Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    15.11.2007

    Preis fr gute Computerspiele

    Rede im Plenum des Deutschen Bundestages


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich habe in den letzten Monaten an vielen Debatten und Gesprchen zum Thema Computerspiele teilgenommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es immer wieder um zwei Seiten geht, die sich oft unvereinbar gegenber stehen. Auf der einen Seite ist die besorgte Perspektive, die vllig berechtigt den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Auge hat. Auf der anderen Seite ist die euphorische Seite, die die vielfltigen Chancen und das groe Potential von Computerspielen in den Vordergrund stellt. Diese beiden Perspektiven prallen oft unvereinbar aufeinander.

    Ich denke: Das muss nicht sein. Wenn wir versuchen, sachlich auf das Thema Computerspiele zu blicken, knnen wir beide Seiten angemessen bercksichtigen. Dann knnen wir zu einem effektiven und sicheren Kinder- und Jugendschutz kommen und gleichzeitig Computerspielen als kulturell und wirtschaftlich wichtige Zukunftstechnologie nach vorne bringen.

    Zu dem Thema Kinder- und Jugendschutz mchte ich an dieser Stelle weniger sagen, da es heute ja um einen Antrag aus medien- und kulturpolitischer Sicht geht. Nur soviel: beim Thema Jugendschutz sind wir zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen bereits im Gesprch nach der Evaluierung des Hans-Bredow Instituts. Klar ist bereits jetzt, dass wir ganz besonders beim Vollzug der bestehenden Gesetze vorankommen mssen. Doch hierber werden wir in den nchsten Monaten sicher noch viel diskutieren.

    Doch heute sprechen wir ber einen durchweg positiven Anlass. Zusammen mit meinem Kollegen Jrg Tauss habe ich in den letzten Monaten zahlreiche Gesprche gefhrt und freue mich, dass nun unsere Initiative fr einen Computerspielepreis in Deutschland daraus hervorgehen kann. Schon ab dem nchsten Jahr soll es einen Preis geben, mit dem qualitativ hochwertige sowie kulturell und pdagogisch wertvolle Computerspiele ausgezeichnet und gefrdert werden knnen.

    Warum braucht es so einen Preis?

    Es gibt mindestens zwei Antworten auf diese Frage: Einerseits aus kultureller andererseits aus wirtschaftlicher Sicht. Computerspiele und andere interaktive Unterhaltungsmedien werden eben nicht nur wirtschaftlich und technologisch, sondern auch kulturell und gesellschaftlich immer wichtiger. Wir knnen inzwischen von einer sehr vitalen SpieleKULTUR sprechen. Die Nutzer sind dabei lngst nicht mehr nur ein paar Sonderlinge, die allein vor ihrem Computer hocken.

    Stattdessen gibt es inzwischen immer mehr Spielerinnen und Spieler aus allen Bevlkerungsgruppen und das unabhngig vom Alter. Mit Inhalten, die ganz oft an die aktuellen Themen unserer Kultur geknpft sind, werden Computerspiele damit zu einem bedeutenden Bestandteil des kulturellen Lebens unseres Landes.

    In einer Studie der Mnchner Medientage ist gerade herausgekommen, dass in diesem Jahr die Ausgaben fr Computerspiele erstmals die Ausgaben fr Musik schlagen. 1,7 Milliarden Euro geben Spielerinnen und Spieler in Deutschland dafr aus und damit 100 Millionen mehr als fr Musik. hnlich sieht es aus, wenn wir Computerspiele mit dem Filmmarkt vergleichen. Ich glaube, das macht schnell die groe wirtschaftliche, besser noch die kulturwirtschaftliche Bedeutung klar.

    Leider muss man aber auch feststellen, dass weniger als 10 Prozent aller in Deutschland gekauften Spiele auch hier produziert sind. Das ist schade, denn so bleibt eine kulturelle und wirtschaftliche Chance ungenutzt. Ein Frderpreis, den in der Branche wichtige Anreize gibt, kann hier sehr positiv wirken, damit deutsche Entwicklerstudios mehr gute Spiele produzieren und mglichst bald den Anschluss an den internationalen Markt finden knnen. Genau wie das beim Film seit einigen Jahren wunderbar funktioniert, knnen wir so erreichen, dass mehr Spiele mit Inhalten unserer Kultur Verbreitung finden und gespielt werden.

    Wir fordern die Bundesregierung mit unserem Antrag auf, einen Preis zu schaffen, der kulturelle wie kulturwirtschaftliche Zeichen setzt. Gerade in Deutschland werden ja in erster Linie Spiele hergestellt, die Kategorien wie Strategie, Sport oder Wissen zuzuordnen sind. Ich denke da an Fuball und Sport-Spiele oder auch Wissentests. Gewaltspiele kommen zuallererst aus anderen Lndern und deswegen ist es gut, wenn wir mit einem Preis die Produktion von kulturell und pdagogisch wertvollen Spielen frdern. Dabei wollen wir, dass die Preisgelder nur fr neue Spielkonzepte ausgezahlt werden, so wie das auch beim Deutschen Filmpreis gehandhabt wird. Damit hat der Preis zustzlich einen positiven Einfluss auf das zuknftige Angebot von Computerspielen in Deutschland.

    Die Signalwirkung der Preise ist ein zentraler Gedanke unserer Initiative. Das ist im Sinne der Strkung von Medienkompetenz, was fr uns besonders im Vordergrund steht. Mit Verboten macht man Dinge besonders schnell besonders interessant. Wenn wir wirklich etwas fr den besseren und verantwortungsbewussteren Umgang mit Medien tun wollen, dann mssen wir gerade bei der Medienkompetenz ansetzen. Dafr braucht es zwar oft einen lngeren Atem, als ein weiteres Verbot aus der Taufe zu heben, aber dafr wirken solche Manahmen auch wirklich nachhaltig. Mit unserem Preis schaffen wir genau das, positive Beispiele zeigen, die nicht nur ungefhrlich, sondern vor allem gut gemacht und kulturell sowie pdagogisch wertvoll sind du geben damit positive Kaufempfehlungen.

    Die Branchenverbnde BIU, GAME und BITKOM haben uns fr die Realisierung dieses Preises ihre Mitwirkung zugesagt. Darber freue ich mich, denn ihre Mitarbeit und besonders auch ihre finanzielle Untersttzung sind wichtig, damit ein nicht nur beim Publikum, sondern auch in der Branche anerkannter und damit mglichst wirksamer Preis entsteht.

    Ich mchte mich zum Schluss bedanken. Zunchst bei meinem Kollegen Jrg Tauss, auf dessen besondere Kenntnis der Neuen Medien und ihrer Szene man sich immer verlassen kann. Ich bedanke mich auch bei meiner Berichterstatterkollegin Frau Dorothee Br. Ich hoffe, Sie werden in der CSU und in Bayern auch weiterhin fr ein ausgewogenes Bild auf Computerspiele werben. Und ich danke allen Mitarbeitern, die mit ihrer Arbeit dieses Vorhaben mit realisiert haben und ganz besonders meinem Mitarbeiter Felix Falk.

    Ich wnsche dem Bundeskulturstaatsminister und den beteiligten Verbnden ein gutes Hndchen bei der konkreten und mglichst schnellen Ausgestaltung des Preises und freue mich schon jetzt auf die erste Preisvergabe im nchsten Jahr.

    Vielen Dank