Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages a. D.

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    08.06.2005

    Atomunfall in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield

    Schwerster Atomunfall seit 13 Jahren; Aktuelle Stunde am 2. Juni 2005, 13.05 Uhr


    Die Schlagworte: Schwerster Atomunfall seit 13 Jahren; Verlust von 83.000 Litern radioaktiven Wassers seit August 2004 nicht erkannt.

    Verloren gegangen sind etwa 29,6 kg Plutonium, genug Material fr den Bau von rund 7 Atombomben und das in einer Zeit, in der die Renaissance der Atomenergie heraufbeschworen wird.

    Alles sei so sicher, sagen die Auguren aus Wirtschaft und CDU – alles im Griff - wie wir sehen.

    Bereits 1957 hat die Anlage in Combria/UK einen Unfall produziert, der als einer der fnf schwersten in der Geschichte der Atomenergie eingestuft wird. 75 Prozent der radioaktiven Belastung der Irischen See stammen aus Sellafield, wie die irische Regierung neben Umweltorganisationen immer wieder anprangert.

    Die EU-Kommission verklagte im September 2004 Grobritannien vor dem Europischen Gerichtshof mit dem Vorwurf, gegen den Euratomvertrag zu verstoen, weil wegen hoher Radioaktivitt und schlechter Sichtverhltnisse im laufenden Betrieb keine Kontrollen in der Anlage mglich sind. Tglich gelangen auch ohne den jetzt erkannten Vorfall immer noch 8 Mio Liter radioaktives Wasser in die Irische See.

    Und mit diesem Schrotthaufen hat die bundesdeutsche Atomindustrie ber Jahrzehnte ihren Entsorgungsnachweis legitimiert!

    Wiederaufarbeitung produziert neuen Mll, zumal die Anlage ursprnglich als Plutoniumproduzent explizit fr Schnelle Brter und Atomwaffen erbaut wurde.

    Meine Damen und Herren, Sie sehen, was uns blhen wrde bei einer Regierung Angela Merkel, wie man es schon ihrer Zeit als Umweltministerin kennt: Lngere Laufzeiten fr AKWs mit unsicheren Transporten von abgebrannten Brennelementen zur Schrottwiederaufarbeitungsanlage nach England.

    Eine Mitbetreiberin der Anlage, die Firma Westinghaus, die brigens auch eine Zweigstelle in Deutschland hat, versucht, weltweit neue Atomkraftwerke zu bauen. Ich kann nur sagen: Kann ich wirklich Vertrauen in die Firma Westinghaus haben, wenn sie diese Anlage noch nicht einmal nach mehreren Anlufen in den Griff bekommen kann?

    Die Kosten in Milliardenhhe fr die Sanierung und Reparatur zahlt brigens der Steuerzahler. Wenn Atombetreiber unbegrenzt haften mssten, wrde keiner mehr eine neue Anlage bauen.

    Schon vor mehreren Jahren wollte die englische Regierung alle Atomreaktoren privatisieren, was ihr bei der Wiederaufbereitungsanlage von Sellafield nicht gelang. Jetzt ist die Nuclear decommissioning authority, also die atomare Stilllegungs-Behrde, zustndig. Eigentlich hoffte sie, mit Sellafield einen Gewinn zu machen, nun muss sie nicht nur den Ausfall der Anlage, die jetzt ber mehrere Monate stillliegt, finanzieren sondern auch die Reparatur.

    Ich kann nur sagen, meine Damen und Herren von der Opposition, lassen Sie die Finger davon, die Atomenergie als Heilsbringer wieder aufs Schild zu heben, machen Sie nicht weltweit fr Atomenergie Propaganda, damit es auch in unsicheren Staaten - sowohl politisch als auch geografisch unsicher (Endbeben in Japan) - nicht zu einer Renaissance von Atomenergie kommt. Lassen Sie uns gemeinsam weiter arbeiten an Energieeinsparung und alternativen Energien und nicht die bestrafen, die sich jetzt schon dafr engagieren.