An die U-40-Jährigen: Kämpft für eure Zukunft!

Von Monika Griefahn

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Das zweite Mal innerhalb weniger Wochen haben die jungen Leute einen Sieg für jene ermöglicht, die sie eigentlich ablehnen. Erst bleiben viele bei der Abstimmung zum Brexit in Großbritannien zu Hause und reiben sich dann am Tag danach verwundert die Augen über das Ergebnis. In den USA hätte die junge Generation den Wahlausgang drehen können – wenn sie denn wählen gegangen wäre. Unter den Millennials, also den 21- bis 42-Jährigen, stimmte eine Mehrheit für Hillary Clinton. Allein – nur die Hälfte der ganz jungen Wähler ging zur Wahl. Schaut man sich die Karte der USA an, wenn nur Junge gewählt hätten, dann sähe die Wahl anders aus (Quelle: Survey Monkey):

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Und auch das Wahlsystem mit dem Prinzip „The winner takes it all“ ist das zweite Mal in der Geschichte zu Gunsten der Republikaner ausgegangen. Schon Al Gore hatte mehr Wählerstimmen als sein republikanischer Gegenkandidat, leider aber nicht mehr „Wahlmänner“. So verlor er eine Wahl, die er eigentlich gewonnen hatte.

Was sagt uns das?

Denen, die sich von Demokratie und politischen Institutionen abwenden oder einfach nur phlegmatisch sind, müssen wir entgegenschreien: Kämpft lieber für die Demokratie! Kämpft für Freiheit, Meinungsfreiheit und –vielfalt, kämpft für Zukunftsthemen, lasst nicht jene siegen, die in die fünfziger Jahre zurück wollen! Denn statt Freiheit und Demokratie bekommt ihr jetzt Kleinstaatentum, Nationalismus, mehr Macht für die Waffenlobby, mehr Kohlekraft und einen Ausstieg aus dem Klimaverhandlungen. Ist das tatsächlich im Interesse der jungen Leute? Sie gehen gegen den Klimawandel auf die Straße, aber nicht zu den Wahlen. Das kann nicht funktionieren, denn in der Politik werden die Entscheidungen getroffen. Dafür sind politische Institutionen da.

Es macht keinen Sinn die Politiker, die sich bemühen, auch noch anzugreifen und jedes Wort auf die Goldwaage zulegen, jene die handeln wollen mit einem Shitstorm im Internet zu überziehen. Wichtig ist, sich einzumischen, mit zu tun, zu versuchen die Dinge wirklich für die (eigene) Zukunft zu lösen. Nicht nur dagegen zu sein, sondern auch für etwas. Und zwar in allen Lebenssituationen: in seinem Betrieb, in der Schule, in den Institutionen, und eben auch in der Politik! Und wir brauchen Respekt vor denen, die sich engagieren. Die allermeisten machen es, weil sie die Welt positiv gestalten wollen und Ziele für diese Erde haben.

Wenn wir jetzt sehen, dass die Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat der USA die Mehrheit stellen, dass Viktor Orban in Ungarn durchregiert , dass Erdogan seine antidemokratische Politik ohne Skrupel durchsetzt, dass die nächste Präsidentin in Frankreich vielleicht Le Pen heißt oder in Holland Gerd Wilders Macht erlangt, dann wird mir schlecht. Und wer hilft diesen Menschen an die Macht? Ja: Diejenigen, die sich nicht einmischen, sondern gepflegt meckern, anstatt etwas zu tun, die phlegmatisch und unpolitisch sind, die gedankenlos nur protestwählen, müssen sich hier an die eigene Nase fassen.

Also, liebe Leute: Interessiert euch. Informiert euch. Engagiert euch. Bringt euch ein in demokratische Prozesse. Und denkt an eure Zukunft. Geht auch die Mühen der Politik ein! Gerade wir in Europa haben lange für Demokratie gekämpft. Wir versuchen seit Jahrhunderten, die Errungenschaften der Aufklärung zu verbessern. Im Moment ist das in ernster Gefahr. Lassen wir uns das nicht gefallen.

Zu den US-Wahlen:

Hier gibt es Infos über das Wahlverhalten der jungen Generation

Hier gibt es Infos über die Nichtwähler

Zur grafischen Darstellung der Ergebnisse junger Wähler hier klicken

Unternehmen drängen auf ambitionierten Klimaschutzplan

Von Monika Griefahn

41 deutsche Unternehmen haben jetzt, zu Beginn des UN-Klimagipfels in Marrakesch, eine Erklärung zum Entwurf des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung abgegeben. Sie wollen, dass ambitionierte Ziele auch umgesetzt werden, und sie hoffen auf Planungs- und Investitionssicherheit für ihre Geschäftstätigkeiten. Die Unternehmensverbände Stiftung 2° und B.A.U.M. sowie die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch unterstützen die Erklärung. Dass NGOs und Unternehmen hier gemeinsam agieren, ist an sich ein starkes Signal an die Politik, den Zielen des Klimaabkommens von Paris auch wegweisende Taten folgen zu lassen.

Hier geht es zur Erklärung.

Unbekannt und doch immens wichtig: der UN-Zivil- und der UN-Sozialpakt

Von Monika Griefahn

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UN-Zivil- und UN-Sozialpakt – beide Abkommen werden in diesem Jahr 50 Jahre alt und haben sicherlich eine große Bedeutung für zivilgesellschaftliche Bewegungen wie Gewerkschaften, Behindertenverbände und Menschenrechtsorganisationen weltweit. Leider werden sie sehr wenig wahrgenommen.

Wie die Abkommen abseits der breiten öffentlichen Wahrnehmung jedoch trotzdem wirken, das beschrieb jetzt eine Tagung des Deutschen Instituts für Menschenrechte im Auswärtigen Amt in Berlin. Selbst der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, der Jordanier Zeid Ra’ad al Hussein, war zu der Festveranstaltung gekommen, um für die notwendigen Umsetzungen von Menschenrechten zu werben.

So forderte er neben den Kinder- und Frauenrechten auch die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) ein – etwas, das in vielen Ländern noch immer unter Strafe steht. Und noch immer ist es ja auch nicht selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderungen in alle Gesellschaften gleiche Rechte haben.

Außenminister Frank Walter Steinmeier hob in seinem Redebeitrag die Situation von Flüchtlingen in aller Welt hervor und das Menschenrecht auf Asyl, dass – wir sehen das aktuell sehr deutlich – in unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedlich interpretiert wird.

Worum genau geht es nun in den beiden Pakten?

Der „Zivilpakt“ ist ein Abkommen über bürgerliche und politische Rechte. Der „Sozialpakt“ ist ein Abkommen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Beide Vertragstexte wurden über annähernd zwei Jahrzehnte in der Weltgemeinschaft diskutiert und schließlich 1966 einstimmig von der UN-Generalversammlung angenommen. Während zum Beispiel der „Zivilpakt“ das Verbot von Folter und das Recht auf Leben niederschreibt, postuliert der „Sozialpakt“ das Recht auf soziale Sicherheit und das Recht auf Arbeit – um nur zwei von zahlreichen Themen zu nennen. Alle Unterzeichnerstaaten haben sich verpflichtet, an der Umsetzung dieser und aller weiteren formulierten Rechte auf nationaler Ebene zu arbeiten. Rechtlich bindend sind die Vertragsgarantien allerdings nicht.

Mit diesen beiden Pakten wurden zwei Abkommen grundlegender Art unterzeichnet. Dass sie heute wenig wahrgenommen werden, mag auch daran liegen, dass es in der Folge zahlreiche monothematische Menschenrechtsabkommen gab, wie die Erklärung über die Diskriminierung von Frauen oder die Resolution über das Verbot der Folter. Im Jahr des 50-jährigen Bestehens sind 168 Staaten Mitglied im Zivilpakt, 164 im Sozialpakt. Noch nicht dabei: China und die USA. In Deutschland wird das Grundgesetz als das gesehen, was die Vertragsnormen weitgehend umsetzt. Weltweit gibt es punktuell große Defizite, etwa dort, wo Krieg herrscht oder die Staatlichkeit schwach ist.

Doch auch wenn das so ist, bleibt die Frage, wie die Welt ohne diese Zielsetzungen aussehen würde – und ohne die ihnen ja zugrunde liegenden internationalen und fortdauernden Diskussionen über Menschenrechte. Schlimmer, fürchte ich. Darum finde ich es gut, dass sich die UN-Weltgemeinschaft auf diese Pakte schon vor langer Zeit geeinigt hat. Sie sind eine gute Grundlage dafür zu streiten, dass alle Elemente der Abkommen auch zum Tragen kommen.

Doch, Kippen sind auch Müll

Von Monika Griefahn

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Schon interessant, was einer alles so am Strand findet, wenn er nur die Augen aufmacht: Bei der Sammelaktion des Vereins „AIDA – Freunde der Meere“ am Hamburger Elbstrand zum International Coastal Cleanup Day im September gehörte zu den Fundstücken neben einer Unterhose und einer Perücke auch ein Elektroschocker. Wichtiger aber als diese Kuriositäten: Die freiwilligen Helfer sammelten in Hamburg exakt 3595 Zigarettenkippen ein – kamen damit aber nicht an das Ergebnis heran, das die Rostocker Gruppe einige Tage zuvor am Strand in Markgrafenheide erzielte. Hier fanden wir 3723 Kippen.

Da freue ich mich nun, dass wir Kippen gefunden haben. Sind Zigarettenkippen kein Müll? Doch, Kippen sind auch Müll, und es ist grundsätzlich schlecht, dass sie am Strand herumliegen. Denn: In aller Regel bleibt von den gerauchten Zigaretten der Filter übrig, und der zersetzt sich nur sehr langsam und ist außerdem voller Giftstoffe, die er vorher aus dem Tabakrauch zurückgehalten hat – zum Beispiel Teer. Kurzum: Es ist nichts, was im Sand herumliegen, von Seevögeln aufgepickt oder von spielenden Kindern in den Mund genommen werden sollte.

Aber das Positive daran ist doch, dass wir vom Verein insgesamt rund 50 Helfer mobilisieren konnten, bei der Aktion mitzumachen. Das sind 50 Leute von uns, von AIDA Cruises und  Carnival Maritime, von Becker Marine Systems und Veolia sowie andere Freiwillige, die sensibel sind für das Thema, die davon erzählen und unser Anliegen aktiv unterstützen und weitertragen. Davon abgesehen haben wir alle gemeinsam faktisch Müll aus der Natur entfernt, der ansonsten eine Gefahr für Vögel, andere Tiere – letztlich auch für unsere eigene Nahrungskette – gewesen wäre.

Weil das so ist, kümmerten sich die Freiwilligen in Hamburg und Rostock eben auch um den Kleinkram: besagte Zigarettenstummel, aber auch Glasscherben, kleine Plastikteile wie Lollistiele oder Bonbonpapier, Styropor, Kronkorken und einiges mehr. So kamen in Rostock und Hamburg in insgesamt zwei Stunden Sammelzeit unter anderem 7318 Zigarettenstummel, 935 Plastikmüllteilchen und mehr als 580 Glasscherben zusammen – sowie besagter Elektroschocker und weitere Utensilien. Die Resultate der Aktion gehen an die Organisation „Ocean Conservancy“, die den International Coastal Cleanup Day initiiert. Sie fließen ein in die weltweiten Zahlen.

„AIDA – Freunde der Meere“, dessen Vorsitzende ich bin, hat insbesondere dem Plastikmüll im Meer und am Strand den Kampf angesagt und macht immer wieder Aktionen und Informationskampagnen zu diesem Thema. Wir klären zum Beispiel auf über Mikroplastik in Kosmetika, und Sammelaktionen gehören zu unseren jährlichen festen Terminen.

Gerade, was Zigarettenstummel angeht, haben wir schon viel in Bewegung gebracht: Mit mehreren Kooperationspartnern an der Ostsee haben wir den Strandascher entwickelt – eine kleine Dose, mit der Kippen, aber auch Kaugummis, Bonbonpapier und ähnliches beim Strandaufenthalt gesammelt werden können, bis der Besucher am nächsten Mülleimer vorbeikommt. Bei den beiden Sammelaktionen bekamen die Strandperle in Hamburg und die Strandoase in Rostock je einen Satz solcher Döschen, um sie an ihre Gäste zu verteilen. Denn deutlich wurde den Freiwilligen auch: Den meisten Müll fanden sie dort, wo die Menschen am häufigsten verweilen und konsumieren. Auf dass es bei den Sammelaktionen 2017 weniger als 7318 Zigarettenstummel sind. Und auf dass wieder viele Freiwillige Lust haben mitzumachen.

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Für eine Welt ohne Abfall – der Cradle to Cradle Kongress 2016

Pressemitteilung/Monika Griefahn

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Der Cradle to Cradle Kongress zeigt Lösungen für eine echte Kreislaufwirtschaft – das konnten wir hoffentlich am Wochenende beim dritten Cradle to Cradle Kongress in Lüneburg zeigen. Nachfolgend die Pressemitteilung des C2C e.V.:

Am 23. und 24. September fand zum dritten Mal der weltweit größte Kongress zum Thema Cradle to Cradle (C2C) an der Leuphana Universität in Lüneburg statt. Mehr als 700 Teilnehmende diskutierten an beiden Tagen über eine Welt, in der Abfall Nährstoff ist. Der Cradle to Cradle Kongress wurde mit der Unterstützung von 100 ehrenamtlichen Helfer*innen des Cradle to Cradle e.V. organsiert.

C2C steht für eine echte und zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft, in der Materialien in biologischen und technischen Kreisläufen zirkulieren.
In einer Zeit, in der Ressourcen immer knapper werden, bietet C2C einen innovationsorientierten Lösungsansatz: Produkte werden neu entwickelt und von Anfang an so designt, dass Materialien problemlos in Kreisläufe zurückgeführt werden können – sei es durch biologisch abbaubare T-Shirts, essbare Verpackungen oder sortenreine und gesunde Kunststoffe oder Metalle. Dass dies keine Utopie ist, zeigte der Kongress, auf dem 32 Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenkamen und diskutierten. Tagesmoderator und Energieexperte Dr. Franz Alt begrüßte die Teilnehmenden mit den trefflichen Worten „Die Sonne schickt uns keine Rechnung.“ Grundvoraussetzung zur Schließung von Kreisläufen sind erneuerbare Energien, wozu die weiteren Akteur*innen Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau und Prof. Timo Leukefeld, Energiebotschafter der Bundesregierung, über die zu langsam fortschreitende Energiewende diskutierten.

Die Vorsitzende Dr. Monika Griefahn sieht den Kongress als wichtigen Ort der Vernetzung: „Beim Business-Meet-Up, an den Infoständen, innerhalb der Expert*innenaustausche und beim Netzwerk-Café im Foyer kam es zu vielen Begegnungen und Vernetzungen.“ Das Fazit von Tim Janßen, Geschäftsführer des C2C e.V, ist sehr positiv: „Der Kongress wurde durch die 700 Teilnehmenden und Akteur*innen wie Sarah Wiener, Wolfgang Grupp und Prof. Dr. Martin Stuchtey mit Leben gefüllt und hat gezeigt, wie C2C die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft betrifft.“

Das Konzert von Bela B. mit der Band Danube’s Banks war der abschließende Höhepunkte des diesjährigen Kongresses. Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführerin des C2C e.V., schaut positiv auf die Veranstaltung zurück und freut sich auf das nächste Jahr: „Es wurde bereits mit der Planung des 4. Cradle to Cradle Kongresses begonnen, welcher im nächsten Jahr weiter internationalisiert wird. Wir erwarten wieder zahlreiche Akteur*innen und Unterstützer*innen, die sich an der Verwirklichung beteiligen.“

Der 4. Cradle to Cradle Kongress findet am 20. & 21.10.2017 an der Leuphana Universität in Lüneburg statt.

Ein Fußabdruck für Innenraumluft: Stoppt Laserdrucker!

Von Achim Stelting, Stiftung nano-Control

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Allergien haben sich in nur 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen reagiert jede/r Dritte allergisch. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter. Vier Millionen Menschen haben Diabetes. Krebserkrankungen werden laut WHO bis 2025 um 20 Prozent zunehmen, die Fälle von Hautkrebs haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Krankschreibungen haben einen 20-Jahres-Höchststand erreicht, und jede/r Vierte wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Solche Entwicklungen haben Ursachen!

Schon 1995 erkannte die US-Umweltbehörde, dass von der Innenraumluft die größten Risiken für die nationale Gesundheit ausgehen, zumal wir uns 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Räumen aufhalten. Raumluft ist also direkte Atemluft und damit schützenswert wie ein Lebensmittel. Hintergrund der Aussage der USEPA waren Untersuchungen der Emissionen von Kopierern. Inzwischen emittieren über eine Milliarde Laserdrucker und Kopierer weltweit Milliarden vor allem ultrafeine Partikel, pro Seite, ungefiltert und mit fatalen Folgen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Michael Braungart, dem Vorsitzendenden des Hamburger Umweltinstituts, hinterließ die Hamburger Stiftung nano-Control am 20. und 21. August 2016 mit ihrer Art-Performance für gesunde Raumluft einen besonderen Fußabdruck auf den Footprint Days der Biennale 2016 in Venedig. Die Biennale ist sozusagen die „Olympiade“ der Architekten und läuft noch bis zum 27. November 2016.

Die „Nanos“ nahmen für ihre Performance Schilder aus der überzeugenden Ausstellung vomachim_stelting_blog2 Sick-Building, aus dem die Gartenzwerge (griechisch Nanos) flüchten, und aus dem luftigen hellen Haus, das nützlich ist wie ein Baum, versahen sie mit Warnungen, wie auf Zigarettenschachteln und trugen die Botschaft an die frische Luft. Der Spaziergang durch die Welt der Architektur, begleitet von Monika Griefahn, wurde zwar schnell von Security und Polizisten mit MPs gestoppt, doch die Botschaft war in der Welt: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Auch die freundlichen Polizisten zeigten sich interessiert.

Zur Rettung der Zwerge schützte nano-Control nach der Rückkehr zwei der kleinen „Kollegen“ im Sick-Building mit ihren Feinstaubmasken.

Vier Tage später warnte die Bundesregierung erstmals vor ernsten Gesundheitsgefahren durch Nanopartikeln aus Laserdruckern. Wir haben von den Nanopartikeln gelernt, dass auch winzige Nanos große Wirkung entfalten können.

Gedanken zu den Medien heute

Von Monika Griefahn

Ich habe mir viele Gedanken gemacht über den Amokläufer von München. Über die Tat an sich, aber auch über die Berichterstattung in den Medien. Deren Rolle beschäftigt mich in letzter Zeit immer häufiger. Teils konkret bezogen auf diesen Amoklauf, teils auch aus der Erfahrung heraus, die ich selbst beruflich mit ihnen mache, teils einfach als Bürgerin, als Beobachterin.

Nehmen wir die Berichterstattung zum Amoklauf. Dort, wo sogenannte soziale Medien ein Gerücht nach dem anderen streuten und damit Panikwellen auslösten, wurden sie selbst zum Akteur. Die Idealvorstellung einer neutralen Berichterstattung liegt ferner denn je. Mehr noch: Sie beschäftigten die Polizei an Ecken und Enden, wo diese eigentlich gar nicht gebraucht worden wäre. Sie banden Kräfte, die dringend woanders benötigt wurden. Und das Video, das zwei Männer vom Amokläufer auf dem Dach des Einkaufszentrums unter wüsten Beschimpfungen machten, welche Erkenntnisse hat es wirklich gebracht? Das Schwierige an all dem: Die sogenannten sozialen Medien sind kein Sender oder kein Verlag – wen soll man zur Verantwortung ziehen, wenn sie unverantwortlich handeln? Es sind einzelne Bürger, die lernen müssen, dass sie Verantwortung tragen. Das hat etwas mit Medienkompetenz und mithin mit Bildungspolitik zu tun.

Problematisch finde ich auch, was die Existenz dieser Netzwerke mit den konventionellen Medien macht. Das Öffentlich-rechtliche zeigte den ganzen Abend Sondersendungen und hetzte doch nur den Vorlagen aus dem Netz hinterher. Nichts kam dabei heraus, denn die Lage war über Stunden unklar. Da halfen kein Experte im Studio und kein an einer Ausfallstraße positionierter Reporter. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Experten für den nächsten Tag einzuladen, wenn sie dann mehr über Fakten als über Gerüchte hätten sprechen können? Ja, es stimmt, wenn die ganze virtuelle Welt vom Amoklauf redet, können auch Öffentlich-rechtliche nicht stur weiter den Heimatfilm zeigen. Im Fernsehen wären vielleicht Laufbänder mit den aktuellen Informationen ein ausreichender Ausweg gewesen, dem Anspruch an gründlicher Recherche gerecht zu werden und aktuell zu sein – ohne den Gerüchten aus dem Netz hinterherzulaufen.

Schnelligkeit – sicher auch Personalknappheit und die Lust an der Sensation – führen auch dazu, dass immer weniger recherchiert wird. Meinem Verständnis nach sollte doch, wenn ein Akteur eine Behauptung in den Raum stellt gegen einen anderen Akteur, dann dieser andere Akteur zu diesen Behauptungen befragt werden. Das geschieht zumindest in meinem beruflichen Umfeld leider sehr selten.

Der Satz, dass jede gute Recherche eine Geschichte kaputt macht, der ist in Redaktionen ein geflügeltes Wort, seit ich mit Medien zu tun habe. Dass aber nun tatsächlich auf Recherche verzichtet wird, dass Angebote zu klärenden Gesprächen ausgeschlagen werden, um eine Geschichte brisant zu halten, das ist eine neue Qualität. Sind es wieder die sozialen Medien, die diese Entwicklung beschleunigen?

Ich jedenfalls wünsche mir, dass es weiterhin eine deutliche Unterscheidung gibt zwischen einem Journalismus von ausgebildeten, kompetenten Schreibern, Filmemachern und Redakteuren (natürlich auch in Blogs und auf Internetportalen), und allen anderen Nachrichtenschreibern im Netz. Dieses Selbstbewusstsein sollten die Medien haben, besonders, um den Anspruch der vierten Gewalt zu erfüllen.

Offene Türen im Cradle to Cradle Büro

Von Monika Griefahn

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Bestes Wetter und jede Menge Gäste mit guter Laune: Der diesjährige Tag der offenen Tür im Cradle to Cradle Büro in Berlin war gut besucht und sehr inspirierend. Ich habe mich gefreut über die bunte Schar an Besuchern, die sich Zeit genommen hatte zu kommen – denn jeder von ihnen dürfte auch ansonsten einen vollen Terminkalender haben!

Aus dem Deutschen Bundestag waren zum Beispiel Simone Raatz, Michael Thews und Michaela Engelmeier gekommen. Mit Rita Schwarzelühr-Sutter hatten wir sogar eine Staatssekretärin zu Gast! Sie hat bereits beim Kirchentag im vergangenen Jahr eine Rede in einem C2C Forum gehalten und ist eine große Unterstützerin unserer Bewegung. Sehr gefreut habe ich mich auch über den Besuch von Bärbel Dieckmann – Präsidentin der Welthungerhilfe und Akteurin beim Kongress 2015!

A propos:

Der Cradle to Cradle Kongress 2016 „Kreisläufe schaffen – Abfall ist Nährstoff“ wirft seine Schatten voraus. Er findet in diesem Jahr am 24. September statt. Zum dritten Mal ist die  Leuphana-Universität Gastgeber. Als besonderen kulturellen Gast hat Bela B. zugesagt, der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, der im vergangenen Jahr immerhin schon mit einer Videobotschaft „anwesend“ war. Als weitere Akteure haben ihre Teilnahme bereits bestätigt: Journalist Franz Alt, Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema), Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau, Fernsehköchin Sarah Wiener, Buchautor Ernst-Ulrich von Weizsäcker und einige mehr.

„Auf dem Kongress wird über eine zukunftsgewandte Welt diskutiert“, so beschreiben wir Sinn und Zweck des Kongresses auf der Cradle to Cradle Website. Und weiter: „Gemeinsam mit unseren AkteurIinnen (erarbeiten wir) Lösungsansätze zu akuten Problemen unserer Zeit. Alte Fragen brauchen neue Antworten: Wie müssen Kunststoffe beschaffen sein, damit sie keinen Schaden in der Umwelt anrichten? Welche Bedingungen müssen Textilien erfüllen, damit sie als C2C eingestuft werden? Was sind überhaupt die Herausforderungen bei der Umsetzung des Innovationskonzepts C2C?“

Wer mehr wissen will: Informationen und Anmeldung C2C Kongress

Am besten gleich anmelden!

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Eine Brückentechnik in Hamburg: Landstrom am Kreuzfahrtterminal in Hamburg-Altona

Von Monika Griefahn

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Wie es so ist mit technischen Investitionen, war nach außen nicht viel zu sehen. Doch mit der Einweihung der Landstromanlage in Hamburg-Altona haben Hafenwirtschaft und Schifffahrt in der Hansestadt auf dem Weg hin zu einer sauberen Energieversorgung einen weiteren Schritt gemacht. Die AIDAsol ist das erste Schiff, das dort seit dem 30. Mai schrittweise angeschlossen wird.

Indiz dafür, wie bedeutend dieser Schritt ist, dürfte sein, dass neben Bürgermeister Olaf Scholz auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks diese Stromtankstelle am 3. Juni mit eingeweiht hat. Beide betonten die Hoffnung, dass diese Einrichtung Schule machen werde. Das Betankungssystem kann Schiffe unabhängig von der Tide versorgen und alle Frequenzleistungen, die in der Schifffahrt gefordert werden, bedienen. In dieser Art ist die Anlage die erste in Europa. Beste Voraussetzungen also, dass sich die Investitionen von rund 10 Millionen Euro, die Stadt, EU und Bund tragen, irgendwann rentieren werden.

Jetzt liegt der Ball in der Hälfte der Reeder und Schiffseigner, ihre Schiffe so auszurüsten, dass sie die Anlage benutzen können – so, wie AIDA das mit der „sol“ bereits gemacht hat. Es wird immer wieder die Frage nach der Henne und dem Ei gestellt, aber meiner Meinung nach braucht es zuerst die Infrastruktur. Ist diese vorhanden, kann man mit Fug und Recht von den Reedern verlangen, dass sie alles tun, um ihre Schiffe so sauber wie möglich zu fahren. AIDA führt diese Entwicklung in der Kreuzfahrt an.

Sobald die Erprobungsphase beendet ist – die Techniker hoffen, in vier Anläufen alles justieren zu können -, kann AIDAsol ihre Dieselmotoren während der Liegezeit im Hamburger Hafen komplett abschalten und wird dann über Land versorgt. Es ist auch ein ehrlicher Schritt, weil für die Landstromanlage Ökostrom genutzt wird. Nur so macht es schließlich Sinn.

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Für mich ist diese Landstromanlage mehr als die konkrete Versorgung des Schiffes mit Ökostrom. Das Projekt zeigt, dass wir überall  mal anfangen müssen. Technisch ist die Energiewende umsetzbar – „kein Hexenwerk“, wie Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), neulich sagte. Es erfordert aber den Mut von Behörden und Unternehmen, loszulegen. Sich vielleicht eine blutige Nase zu holen, das kann passieren, aber es dann beim zweiten Mal besser zu machen. Mit Zaudern jedenfalls kommen wir nicht weiter.

Gerade was meine Arbeit für AIDA angeht, stoße ich da auf wirklich mutige Leute: angefangen bei Dirk Lehmann von Becker Marine Systems, der die LNG Hybrid Barge für das Kreuzfahrtterminal in der Hafen City entwickelt hat. Über die AIDA-Verantwortlichen und –Techniker, die sich entschieden haben, voranzugehen – sowohl in der Unterstützung der Hummel (der LNG Hybrid Barge), als auch des Landstromanschlusses bis hin zur gewaltigen Investition in die direkte Versorgung mit LNG: erst im Hafen auf der AIDAprima und ihrem Schwesterschiff im nächsten Jahr, und dann auch bei der Neuentwicklung der neuen Kreuzfahrtschiffe ab 2018/19 mit der Meyer-Werft. Diese werden dann ausschließlich mit LNG betrieben! Mutig waren auch die Entscheider der Stadt und der Hafenwirtschaft, die diese Art der Energieversorgung angeboten haben. Ich schließe mich also Olaf Scholz und Barbara Hendricks an und hoffe, dass die Anlage Schule macht.

Raúl Montenegro leitet den achten RLC-Campus

Von Monika Griefahn

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Cordoba

 

Es ist ein Ort des Austausches von Wissenschaftlern und Aktivisten, die sich für Menschenrechte, Umwelt und soziale Gerechtigkeit einsetzen: Jetzt  haben wir mit der Right Livelihood Award Stiftung („Alternativer Nobelpreis“) das achte Right Livelihood College (RLC) auf dem Campus der Nationalen Universität in Cordoba (Argentinien) eröffnet. Raúl Montenegro, der den „Alternativen Nobelpreis“ 2004 für sein Engagement für die Umwelt und die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen gemeinsam mit lokalen Gruppen und Indigenen erhielt, leitet den Campus. Er ist seit 1985 Professor für Evolutionsbiologie an der Nationalen Universität von Cordoba im Fachbereich Psychologie mit 10.000 Studenten, so tatkräftig und empathisch wie am ersten Tag und voller positiver Energie für die Veränderungen zum Guten.

Die Eröffnung des RLC-Campus‘ in Cordoba stand auch unter dem Eindruck der Ermordung von Berta Cáceres aus Honduras. Die Umweltaktivistin war Anfang März von Bewaffneten in ihrem Haus erschossen worden. Verwundet wurde auch ein Mexikanischer Umweltaktivist, Gustavo Castro Soto. Als Reaktion auf dieses Attentat haben rund 50 Preisträger des „Alternativen Nobelpreises“ eine Petition an den Präsidenten von Honduras, den Parlamentspräsidenten und den obersten Gerichtshof des Landes verfasst. Darin fordern sie die Regierung auf, zu diesen Geschehnissen nicht zu schweigen. Präsident und Justiz sollen das Attentat untersuchen und aufklären, um das Leben der anderen Mitglieder von Berta Cáceres Civil Council of Popular and Indegenous Organisation (COPINH) zu schützen.

Ich habe dieses Attentat in meiner Eröffnungsrede aufgegriffen, denn es erschüttert mich, wie unsicher Menschen leben, die sich doch nur für das Gute einsetzen. Neben Berta Cáceres wurden in Brasilien im April mit Leomar Bhorbak and Vilmar Bordim auch zwei junge Aktivisten erschossen, die sich für eine Landreform eingesetzt haben. Viele Menschen – 2014 waren es in Lateinamerika 88 Verteidiger von Land- und Umweltrechten – lassen für diese elementaren Themen ihr Leben, was nur zeigt, wie hart der Kampf um natürliche Ressourcen heutzutage ist. Auch Berta Cáceres hatte sich gegen ein Staudammprojekt eingesetzt.

Ereignisse wie diese betreffen auch die Aktivisten in der Nähe von Cordoba – ganz aktuell. Viele Dörfer sind bedroht durch den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat durch Monsanto. Ganze Gegenden werden per Flugzeug besprüht. Tiere züchten lohnt sich in Argentinien nicht mehr. Die neue Währung heißt Soja – für den Export: als Futtermittel, aber auch für die wachsende Vegetariergemeinde. Auf der Strecke bleiben Kinder, die schön früh Krankheiten haben, Grundwasser, das belastet ist. Die Uni und Raúl Montenegro helfen den Betroffenen vor Ort – ein wunderbares Beispiel, wie Universität im Dienste des Menschen handeln kann! Und es zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns hier in Europa weiterhin gegen die weitere Zulassung von Glyphosat einsetzen.

Es ist also in jeder Hinsicht – getötete Aktivisten oder gefährliche Chemikalie – wichtig, dass wir zusammenstehen – Akademiker mit Aktivisten, Wissenschaftler mit Studenten, Bauern mit Menschenrechtlern. Genau dafür sind die Right Livelihood Colleges da: dass wir alle einen Weg finden, die Arbeit eines jeden zu unterstützen und gemeinsam reagieren zu können, wenn jemand bedroht wird. Wir hoffen, dass unsere Einbettung in die Universitäten uns einen sicheren Raum für friedvolles Arbeiten gibt. Mit der Hilfe von Raúl Montenegro wollen wir auch in Cordoba Wege dafür finden, dass die Kriminalisierung von friedlichen Menschen aufhört und wir eine kraftvolle Zivilgesellschaft auf dem Kontinent und im Brückenschlag mit Europa bekommen.