Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    Sommertour 2008 - Buchholz


    Faire Fublle fr die Schulen

    Mit der Idee, das Thema „Fairer Handel“ in die Schulen zu tragen, war Monika Griefahn im Rahmen ihrer Sommertour sportlich unterwegs. Sie brachte der Grundschule Steinbeck zusammen mit dem Buchholzer Genossen Norbert Stein fnf fair gehandelte Blle. Noch bevor sich die beiden einen Weg ins Lehrerzimmer hatten bahnen knnen, spielten die ersten Kinder mit den Fubllen.

    Um das runde Leder aber wie angekndigt bergeben zu knnen, sammelten Griefahn und Stein die Blle wieder ein und bergaben sie dem Schulleiter der Grundschule Steinbeck, Ronald Schnor und Gerd Krause vom Fachbereich Sport. Auf eine Kaffee-Lnge blieben die beiden und sprachen mit Ronald Schnor ber die Herausforderungen im Schulalltag. Insbesondere ging es um vorausschauende Planungen in Fragen der Schulzusammenlegungen und Lehrerstellen.

    Grundstze des fairen Handels sind zum Beispiel, dass keine Kinderarbeit erfolgen darf und dass die Arbeiterinnen und Arbeiter einen angemessenen Lohn bekommen. Mitbestimmung in dem Betrieben und Transparenz der Produktwege werden gro geschrieben. Auch wird die Bildung der Kinder der Arbeiterinnen und Arbeiter gefrdert.

    Neue Wege fr die Kulturpolitik

    Zu einer interessanten Diskussion ber die Kulturpolitik in Deutschland hatte der Kunstverein Buchholz e.V. eingeladen. Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Direktor des Instituts fr Kulturpolitik der Universitt Hildesheim) und die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn diskutierten mit Gsten insbesondere ber Kultur im lndlichen Raum, die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und den Stellenwert kultureller Bildung. Im Fokus standen die Ergebnisse des im Dezember 2007 verabschiedeten Schlussberichts der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“.

    Kulturexperte Schneider hatte sich viel Zeit genommen und war schon am Nachmittag angereist. So konnte er mit Monika Griefahn und Christoph Selke, dem Vorsitzenden des Kunstvereins Buchholz, das Freilichtmuseum am Kiekeberg besuchen. Im Gesprch mit Museumsdirektor Prof. Dr. Rolf Wiese erfuhr er etliche Details ber das Museum. Wiese und die Vorsitzende des Stiftungsrates, Heike Meyer, informierten ber die Arbeit der gemeinntzigen Stiftung, die die Finanzierung des Museums sichern soll. Hauptgeldgeber ist der Landkreis Harburg. Doch auch der Frderverein mit 4.800 Mitgliedern und die guten Besucherzahlen im Jahr 2007 waren es 265.000 - sind wichtige Bestandteile, um das Museum auf eine finanzielle Grundlage zu stellen.

    Am Abend, als es um den Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ging, begrte Christoph Selke, Erster Vorsitzender des Kunstvereins Buchholz und Gastgeber des Abends, Gste und Referenten. Er freute sich, dass Buchholz in der Nordheide mittlerweile ber ein breit gefchertes kulturelles Leben verfgt. Rund 20 Musikvereine und etwa 30 andere kulturelle Vereinigungen seien in Buchholz aktiv, erluterte Selke in seiner Begrung.

    Anschlieend stellte die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn die Position der SPD-Bundestagsfraktion zu einigen ausgewhlten kulturpolitischen Fragestellungen vor. Sie wies besonders auf den Aspekt der kulturellen Bildung hin und unterstrich auch das Thema Kultur im lndlichen Raum, das fr die Region von besonderer Bedeutung sei. „Die Enquete-Kommission hat zahlreiche Vorschlge gemacht, die die Situation wirklich verbessern knnen“, sagte Griefahn. Dazu gehren bessere Erreichbarkeit und Mobilitt bei Kulturangeboten, die strkere Einbeziehung von Schulen und kulturell ttigen Vereinen aus der Region bei Veranstaltungen oder mehr regionale Kunstpreise und Wettbewerbe.

    Prof. Dr. Wolfgang Schneider, der als sachverstndiges Mitglied vier Jahre lang der Enquete-Kommission angehrt und am Schlussbericht mageblich mitgewirkt hat, stellte zentrale Elemente des Schlussberichts dar.

    Der Bericht enthalte neben einer umfangreichen Bestandsaufnahme zur Kultur in Deutschland rund 500 Handlungsempfehlungen, die den Kulturstaat bzw. die Kulturnation Deutschland voranbringen knnten.

    Prof. Schneider ging von drei Grundberlegungen aus: Leitbild msse der „aktivierende Kulturstaat“ sein. Der Staat msse erstens Strukturen fr Kultur ermglichen, die ber eine schlichte Grundversorgung oder die Daseinsvorsorge hinausgehen. Notwendig dafr sei zweitens eine gut ausgebaute kulturelle Infrastruktur. Schlielich sei drittens Kulturpolitik auch Gesellschaftspolitik. Kultur diene auch der Selbstverstndigung der Gesellschaft ber Utopien und Visionen fr die Gesellschaft.

    Er nannte drei Bereiche der Kulturpolitik, die man besonders ins Visier nehmen solle: Die kommunale Kulturpolitik sei die dezentrale Basis im Kulturfderalismus. Da Kultur immer noch als freiwillige Leistung der Kommunen behandelt werde, sei sie strker als andere Bereiche in Gefahr, von Haushaltskrzungen betroffen zu werden. Der zweite Bereich sei das brgerschaftliche Engagement, so z.B. durch Mzenaten und durch Ehrenamtliche. Nicht zu vergessen sei auch das freiwillige soziale Jahr Kultur; derzeit existieren rund 900 Pltze pro Jahr in Deutschland. Der dritte Bereich sei die kulturelle Bildung. Es fehle an der Umsetzung der Kulturpolitik bei der kulturellen Alltagsbildung, in- und auerhalb der Schulen. Die Kontakte zwischen Schulen und Kulturinstitutionen mssten enger werden. Dazu gehren beispielsweise die Einfhrung von Schulklassen in die Nutzung von Bchereien. Wenn in Deutschland rund 2,2 Milliarden Euro fr die Theaterfrderung ausgegeben werden, mssten auch die Schulen engeren Kontakt zu den Theatern haben.

    Perspektivisch brauche man eine Reform der Kulturlandschaft. Die Kulturfrderung drfe nicht nur produktionsorientiert, sondern msse auch publikumsorientiert erfolgen. Die Kulturlandschaft in Deutschland msse offener fr andere Bereiche werden, so z.B. auch fr internationale Einflsse.

    Prof. Schneider nannte auch Vorbilder aus dem Ausland: In finnischen Schulgebuden stehen Bchereien und ein Theaterraum im Mittelpunkt, in der deutschen Schule hufig nur eine Aula und ggf. eine Mensa. In Holland werde ein Schulfach „Kulturelle Bildung“ eingefhrt, was zur Folge habe, dass Schulen in verstrktem Mae auf kulturelle Institutionen zugehen wrden. In Norwegen erhalten Schler 10 Kulturgutscheine pro Schuljahr, was das Interesse an Kultur wecke und zu kulturellem Engagement einlade. Ziel msse ein ganzheitliches Lernen sein. Dazu brauche es u.a. eine Reform der Lehrerausbildung, mehr Aus-, Fort- und Weiterbildung im kulturellen Bereich sowie eine Kulturentwicklungsplanung auf der kommunalen Ebene der Stdte und Gemeinden.

    Prof. Schneider schloss seine Darstellung mit einem Zitat, das auch Aufnahme in den Schlussbericht der Enquete-Kommission gefunden hat: „Wenn das Motiv, das Leben zu gestalten, unter anderem von der Krze des Lebens herrhrt, dann kommt der Ansto dazu, es schn und gut zu gestalten, von der Sehnsucht nach der Mglichkeit, es voll bejahen zu knnen.“

    Monika Griefahn erluterte, dass die Umsetzung der vielen gute Ideen des Schlussberichts der Enquete-Kommission nur funktionieren knne, wenn alle an einem Strang ziehen.

    In der Diskussion erluterte Prof. Schneider, dass der Schlussbericht auch zahlreiche Handlungsempfehlungen zur kulturellen Bildung enthalte. Dies betreffe z.B. Schulen, Jugendarbeit, Musikschulen, Bchereien, Kulturveranstalter und Vereine. Beklagt wurde, dass viele Schulen noch nicht ausreichend Kontakt zu kulturellen Institutionen suchen wrden.

    ZUR VERTIEFUNG:
    Deutscher Bundestag, Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“, Drucksache Nr. 16/7000, http://www.bundestag.dewww.bundestag.de, Rubrik „Dokumente“