Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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    14.09.2006

    Rede zur Ausstellungserffnung 60 Jahre Bendestorfer Filmkunst


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Liebe Filmfreundinnen und Filmfreunde,

    ich freue mich, bei dem heutigen wirklich beachtenswerten Jubilum dabei sein zu knnen. Seit 60 Jahre werden in Bendestorf Filme produziert und die Hhen und Tiefen, die Erfolge und die Krisen spiegeln in gewisser Weise die Film- und Fernsehgeschichte unseres Landes wieder. Wenn man sich hier vor Ort umschaut und in die Geschichte der Filmkunst aus Bendestorf eintaucht, kann man viel ber die vergangenen Jahrzehnte des Films lernen. Mit der gelungenen Ausstellung gelingt dieses Erleben der Geschichte natrlich noch umso besser.

    Der Film und dabei insbesondere auch der Nachkriegsfilm, fr den Bendestorf so bekannt wurde, hat in Deutschland immer eine groe Rolle gespielt. Doch ich erinnere mich auch noch sehr gut an die langen Jahre, in denen gerade im Kino kaum noch deutsche Beitrge zu sehen waren. Aus diesem Grund ist es umso schner, jetzt dabei sein zu knnen, wenn sich der deutsche Film endlich wieder selbstbewusst prsentiert und dabei so wunderbar erfolgreich ist.

    Als Mitglied der Vorauswahljury des Deutschen Filmpreises konnte ich in diesem Jahr die ganze Bandbreite der aktuellen Produktionen erleben. Die letztendlichen Preistrger „Das Leben der Anderen“, „Requiem“ und „Knallhart“ sind nur drei Beispiele fr die vielen spannenden und qualitativ ausgezeichneten Beitrge in diesem Jahr.

    Dass der deutsche Film auch international wettbewerbsfhig ist, zeigen nicht allein die immer mehr mit Hollywood vergleichbaren Filmbudgets wie das beispielsweise bei dem 50 Millionen Euro teuren aktuellen Film „Das Parfm“ der Fall ist. Die hohe und im Ausland immer strker beachtete Qualitt zeigt sich eben auch gerade in weniger pomps daherkommenden Produktionen. Die alljhrliche Berlinale ist immer eine gute Mglichkeit die Vielfalt und das Angebot darzustellen. In diesem Jahr waren allein vier deutsche Beitrge im Wettbewerb.

    Dass es der Filmwirtschaft so gut geht, ist auch eine Bilanz von Rot-Grn sowie des Engagements der drei Kulturstaatsminister Michael Naumann, Julian-Nida Rmelin und Christina Weiss, die sich vehement fr die Frderung dieser wichtigen Branche eingesetzt haben. Ich mchte nur kurz an das Filmfrderungsgesetz erinnern, womit wir in der rot-grnen Koalition unter anderem die Aufstockung der gesamten Filmfrdermittel um 40 Prozent auf 63 Millionen erreichten und unter anderem auch dafr sorgten, dass 15 Cent pro Kinokarte in die Filmfrderung gehen. Wichtig war uns zudem die Einfhrung kultureller Kriterien in die Referenzfilmfrderung.

    Nachdem klar wurde, dass die Filmfonds kein gengend treffgenaues Instrument zur Filmfrderung darstellten, erreichte die Kulturstaatsministerin Christina Weiss die finanzielle Zusage fr eine Anschlussfrderung. Diese wurde nun in der Groen Koalition vorgestellt und wird mit je 60 Millionen Euro auf die nchsten drei Jahre auch umgesetzt werden. Damit hoffen wir, deutsche Produktionen noch weiter nach vorn bringen zu knnen.

    Leider ist es so, dass sich die Filmfertigung in Deutschland an recht wenigen Orten zentriert hat. So versammeln allein Mnchen, Kln, Berlin und Hamburg mit ber 50.000 Mitarbeitern den grten Teil der insgesamt 96.000 in der Film- und Fernsehbranche Beschftigten. Ich bin der Meinung, dass die Produktionssttten auf dem Land genauso gute Arbeit leisten und manchen Bereichen sogar bessere Mglichkeiten anbieten. Es ist natrlich schade, wenn die privaten Sender auf dieses Potential nur wenig zurckgreifen. Aber ich bin der Ansicht, dass es zumindest Aufgabe der ffentlich-rechtlichen Anstalten ist, mit Filmsttten in kleineren Sttten und auf dem Land ebenso zusammenzuarbeiten wie an den greren Standorten.

    Insgesamt freue ich mich, dass ich gerade in dieser Woche in einer Studie (Ernst & Young AG Stuttgard) lesen konnte, dass die deutsche Filmbranche eine Wende bei der in den letzten Jahren eher schwachen Umsatzentwicklung sieht. 84 Prozent der Unternehmen sehen fr das kommende Jahr eine optimistische Entwicklung.

    Doch nicht nur die aktuelle Entwicklung liegt mir aus bundeskulturpolitischer Sicht am Herzen.
    Mit der Deutschen Kinemathek oder dem Filmmuseum haben wir zwei wichtige Initiativen, mit denen Kulturgeschichte bewahrt wird. Bemerkenswert ist hier nicht nur die groe Sammlung von 12.000 deutschen und auslndischen Stumm- und Tonfilmen, sondern auch das Engagement in der wissenschaftlichen und pdagogischen Auseinandersetzung mit Filmkunst.

    Das Urheberrecht wird uns als Kulturpolitiker im Deutschen Bundestag in den kommenden Monaten sehr intensiv beschftigen. Ein wichtiger Punkt ist es beispielsweise, zu berlegen wie unbekannte Nutzungsarten im Filmbereich Anwendung finden knnen. Das wird unter anderem bei alten Filmkopien wichtig, die in Archiven lagern und aufgrund von alten Vertrgen, die neue Nutzungsarten noch nicht vorhersehen konnten, nicht auf neue Trger wie DVDs gesichert werden knnen. Hier wollen wir etwas tun, um das Kulturgut Film auch fr die Zukunft bewahren zu knnen.

    Meine Damen und Herren,
    Sie sehen die Bundeskulturpolitik engagiert sich nicht nur fr den Erfolg des Filmmarktes, sondern es ist uns ebenso ein Anliegen, Film als bedeutendes Kulturgut zu bewahren und zu vermitteln. Doch als einzig und allein bundespolitische Initiative reicht das Engagement bei weitem nicht aus. Stattdessen braucht es Institutionen wie das Filmmuseum Bendestorf, die sich fr eine lebendige Auseinandersetzung mit Filmgeschichte stark machen. Mit der heutigen Ausstellung ist Ihnen das wieder einmal hervorragend gelungen.

    Alfred Hitchcock hat einmal gesagt: „Die Lnge eines Films sollte in einem direkten Verhltnis zum Fassungsvermgen der menschlichen Blase stehen“. Da ich der Meinung bin, dass dies auch fr Reden gelten sollte, will ich an dieser Stelle enden und wnsche Ihnen allen anregende Gesprche und einen spannenden Rundgang durch die Ausstellung.

    Herzlichen Dank