Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    Sommertour 2008 - Hollenstedt - Wennerstorf


    Kulturelle Bildung im Freilichtmuseum Kiekeberg

    Monika Griefahn hatte den Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Direktor des Instituts fr Kulturpolitik der Universitt Hildesheim) zu einer Abendveranstaltung im Kunstverein Buchholz eingeladen und nutzte mit ihm gemeinsam die Zeit am Nachmittag um bei einem Besuch im Freilichtmuseum am Kiekeberg lndliche Kultur hautnah zu erleben. Mit dabei war auch Christoph Selke vom Kunstverein Buchholz. Im Gesprch mit Museumsdirektor Prof. Dr. Rolf Wiese und der Vorsitzenden des Stiftungsrates, Heike Meyer, erfuhren sie viele interessante Details ber das Freilichtmuseum und die Arbeit der gemeinntzigen Stiftung, welche die Finanzierung des Museums sichert.

    Hauptgeldgeber fr die Stiftung nach ffentlichem Recht ist der Landkreis Harburg, der die Stiftung gegrndet hat, um die Finanzierung des Freilichtmuseums dauerhaft auf solide Beine zu stellen. Es erfolgen immer Finanzierungszusagen fr fnf Jahre, wie die Kreistagsabgeordnete und Stiftungsratsvorsitzende Heike Meyer erklrte. „Beim Bund werden zurzeit auch viele bestehende GmbHs im Kulturbetrieb auf Stiftungen umgestellt, damit Gelder besser einzuwerben sind“, erluterte Monika Griefahn, auch Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion fr Kultur und Medien.

    Prof. Dr. Wiese lobte die Verlsslichkeit des Finanzierungszuschusses und die Flexibilitt in der Arbeit durch die Stiftung. Rund eine Million Euro pro Jahr steuert der Frderverein mit seinen 4.800 Mitgliedern bei. „Ohne diesen Frderverein wre dieses Museum nicht lebensfhig.“ Der Frderverein betreibt die wirtschaftliche Seite des Museums und erhlt die Einnahmen aus den Museumslden, die dann wiederum an das Museum zurck flieen. Sehr viele ehrenamtlich Ttige sind in die Arbeit eingebunden, ebenso behinderte Menschen. „ber die Arbeit mit Behinderten merkt man, wie viel Spa Kultur machen kann“, hob Prof. Dr. Wiese heraus. Im Museum verteilt sich die Arbeit auf 30 Vollzeit- und 25 Teilzeitstellen, auerdem sind 25 krperlich oder geistig Behinderte beschftigt.

    Die Besucherzahlen des Museums sind stetig gestiegen: 1987 waren es 50.000 Besucher und im Jahr 2007 bereits 265.000 Besucher. „Auch Kulturbetriebe mssen wachsen und gedeihen:“ Schulklassen zahlen keinen Eintritt. „Dies ist schlielich kulturelle Bildung, die soll jedem Schler offen stehen.“ Das Museum will verstrkt versuchen, junge und ltere Menschen zusammenzubringen, um das Wissen der lteren an die Jngeren zu vermitteln.

    Beim Rundgang durch einige Gebude des Freilichtmuseums erluterte Prof. Dr. Wiese, dass zum Beispiel das Fischerhaus, erbaut Ende des 17. Jahrhunderts, aus Drage in das Freilichtmuseum umgesetzt wurde. Dabei wurde nicht nur das Fachwerk mitgebracht, sondern ganze Wnde komplett mit Fllungen; auch die alte Feuerstelle mit Schornstein wurde mit Sand verfllt und so unbeschadet zum Kiekeberg gebracht. „Heute geht man interdisziplinr an die Sache heran“, wurde erlutert, „um mglichst vielschichtige Informationen ber das Haus und das Leben darin zu erhalten.“ In der Regel kann solch ein Bau zu 70 % erhalten werden und die restlichen 30 % werden originalgetreu ersetzt.

    13 Farbschichten bereinander fand man bei der Restaurierung in der guten Stube. „Gemessen am Alter des Hauses zeigt es uns, dass praktisch immer dann, wenn eine neue Frau auf den Hof kam, die Stube neu gestrichen wurde; pro Generation einmal.“ brigens hat man auch die Warft in Drage untersucht, auf der das Haus stand, und frderte Erstaunliches zu Tage: Unter dem Fuboden fand man noch zwei Fubden 80 cm tiefer. Demnach hatte man das Haus zu frherer Zeit zweimal „hochgeschraubt“, um die Warft zu erhhen und dann einen neuen Fuboden in das Haus gelegt. So war das Haus vor dem Elbwasser besser geschtzt. „So viele interessante Details habe ich ja noch nie erfahren“, freute sich Monika Griefahn.

    Auch die Brennerei wurde besichtigt und die Geschichte des „Alter Haidmrker“-Kornbrandes weitergegeben. Weiter ging es zum restaurierte Saal eines Gasthauses im ersten Stock. Dabei lernten die Besucher, dass das wertvollste Holz des Gebudes auf den Fuboden des Saales kam: Pitchpine, herangeschifft aus Kanada, ohne Astlcher und ideal zum Tanzen ohne zu stolpern. In den Jahren 1880 bis 1890 nderte sich das Leben, erklrte Prof. Dr. Rolf Wiese seinen Besuchern, die Menschen arbeiteten nicht mehr 365 Tage im Jahr und es bildete sich eine Art „Freizeitgesellschaft“, indem Vereine gegrndet wurden. Diese brauchten einen Raum um sich zu treffen, so entstanden die Sle in Gasthusern. Fr diesen Saal hatte ein junger Maler erstaunliche Gemlde geschaffen, die direkt auf die Wnde gemalt und beim Wiederaufbau Stck fr Stck restauriert wurden. Und warum sa die Kapelle mit ihren Instrumenten bei Tanzveranstaltungen auf einer Bhne ber dem Getrnkeausschank? „Damit die Instrumente heil blieben, wenn im Saal eine Schlgerei stattfand.“

    Beim Rundgang durch die Bckerei wurden schlielich noch frisch gebackene Kekse probiert, die im Museumsladen zum Kauf angeboten werden; alle Backwaren werden aus biologisch angebautem Getreide hergestellt.