liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

    Zum 60. Geburtstag des Malers Adolph Friedrich Erdmann von Menzel wurde in einem Hotel ein feierliches Abendessen gegeben. Der Kaiser hatte angeordnet, dass der berhmte Maler in einer Hofkutsche zum Essen gefahren werden sollte. Alles war versammelt, nur Menzel kam nicht. Bald machte sich eine Abordnung auf den Weg, den Jubilar zu suchen und sie fanden ihn auch: Doch Menzel war gerade dabei, die nach ihm geschickte Hofkutsche mit den Rappen zu zeichnen und begrndete sein Handeln so: "Menschen, die Reden halten, kann ich so oft sehen, wie ich will. Solche Pferde aber nicht."

    In diesem Sinne bitte ich Sie um Verstndnis, dass wir Ihnen heute keine Kutsche geschickt haben - das Risiko war uns doch einfach zu gro, am Ende allein hier zu stehen.

    Stattdessen freue ich mich sehr, dass ich die diesjhrigen Preistrgerinnen und Preistrger der Malgruppe Monika Bittner begren und ihnen zu ihrer Auszeichnung mit dem Kunst- und Kulturpreis 2007 ganz herzlich gratulieren darf. Ich denke, damit geht der Preis in diesem Jahr an ein ganz besonderes Projekt.

    Natrlich; es geht in der Hauptsache um die Malerei - also um das Knstlerische. Wie wir an den Bildern der Preistrger sehen knnen, kommen hier ganz unterschiedliche Malstile zusammen. Ob nun Aquarell, Akryl, Spachtelmasse oder die Arbeit auf Leinwnden, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

    Doch ich finde toll, dass es bei der Malgruppe eben nicht ausschlielich um das Knstlerische geht, sondern gleichzeitig um das Zusammensein und das Miteinander. In der Geschichte der Kunst egal ob Musik, Malerei oder Literatur haben die grten Kunstwerke eben doch ihren Ursprung im Sozialen. Es sind Gesprche mit anderen Menschen, ihre Anregungen oder der Eindruck, den Sie hinterlassen, die zu besonderen und selbst die Knstlerin oder den Knstler berraschenden Ergebnissen fhren. Deswegen kann ich es mir die Treffen der Malgruppe auch nicht nur als sehr unterhaltsam und schn vorstellen, sondern auch als knstlerisch sehr anregend.

    Nun also ehrt die SPD Schwarmstedt mit dem 12. Kunst- und Kulturpreis das Engagement der Malgruppe Monika Bittner. Mit Ihrer Begeisterung fr Kunst und Ihrem kreativen Schaffen sind Sie, liebe Preistrgerinnen und Preistrger, eine wahre Bereicherung fr das kulturelle Leben in unserer Gemeinde. Den grten eigenen Einsatz hat zweifelsohne die Begrnderin der Malgruppe, Frau Monika Bittner, in dieses Projekt hineingesteckt. Im Jahre 2001 hat sie das Malatelier ins Leben gerufen und somit ein Treffen unterschiedlichster Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Kunst und Malerei ermglicht. In Schnupperkursen der Volkshochschule hat Monika Bittner interessierte Personen an die verschiedenen Maltechniken herangefhrt. Nach der Devise „Jeder kann malen“, setzte sie sich vor allem fr einen ungezwungenen Umgang mit der Malerei ein.

    Viele Menschen bauen im Laufe ihres Lebens leider Barrieren gegenber der Malerei auf. Whrend Kinder noch ganz ungezwungen mit Pinsel und Farbe umgehen, tun wir Erwachsene uns hufig viel schwerer. Wer von uns erinnert sich nicht an den Kunstunterricht in der Schule, wo vielleicht nicht jedes Bild den Vorstellungen des Lehrers entsprach und man dann schnell selbst seine knstlerischen Fhigkeiten in Frage zustellen begann? Monika Bittner will den Menschen diese ngste und Selbstzweifel nehmen. Sie mchte den Menschen den Spa an der Malerei zurckgeben und das knstlerische Talent, das in vielen Menschen bislang vielleicht unerkannt schlummerte, wecken. Dafr verdient sie unsere grte Anerkennung.

    Doch Sie werden mir zustimmen: solch ein Engagement ist nicht immer leicht. Was man vielleicht als ein Grundproblem der Malerei beschreiben knnte, hat Wilhelm Busch in seiner wunderbar witzigen, schlichten und trotzdem ins Schwarze treffenden Art gesagt: „Oft trifft man wen, der Bilder malt, / Viel selt'ner wen, der sie bezahlt.“

    In Zeiten, wo sich die Kufer auf dem Kunstmarkt bei Bildern von Stars wie Neo Rauch oder Gerhard Richter die aberwitzigsten Bietergefechte liefern, sich dagegen aber fr die vielen unbekannteren - deswegen aber nicht weniger interessanten - Malerinnen und Malern nur sehr wenige Mzene interessieren, ist es nicht immer leicht, das Interesse an Malerei zu wecken.

    Gleichzeitig knnten kaum gengend staatliche Frdermittel zur Verfgung gestellt werden, um all die ntigen Malereiprojekte zu untersttzen. In der Bundespolitik, in der wir zwar nicht wie die Lnder einzelne Projekte frdern, wollen wir hauptschlich die Rahmenbedingungen, in denen Kunst und Kultur stattfinden, verbessern. Einen wichtigen Schritt haben wir gerade am letzten Freitag getan. Da haben wir im Deutschen Bundestag das neue Gemeinntzigkeitsrecht verabschiedet. Finanzminister Peer Steinbrck hatte mit seinem Konzept „Hilfen fr Helfer“ - wobei wir die vielen Helferinnen auf keinen Fall vergessen sollten - einen wirklich guten Vorschlag vorgelegt, mit dem wir jetzt die Menschen, die sich tagtglich im sozialen, kulturellen, sportlichen oder sonst gesellschaftlichen Bereich engagieren, weiter untersttzen werden.

    Der persnliche und in den meisten Fllen ehrenamtliche und unentgeltliche Einsatz, ist bewundernswert und viele Menschen profitieren davon. So gibt es berall in unserem Land kostenlose Museen und Ausstellungen, musikalische Veranstaltungen hren oder Theaterspiele sehen, die nur aufgrund von privatem Einsatz existieren.

    In dem neuen Gesetz frdern wir aus diesem Grund konkret durch eine erhhte Spendenabzugsfhigkeit, die Abzugsfhigkeit von finanziellen Zuwendungen an Stiftungen, verbesserte Haftungsregelungen oder die angehobene Besteuerungsgrenze fr wirtschaftliche Bettigungen gemeinntziger Krperschaften. Das alles soll helfen, dass noch mehr Menschen Aufgaben in der Gemeinschaft bernehmen.

    Dazu gehrt eben auch der private Einsatz von Kunstschaffenden wie Monika Bittner, der mit der heutigen Auszeichnung auch geehrt werden soll. Wer die Arbeit ihrer Malgruppe verfolgt, der sieht: Hier geht es um den Spa an Kunst, die Freude an Kreativitt und um das menschliche Miteinander. Kunst bringt Menschen zusammen! Das ist in meinen Augen eine wunderbare Perspektive. Hier werden Kontakte geknpft und Freundschaften werden geschlossen.

    Dass sich in der Malgruppe Monika Bittner brigens Menschen unterschiedlichsten Alters wiederfinden, unterstreicht auch die Bedeutung von Kunst und Kultur fr das Miteinander der verschiedenen Generationen. Die jngste Teilnehmerin der Malgruppe besucht noch nicht einmal die Grundschule, whrend die lteste Hobbymalerin mit 82 Jahren voll und ganz zu den Aktiven zhlt. Das zeigt einmal mehr: Kunst und Kultur sind generationsbergreifend - Malerei ist eine vom Alter unabhngige Leidenschaft.

    Bei Kindern und Jugendlichen fehlt es leider oft an dem Interesse fr Kunst und Kultur. Da es leider nicht berall solche wertvollen Initiativen wie die heute ausgezeichnete gibt, liegt hier eine Aufgabe der kulturellen Bildung in der Politik und dabei besonders in der Schulpolitik. Hier muss das Interesse geweckt werden. Doch ist dabei noch viel zu tun. Wie wir nicht erst seit krzlich verffentlichen Studien zum Ernhrungs- und Konsumverhalten von Kindern wissen, verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit viel zu hufig vor dem Fernseher oder dem Computer. Das schadet massiv der Gesundheit und es fehlt den Kindern immer hufiger an sozialen Kontakten. Das fhrt wiederum zu einem mangelnden Selbstbewusstsein, zur Vereinsamung, mangelnder Kommunikationsfhigkeit und hat nachweisbar negative Auswirkungen auf die Schulleistungen.

    Diesen Entwicklungen mssen wir alle gemeinsam entgegentreten. Natrlich ist es eine zentrale Aufgabe von Eltern und Lehrer, sich um die Verbesserung von Medienkompetenz und kultureller Bildung von Kindern zu bemhen. Doch auch das kulturpolitische Engagement ist selbstverstndlich ein wichtiger Baustein. Ich will als ein Beispiel nur einmal die Ganztagsschulen nennen. Wenn Kinder und Jugendliche bereits im Kindergarten oder in der Schule mit Musik, Theater oder Malerei in Kontakt kommen, dann frdert das ihr Interesse fr Kunst und Kultur. Auerdem werden jungen Menschen die vielfltigen Arbeitsmglichkeiten in diesen Bereichen viel leichter erffnet, wodurch nicht selten der Grundstein fr sptere berufliche Wege gelegt werden kann.

    Als drittes sind die privaten und gemeinntzigen Initiativen zu nennen, die hier eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Ich glaube sogar, dass die freiwillige und ehrenamtliche Arbeit in Zukunft an Bedeutung noch viel strker zunehmen wird. Unsere diesjhrigen Preistrger sind das beste Beispiel dafr, dass kulturelle Bildung besonders auf die Initiative von Privatpersonen zurckgeht und sich nicht nur auf Institutionen wie die Schule sttzen darf. Musik-, Theater- und Malgruppen wie die von Monika Bittner werden auch in Zukunft eine ganz wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, junge und ltere Menschen ber die Kunst und Kultur zueinander zu bringen.

    Mit der Vergabe des Kunst- und Kulturpreises wnsche ich mir, dass die Malgruppe Monika Bittner noch mehr Resonanz in der ffentlichkeit bekommt und noch mehr Menschen dazu anregen kann, ihre kreative Ader zu entdecken. Dabei hoffe ich, dass Sie sich auch weiterhin ber regen Zulauf freuen knnen. Fr die nchste Ausstellung der Malgruppe Monika Bittner im Uhle-Hof in Schwarmstedt wnsche ich Ihnen schon jetzt alles Gute und ganz besonders ein volles Haus. Ich bin sicher: wir werden in Zukunft noch vieles von Ihnen allen hren und vor allem sehen.

    Vielen Dank