Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

Archiv

Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

Archives

On this website you find information about my work as member of parliament (1998 - Oct. 2009)

Curriculum Vitae english Curriculum Vitae français Curriculum Vitae spanish Curriculum Vitae russian Curriculum Vitae chinese

    13.11.2008

    Plenumsrede zum Filmfrdergesetz und zum Filmerbe


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie sehr Filme Menschen bewegen und unser tgliches Leben knstlerisch widerspiegeln, hat sich fr mich erneut gestern abend gezeigt. Bei einer Sondervorfhrung von „Lets make money“ haben wir mit Filmemacher Erwin Wagenhofer diskutiert. Sein neuer Dokumentarfilm gibt einen sehr realen Einblick in die komplizierte Welt der Finanzstrme. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise fand ich diesen Film auch deshalb so beeindruckend, weil er auf eine sehr plastische Weise die mit diesem globalen Geldkreislauf verbundenen Folgen verdeutlicht. Ich kann Ihnen allen diesen Film nur empfehlen!

    Wenn ein Film ins Kino kommt, dann weil von der Schauspielerin, ber den Kostmbildner bis hin zum Regisseur so viele Menschen knstlerisch daran mitgewirkt und ihn ermglicht haben. Diese Arbeit wollen wir nicht nur politisch wertschtzen und frdern, sondern dabei gerade auch die Arbeitsbedingungen der Filmschaffenden in besonderer Weise bercksichtigen.

    Auf diesen Punkt hat bereits meine Kollegin Angelika Krger-Leissner hingewiesen, ich mchte das ausdrcklich unterstreichen.

    Doch die Kunst des Filmemachens lsst sich nicht ohne den Zusammenhang der technischen Mittel denken. Das spielt eine wichtige Rolle fr das Urheberrecht. Die Novellierung des Filmfrdergesetzes war auch deshalb notwendig, weil wir die Frder- und Vergabebedingungen an die technischen und medienwirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre anpassen mussten. Mehr und mehr ist ein Film nicht nur im Kino zu sehen, sondern auf DVD, im Internet, im Fernsehen und ber andere Plattformen. Diese Verwertungsformen und die vielfltige Vermarktung von Filmen spielen eine immer grere Rolle.

    So hatten wir als Ziel der FFG-Novelle, die von guten Filmen profitierenden Fernsehveranstalter noch strker als bisher in das Finanzierungssytem der FFA einzubinden. Ich bin froh, dass dabei sowohl private als auch ffentlich-Rechtliche aktiv mitgestaltet haben. Die Vertreter der Filmhersteller und die Fernsehveranstalter waren aufgefordert, eine fr beide Seiten akzeptable Lsung zu finden. Eine Vereinbarung kam in sprichwrtlich letzter Minute vor der abschlieenden Beratung des Gesetzes im Kulturausschuss zustande. So brauchen wir nun keine politischen Festlegungen, sondern die Fernsehanstalten geben sogenannte Medialeistungen, indem sie die Kinofilme fr einen Gegenwertwert von 5,5 Millionen Euro bewerben.

    Ich glaube dieses sehr gute Ergebnis kann sich sehen lassen.

    Ein Problem jedoch bleibt ungelst. Da sind wir allerdings nicht beim FFG sondern an anderer Stelle gefragt. Im Rahmen der Beratungen zum Zweiten Korb des Urheberrechts vor mehr als einem Jahr war eines deutlich geworden: Beim Abschlieen von Vertrgen fr Nutzungsrechte in noch unbekannten Nutzungsarten muss der Verwerter den Urheber erst nach Beginn einer neuen Nutzungsart informieren. In diesem Moment ist das Widerrufsrecht des Urhebers (Widerspruch vor der konkreten Verwendung) jedoch bereits erloschen. Urhebern im Filmbereich wird kein Widerspruchsrecht zugestanden. Daher haben viele befrchtet, dass Urheber gegen eine mglicherweise unangemessene Verwendung ihrer Werke (bspw. "Filmschnipsel" ber Handy) kaum wirksam Widerspruch einlegen knnen.

    In unserer Entschlieung zum Filmfrdergesetz haben wir diesen Aspekt noch einmal thematisiert und die Bundesregierung aufgefordert, die Auswirkungen dieser Regelung zu den unbekannten Nutzungsarten sorgfltig zu prfen. Das ist uns sehr wichtig, denn wenn sich zeigt, dass hier die Urheberrechte der Filmschaffenden tatschlich ausgehlt werden, dann muss es zu Vernderungen im nchsten Korb kommen.

    Ebenfalls nicht Bestandteil des Filmfrdergesetzes, aber dennoch ein wichtiger Aspekt der gesamten filmpolitischen Diskussion ist das Thema Filmerbe. Mit einem fraktionsbergreifenden Antrag haben wir dieses Thema aufgegriffen und auf die Notwendigkeit hingewiesen.

    Wir wollen nicht nur die Produktion von Filmen frdern, sondern wollen auch sicherstellen, dass das Filmerbe als Teil unseres kulturellen Gedchtnisses erhalten bleibt. Zugleich ist es wichtig, Filme auch dauerhaft zugnglich zu machen. Filme mssen gesehen und erhalten werden, um ihre Wirkung zu entfalten.

    Mit unserem Antrag und einem ffentlichen Expertengesprch dazu haben wir einen wichtigen Impuls gegeben. Wir haben uns vorgenommen, bei der der Novellierung des Bundesarchivgesetzes die konkrete Ausgestaltung gerade auch in diesem Punkt zu diskutieren.

    Die FFG-Novelle, die wir heute beschlieen, ist intensiv geplant und vorbereitet worden. Ich denke, wir sind gemeinsam zu einem Ergebnis gekommen, das sich sehen lassen kann, weil es fr die Filmbranche einen wichtigen Schritt in die Zukunft tut.

    Vielen Dank