Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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Auf dieser Internetseite finden Sie Informationen über meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete (1998 bis Oktober 2009)

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    26.07.2007

    Fr HipHop aber gegen Gewalt


    „Frau Griefahn, warum wollen Sie eigentlich HipHop- Musik verbieten?“. Fast immer, wenn ich mit Schulklassen diskutiere, wartet diese Frage auf mich. Mein Anliegen ist es aber gar nicht, HipHop zu verbieten. Im Gegenteil: Ich freue mich ber den Erfolg des HipHop in Deutschland und persnlich ganz besonders ber Bands wie die Fantastischen Vier, Fettes Brot oder Absolute Beginner.

    Ich habe allerdings etwas dagegen, wenn pornografische, Gewalt verherrlichende, frauenfeindliche und rassistische Texte erstens unwidersprochen hingenommen und zweitens Kindern und Jugendlichen stndig zugemutet werden. Dass nicht alle mit diesen Texten umgehen knnen, sttzen auch wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Olaf Kessler. Er zeigte, dass Kinder und Jugendliche, die nicht in einem sicheren sozialen Umfeld und in einer intakten Familie aufwachsen, ein viel hheres Aggressionspotential haben, wenn sie 15-mal am Tag Textzeilen wie „Ich fick dich in die Urinblase“ hren. Solche Inhalte gehren nicht ins Tagesprogramm der Sender.

    Meine Bitte an die Landesmedienanstalten und Musiksender, noch besser ihre Sendelisten daraufhin zu berprfen, stie erfreulicherweise auf groe Bereitschaft. MTV/VIVA kndigte mir gegenber beispielsweise an, ein internes „Jugendschutz-Gremium“ bilden zu wollen, das die Videos bewerte. Ich habe nichts dagegen, wenn Songs erst ab einer Zeit in den Medien gespielt werden, zu der sie keine Kinder und Jugendlichen mehr gefhrden knnen. Damit kann eine demokratische Gesellschaft umgehen - nicht aber mit der Ignoranz und dem Wegschauen bei Sexismus, Schwulen-, Fremdenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung.

    Rapper Sido sagt, er wrde seinen Sohn nie seinen so genannten „Arschficksong“ hren lassen und bestreitet gleichzeitig ffentlich, dass seine Texte Jugendliche in ihrer Entwicklung stren knnten. In Gesprchen mit jugendlichen Strafttern haben Sozialpdagogen wie Werner Meyer-Deters jedoch genau das festgestellt. Elf- bis 15-Jhrigen fllt die Unterscheidung zwischen Realitt und Song schwer. Ein Resultat ist die sexuelle Verrohung von Kindern und Jugendlichen.

    Ich wrde mir wnschen, dass sich Knstler und Labels nicht nur gegenber ihren eigenen Kindern, sondern auch gegenber ihren Fans verantwortlich fhlen. Zum Glck regt sich inzwischen auch in der HipHop- Szene selbst Widerstand gegen jene scheinheiligen Provokateure, die ihre Texte benutzen, um die Vermarktung ihrer Alben zu steigern.