Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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    30.10.2006

    Integration europisch gestalten


    Am 5. Oktober 2006 kamen in Potsdam deutsche und französische Vertreter aus Politik und Gesellschaft für zwei Tage zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und politische Anregungen zu finden. Im Mittelpunkt des deutsch-französischen Kolloquiums stand dieses Mal das Thema „Immigration und Integration“. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich werden hierzu intensive Debatten geführt, nicht zuletzt weil man links und rechts des Rheins auf ähnliche Herausforderungen stößt: Hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Integration der muslimischen und hier insbesondere der weiblichen Bevölkerung. Es wäre allerdings ein Fehler, sich in der Integrationspolitik nur auf die Sprachkompetenz von Einwanderern zu konzentrieren, so Monika Griefahn: „Integration geschieht ebenfalls durch gesellschaftliche Teilhabe wie es bei Theater- oder Musikgruppen der Fall ist. Gerade Kindern können somit viel leichter soziale Kontakte aufbauen und sich besser integrieren.“

    In den vergangenen Jahren haben sich Deutschland und Frankreich in ihrer Integrationspolitik stark angenährt, betont Wolfgang Neumann vom deutsch-französischen Institut. Für beide Länder stünde der Dialog zwischen den Kulturen und Religionen im Vordergrund.

    Es bleibt allerdings noch viel Arbeit zu tun: Insbesondere die wirtschaftliche Situation vieler Migranten ist alarmierend. So finden 75 Prozent der in Deutschland lebenden Kinder mit Migrationshintergrund keine Lehrstelle, bei deutschen Jugendlichen sind es dagegen 30 Prozent. Monika Griefahn ist davon überzeugt, dass es angesichts der prekären Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt unumgänglich ist, in Deutschland einen Mindestlohn nach französischem Modell einzuführen. Viele Migranten arbeiten im Niedriglohnsektor. Lohn- und Sozialdumping sind die Folge. Eine bessere Integration auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt setzt allerdings die Beherrschung der deutschen Sprache voraus. „Deutschland sollte sich Frankreich als Vorbild in der frühkindlichen (Sprach-) Erziehung nehmen und die französische „école maternelle“ für Kinder von 3-6 Jahren einführen. So können herkunftsbedingte Defizite ausgeglichen werden und die sprachliche Integration ist garantiert. Es hilft, dem Nachbarn über die Schulter zu schauen“, meint Monika Griefahn.

    Auch Projekte zum Jugendaustausch des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) unterstützt Monika Griefahn. „Für viele Jugendliche aus den Pariser Vorstädten oder aus sozialen Brennpunkten in Deutschland ist ein Austausch der erste Kontakt mit dem Nachbarn. Dort werden sie erstmals als Deutscher bzw. Franzose und nicht als „Türke“ oder „jeune beur“, wie Franzosen der zweiten Generation der Einwanderer aus der Maghreb-Region genannt werden, wahrgenommen.“ Das stärke die eigene Identität und das Selbstwertgefühl.

    Das diesjährige Kolloquium hat jedoch auch gezeigt, dass weiterhin Gesprächsbedarf zwischen Deutschland und Frankreich besteht. Gerade im Umgang mit den Begrifflichkeiten gibt es Unterschiede. Während man in Deutschland von Integration spricht, steht die Diskussion im Frankreich im Zeichen der „égalité des chances“ (Chancengleichheit).

    Trotzdem steht für Monika Griefahn und Yves Bur, Vize-Präsident der Assemblée nationale und Präsident der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, fest: Immigration und Integration müssen im Einklang mit den demokratischen Grundwerten stehen und auf dem Willen zum gesellschaftlichen Dialog basieren. Deutschland und Frankreich sehen sich als Impulsgeber in einer zunehmend europäischen Diskussion. „Immigration und Integration sind nicht nur Herausforderungen für Deutschland und Frankreich, langfristig kann beides nur gelingen, wenn eine europäische Lösung gefunden wird“, betonte Yves Bur in seiner Abschlussrede. Umso erfreulicher war es, das in diesem Jahr auch italienische, spanische und niederländische Vertreter an dem Kolloquium teilgenommen haben. Ein wichtiger Schritt in die europäische Richtung.