Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    22.03.2009

    Rede zur Frhlingserffnung des Frdervereins Elbmarschkultur


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kulturschaffende und Kulturfreundinnen und freunde, liebe Frau Viertel,

    ich freue mich, heute mit Ihnen zusammen das 20jhrige Jubilum und gleichzeitig den Einzug des Kultur-Treff-Punktes in die Elbmarsch-Kchen zu feiern! 20 Jahre, das ist schon ein stolzes Alter, und die mittlerweile 300 Mitglieder des Frdervereins Elbmarschkultur zeigen, wie erfolgreich diese letzten 20 Jahre waren: 7 Sparten umfasst der Kultur-Treff-Punkt heute, vom Fotokreis ber Mal- und Kunsthandwerk-Kurse bis zum Trachtenkreis und zur plattdeutschen Runde, zu der uns Herr Krger gleich noch mehr sagen wird. Besonders gut finde ich dabei auch die ffnung hin zu einem unserer Nachbarlnder, wie sie im polnischen Kontaktkreis stattfindet. Dabei mchte ich ausdrcklich unseren polnischen Ehrengast begren, die Malerin Frau Vogel. Herzlich willkommen!

    Hufig konzentriert sich das ffentliche Interesse auf die groen Kunst- und Kulturzentren in den Grostdten. Das ist schade, denn dabei wird oft vergessen, dass in den lndlichen Regionen eine beeindruckende kulturelle Vielfalt anzutreffen ist. Hier, in der Elbmarsch, sind Kunst und Kultur authentisch. Sie werden in den unterschiedlichsten Formen gelebt, und das von sehr groen Teilen der Bevlkerung. Der Frderverein Elbmarschkultur ist das beste Beispiel dafr. Dabei halte ich auch das „Kulturldchen“, das zusammen mit dem Ausstellungsraum tglich geffnet ist, fr eine tolle Idee. Hier ist Kultur in den Alltag integriert und Ausdruck des Zusammenspiels zwischen der Kunst und den verschiedenen Generationen, die an Ihren Angeboten teilnehmen.

    Ich halte es fr einen gefhrlichen Trugschluss, die kulturelle Vielfalt in den Regionen geringer zu schtzen als sie in Wahrheit ist. Denn gerade in lndlichen Gebieten kommt neben dem kulturellen Wert auch der soziale Aspekt der Kunst zum Tragen. Dort, wo die Brger ihren Heimatort aktiv mit gestalten, da werden Kunst- und Kulturprojekte viel besser wahrgenommen. Und das Gemeinschaftsgefhl und die eigenstndige Identitt der Region knnen so viel besser bewahrt werden.

    Gerade das kulturelle Leben in lndlichen Regionen lebt von der freiwilligen und ehrenamtlichen Arbeit. Sie werden mir sicher zustimmen, dass dies ein „Pfund“ der Kulturarbeit in lndlichen Regionen ist, das auf jeden Fall bewahrt werden muss. Deshalb setze ich mich auch dafr ein, dass die lndlichen Regionen bei der Kulturpolitik des Bundes und der Lnder noch strker bercksichtigt werden.

    Sie geben mir sicher Recht: Das Engagement bei Kunst und Kultur ist nicht zuletzt aus finanziellen Grnden nicht immer leicht. Es knnen kaum gengend staatliche Frdermittel zur Verfgung gestellt werden, um all die ntigen Kunstprojekte zu untersttzen. In der Bundespolitik wollen wir hauptschlich die Rahmenbedingungen, in denen Kunst und Kultur stattfinden, verbessern. Doch neben der Kulturhoheit der Lnder gibt es auch auf Bundesebene Frderinstrumente im Kulturbereich.

    Ich denke, dass gerade jetzt, da die Auswirkungen der Finanzkrise in unseren Alltag vorrcken, auf allen Ebenen deutlich wird, wie wichtig staatliche Kulturfinanzierung ist. Kultur ist Lebensmittel und prgt die Kreativitt, frdert Integration und Frieden. Kultur ist die Wurzel unserer Gesellschaft, die einen Grundkonsens herstellt und nicht das Wirtschaftssystem oder der Finanzmarkt.

    Daher habe ich mich bei den letzten Haushaltsverhandlungen fr eine Erhhung der Mittel fr die Kulturstiftung des Bundes eingesetzt. Durch sie werden seit ihrer Grndung im Jahr 2002 innovative Projekte mit nationaler und internationaler Strahlkraft gefrdert. Ich denke, es sind aber auch die vielen kleineren und lokalen Projekte wie der Frderverein Elbmarschkultur, die innovative Anstze hervorbringen. Hier entsteht die wichtige Grundlage fr das kulturelle Leben insgesamt. Genau das muss gefrdert werden.

    Deshalb hat sich die SPD erfolgreich dafr eingesetzt, dass im Haushalt 2008 und auch im Haushalt 2009 der Bundeskulturstiftung 1 Million Euro mehr zur Verfgung stehen. Damit kann auch der Fonds Soziokultur gestrkt werden, der fr kulturelle Chancengleichheit und demokratische Kultur steht. Auch fr die Initiative Musik konnten die Mittel erhht werden, wodurch besonders Jazzmusik gefrdert wird.

    Bei diesen Kulturfrderinstrumenten stehen die Knstlerinnen und Knstler, Veranstalter und Engagierte im Vordergrund. Sie leisten wie Sie aus berzeugung eine kulturell unheimlich wichtige Arbeit, obwohl sie wissen, dass sie damit nicht reich werden knnen. Ganz viel passiert ehrenamtlich. Genau solches Engagement braucht unsere Gesellschaft!

    Daher haben wir einen wichtigen Schritt im Deutschen Bundestag mit dem neuen Gemeinntzigkeitsrecht bereits erreicht: Finanzminister Peer Steinbrck hatte mit seinem Konzept „Hilfen fr Helfer“ - wobei wir die vielen Helferinnen auf keinen Fall vergessen sollten - einen wirklich guten Vorschlag erarbeitet, mit dem wir jetzt die Menschen, die sich tagtglich im sozialen, kulturellen, sportlichen oder anderweitig gesellschaftlichen Bereich engagieren, weiter untersttzen werden.

    Der persnliche und in den meisten Fllen ehrenamtliche und unentgeltliche Einsatz, ist bewundernswert, und viele Menschen profitieren davon. So gibt es berall in unserem Land kostenlose Museen und Ausstellungen, musikalische Veranstaltungen hren oder Theaterspiele sehen, die nur aufgrund von privatem Einsatz existieren.

    In dem neuen Gesetz frdern wir aus diesem Grund konkret durch eine erhhte Spendenabzugsfhigkeit, die Abzugsfhigkeit von finanziellen Zuwendungen an Stiftungen, verbesserte Haftungsregelungen oder die angehobene Besteuerungsgrenze fr wirtschaftliche Bettigungen gemeinntziger Krperschaften. Das alles soll helfen, dass noch mehr Menschen Aufgaben in der Gemeinschaft bernehmen.

    So verschieden die Projekte in Kunst und Kultur sind, so unterschiedlich sind auch die Menschen und die Umstnde, in denen sie geschaffen werden. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in Deutschland sehe ich mehrere Herausforderungen fr die Kulturarbeit in den Regionen. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt. Dieser Trend ist gefhrlich und kann im schlimmsten Fall die Verdung ganzer Landstriche zur Folge haben. Ihm kann aber auch entgegengewirkt werden. Und zwar mit einer aktiven und engagierten Kulturarbeit vor Ort! Warum sollten wir kulturtouristische Produkte nicht besser vermarkten und so strukturschwachen Rumen neue Lebens- und Arbeitsperspektiven erffnen? Darin sehe ich einen ganz wichtigen Faktor fr die zuknftige Kunst- und Kulturarbeit in den Regionen.

    Ein weiterer Punkt ist, dass unsere Gesellschaft immer internationaler und vielfltiger wird. Deutschland ist, auch wenn sich einige Stimmen aus der Politik lange dagegen gewehrt haben, zu einem Einwanderungsland geworden. Diese Tendenz wird sich in Zukunft noch verstrken. Und deshalb mssen wir Zugewanderten Angebote zur Verfgung stellen, die ihre Integration frdern. Gleichzeitig knnen aber auch wir von ihnen lernen, denn Zugewanderte sehen die Elbmarsch vielleicht mit ganz anderen Augen. Wir sollten uns nicht nur die Frage stellen: Was knnen wir Migranten vermitteln? Denn genauso wichtig ist auch die Frage: Was knnen uns Menschen aus anderen Teilen der Welt geben und welche kulturellen Reichtmer bringen sie mit nach Deutschland?

    Der kulturelle Austausch ist dafr ein hervorragender Trffner. Im Kultur-Treff-Punkt hat man das schon lange erkannt. Hier treffen Menschen aus ehemals verfeindeten Nachbarlndern zusammen und tauschen ihre ganz verschiedenen Hintergrnden und ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Kunst aus. Hier wird also das Miteinander der Generationen und der Nationen gelebt, Kontakte werden geknpft und Freundschaften geschlossen. Das ist in meinen Augen eine wunderbare Perspektive!

    Mit dem heutigen Jubilum des Frdervereins Elbmarschkultur wnsche ich mir, dass Ihr Kulturverein noch mehr Resonanz in der ffentlichkeit und Untersttzung aus der Region bekommt. Ihre Arbeit regt Menschen dazu an, ihre kreative Ader zu entdecken. Kunst und Kultur liegen direkt vor unserer Haustr! Wir mssen blo die Augen ffnen.

    Mit Ihrer Begeisterung fr Kunst und Kultur sind Sie, liebe Mitglieder des Frdervereins Elbmarschkultur, eine wahre Bereicherung fr das kulturelle Leben in dieser Region. Sie haben mageblich dazu beigetragen, dass die Elbmarsch heute nicht nur fr die wunderschne Naturlandschaft, sondern auch fr kulturelle Tradition und Vielfalt bekannt ist. Die positiven Auswirkungen auf den Tourismus sollten bei der ffentlichen Frderung mitbedacht werden. Fr all das verdienen Sie, liebe Mitglieder des Frdervereins, grte Anerkennung und einen ganz besonderen Dank.

    Herzlichen Glckwunsch also noch einmal zum 20jhrigen Bestehen und alles Gute fr die nchsten 20 Jahre!