Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    05.03.2006

    Aufbruch Menschen mit Behinderung zeigen ihr kreatives Potenzial

    Rede zur Ausstellungserffnung am 5. Mrz in Braunschweig


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bedanke mich herzlich fr die Einladung zu der Ausstellung „Aufbruch Menschen mit Behinderung zeigen ihr kreatives Potenzial“ und freue mich, dass ich heute mit Ihnen hier sein kann.

    Die Politik in Deutschland, gerade die Kulturpolitik, beschftigt sich nun schon seit Jahrzehnten mit der Frage, wie es mglich ist, den Zugang zu Kultur so barrierefrei wie mglich zu gestalten. Wie kann die Politik untersttzen, dass „Kultur fr alle“ Menschen offen ist und sie einen Wert im Leben eines jeden darstellen kann?

    Wir in Deutschland leben begleitet vom demokratischen Gedanken. Dies, manifestiert insbesondere durch das Gleichstellungsgesetz, impliziert einen Grundanspruch auf die gesellschaftliche Einbeziehung aller Menschen in gleichberechtigter Weise. Somit stellt es fr mich eindeutig ein zentrales Ziel von Kulturpolitik dar, Kultur zu demokratisieren und den gleichberechtigten Zugang zu ihr zu ermglichen.

    Es wurde in dieser Richtung viel erreicht und viel auf den Weg gebracht. Mittlerweile sind wir auf politischer Ebene soweit, dass immer weiter voranschreitend debattiert wird, Kultur als Staatsziel ihren, meiner Meinung nach, angemessenen Stellwert zukommen zu lassen. Dahinter steht die berzeugung, dass Kultur einen Wert an sich darstellt, der zum Leben aller gehrt.

    Momentan versuchen wir gerade, das im Grundgesetz zu verankern. In vielen Landesverfassungen ist dies schon geschehen, aber ich bin der berzeugung, dass es gerade deswegen auch im Grundgesetz stehen sollte. Solch ein Staatsziel „Kultur“ wrde mit Sicherheit weitere wichtige Schritte zu einer Kultur fr alle mit sich bringen.

    Fr die Praxis ergeben sich zwei Forderungen: zum einen, dass der Zugang zur Kultur fr alle erschwinglich sein muss, zum anderen, dass der Zugang zur Kultur fr alle mglich sein muss, dass also der Zugang zur Kultur ein barrierefreier Zugang ist.

    Moderne Demokratie ist nicht zuletzt durch eine umfassende Form der gesellschaftlichen Teilhabe gekennzeichnet, die die gleichberechtigte Einbeziehung aller Menschen in das gesellschaftliche und kulturelle Leben ermglicht und niemanden ausgrenzt. In der Bundesrepublik trgt der Gesetzgeber diesem Gedanken unter anderem durch das Gleichstellungsgesetz fr behinderte Menschen Rechnung.

    Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang ein Projekt ansprechen, das den Gedanken „Kultur fr alle“ gut umsetzt. In unserer Hauptstadt Berlin, die auch als Filmstadt bekannt ist, hat sich besonders gezeigt, wie stark sich der Bund fr Behinderte und ihr Teilhaben am kulturellen Leben, engagiert. So untersttzt der Bund ein Projekt, das mit einer neuen Technik, der „Audiodeskription“ die Zuschauergruppe der Blinden erschliet. Das neue System ist sehr kostengnstig und ermglicht einen entspannten gemeinsamen Kinobesuch fr Sehende und Blinde. Die Blinden hren ihre Bildbeschreibungen ber Kopfhrer, der Filmton kommt ber die Saallautsprecher. Damit werden dem Hrfilm im Kino vllig neue Perspektiven erffnet. Im vergangen Jahr wurde die Deutsche Hrfilm GmbH dafr mit dem Deutschen Innovationspreis gewrdigt. Auf der Berlinale 2004 hatte ein Kinderfilm mit Audiodeskription seine Weltpremiere.

    Auch der Deutsche Bundestag ist bestrebt, die Belange der behinderten Mitmenschen voranzubringen. In der letzten Legislaturperiode haben wir in der rot-grnen Regierungskoalition mit einen Antrag gefordert, dass die „vielfltigen Potenziale des Wirtschaftsfaktors Kulturtourismus“ weiter erschlossen werden. Ziel dieses Antrag war auerdem, dass die Interessen von behinderten Menschen auch in denkmalgeschtzten Gebuden und Anlagen sowie beim Zugang zu Kulturveranstaltungen im Rahmen der geltenden Gesetze stets bercksichtigt werden. Ferner werden die entsprechenden Frdermittelrichtlinien so gestaltet, dass sie fr Antragsteller Anreize zur Realisierung barrierefreier Konzepte bieten.

    Soweit einige Beispiele fr das Bestreben nach „Kultur fr alle“ mit der Forderung nach Barrierefreiheit in die Praxis umzusetzen. Natrlich ist dies nicht genug, aber, wie ich finde, eine Flle ermutigender und richtiger Anstze.

    Ich bin davon berzeugt, dass es zustzlich immer sehr gut ist, selbst aktiv zu werden, und finde, die Ausstellung „Aufbruch Menschen mit Behinderung zeigen ihr kreatives Potenzial“ zeigt dabei hervorragend, wie wichtig es ist „Kultur fr alle“ zu betreiben. Dabei wird klar, zu welch gutem Ergebnis eine Kultur von allen fr alle fhren kann.

    Diese Ausstellung mit ihrer Botschaft „Positive Energie durch eigenes Handeln“ ist ein tolles Projekt, das zeigt, wie viel mehr wir gewinnen, wenn wir die notwendige Einbeziehung aller Menschen in allen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen weiter voranzubringen vermgen.

    Das Besondere an dieser Ausstellung ist nicht nur, dass wir Werke von Menschen mit Behinderung sehen, sondern auch, dass die Ausstellung auch von ihnen organisiert wurde. Die Werke sollen mit ihren Geschichten Mut machen.

    Ich wnsche Ihnen, den Knstlern und Organisatoren viel Erfolg fr diese Ausstellung und bei der weiteren Arbeit und Ihnen, verehrte Besucher, tolle Eindrcke.

    Vielen Dank