„Alternativer Nobelpreis“: Edward Snowden erhält Auszeichnung

Von Monika Griefahn

Edward Snowden ( Foto: The Guardian)

Foto: The Guardian

Als Jury-Mitglied und Co-Vorsitzende der Right Livelihood Award Foundation ist es mir eine Ehre, auch hier in meinem Blog verkünden zu können, wer in diesem Jahr unsere Auszeichnung erhalten wird. Der „Alternative Nobelpreis“ belohnt Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Kampf gegen den Klimawandel.

2014 geht der nicht dotierte Ehrenpreis an Edward Snowden (USA), „weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt“, und an Alan Rusbridger (Großbritannien) „für den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt“. Zwar ist der Ehrenpreis nicht mit einem Preisgeld verbunden, aber wir als Stiftung haben vor, Rechtskosten für Edward Snowden zu finanzieren.

Drei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 1,5 Millionen Schwedischen Kronen (ca. 162.000 EUR): Wir haben Asma Jahangir (Pakistan) ausgezeichnet, „weil sie die Menschenrechte in Pakistan und darüber hinaus verteidigt, schützt und stärkt – oft in sehr schwierigen und komplexen Situationen und unter großem persönlichen Risiko“. Es ist das erste Mal, dass ein Right Livelihood Award nach Pakistan geht.

Die Jury ehrte weiterhin Basil Fernando und die Asian Human Rights Commission (Hongkong/China) „für die unermüdliche und herausragende Arbeit für die Umsetzung der Menschenrechte in Asien und deren Dokumentation“.

Auch Bill McKibben (USA) hat uns beeindruckt mit seinem Engagement. Er erhält den Preis „für die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit“.

Die Verkündung der Preisträger war für den 25. September im Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums geplant, wo diese seit 1995 stattgefunden hat. Die Pressekonferenz wurde aber vom schwedischen Außenministerium in diesem Jahr abgesagt. Die Stiftung hat daher entschieden, die Nachricht schon einen Tag vorher über ihre Website und über Nachrichtenagenturen zu verbreiten.

Zur Internetseite der Right Livelihood Foundation.

Appell der Umweltpreisträger!

Von Monika Griefahn

160 Gewinner von Umweltpreisen aus verschiedenen Ländern haben einen eindringlichen Appell an alle Stiftungen und Menschenfreunde der Welt gerichtet, mit ihrem Geld die Maßnahmen zu unterstützen, die zur Rettung der Zivilisation beitragen. Angesichts der Erderwärmung, angesichts der Gefahr, sich aufgrund von Umweltkatastrophen nicht mehr mit Nahrung versorgen zu können, angesichts des Eindrucks, dass Regierungen nicht ihre ganze Kraft gegen den Treibhauseffekt einsetzen, angesichts all dessen möchten die Umweltpreisträger ein Zeichen setzen und weitere Gelder für den Schutz des Klimas generieren. Der Appell wurde mit einer durch Crowd-Funding finanzierten Anzeige in der New York Times verbreitet und maßgeblich über die European Environment Foundation vorbereitet.

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Was schafft Kultur? Gute Gespräche bei Buchvorstellung im WBH

Von Monika Griefahn

(v.l.) Monika Griefahn, Edda Rydzy, Klaus-Jürgen Scherer und Karin Seidel

Mal ganz abgesehen davon, dass Edda Rydzy und ich unser gemeinsames Buch „Natürlich wachsen“ vorgestellt haben und es danach noch tolle Gespräche gab, empfand ich den Abend im Willy-Brandt-Haus auch aus anderer Sicht sehr gelungen. Klaus-Jürgen Scherer vom Kulturforum der Sozialdemokratie hat eine tiefgründige Einleitung zu unserem Buch gegeben, und Karin Seidel von der Buchhandlung im Willy-Brandt-Haus hatte einen wunderbaren Rahmen für die Buchvorstellung organisiert. Wir haben in der „vorwärts“-Buchhandlung „gelesen“, und das gab mir Gelegenheit, nach „getaner Arbeit“ einmal selbst in aller Ruhe wieder nach schönen Büchern zu stöbern. Es gibt doch kaum etwas Inspirierenderes als das!

Schön war, in den Gesprächen über unser Buch zu spüren, dass wir, Edda Rydzy und ich, ebenfalls inspirieren konnten. Unsere Grundfrage lautet: Was können Kultur und Kulturpolitik leisten, um zu helfen, große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit zu lösen? Die existenzielle Herausforderung dieser Zeit ist unserer Meinung nach, wie Menschen mit den limitierten „Ressourcen“ umgehen  können.

Wo und wie kann Kultur und Kulturpolitik einen Unterschied machen, wenn es um Wachstum und den Umgang mit Ressourcen geht?

Wachstum existiert immer. Auch, wenn wir uns vornähmen, in Europa als Menschen nicht mehr zu existieren, gäbe es weiterhin Wachstum: von Bäumen, von den Menschen weltweit, ….. Wir können von der Natur lernen: Sie kennt keinen Abfall. Wir müssen Nährstoffe (also Materialien ) so einsetzen, dass sie entweder biologisch abbaubar sind, also neue Erde bilden, oder in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, also neue Produkte werden. Kultur und Kulturpolitik verkörpern die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen, sie sind gefragt. Sie unterscheiden uns Menschen von den anderen Lebewesen!

Als realistischen Weg einer intelligenten Produktions- und Stoffpolitik haben wir das „Cradle to Cradle“-Prinzip vorgestellt. Es beschreibt eine Welt, in der das Konzept „Abfall“ nicht mehr existiert und Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht werden. Menschen sind Teil der Natur. Sie können als kulturelle Wesen Produkte und Produktionsprozesse neu gestalten. Kultur und Kulturpolitik sollten dabei das Leitmotiv „Nachhaltigkeit“ neu definieren, und zwar auf der Seite des gestaltenden, positiven Prozesses. Effizienz alleine reicht nicht. Dann könnten wir auch eine Tablette zur Ernährung nutzen, statt aus der Vielfalt der Lebensmittel zur wählen. Die ästhetische und musische Bildung im frühkindlichen Alter hat nachweislich Einfluss auf die Hirnentwicklung, kann somit grundlegende Kompetenzen und Verhaltensweisen, insbesondere die Kreativität, prägen. Und die Kreativität ist notwendig, um Ingenieure, Designer und Entwickler zu gemeinsamen konstruktiven Lösungen zu bewegen!

Abgeordnete Svenja Stadler setzt „Gesicht zeigen!“ im Landkreis Harburg fort

Von Monika Griefahn

Monika Griefahn und Svenja Stadler über den Dächern von Buchholz.

Seit der letzten Wahl hat der Landkreis Harburg wieder eine SPD-Abgeordnete im Bundestag: Svenja Stadler. Meine Nachfolgerin besuchte mich jetzt in meinem Büro in Buchholz – auch, um sich über meine langjährige Arbeit für den Aktionskreis „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ zu informieren. Svenja Stadler will diese wichtige Arbeit fortführen!

Der Aktionskreis „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ ist 2001 von mir mit gegründet worden, weil es offene rechtsextremistische Aktionen – Geburtstagsfeiern, Demonstrationen – in der Region gab, gegen die ich mich gemeinsam mit einem breiten bürgerschaftlichen Bündnis zur Wehr setzen wollte. Wir haben seinerzeit einen Unterstützerkreis von rund 150 Menschen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zusammengestellt, die alle das Ziel verfolgten, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und für Toleranz und Freiheit einzusetzen. Eingebettet war der lokale Aktionskreis in die bundesweite Initiative „Gesicht zeigen!“.

Bis 2009 haben wir Lesungen veranstaltet, Zeitzeugengespräche in Schulen organisiert, an Demonstrationen teilgenommen und helfen bis heute auch finanziell. Zum Beispiel konnten wir Schulen, die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekommen haben, mit kleinen, aber hilfreichen Beträgen unterstützen. Super, dass Svenja das Thema aufgreift.

Auch sonst war der Besuch sehr angenehm: Wir haben unsere Anfänge im Bundestag verglichen und einige Übereinstimmungen festgestellt: die Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, die Befindlichkeiten der Fraktionen, die Aufregung vor der ersten Rede im Parlament. Ich wünsche Svenja Stadler viel Erfolg für ihre Arbeit im Bundestag. Die Lage auf der Welt und die großen nationalen Themen zeigen: Es gibt viel zu tun, und wir brauchen engagierte Leute, die Entscheidungen vorantreiben und durchsetzen können. Schön zu wissen, dass der Landkreis Harburg für die SPD wieder genauso eine Persönlichkeit nach Berlin geschickt hat!

Im Sinne der Nachhaltigkeit: Spenden statt wegwerfen!

Von Dr. Juliane Kronen und Svenja König, innatura gGmbH, Foto: Karin Desmarowitz

innatura - Sachspendenvermittlung fŸr soziale Zwecke

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was eigentlich mit all den Waren passiert, die aufgrund von Fehletikettierung, Überproduktion oder ausgelaufenen Sonderaktionen aus dem Sortiment genommen werden oder gar nicht erst in den Verkauf gelangen? Die Antwort auf diese Frage ist leider so einfach wie erschreckend: Der Großteil dieser absolut neuen und unversehrten Produkte wird vernichtet. Es bedarf keiner langen Überlegungen, um sich vorzustellen, wo überall diese Waren dringend benötigt werden würden – von der umweltpolitischen Problematik mal ganz zu schweigen. Ökologische wie wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Genau dieser Umstand brachte uns auf die Idee zur Gründung von innatura. Die innatura ist eine gemeinnützige GmbH, die eine Plattform für die Vermittlung fabrikneuer Sachspenden an gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen betreibt – die Grundidee: “Spenden statt wegwerfen”.

Die Herstellerfirmen spenden die fraglichen Produkte an innatura, die die notwendigen Lagerkapazitäten hat und zudem sicherstellt, dass die Ware nicht auf dem Schwarzmarkt landet, sondern ausschließlich einem guten Zweck zugeführt wird. Für eine Vermittlungsgebühr, die nur einen Bruchteil des regulären Marktpreises ausmacht, können soziale Einrichtungen die benötigten Produkte bei innatura bekommen (das sind u.a. Wasch- und Reinigungsmittel sowie Hygieneartikel, Spielzeug und Kleidung).

Von dem Konzept profitieren also neben den Herstellerfirmen, die so ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und steigern können sowie etwas für die Erreichung ihrer Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele tun, vor allem auch die gemeinnützigen Organisationen!

Natürlich steht hier zunächst ganz profan der Aspekt des Geldsparens im Vordergrund. Weiter gedacht bedeutet diese Tatsache aber, dass das gesparte Geld nicht mehr für Verwaltungs- und Betriebskosten aufgewendet werden muss, sondern für die eigentlichen Aufgaben der Organisation „frei“ wird. Direkt gesagt: Wenn ein Kinderheim für 10 Großpackungen Markenwaschmittel nicht mehr 170 Euro, sondern nur noch knapp 40 Euro bezahlt, bleiben 130 Euro, die in Freizeit- und Therapieangebote oder Geburtstagsgeschenke für die Kinder investiert werden können.

Jede gemeinnützige Organisation, die eine entsprechende Freistellung vom Finanzamt nachweist, kann von innatura profitieren. Hierzu muss sie sich lediglich unter http://www.innatura.org/shop/registrierung/ registrieren. Die Anmeldung ist kostenlos und unverbindlich. Mittels eines Online-Katalogs können die Organisationen Produkte aussuchen und bestellen, was sie benötigen – es gibt weder einen Mindestbestellwert noch eine Verpflichtung zu regelmäßiger Abnahme von Waren.

www.innatura.org
www.facebook.com/innatura

Let’s make Music as Friends (Leonard Bernstein)

Von Monika Griefahn

Let's make music as friends

Die Waffen ruhen nicht. Im Nordirak, in Gaza und Israel. In der Ukraine sterben sinnlos Kinder, Frauen, Männer. Warum ist dort kein Dialog möglich? Warum gibt es keine Verständigungsmöglichkeiten? Und darüber hinaus entwickeln demokratisch gewählte Staatsoberhäupter wie Putin oder Erdogan immer autoritärere Züge.

Könnte es nicht alles einfacher sein? Es gibt doch gute Vorbilder! Nelson Mandela hat zur Versöhnung aufgerufen und dafür die Wahrheits- und Versöhnungskommission eingerichtet. Künstler haben immer wieder beispielhafte Initiativen gestartet, das Miteinander zu lernen. Wie zum Beispiel Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus Palästina und Israel, aber auch aus Ägypten, Syrien, dem Iran und dem Libanon, aus Jordanien, Tunesien und Andalusien zusammen Musik machen. Oder auch Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen ist zu nennen. Begründer einer Kultur – und zwar im Sinne von praktizierter Kultur – der Versöhnung und Verständigung hier in Deutschland war aber Leonard Bernstein mit der Orchesterakademie auf dem Schleswig-Holstein-Musikfestival im Jahre 1987, an dem auch Yehudi Menuhin intensiv mitwirkte. Und diese Idee lebt bis heute fort!

Auf der Nord-Art

Ich durfte es in Rendsburg gerade selbst erleben, wie 120 junge Musiker aus 34 Ländern, alle unter 26 Jahren, bravourös die 5. Sinfonie von Gustav Mahler meisterten, obwohl sie sich fünf Wochen zuvor noch nicht einmal gekannt hatten. Sie verständigten sich unter der klugen Anleitung von Pedro Halffter.

Mich bewegt jedes Mal, wenn ich eines der internationalen Jugendorchester erlebe. Und ich denke: Können wir das Miteinander nicht überall schaffen?

Was dort auf der Bühne geschieht in Sachen Verständigung und Kultur, geht über das bloße Konzert hinaus! Zeitgenössische Künstler aus China, den Baltischen Staaten, Deutschland, Mexiko, Polen, Südkorea und und und sind auch in der Büdelsdorfer Carlshütte auf der Nord-Art zu sehen. Die Ausstellung zeigt seit schon seit 1999 in den Sommermonaten zeitgenössische Kunst. Mehr als 200 Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Bilder, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen. Die Nord-Art läuft noch bis zum 12. Oktober und ist absolut empfehlenswert.

Nord-Art

Monika Griefahn im TV: Lust auf Konsum! Schnäppchen erlaubt?

Sonntag, 10. August 2014, in Sat.1 Weck up

Aufzeichnung der Weck-Up-Sendung “Lust auf Konsum! Schnäppchen erlaubt?” mit diesem Thema weckt der Fernsehsender Sat.1 am Sonntag, dem 10. August, ab 8 Uhr seine Zuschauer auf. Mit dabei: Monika Griefahn. Sie diskutiert mit Thomas Tanklay, dem TV-„Schnäppchen-König“, und dem Journalisten und Autoren Caspar Dohmen über Konsum, das Wegwerfen und Wiederverwenden und natürlich über Cradle to Cradle.

Wecker stellen, angucken!

Verstehen. Umdenken. Gestalten!

Von Tim Janßen, Geschäftsführer des Vereins „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege“

Banner Cradle-to-Cradle-Kongress

„Verstehen. Umdenken. Gestalten!“ – unter diesem Motto steht der erste „Cradle to Cradle“-Kongress. Der Cradle to Cradle e.V. lädt alle Menschen, die Gesellschaft gestalten und verbessern wollen, dazu am Samstag, den 15. November 2014, nach Lüneburg ein.

Endlich! Termin und Ort stehen fest, viele spannende Referenten haben zugesagt, die Anmeldephase ist gestartet und die Vorbereitungen laufen jetzt so richtig auf Hochtouren. Ein nächster Meilenstein auf unserem Weg, die gegenwärtige Welt in eine Cradle to Cradle-Welt zu transformieren, steht kurz bevor.

Im Frühjahr 2012 wurde der gemeinnützige Cradle to Cradle e.V. mit Sitz in Hamburg gegründet. Seitdem hat sich einiges bewegt! Nun wollen wir mit dem Kongress alle Vertreter gesellschaftlicher Gruppen zusammenbringen, um das Cradle to Cradle-Konzept als Lösungsansatz für viele drängende Herausforderungen der Gegenwart zu diskutieren. Mit dem 1. Cradle to Cradle Kongress fordern wir zum Mitdenken auf und bieten gute Kontaktmöglichkeiten sowie einschlägige Referenten.

Mit dabei sind unter anderem Stef Kranendijk (ehem. CEO Desso) als Koryphäe der Cradle to Cradle Bewegung und Mann der Praxis, Christiane Benner, Vorstand der IG Metall (Cradle to Cradle Kampagne „Besser statt billiger“), Maximilian Gege, Gründer und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises Umweltbewußtes Management (Baum e.V.), Michael Schmidt-Salomon (Philosoph, Schriftsteller und Begründer der Giordano-Bruno-Stiftung) und Michael Braungart, Mitbegründer des Cradle to Cradle Konzepts.

Die Cradle to Cradle-Denkschule beschreibt eine Kreislaufwirtschaft, in der alle Produkte zirkulieren. Dafür müssen sie so beschaffen sein, dass sie bzw. ihre Materialien für biologische oder technische Kreisläufe konzipiert sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass Produkte wieder auseinandergebaut und ihre Materialien sortenrein getrennt werden können. Im Prinzip muss also jedes Produkt von Anfang an neu gedacht werden. Es muss so konzipiert sein, dass es beim Recycling nicht an Wert verliert und in anderen Kreisläufen nützlich ist.

Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter, engagierte Bürger und Kulturschaffende – sie alle können und sollen bei dem Kongress mitdiskutieren über die Welt, in der wir leben wollen. In einem Mix aus Vorträgen, offenen Foren und Fachworkshops sollen die Grundzüge des Konzepts und die gesellschaftlichen Bereiche, in denen es wirken kann, deutlich werden. Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr die Bereiche Architektur, Textil und Bildung.

Der Kongress findet am 15. November ab 9.30 Uhr an der Leuphana Universität in Lüneburg statt, ist aber ausdrücklich keine rein wissenschaftliche Veranstaltung. Interessierte können sich auf der Kongress-Internetseite anmelden und erhalten dort auch weitere Informationen.

Wir freuen uns auf viele interessierte Teilnehmer!

Woodcube – Bauen mit Zukunft?

Von Monika Griefahn

Woodcube Hamburg-Wilhelmsburg„Cradle to Cradle“ – abgekürzt „C2C“ – ist meine Leidenschaft. Und am sogenannten „Woodcube“ in Hamburg kann man gut sehen, was genau C2C von anderen Recyclingideen und sonstigen Nachhaltigkeitsansätzen unterscheidet. Der Woodcube ist ein Haus nahezu komplett aus Holz, das für die Internationale Bauausstellung 2013 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg entstanden ist.

Diverse Hauser sind dort für die Bauausstellung unter energieeffizienten und vermeintlich innovativen Gesichtspunkten gebaut worden. Die Betrachtung nach einem Jahr ist ernüchternd: In einigen Häusern stehen die Wohnungen leer, in anderen gibt es Probleme mit der aufwändigen Technik, die für die Entlüftung und Bewirtschaftung der Passivenergiehäuser nötig ist.

Nicht so im Woodcube, den wir vor Kurzem besichtigt haben. Die Raumatmosphäre fühlt sich gut an, die Bewohner haben weniger Allergiebeschwerden als vorher, das Ganze kommt mit einem Minimum an Technik aus.

Und das Interessante ist: Der Brandschutz bei richtig gebauten Holzhäusern ist wesentlich höher als bei Stahl-Beton-Konstruktionen. Leider haben sich die Genehmigungsbehörden beim Woodcube in Wilhelmsburg nicht getraut, diesem Umstand Rechnung zu tragen, so dass hier das Treppenhaus aus Beton errichtet werden musste.

Sie glauben mir nicht und meinen, ein Holzhaus brenne doch schneller als eines aus Beton? Falsch. Man muss nur einige Dinge beachten: das Holz muss – wie von alters her bekannt – im Winter geschlagen sein, wenn es „saftlos“ ist, es muss trocknen, bevor es verbaut wird, und es sollten auch keine Elemente aus Woodcube Hamburg-WilhelmsburgMetall in den Wänden vorhanden sein, da diese viel schneller heiß werden als Holz. Im Woodcube werden die Wände durch Holzdübel verbunden, die in ihren Löchern quellen und die Schichten unlösbar zusammenhalten. Holzhäuser halten 100 Jahre und mehr, wenn man diese Grundsätze und eine durchdachte Bautechnik beachtet. Wie mag es sein mit den gängigen, styroporgedämmten Gebäuden? Zerkrümelt die Isolierung nicht irgendwann? Auf jeden Fall hat man eine Menge unrecyclebaren Müll, wenn diese Häuser abgerissen werden müssen. Da ist mir der Woodcube 100.000 Mal lieber!

Das Wohnklima in Holzhäusern ist harmonisch und angenehm – jeder, der in einem wohnt oder mal gewohnt hat, weiß das. Die 32 Zentimeter dicken Schichtwände des Woodcube sind schon von der Grundausstattung her sehr warm und brauchen auch kein extra Lüftungssystem. Das könnte schimmeln. Für mich ist ein zentrales Wohlfühlargument auch, dass man die Fenster normal benutzen kann und lüftet, wenn einem danach ist.

Die sachkundige Erklärung von Matthias Korff, dem Bauherrn, begeisterte nicht nur mich, sondern auch die junge Harburger Regionalgruppe des Cradle-to-Cradle-Vereins, mit der ich gemeinsam das erste mehrstöckige Referenzgebäude am Inselpark besuchte.

Matthias Korff wird übrigens auch Rede und Antwort stehen im Forum Architektur beim ersten Cradle-to-Cradle-Kongress am 15. November in Lüneburg. Eine Anmeldung ist in Kürze möglich – save the date!

Mehr zum Woodcube in Hamburg finden Sie hier.

Was „Abrissbirnen“ mit Demokratie zu tun haben…

Von Manuela Wilczek

Mauerrest, Berlin


Wow – drei Tage Demokratie hautnah!

Ich habe eine Informationsfahrt unserer Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler selbst mitgemacht, um das Berlin kennenzulernen, in dem Geschichte geschrieben und Politik gemacht wird. Und es war total gelungen: Höhepunkt der 3-Tages-Reise für mich war die Bundestagsdebatte, die ich live im Parlament verfolgen konnte.

Denn da ging es um die Novelle zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz begegnet mir bei meiner Arbeit immer wieder, insofern hätte das Thema spannender nicht sein können. Live mitzuerleben, wie die Opposition Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel als „Abrissbirne“ für die erneuerbaren Energien beschimpft, und zu sehen, wie er souverän kontert, das war schon was! Diskussion und Abstimmung – ich habe hautnah miterlebt, wie Demokratie funktioniert! Sehr beeindruckend!

Das weitere Programm war auch klasse: Wir schauten uns die Stadt unter historischen und politischen Gesichtspunkten an, besuchten den Bundesrat und die neue Synagoge. Die Diskussion mit Svenja Stadler selbst im Paul-Löbe-Haus war auch ein toller Höhepunkt. Svenja Stadler stand uns Rede und Antwort, und immer wieder blitzten ihre Augen vor Begeisterung. Das hat mir imponiert. Sie hat Lust auf Politik und Gestaltung der Gesellschaft, und das zu sehen, motiviert einen auch selbst, sich einzumischen.

Klar aber, dass in diesen Zeiten der Fußball nicht fehlen durfte. Ich habe mich zwar nicht in das Getümmel der Weltmeisterschafts-Fans auf der Fanmeile gestürzt. Aber bei der Stadtrundfahrt war der Trubel schon spürbar. Lautsprecher und Übertragungsleinwand waren so aufgestellt, dass sie das Brandenburger Tor verdeckten und die Quadriga scheinbar nicht mehr auf dem Tor, sondern über der Bühne thronte. Für ein paar Tage ist der Fußball eben auch hier König.