Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    15.02.2008

    Gruwort zur Premierenvorstellung von „Empfnger unbekannt“ in Jesteburg


    ++ es gilt das gesprochene Wort ++

    Liebe Loretta Wollenberg,
    liebes Ensemble der Jesteburger Kammerspiele,
    liebe Kulturfreundinnen und Kulturfreunde,

    als ich den Infozettel fr die Premierenveranstaltung „Empfnger unbekannt“ gelesen habe, ist mir sofort das packende Zitat von Elizabeth Kressmann-Taylor aufgefallen: „Worauf es ankommt, ist, dass zuknftige Generationen von der Vergangenheit lernen, und ein besseres Morgen gestalten!“ Ich finde, ein besseres Motto fr die Jesteburger Kammerspiele htte man kaum finden knnen!

    Denn das Thema Nationalsozialismus und seine menschenfeindliche Ideologie haben auch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges nichts an Aktualitt einbt. Leider, muss ich Ihnen sagen! In der letzten Zeit hufen sich bergriffe auf Menschen nicht-deutscher Herkunft. Im vergangenen Jahr haben uns die traurigen Vorflle im schsischen Mgeln, wo eine Hetzjagd auf indische Mitbrger veranstaltet wurde, erschttert. Solche abscheulichen Taten drfen wir nicht tolerieren! Nur allzu hufig wird das Problem Rechtsradikalismus als ein ostdeutsches Phnomen abgestempelt. Das halte ich fr schlichtweg falsch und sehr gefhrlich. Denn Nazis machen vor unserer Tr nicht halt! Das hat uns der NPD-Aufmarsch in Meckelfeld Ende Januar leidlich vor Augen gefhrt.

    Ich finde es sehr bedauerlich und zugleich besorgniserregend, dass sich junge Leute von rechtsextremistischen „Rattenfngern“ einfangen lassen und empfnglich fr Gewalt verherrlichende und rassistische Hetzparolen sind. Die historische Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges, der Nazi-Verbrechen und der Kampf gegen Extremismus und Intoleranz sind unbedingt notwendig. Wir alle, Politik und Zivilgesellschaft, mssen konsequent gegen Rechtsradikalismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit vorgehen. Aber dafr kann nicht Politik alleine sorgen. In der Mitte der Gesellschaft brauchen wir Toleranz und Zivilcourage von jedem!

    Gerade fr die jngeren Generationen sind die Folgen von Krieg und Faschismus schwer verstndlich. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns noch strker auf die Jugend- und Kulturarbeit konzentrieren, dass wir andere Mglichkeiten finden, wie wir solche entsetzliche Geschehen aufarbeiten knnen, wie wir daran erinnern knnen und wie es uns stndige Mahnung bleiben kann.

    Mit Ihrem privaten und gesellschaftlichen Engagement leisten Sie, liebes Ensemble der Jesteburger Festspiele, einen wichtigen Beitrag, um das Gedchtnis wach zu halten, um jungen Menschen die Schrecken des Nationalsozialismus vor Augen zu fhren. Dass Kunst und Kultur ein ganz zentraler Bestandteil von Aufarbeitung der Geschichte sind, zeigen Sie mit dem Theaterstck „Empfnger unbekannt“. Und das finde ich wirklich ganz wunderbar!

    Ich wnsche allen Beteiligten und den Initiatoren der Jesteburger Festspiele viel Erfolg fr den Premierenabend und wnsche Ihnen allen einen eindrcklichen Abend.