Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    10.08.2009

    Baumschutz in Seevetal

    Monika Griefahn pldiert fr Nachhaltigkeit bei der Waldnutzung


    „Mein Freund, der Baum “ unter diesem Motto hatte die Seevetaler SPD am 5. August zu einer Diskussionsrunde ber mgliche Schutzkriterien und Verfahrensregeln fr ein Baumkataster in der Samtgemeinde eingeladen. Angelika Tumuschat-Bruhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, begrte die Gste und stellte als Moderatorin die Diskussionsteilnehmer auf dem Podium vor: die Bundestags- abgeordnete Monika Griefahn, den Sprecher des Umwelt- und Planungsausschusses und Ortsbrgermeister von Maschen, Gnter Schulz, sowie Hans Hacklnder, den Ortsbeauftragten fr Naturschutz der Gemeinde Rellingen.

    Monika Griefahn setzte den Schwerpunkt auf einen geregelten Baumschutz in Seevetal. Unstrittig sei die herausragende Bedeutung eines gesunden Baumbestandes in seiner Komplexitt fr die Lebensqualitt der Menschen: Bume ermglichen eine groe Artenvielfalt (ca. 100 verschiedene Arten pro Hektar); sie binden Staub und neutralisieren CO2; sie reinigen die Luft und spenden Sauerstoff (ein Baum produziert ca. 4,6 t pro Jahr das deckt den Sauerstoffbedarf von 10 Menschen im gleichen Zeitraum); groflchiger Baumbestand verhindert die Erosion des Bodens und baut mit Aufdngung durch Altholz und Blattwerk fruchtbare Humusschichten fr Leben aller Art auf. Monika Griefahn betonte, dass diese Erkenntnisse bereits seit dem 19. Jahrhundert sehr wohl verbreitet seien, nachdem noch ein Jahrhundert zuvor gro angelegte Waldrodungen wie in der Lneburger Heide dafr gesorgt htten, dass es heute kaum noch groe zusammenhngende Waldflchen in Deutschland gebe. Aus bundespolitischer Sicht sei es daher wichtig, endlich eine nachhaltige Umsetzung des Waldschutzgesetzes voranzutreiben gem des Grundsatzes aus der Forstwirtschaft „Bei der Bewirtschaftung eines Waldes darf nur soviel Holz entnommen werden, wie auch nachwachsen kann.“ (Carl von Carlowitz (1713)).

    Was mssen und knnen wir also tun? In Beantwortung dieser Frage stellte Monika Griefahn drei Kernforderungen auf:

    • die Novelle des Bundeswaldgesetzes weiterhin auf der politischen Agenda verfolgen und eine Anpassung an die heutigen Erfordernisse einer nachhaltigen Waldwirtschaft mit biologischer Vielfalt vornehmen;
    • die Erhaltung der Waldkosysteme als Lebensraum fr eine artenreiche heimische Pflanzen- und Tierwelt forcieren;
    • in Zeiten des Klimawandels die Lebensqualitt fr die Menschen erhalten und fortschreiben, durch bessere Luft und eine gesunde Umwelt. Grne Lungen mssen im Zuge der Erweiterung bebauter Flchen und verstrkter Infrastruktur, gerade auf dem Lande, gepflegt werden.

    Unter Bezug auf die Novelle des Bundeswaldgesetzes merkte die anwesende Landtagsabgeordnete Brigitte Somfleth ergnzend zu den politischen Forderungen fr Niedersachsen an: „Seinerzeit war diese als Loewe-Programm (Langzeitige kologische Waldentwicklung) von der SPD und den GRNEN in Niedersachsen angeschoben worden; aktuell, unter der CDU/FDP Landesregierung, wird dieses Schutzprogramm fr eine nachhaltige Waldwirtschaft aber immer mehr verwssert es muss dringend neu aufgelegt werden.“

    Gnter Schulz fokussierte den Handlungsbedarf auf kommunalpolitischer Ebene und betonte, dass eine Verordnung zum Schutz der Bume heute mehr denn je ein vorrangiges Ziel politischer Arbeit in Seevetal sein sollte. Auf Nachfrage erluterte er vorab den Unterschied zwischen einem Baumkataster und einer Baumschutzsatzung:

    • das Kataster umfasst nach von Fachleuten vorgegebenen Kriterien eine Auflistung vorhandener Bume, die schutzwrdig sind;
    • die Satzung regelt das Verfahren eventuelle Ausnahmeflle sowie Sanktionen, bei Nichteinhaltung der Schutzbestimmungen.

    Seit fast 25 Jahren seien in Seevetal seitens der SPD-Fraktion bereits mehrfach Versuche unternommen worden, den Schutz des vorhandenen Baumbestandes in der Gemeinde, auf ffentlichem und privatem Grund und Boden, politisch festzuschreiben; doch eine wirksame Lsung sei bislang an den politischen Mehrheitsverhltnissen im Gemeinderat gescheitert. Die derzeitigen Baumschutz-Mglichkeiten im Rahmen bestehender Bebauungsplne reichten bei weitem nicht aus. Grundstzlich solle sich der Baumschutz auf ortsbildprgende und standortgerechte, also heimische Bume, Baumgruppen und Gehlze erstrecken. Die Auswahl der in einem Kataster aufzulistenden Bume werde durch Fachleute, mit Untersttzung von ehrenamtlichen Helfern (z. B. NABU) erfolgen. „Auf jeden Fall sollen jeweils die Grundeigentmer persnlich mit eingebunden werden es macht keinen Sinn, im Streit etwas zu erzwingen hier muss die Politik intensive berzeugungsarbeit leisten“, bekrftigte Gnter Schulz. Darber hinaus knnten jederzeit eigene Meldungen sowie entsprechende Antrge auf Aufnahme in das Kataster gestellt werden. Fr die Vorarbeiten seien jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen worden mit der Verabschiedung des Haushalts 2010 sind im Dezember vergangenen Jahres 25.000 Euro fest veranschlagt worden. Parallel msse nun auch eine Erhhung der Frdermittel fr die notwendigen Pflegemanahmen der unter Schutz gestellten Bume durchgesetzt werden; denn „wir wollen die Grundeigentmer mit ihren Bumen nicht alleine lassen, sondern sie in ihrem Bemhen um den Erhalt schtzenswerter Bume auch finanziell untersttzen“, betonte Gnter Schulz.

    Hans Hacklnder stellte das „Rellinger Modell“ vor und betonte, wie reibungslos die Einfhrung eines Baumschutzkatasters in der 14.000-Einwohner-Gemeinde in Schleswig-Holstein abgelaufen sei. „Das luft seit ber 10 Jahren ganz ohne Zankerei und Murren“, berichtete der Naturschutzbeauftragte nicht ohne Stolz. Man sei sehr behutsam vorgegangen und habe darauf geachtet, dass die anschlieende Baumschutzsatzung mit ihrem Regelwerk nicht zu einem Monster mutiert sei wie in Hamburg seinerzeit geschehen, durch eine berbrokratisierung und eine berfrachtung mit Ausnahmeregeln. „Das Rellinger Modell hat funktioniert und tut es noch es kann zweifelsfrei als Vorbild dienen, so dass einer bernahme durch die Seevetaler nichts mehr im Wege steht“, versicherte Hans Hacklnder abschlieend.

    „Zu fllen einen schnen Baum, braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.“
    (Eugen Roth, deutscher Schriftsteller und Dichter, 1895-1976).