Emotion Award – Preis für Frauen, die begeistern

Von Monika Griefahn (Fotos: Franziska Krug/Getty Images for Emotion.award)


Dr. Alexandra Widmer? Heike Langguth? Annette Pascoe? Das sind Namen, die man nicht unbedingt kennt, und dennoch sind diese Frauen jetzt mit dem Emotion Award ausgezeichnet worden. Bei diesem Preis geht es allgemein darum, Frauen zu würdigen, die begeistern. In der Kategorie „Frauen in Führung“ etwa wurden Frauen gesucht, „die eine besondere Firmenkultur fördern, die Mitarbeiterförderung neu definieren. Und Frauen, die sich in Männerdomänen einen Namen verschafften konnten, die den Weg für andere Frauen ebnen.“ Das kann grundsätzlich jede Firmenchefin sein, und darum freue ich mich sehr auch für die unbekannteren Preisträgerinnen. Denn die Auszeichnung bedeutet, dass sie in ihrem eigenen Verantwortungsbereich ohne viel Publicity kreativ arbeiten und Vieles leisten.

Den Sonderpreis bekam allerdings doch eine Frau, deren Namen man seit Jahrzehnten kennt: Rita Süssmuth. Ich habe mit ihr lange in der Interparlamentarischen Union zusammengearbeitet und weiß, dass sie sich immer für Gleichberechtigung eingesetzt hat. Sie hat in ihrer Partei der CDU für die Frauenquote gekämpft, was sicherlich lange Zeit eine eher frustrierende Auseinandersetzung in der Partei gewesen sein muss. Sie war in den 1980er Jahren Bundesfamilienministerin und zehn Jahre lang Präsidentin des Deutschen Bundestages. Jetzt ist sie 80Jahre alt und engagiert wie eh und je.

Und noch etwas ist schön an diesem Preis: Es geht um Frauen, aber es ist keine reine Frauenveranstaltung. Ins Publikum hatten sich vielleicht 20 Prozent Männer gemischt, und auch in der Jury entschieden Männer über die Preisvergabe mit. Zu den Laudatoren gehörten Johannes B. Kerner und Jörg Thadeusz. Das alles ist fein, denn es zeigt, dass immer mehr Männer Leistung und Lebenswerk von Frauen honorieren – dass eigene, starke Frauenbiografien selbstverständlicher werden. Dass die Zeitschrift „emotion“ das Frauenthema mit einer ehrenvollen Veranstaltung wie der Preisverleihung aufrechterhält, obwohl es derzeit vielleicht nicht so sehr Konjunktur hat, ist wichtig.

Der Emotion Award wird neben der Kategorie „Frauen in Führung“, wo unter anderem die oben genannte Heike Langguth als Leiterin der Bereitschaftspolizei Thüringen sich den Preis verdient hat, auch vergeben in den Kategorien „Soziale Werte“, „Team Sonderpreis Hand in Hand“, „Unternehmerinnen/Gründerinnen“, „Frau der Stunde“ und „Lebenswerk (Rita Süssmuth). Es lohnt sich, sich über die 19 Preisträgerinnen einmal genauer zu informieren – und das geht auf der Internetseite des Emotion Awards. Hier entlang!

Utopien und klare Konturen gegen Politikverdrossenheit

Von Monika Griefahn

Der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 wirft seine Schatten voraus. Um Menschen und besonders junge Menschen (wieder) für Politik zu interessieren, legten die Friedrich-Ebert-Stiftung und unsere SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler den Finger in die Wunde und luden zur alternativen Talkshow ein. Das Thema: „Miteinander reden statt übereinander klagen. Eine alternative Talkshow zur Politikverdrossenheit“.

Der Inhalt und die Frage, was an der Veranstaltung alternativ sein würde, machten mich neugierig, und so ging ich hin. Das Konzept, stellte sich dann heraus, war angelehnt an die Sendung „Hart aber fair“. Die Diskussion in Buchholz wurde per Livestream in Internet übertragen, und „da draußen“ diskutierten Zuhörer mit. Die Verzahnung von Vor-Ort-Debatte und dem Online-Chat gelang indes nicht gut – aufgrund vieler direkter Wortbeiträge wurde der Livechat fast vollständig vergessen und blieb letztlich eine separate Veranstaltung.

Die inhaltliche Analyse war aufschlussreich: Dr. Matthias Micus vom Göttinger Institut für Demokratieforschung nahm die Verdrossenheit der Bürger ernst – sei es nun Politik-, Partei- oder Politikerverdrossenheit. Denn diese Verdrossenheit habe die Parteien als wichtigste Säule des politischen Systems in Deutschland porös und instabil gemacht. Und immer weniger Wahlberechtigte entschieden sich für die Volksparteien.

„Partizipation“, sagte Micus, „hängt vom Interesse ab, und das hängt vom Selbstwirksamkeitsempfinden ab.“ Wo der Glaube herrsche, man könne nichts verändern, da schwinde die Partizipation. Zwar sei das ehrenamtliche Engagement insgesamt gestiegen, aber jene, die schon im Abseits stünden, würden auch durch neue, unkonventionelle Instrumente der Partizipation nicht erreicht. Die Schere klaffe auseinander, und wer aus der Passivität zurückdränge in die Aktivität, tue das meist nicht konstruktiv, sondern pessimistisch und misstrauisch. Micus forderte: „Die etablierten Kräfte müssen Parteien offensiver verteidigen, denn sie sind Filter gegen Populisten.“

Um Menschen wieder für Politik zu gewinnen, so Micus, müssten Parteien sie zunächst über unpolitische Angebote wieder interessieren, erst einmal ohne Eigennutz, denn dann würden Hemmschwellen abgebaut. Das könne schließlich wieder zu politischem Engagement führen. Gleichzeitig forderte er von den Volksparteien, wieder Utopien und Visionen anzubieten, denn: „Eine Mobilisierung überhaupt ergibt sich aus klaren politischen Profilen und Unterscheidbarkeiten.“

Wie politikverdrossen ist die Bevölkerung nun? Die jüngste Kandidatin auf dem Podium, Sophie Röhse vom Jugendrat in Buchholz, sagte: „Ich glaube, es gibt ein Interesse an Politik. Sie ist auch relevant für junge Menschen, aber die fühlen sich nicht repräsentiert.“ Das mag so sein, aber das bedeutet auch, dass es junge Menschen geben muss, die sich aktiv engagieren – wer sonst soll die jungen Leute repräsentieren?

Tatsächlich aber wurden einige Teilnehmer des Podiums nicht besonders wahrgenommen und konnten nicht so recht an der Diskussion partizipieren – genau das, was wir doch nicht wollen. So wurde die junge Sophie Röhse kaum in das Gespräch einbezogen, und der engagierte Kommunalpolitiker Martin Gerdau kam ebenso selten zu Wort. Der Internetchat lief wie gesagt nebenher und war später auch nicht mehr einsehbar.

Die Idee der alternativen Talkshow war also gut, und das Konzept könnte wirklich partizipativ werden – wenn an der Umsetzung noch ein bisschen gearbeitet wird.

Bäume hören nicht auf McKinsey

Von  Petra Reinken

Der Österreicher Erwin Thoma ist gelernter Forst- und Betriebswirt. Heute, mit Mitte 50, ist er Inhaber eines Unternehmens, das Massivholzhäuser baut – und zwar ohne Schrauben, ohne Leim. Er ist auch Autor, und er hat eine Botschaft: Seid wie die Fichte!

„Die Fichte ist der Baum, der am wenigsten kann“, erzählt Erwin Thoma bei einem unterhaltsamen Vortrag in Hollenstedt. Der Zimmereibetrieb Holzbau Mojen hatte dazu ins Weinkonzept im Gewerbegebiet eingeladen. Mehrere hundert Zuhörer ließen sich vom Referenten aus Österreich in die Wunderwelt der Bäume entführen und vom Massivholzbau begeistern. Und vielleicht auch davon, ein bisschen mehr zu sein wie die Fichte, wie der Baum, der am wenigsten kann. „Das Holz der Fichte ist nachgiebig“, sagt Thoma, „der Baum schmalbrüstig, seine flachen Wurzeln überlassen das Erdreich den anderen.“ Trotzdem sei die Fichte der Baum, der sich am weitesten durchgesetzt habe. „Wie kann das sein?“

Thoma löst das Rätsel selbst auf: „Die Fichte, die hätte jeder gerne als Nachbarn. Sie tut niemandem weh, sie kann teilen, sie wird gerne geduldet. Und damit kommt sie am weitesten.“ Diese Kooperationsbereitschaft der Fichte, die sei auch das Credo für sein Leben geworden. Dass er sein Wissen über den Wald, die Bäume und den Massivholzbau in Büchern veröffentliche – es mit anderen teile – das habe sich zig-fach ausgezahlt durch Aufträge bis hin ins ferne Japan. „Bäume hören nicht auf McKinsey“, fasst Thoma zusammen – ein Seitenhieb auf alle Unternehmensberater mit Ellenbogenmentalität.

Eindringlich ließ er die Zuhörer teilhaben an seiner Familiengeschichte: dass er die Firma mit seinem Großvater zusammen gründete, der weise sagte: „Du musst das Holz in seiner besten Form verwenden: schlage es bei abnehmendem Mond“. Dazu ließ er sich mehr überreden als überzeugen, doch heute sagt er in seinem so stark österreichischen Dialekt, dass der Norddeutsche ihn phasenweise kaum versteht: „Wos der Opa g‘wusst hat, des is a Woahnsinn!“ Seine „Mondbäume“ zeigten sich deutlich resistenter gegenüber Pilzen und Insekten als Bäume, die zu anderen Zeiten geschlagen wurden. Chemische Behandlungen, die aus dem Naturstoff Holz Sondermüll machen, brauchen sie nicht.

In seiner besten Form – das bedeutet auch: massiv. Thoma hat eine Massivholzbauweise entwickelt, die einzelne Holzlagen verzapft, sodass keinerlei Schrauben nötig sind. Gleichzeitig behält der Naturstoff seine hervorragenden Eigenschaften was Dämmung, Feuerfestigkeit und Temperaturkonstanz angeht. Der Unternehmer hat all dies in seiner Laufbahn beweisen müssen, um Baugenehmigungen zu bekommen. Und zusammen mit dem Mediziner Maximilian Moser bewies er auch noch, dass das Wohnen im Holzhaus den Menschen gesundheitlich guttut: Es stärkt das Immun- und Nervensystem und sorgt für einen tieferen Schlaf. Der Herzschlag verlangsamt sich. Thoma selbst scheint der beste Beweis: Es ist 55 Jahre alt und dabei ein Mann mit unbändiger Energie. Sein Vortrag trägt weit über den Abend hinaus. Bleibt nur am Ende die Frage, was man nun tun soll, mit dem Backsteinhaus, in dem man wohnt.

… dann kommt der Preis eben zu ihr

Von Monika Griefahn / Right Livelihood Award Foundation

Eigentlich haben wir den letzten Right Livelihood Award („Alternativen Nobelpreis“) im November 2016 verliehen. Da aber unsere Preisträgerin Mozn Hassan aus Ägypten nicht ausreisen durfte, konnte sie an der Zeremonie in Stockholm nicht teilnehmen. Nun kam der Preis zu ihr: Eine Delegation unserer Stiftung, begleitet von Abgeordneten aus dem deutschen, schwedischen und dem Europaparlament war Ende März in Kairo, um das Engagement der Frauenrechtlerin Mozn Hassan und der Gruppe Nazra zu würdigen und ihr den Preis zu überreichen.

Wir hoffen, ihrem Anliegen damit eine Stimme zu verleihen und der jungen Frau und ihren MitstreiterInnen Stärke zu geben. Denn: Ihre Situation ist schwierig. Aufgrund ihres Engagements für die Gleichstellung von Mann und Frau droht ihr die Schließung der Organisation. Die Konten sind bereits eingefroren, sodass keine Gehälter oder Mieten mehr bezahlt werden können. Mit einem neuen NGO-Gesetz versucht die ägyptische Regierung, alle Bürger, die nicht ausschließlich die Meinung der Regierung vertreten, mundtot zu machen. Nach diesem Gesetz ist es verboten ausländisches Geld für zivilgesellschaftliche Arbeit in Ägypten anzunehmen. Die Angst war vor und selbst bei der feierlichen Zeremonie immer im Raum, und dennoch blieb Mozn Hassan mutig und unerschrocken. Sie reiht sich ein in die Riege der Preisträger, die die drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angehen – auch unter Lebensgefahr.

Für unsere Delegation war die Reise eine Gelegenheit, die fragile Situation in Ägypten hautnah zu erleben. Im Vorhinein war nicht klar, ob wir einreisen durften, ob wir den Raum, den wir angemietet hatten, wirklich für die Feierlichkeiten nutzen konnten und ähnliche Unsicherheiten mehr. Es hat geklappt, und viele engagierte Menschen aus der ägyptischen Gesellschaft sind gekommen und haben einen Abend lang gefeiert. Viele fühlten sich gestärkt – allein dadurch, dass die Right Livelihood Award Foundation sie beachtet und würdigt.

Leider wissen wir nicht, wie lange die scheinbare Ruhe hält. Am nächsten Tag, nachdem wir das Büro von Nazra besucht hatten, kam die Geheimpolizei. Wie lange die Organisation – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – überhaupt noch arbeiten kann, ist unklar.

Nachfolgend die Pressemitteilung, die unsere Stiftung über die Preisverleihung herausgegeben hat:

Trotz Ausreiseverbot: Ägyptische Feministin Mozn Hassan erhält ihren „Alternativen Nobelpreis“

Die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, die sich derzeit nicht international bewegen kann und der eine 25-jährige Haftstrafe droht, hat ihren „Alternativen Nobelpreis“ in einer privaten Zeremonie in Kairo entgegengenommen.

Sie erhielt ihn gemeinsam mit ihrer Organisation Nazra für feministische Studien „für ihr Bestehen auf Frauenrechte und auf die Gleichstellung der Frau in Umständen, in denen sie und ihre Organisation Opfer von fortdauernder Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung sind.“

Hassan konnte der Verleihungszeremonie in Stockholm im November 2016 nicht beiwohnen, da sie Ausreiseverbot hat. Die ägyptischen Machthaber verhängten es gegen sie und andere prominente Aktivisten. Ihr Vermögen und das von Nazra ist eingefroren – Teil von derzeit laufenden Ermittlungen gegen diverse ägyptische NGOs mit dem Vorwurf, ausländische Gelder angenommen zu haben.

In ihrer Dankesrede sagte Hassan: “Die Entscheidung der Right Livelihood Award Stiftung, für die Preisverleihung nach Ägypten zu kommen, ist wirklich wichtig. Denn sie bedeutet, dass uns Wertschätzung und Solidarität auch bei einem Ausreiseverbot erreichen kann. Heute fühlen wir, dass die Arbeit der ägyptischen Frauenrechtlerinnen, besonders nach 2011, von verschiedenen Akteuren auf der ganzen Welt gesehen und wertgeschätzt wird.“

Zur Verleihung, die auf dem Restaurant-Schiff Le Pacha 1901 stattfand, kamen rund 150 Gäste, darunter wichtige Personen der ägyptischen Zivilgesellschaft, europäische und ägyptische Parlamentarier, andere Preisträger, Diplomaten und Würdenträger.

Die Stiftungsvorsitzende Monika Griefahn überreichte den Preis. „Mozn Hassan und Nazra für feministische Studien verkörpern die jüngste Generation in einer langen Reihe von Anführerinnen der ägyptischen Frauenbewegung. Alle haben eine unglaublich wichtige Rolle gespielt, um die Gleichberechtigung im Land voranzubringen.“

„Die derzeitigen Sanktionen gegen Mozn Hassan und Nazra sind nicht nur ungerecht, sondern machen es auch schwieriger, ihre wichtige Botschaft weiter zu verbreiten und den Frauen in Ägypten und im weiteren Nahen Osten Stärke zu geben“, fügte Griefahn hinzu. Sie forderte, dass alle Anschuldigungen gegen Hassan fallengelassen werden sollten.

In der Zeremonie sprach auch Lynn Boylan, die im europäischen Parlament die Sinn Féin Partei vertritt. Sie sagte: „Überall auf der Welt versuchen jene, die sich von starken Frauen bedroht fühlen, diese loszuwerden und zu beleidigen. Aber Feministen werden sich nicht unterkriegen lassen. Jede neue Generation wird weiter starke und mutige Frauen haben bis die Gleichberechtigung durchgesetzt ist.“

Cecilia Magnusson, Mitglied im schwedischen Parlament, sagte: „Auch in Schweden gibt es für Frauenrechte noch etwas zu tun, aber es ist wichtig, dass wir, die wir schon so viel erreicht haben, jenen den Rücken stärken, die in anderen Ländern kämpfen, wo noch so viel im Argen liegt.“

Bärbel Höhn als Mitglied im Deutschen Bundestag sagte: „In Deutschland haben wir ebenfalls hart für unsere Rechte kämpfen müssen. Es brauchte Veränderungen in der Gesellschaft, auch Veränderungen in der Sichtweise der Männer, die nicht gewillt waren ihre Macht abzugeben. Aber es ist Fakt: Eine Gesellschaft, die die Fähigkeiten von der Hälfte der Bürger ungenutzt lässt – also die der Frauen -, wird nie die besten Ergebnisse erzielen und verschwendet ihre Möglichkeiten.

Mit der Verleihung des „Alternativen Nobelpreises“ an Mozn Hassan und Nazra geht die Auszeichnung das dritte Mal an Menschen und Organisationen in Ägypten: 1980 bekam Hassan Fathy, bekannt als der „Architekt der armen Leute“ den Preis. Die Entwicklungsinitiative Sekem und ihr Gründer Ibrahim Abouleish erhielten die Auszeichnung im Jahr 2003.

Zur Organisation Nazra

Internationale Umweltaktivisten diskutieren über Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

Beim diesjährigen Treffen internationaler Umweltpreisträger in Freiburg interessierten sich Teilnehmer aus Brasilien, China, Indien und anderen Ländern auch für das Cradle to Cradle Designkonzept. Wir hatten nach dem einführenden Vortag über das Konzept eine lebhafte, interessante Diskussion.

Das Treffen der internationalen Umweltpreisträger wird alljährlich von der European Environment Foundation organisiert. Es gibt den Teilnehmern die Chance, sich kennenzulernen und im Idealfall gemeinsam grenzübergreifend zu arbeiten. Ungefähr 100 Aktivisten nehmen in jedem Jahr teil. Die engagierten Menschen haben es in ihren Ländern nicht immer leicht – so ist die Jahrestagung auch eine Möglichkeit, unter Gleichgesinnten Kraft zu tanken für die Herausforderungen der eigenen Arbeit. Dass Umweltschützer unter Umständen gefährlich leben, zeigen Beispiele wie das von Berta Cáceres, die 2016 in ihrem Haus in Honduras getötet wurde, weil sie sich unter anderem gegen illegale Bauprojekte einsetzte. Die Preisträger verfassten auch aus diesem Anlass zum Ende der Konferenz einen Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten (siehe PDF am Ende des Artikels).

In meinem Workshop zu Cradle to Cradle, überschlugen sich die Teilnehmer mit Fragen und Diskussionsbeiträgen. Besonders interessant für mich waren in der Diskussion zwei Themen: Zum einen die Frage, ob C2C-Produktionen immer teurer seien als herkömmliche. Das konnte ich verneinen, denn oft geht die Veränderung eines Produkts nach C2C-Kriterien mit einer Verringerung der Inhaltsstoffe einher. Die alte Rezeptur zu entschlüsseln und eine neue zu entwickeln, mag mehr Geld kosten. Das neue Produkt selbst kann dann aber unter Umständen sogar günstiger werden als das alte.

Zum anderen verfochten die Teilnehmer die Ansicht, man brauche ein Label, um die C2C-Wertigkeit deutlich zu machen. Nun ist es auch bei Cradle to Cradle möglich, einen Zertifizierungsprozess zu durchlaufen. Der zeigt in verschiedenen Abstufungen von Basic bis Platin, wie sehr sich ein Hersteller schon mit seinem Produkt beschäftigt hat: Wie gut kennt er die Inhaltsstoffe, hat er problematische Inhaltsstoffe ausgetauscht, hat er ein funktionierendes Rücknahmesystem entwickelt? Letztlich aber geht es doch hauptsächlich um Transparenz, die auch ohne Label möglich ist. Der Zertifizierungsprozess macht das Produkt letztlich teurer. Offenbar aber sorgen Zertifizierungen für eine höhere Glaubwürdigkeit – mindestens im internationalen Kontext – sodass jedes Unternehmen überlegen muss, ob sich der Prozess bezahlt macht. Die Teilnehmer des Workshops jedenfalls fanden ein Label zur Orientierung wichtig.

Ich freue mich, Cradle to Cradle international bekannter gemacht zu haben. Nun hoffe ich, dass sie in ihren Ländern davon erzählen – bei den Kollegen aus den NGOs, den Unternehmen und den Kommunen. Anregungen gab es in der lebhaften Diskussion dazu allemal.

Masterclass-Video hier ansehen

Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten

„Inside Fukushima“

Von Monika Griefahn (Foto: Andreas Conradt)

Wie wichtig, dass wir uns das alle noch einmal klarmachen: Anlässlich des sechsten Jahrestages der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat das Literaturfestival „Lesen ohne Atomstrom“ ein fast vergessenes Thema aufgegriffen: „Wegwerfarbeiter“ in Atomkraftwerken. Die Diskussionsrunde in Hamburg, die ich moderiert habe, war großartig besetzt: Der japanische Journalist Tomohiko Suzuki stellte sein Buch „Inside Fukushima“ vor, das nur wenige Tage zuvor auf Deutsch erschienen war. Und weil er dafür undercover in dem havarierten Atomkraftwerk gearbeitet hatte, war es mehr als naheliegend, den deutschen Enthüllungsautoren Günter Wallraff mit aufs Podium zu holen. Auch er hatte in den 1980er Jahren undercover die Strukturen der Personalrekrutierung für Atomkraftwerke aufgedeckt. Schauspielerin Anna Thalbach las mit beeindruckender Wirkung aus „Inside Fukushima“, und Sebastian Pflugbeil als Kenner der Atomszene und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz  sorgte für viele Details auch aus den nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden. Wäre es nicht so ein bedrückendes Thema gewesen, wären die Erlebnisse der Undercover-Recherchen nicht so entsetzlich – und entsetzlich ähnlich –, die rund 500 Zuhörer und ich hätten beschwingt nach Hause gehen können.

Doch was wir hörten, war ernüchternd: Die Arbeiter seien einfache Menschen, die Geld bräuchten, beschreibt Suzuki seine Kollegen aus der Undercover-Zeit. Die Rekrutierung läge in den Händen der japanischen Mafia, der Yakuza. Ihre Angehörige seien anerkannte Personen und hervorragend in der Gesellschaft verankert.

Nichts anderes berichtet Günter Wallraff aus den 1980er Jahren in Deutschland. Die „Menschenhändler, die die Mitarbeiter für besonders gefährliche Aufgaben in Atomkraftwerken rekrutierten, seien bestens vernetzt und angesehen in der lokalen Politik gewesen. Sie hätten sogar Obdachlose rekrutiert, da die Höchst-Strahlendosis seinerzeit für die Arbeiter sehr schnell erreicht wurde und man jede Menge Leute benötigte. Nicht umsonst nennen Kritiker diese Menschen „Wegwerfarbeiter“.

Tatsächlich stützt auch Atomkenner und –kritiker Sebastian Pflugbeil diese Aussagen auf Basis zur Verfügung stehender Daten. Im regulären Betrieb von 17 deutschen AKW standen 2009 nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken den knapp 6000 Mitarbeitern des Eigenpersonals, die in Bezug auf die Strahlenbelastung überwacht werden, gut 24.000 überwachte Fremdarbeiter gegenüber. „Festangestellte Fachleute“, stelle Pflugbeil nüchtern fest, „sind zu teuer, um sie hohen Strahlendosen auszusetzen, sie sind dann zu schnell nicht mehr einsetzbar.“

Japans Umgang mit der Atomkraft ist für ihn befremdlich. Trotz der Erfahrung mit den zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgeworfenen Atombomben in Hiroshima und Nagasaki schöben die Menschen das Thema gerne weg. An Hochschulen gebe es eine Furcht, sich mit dem Thema zu beschäftigen – Projekte, die die Gefahr plastisch machen, würden zurückgezogen.

Das bestätigt auch Suzuki: Die Folgen des Fukushima-Tsunamis seien nicht so dramatisch gewesen, wie zunächst befürchtet. So habe sich mehrheitlich der Eindruck durchgesetzt, der Unfall gefährde den Alltag nicht und man würde die Kernenergie schon in den Griff bekommen. Dennoch glaubt er, dass es irgendwann keine Atomkraftwerke auf der Welt mehr geben werde. Vielleicht trägt er mit seinem Buch ein kleines bisschen zu diesem Ziel bei.

Zum Buch „Inside Fukushima“

Zur Veranstaltung „Lesen ohne Atomstrom“

 

Nichts geht verloren! Cradle to Cradle Pioniere aus der Textilbranche diskutieren

Vom Cradle to Cradle e.V. – leicht geändert, leicht gekürzt und mit herzlichem Dank!


Die geliebte Jeansjacke wandert, nachdem sie lange gute Dienste erwiesen hat, einfach auf den Kompost und bleibt so als Nährstoff im natürlichen Kreislauf erhalten. Die metallischen Knöpfe werden zu einem neuen Rohstoff im technischen Kreislauf… Nichts geht verloren!

So kann nach dem Cradle to Cradle Konzept die Zukunft unsere Textilien aussehen. Welche Erfolge mit Cradle to Cradle im Textilbereich bereits erzielt wurden, welche innovativen Ideen nur noch auf ihre Umsetzung warten und welche Hürden noch genommen werden müssen, darum ging es beim Expertenforum #2 „Textilien – Kreisläufe – Beschaffung – Lieferketten“ im Sarah Wiener Restaurant in Berlin. Die Veranstaltung gehört zu einem Format, das branchenbezogen Praktiker aus der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik  zusammenbringen soll.

So diskutierten Experten unter anderem der Textilindustrie, Modedesign, Politik, Beratung und Forschung zu den Themen gesunde Textilien, Materialkreisläufe und transparente Lieferketten. Die Herausforderungen rund um die sortenreine Trennung natürlicher und künstlicher Materialen sowie ihre Rückführung in den natürlichen bzw. technischen Kreislauf, aber auch der grundsätzliche Einsatz gesunder Materialen wurden erörtert.

Zu Beginn betonte Monika Griefahn die Tragweite des Themenfeldes Textilien als wichtigen Bestandteil unseres täglichen Lebens. Cradle to Cradle stehe für Gesundheit, für Qualität und insbesondere für Kreisläufe.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, bezeichnete die Textilbranche als einen der umsatzstärksten Wirtschaftszweige und informierte über die Ziele der Politik: Die Bundesregierung habe sich bis 2020 verpflichtet, die Hälfte der öffentlich beschafften Textilien anhand von Nachhaltigkeitsstandards auszuwählen. Sie unterstrich die Bedeutung der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand.

Designerin Friederike von Wedel-Parlow schilderte ihre einschneidenden Erlebnisse auf der Pariser Modewoche, die sie dazu bewogen, sich mit neuen Konzepten zur Gestaltung von Textilien zu beschäftigen. So stieß sie auf die Cradle to Cradle Idee, welche sie seitdem in ihrer Funktion als Professorin für „Sustainable Design Strategies“ an der Kunsthochschule ESMOD mit Masterstudierenden auf kreative Weise umgesetzt hat. Im Herbst 2016 gründete sie das „Beneficial Design Institute“ und arbeitet dort mit verschiedenen Firmen an der Marktreife von Cradle to Cradle Produkten. Die Aufgabe der zukünftigen Konsumenten sei es dann zu lernen, die genutzten Textilien an die richtigen Adressaten zu geben.

Albin Kälin, Gründer und Geschäftsführer der EPEA Switzerland GmbH, brachte mehrere Praxisbeispiele aus seiner Arbeit mit verschiedenen Textilunternehmen mit. Unter anderem veranschaulichte er die Notwendigkeit eines Neudenkens von Textilien am Bespiel eines BHs, „weil ein BH mit seinen verschiedenen Bestandteilen ein Chemiecocktail ist.“ Für die bisher verwandten Materialien gesunde Alternativen zu finden und diese anschließend sortenrein in ihre entsprechenden Kreisläufe zurückführen zu können, sei eine Herausforderung. Mit den kürzlich in Paris präsentierten Wolford-Produkten sei man ab 2018 auf dem Weg.

Volker Steidel, seines Zeichens geschäftsführender Gesellschafter beim Garn- und Gewebehersteller Lauffenmühle, zeigte unter anderem anhand der Geschichte seines Produkts infinito, wie mit viel schöpferischer Kraft Materialien entwickelt werden können, die echte Lösungen darstellen. Mit der Polymerfaser infinito, die biologisch kreislauffähig ist, könnten wir bereits heute „tolle Produkte machen“, die Cradle to Cradle Standards entsprächen. Er betonte auch die Wichtigkeit von Transparenz „von der Faser bis zum Endprodukt“. Gerade Berufskleidungen seiner Firma, die heute besonders nach Cradle to Cradle Kriterien hergestellt würden, eigneten sich besonders für Kreisläufe.

Nach der offiziellen Diskussionsrunde taten die Gäste das, was auch wichtig ist – etwas essen und die Gespräche untereinander weiterführen. So trafen sich Firmenvertreter und Einzelpersonen – darunter Mitarbeiter aus dem Bundesentwicklungs- und dem Umweltministerium sowie Designer, Vertreter unterschiedlicher C2C Unternehmen und Entscheider verschiedenster Institutionen und Unternehmen.

Ein drittes Expertenforum ist bereits in Planung – voraussichtlich wird es an einem Termin im Sommer um das Thema Verpackungen gehen.

Hier geht es zum Cradle to Cradle e.V.

Nachhaltigkeit bei Immobilien: Energieeffizienz – und dann?

Von Petra Reinken

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Gaaaanz langsam scheint sich die Sichtweise in der Immobilienwirtschaft – und vielleicht auch dann irgendwann in der Bundesförderpolitik – durchzusetzen, dass ein dick gedämmtes Haus vielleicht nicht viel Energie verbraucht, aber doch die eine oder andere neue Schwierigkeit mit sich bringt: schlechte Innenraumluft, technisch aufwändige Lüftungen, um Schimmel zu vermeiden und ähnliches. Beim ECE-Nachhaltigkeitskongress in Hamburg war das das Thema des Tages: Wie sieht die Immobilie von morgen aus, wie sieht die Stadtplanung von morgen aus, wie das Quartier von morgen? Prof. Kunibert Lennerts vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) brachte es in der letzten Diskussionsrunde auf den Punkt: Er wünsche sich bei der Immobilie der Zukunft, dass man auch einfach mal wieder das Fenster aufmachen könne. Erstaunlich deutlich sahen die meisten Teilnehmer dieser Diskussionsrunde den großen Hemmschuh für eine sinnvolle nachhaltige Immobiliensanierung bei der Förderpolitik des Bundes.

Man könne gerade im Bestand nicht alle Häuser über einen Kamm scheren, individuelle Lösungen seien aber in der hoch reglementierten Bauwirtschaft kaum möglich. Und: Es ginge bei den Förderprogrammen fast nur um Neubauten, wo doch das große Potenzial in der Sanierung des Bestandes liege. Die 2016er Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV), die für Neubauten gilt, bringe fast nichts an CO2-Einsparungen, Neubauten würden aber um acht Prozent teurer.

Immerhin, der Zentrale Immobilienaussschuss (ZIA), das Lobbyorgan der Immobilienwirtschaft, ist da tatsächlich schon deutlich weiter. Er wirbt dafür, Quartiere unter ganzheitlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Da müsse es möglich sein, individuell die beste Form der Energieversorgung für den jeweiligen Standort zu prüfen, da müsse Energieberatung für die Mieter dabei sein, da müssten Handwerker qualifiziert werden für komplexe technische Wärmelösungen. Zu meiner Freude und ganz im Sinne des Cradle to Cradle Konzepts kamen sogar Begrünungspläne und soziale Räume in der Quartiersplanung vor.

Am weitesten ging mit seinen Ideen Bernd Schwarzfeld von BZE-Ökoplan: Er forderte, bei Bestandssanierungen und Umnutzungsprojekten in Städten eine eigene Wärmeversorgung zu verbieten und stattdessen nach kreativen Lösungen zu suchen, wie die Energieversorgung aus Überschüssen der Umgebung gewonnen werden könnte. Ob das in jedem Fall realisierbar ist, mag dahingestellt sein, es ist auf aber ein Ziel, das technische Innovationen jenseits der Mainstream-Konzepte anstoßen kann.

Insgesamt aber gab es leider kaum Beiträge in den Diskussionen und Vorträgen, die wegführten vom Credo der Effizienzpolitik. Was leider auch – und das kam ein ums andere Mal durch – daran liegt, dass Themen wie gesunde Innenraumluft, verwendete Materialien oder soziale Komponenten von Wohnungs- und Ladenmietern oder Kunden selten angesprochen werden. Doch den schwarzen Peter woanders hinzuschieben, sollten Investoren und Objektanbieter nur bedingt. Wenn – wie sich in mehreren Gesprächen zeigte – etliche Teilnehmer eines Nachhaltigkeitskongresses ohne groß nachzudenken mit dem Flieger anreisen, aus Städten mit hervorragenden Bahnverbindungen, dann ist da auch auf der eigenen Baustelle noch viel zu tun.

GAME 2016 – Experiences in a scientific exchange program

Ein interessanter Bericht von Dea Fauzia Lestari, Master-Studentin aus Indonesien, die im Rahmen eines Austausch-Projektes in Deutschland zur maritimen Umwelt geforscht hat. AIDA Cruises hat das Projekt unterstützt, und Dea Fauzia Lestari berichtet in Englisch über ihre Forschungsarbeiten.

Von Dea Fauzia Lestari, Indonesien

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“I’d like to share a couple of the hundreds of experiences I had while in Germany for GAME 2016 research exchange.

My name is Dea Fauzia Lestari, currently I’m completing a Master’s degree in Marine Science of Bogor Agricultural University at Indonesia. I joined GAME (Global Approach by Modular Experiment) which was conducted by GEOMAR, Kiel. This research exchange was followed by 10 participants from different universities around the world, such as Germany, Portugal, Spain, Indonesia, Japan, and Chile.

We had 10 months for our program, we spent 4 months in Kiel, Germany (March, October – December 2016) and 6 months in our own countries (April – September 2016). We had many activities during GAME program. For example we visited Geltinger Birk and a fossil beach area in Maasholm. We learned about the importance of protected areas for animals and its relation to human life. Additionally in the fossil beach we learned how to recognize fossil shapes of marine organism which could be found on the flaky rock. Another activity was a one day excursion with Alkor, one of GEOMAR research vessels, it was a very memorable experience. We joined benthos sampling in the Baltic Sea with benthic researchers of the institute.  As young researchers we also got the chance to spend the night at a light house in the Wadden Sea area, a UNESCO world heritage site. During the fieldtrip we observed organisms and phenomena that occurred in the very large intertidal zone.

The main activity of the program was a laboratory experiment using marine filter feeder. We worked together with one foreign partner student. My partner came from Spain, so I did not work alone on the lab. In Indonesia we used Asian green mussel Perna viridis and we took it from Banten Bay, Indonesia. We tested interaction effects of different temperature and microplastic levels (as stressor) on physiological effect. This research is important to investigate the phenomena on the environment which become trending topic like global warming and microplastic pollution. The result showed different responses for each stressor. Perna viridis was highly reactive to heat stress and microplastic on respiration rate but not for the interaction of both stressor. High temperature also influenced the survival rate of this mussel species.

It is not so easy to work together with many different people, different brains, and different characters. But in this program we learned how to make a good team work and respected each other to get to the same main purpose. Many days were used for discussions and data analysis of our experiment result. We were also required to be able to convey and communicate our research results to the public such as in presentations and scientific papers. Hence we got the training about how to have a good presentation and write a scientific journal. After getting the training we presented the research result in Bogor Agricultural University and several universities in Germany such as Kiel, Bremen, Rostock, Oldenburg, and Hamburg University. Additionally, the presentations have been conducted in Toxicology Institute of Kiel, GEOMAR, and school kids.

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We also had the opportunity to present our result in front of our sponsor. In this event I meet the Chief Sustainability Officer of AIDA Cruises as my sponsor. I appreciated this company because it is a company who cares for science and environment issues. This company continually supports the GAME program from year to year. This support is needed by young researchers like me to keep working on science and have the opportunity to work abroad.

After my own experience, I now believe that research exchange programs can develop human resources and are the most powerful way to see another world from science perspective.“

„Alternativer Nobelpreis“ – Besuch beim Bundespräsidenten und im Bundestag

Von Monika Griefahn, Vorsitzende des „Alternativen Nobelpreises“

Right Livelihood Award 2016 Stockholm 11 / 2016 Photo: Wolfgang Schmidt

Right Livelihood Award Stockholm 11/2016; Foto: Wolfgang Schmidt

Zunächst war es eine Hiobsbotschaft, dann machten wir das Beste daraus – und vielleicht ist es jetzt sogar besser als vorher: Der Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) durfte 2016 nicht mehr im schwedischen Reichstag verliehen werden, wo er seit 1985 alljährlich verliehen worden ist. In diesem Jahr also waren wir gezwungen, für die Zeremonie ein Umfeld zu finden, das genauso gut deutlich macht, wie wertvoll dieser Preis für die ist, die ihn bekommen. So erhielten die Preisträger ihre Urkunden 2016 im Stockholmer Vasa Museums vor der Kulisse des pompösen und so kläglich untergegangenen historischen Kriegsschiffes Vasa. Ein wunderbares Symbol für unser Anliegen!

In diesem Jahr ging der Preis an die russische Menschenrechtlerin Svetlana Gannushkina, an die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, an die Redakteure der türkischen Zeitung Cumhuriyet und an den syrischen Zivilschutz „Weißhelme“. Mozn Hassan wurde die Ausreise aus Ägypten verweigert, sie konnte ihre Urkunde nicht persönlich entgegennehmen. Das mag deutlich machen, wie wichtig es ist, dass unser Preis, den Jakob von Uexküll einst ins Leben rief, Öffentlichkeit schaffen kann.

In einem mehrtägigen, internationalen Programm in Schweden, Deutschland und der Schweiz haben wir den Preisträgern Türen geöffnet, ihre Arbeit bekannt zu machen. Besonders hat mich gefreut, dass sich in Deutschland eine neue Parlamentsgruppe „Alternativer Nobelpreis“ gegründet und die Preisträger empfangen hat. Im Europasaal des Bundestages gab es viele Gespräche und bewegende Momente – besonders, als Ahmad al-Jussuf von der riskanten Arbeit der syrischen Weißhelme erzählte (Blog-Artikel „Weißhelme“).

Auch, dass der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck sich Zeit für die Gäste nahm, war Balsam für die Seelen. Alle Preisträger hatten Gelegenheit, weitere Menschen zu treffen, die ihnen bei ihrem Engagement helfen könnten, die ihnen zumindest deutlich machen können, dass sie mit ihrem Anliegen nicht allein sind – darunter Justizminister Heiko Maas und die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Bärbel Kofler. Das war auch in den vergangenen Jahren schon so: Unsere Preisträger sind sehr mutige Leute, sie kämpfen oft unter Einsatz ihres Lebens dafür, die Welt besser zu machen. Mit dem „Alternativen Nobelpreis“ versuchen wir, ihnen jede mögliche Unterstützung zu geben. Öffentlichkeit kann helfen, sie zu schützen.

Das Deutschlandprogramm umfasste zum Beispiel einen Besuch bei „Reporter ohne Grenzen“ für die Vertreter der Tageszeitung Cumhuriyet, einen Auftritt im Deutsch-russischen Forum für Svetlana Gannushkina und ein Gespräch der Weißhelme mit „Human Rights Watch“. In Genf war die Podiumsdiskussion „Speaking Truth to Power“ mit allen Preisträgern hervorragend besucht, und in Zürich sprach Can Dündar in einer öffentlichen Vorlesung an der Universität. Dündar ist der ehemalige Chefredakteur von Cumhuriyet. Er wurde in der Türkei der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen für schuldig befunden, nachdem er darüber berichtet hatte, dass der türkische Geheimdienst islamische Milizen in Syrien mit Munition versorgt hat. Dündar ist nach Deutschland geflohen.

Indes – die Geschichten dieses Jahres waren auch besonders bedrückend. Alljährlich zeigen uns die Preisträger, wie viel Ungerechtigkeit, Willkür und Unglück auf der Welt herrschen. Die Probleme in Deutschland werden kleiner in solchen Momenten. Selten kommt bei ihnen Hoffnungslosigkeit durch, sie sind alle stark und zuversichtlich. Doch in diesem Jahr, vor allem mit dem Blick nach Syrien, war das ein bisschen anders. Wertvoll ist und bleibt jedoch, die Menschen kennenzulernen, die an das Gute glauben. Wenn wir ihnen helfen können, müssen wir es tun.

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