Klima. Wandel. Gerechtigkeit. Welchen Fußabdruck willst du hinterlassen?

Von Moritz Petersmann, Leuphana-Student

Podium mit Monika GriefahnDrei Tage lang elektrisierende Stimmung auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg: Die jährlich stattfindende Konferenzwoche hat es wieder geschafft, viele junge Menschen in ihren Bann zu ziehen. Sie ist ein beeindruckender Höhepunkt des Studienmoduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“  an unserer Universität.

Vom 25.  bis zum 27. Februar machten sich in Lüneburg etwa 1500 Studierende des ersten Semesters bei der Konferenz auf verschiedene Wege des Wandels, um den Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Es lockten große Arenen mit prominenten Gästen wie Klaus Töpfer, langjähriger Direktor bei den Vereinten Nationen, Stefan Wenzel, niedersächsischer Umweltminister, Katharina Fegebank, Landesvorsitzende der Grünen in Hamburg, Menschenrechtsaktivistin Ruth Weiss, Club of Rome-Mitglied Uwe Schneidewind, Starköchin Sarah Wiener oder dem Yale-Philosophen Thomas Pogge.

Doch auch die Studierenden selbst prägen mit der Präsentationen ihrer Forschungsergebnisse die Konferenz maßgeblich mit. Der „Gallery Walk“ verwandelt zum Beispiel den Hörsaalgang dann in eine bunte Messe mit viel Ideenreichtum verwandelt. Ein beeindruckendes Beispiel aus diesem Jahr ist das Projekt „Papp Dich“. Inspiriert durch den „Cradle to Cradle“-Gedanken will die Projektgruppe mit einem flexiblen und nachhaltigen Möbelsystem ein klares Statement setzen für Kreativität und Wirtschaften in Kreisläufen.

Neben den geläufigen Formaten einer Konferenz bietet die Leuphana Konferenzwoche immer auch einige Spezialitäten. So kann man auf der Spielwiese dem Konferenztrubel entfliehen und neben einem wunderbaren Angebot veganer und vegetarischer Köstlichkeiten das Thema gesellschaftliche Verantwortung erkunden. Kunst, Musik und interaktive Formate kultureller und sozialer Initiativen finden dort Platz.

Gast am dritten Konferenztag war auch Monika Griefahn. Zum „Kampf der Strategien“ hatten sich neben ihr auch BUND-Ehrenvorsitzende Angelika Zahrnt, Leonie Bellina, Expertin u.a. zum Thema Environmental Justice (umweltbezogene Gerechtigkeit) und der Dekan der Lüneburger Nachhaltigkeitswissenschaften Leuphana-LogoDaniel Lang auf dem Podium zusammengefunden. Dort wurde klar: Wir brauchen eine integrierende Strategie, die sich Gerechtigkeit zum Ziel (und zum Weg) macht. Das Nebeneinander von Suffizienz-, Konsistenz-, Effizienz- und weiteren Strategien des Wandels reicht also nicht aus. Gefordert ist vor allem auch das Engagement jedes Einzelnen!

Zum Abschluss der Konferenz spürten wir Studenten neben der Erschöpfung dreier intensiver Tage voller Lernen und Begegnung eine Aufbruchsstimmung auf dem Campus. Die wollen wir mitnehmen in das nächste Semester und darüber hinaus. Damit ist klar: Die Konferenzwoche hat ihr Ziel erreicht. Sie setzt Impulse für Transformation – im Kleinen wie im Großen.

Nächstes Jahr, Ende Februar 2016, ist es wieder soweit. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen und willkommen. Wir sehen uns!

Zur Leuphana-Konferenzwoche

Die Berlinale bleibt politisch

Von Monika Griefahn

Berlinale - mit Benny Andersson von ABBA.

Bewegende Bilder sind wieder in Berlin zu sehen – wie jedes Jahr im Februar. Die Berlinale läuft, die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Sie sind ein Publikumsfestival. Mehr als 300.000 Eintrittskarten zählen die Kinokassen, und nahezu 20.000 Fachbesucher aus 124 Ländern tummeln sich im halbwinterlichen Berlin.

Und Dieter Kosslick, jetzt zum 14. Mal Direktor dieses wichtigen A-Festivals der Filmbranche, zeigt es allen: Mit „Taxi“ wird zum wiederholten Male Jafar Panahi aus dem Iran präsentiert, der eigentlich Arbeitsverbot hat und im Gefängnis sitzen müsste. Und dennoch erhält sich der Regisseur seine bissige und satirische Sicht auf sein Land und die politischen Verhältnisse. Er hat eine Low-Budget Produktion verwirklicht, die zuweilen auch die Lachmuskeln beschäftigt. Panahi selbst sitzt am Steuer eines Taxis, und die vielen Fahrgäste erzählen die Facetten des Lebens. Ein Mann fordert die Todesstrafe für Nichtigkeiten, ein anderer macht nach einem Motorradumfall ein Handy-Testament zugunsten seiner Frau. Dazu muss man wissen, dass im Fall des Todes des Mannes eine Frau vollkommen rechtlos ist… Eine Anwältin fährt mit – sie besucht eine Gefangene im Hungerstreik und hat Rosen dabei. Wie lange sie selbst noch praktizieren darf, weiß sie nicht.

Herauszuheben ist auch „Ixcanul Vulcano“, ein Film von Jayro Bustamante, der auf einfühlsame Weise beschreibt, wie die armen Bauern in Guatemala noch immer fast Leibeigene der Landbesitzer sind. Selbst Babys werden unter der Behauptung weggenommen, sie seien tot.

Eine Kinderjury gibt es bei der Berlinale ebenfalls, und die Jugendlichen kommen auf ihre Kosten, zum Beispiel mit dem schwedischen Film „The Circle“. Der Streifen zeigt unter der Handlung mit allerlei Hexen-Brimborium das Zusammenwachsen von fünf Mädchen zu Freundinnen. Attraktion bei dieser Film-Präsentation waren allerdings neben den fünf hübschen Schwedinnen der ABBA-Sänger und Komponist Benny Andersson (Bild oben, 2. v.r.) und sein Sohn Ludvig, selbst Songwriter und Musiker.

Auch wenn es zur Berlinale immer viel Glamour und Glitzer in Berlin gibt, so zeigt die Branche doch auch, dass das Medium Film politisch sein und Geschichte und Zeitgeschehen auf interessante, intensive Weise vermitteln kann. Ich wünsche Dieter Kosslick noch viele produktive Jahre und freue mich, dass sein Vertrag gerade bis 2019 verlängert wurde.

Berlinale

Neuer Wind in Ägypten

Von Monika Griefahn

Sekem-Besuch

Ich komme gerade aus Kairo zurück, wo ich als Vorstandsmitglied der Heliopolis-Universität unterwegs war. Die Nachhaltigkeits-Universität Heliopolis gehört zu Sekem, einer Initiative für organischen Landbau und ganzheitliche Produktion, die tausenden Menschen dort Arbeit gibt. An der Uni, die 2012 gegründet wurde, werden inzwischen 554 Studenten ausgebildet, davon 397 in (Pflanzen-)Pharmazie, 92 Ingenieure, und 65 in Sustainable Business und Marketing.

Nicht nur reine Fachausbildung wird dort geleistet, sondern die zum Teil sehr schüchternen Studenten entwickeln sich zu Persönlichkeiten und lernen auch, dass Musik, Kunst und anderen soziale Fähigkeiten ihnen helfen, Konflikte anders anzugehen und auf andere zuzugehen. Das sind die Menschen, die wir in einem Land, dass so viele Umstürze hinter sich, aber noch nie echte Demokratie erlebt hat, dringend brauchen. Ägypten ist aber ein Land, in dem gute Hoffnungen bestehen, dass der arabische Frühling dauerhaft Früchte trägt – umso wichtiger ist das Engagement der Heliopolis.

Die Forschungen an der Universität zeigen auch, dass nur biologischer Landbau die zukünftige Ernährung sichern kann – nicht Gentechnik oder andere konventionelle Techniken. Sekem ist ohnehin seit Jahrzehnten der beste Beweis dafür.

Das bedeutet kein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert, wie so oft geunkt wird. Denn in der biologischen Landwirtschaft kommen gleichwohl neueste Techniken zum Einsatz. In Sekem arbeitet man mit Solarpumpen, die die unterirdische Bewässerungen der Felder noch nachhaltiger gestalten, und  mit Gewächshäusern aus Photovoltaikplatten, die Aquakultur ermöglichen. Das Projekt wird von der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft der KfW, gefördert. Mit Extrakten aus Heilkräutern ist es außerdem möglich, nicht gewünschte Insekten fernzuhalten.

Vieles, was die Uni erforscht oder lehrt, kommt auch gleichzeitig direkt der „Commmunity“ – was Gemeinde und Gemeinschaft bedeutet – zugute. Beispiel Wasser – ein rares Gut in Ägypten. Im Prinzip müssen 40 Prozent des Wassers importiert werden, also geht alles darum, den „Wasserfußabdruck“ zu verringern. Aber wie, wenn man weiß, dass für eine Pizzaschnitte schon 1260 Liter verbraucht werden? Das rechnete Dr. Hani Sewilami von der RWTH Aachen vor (Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen). Frische organische Lebensmittel sind da eine Alternative. Wie anerkannt Sekem inzwischen ist, zeigt, dass auch die internationale Demeter-Gesellschaft im Juni in Sekem tagen wird – ein Bio-Verband, der eine lange Tradition hat und hohes Vertrauen genießt.

Die drei Säulen der Heliopolis-Universität verbinden Bildung und Forschung mit Anwendung in der „Community“. Wenn man die leuchtenden Augen der Studenten bei der Präsentation ihrer Labors sieht, dann weiß man, dass die Sekem-Gruppe um den Alternativen Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish mit der Verwirklichung ihrer Vision die richtige Entscheidung getroffen hat: Inzwischen bestehen ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Firma, die die Produkte verarbeitet, ein Kindergarten und eine Schule, eine Lehrwerkstatt… Da war es ganz folgerichtig, auch eine Universität zu gründen, um die Erfahrungen aus der Initiative weiterzutragen, aber auch, um sie zu dokumentieren und weiter zu erforschen.

Lassen Sie uns diese engagierten und mutigen Menschen unterstützen!

Das ist Sekem.

Das ist die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.

Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz!

Von Monika Griefahn

SPD-Neujahrsempfang Hanstedt

Unsere Gesellschaft altert, und das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft und auf die Systeme, die unsere Gesellschaft zusammenhalten: Es fehlen beispielsweise Fachkräfte, und bald hat ein aktiver Beschäftigter für einen Rentner aufzukommen. Politik muss darauf reagieren, umso mehr, als angesichts dieser Tatsachen Ängste in der Bevölkerung zu überwinden sind – die Ängste vor fremden Namen und anderer Hautfarbe. Einreisewilligen per se den Weg zu versperren, ist aber nicht der richtige Weg. Viele Flüchtlinge, die zurzeit aus Syrien und anderen Unruheländern kommen, brauchen eine Zuflucht und sind oft gut ausgebildete Menschen. Sie können und wollen sofort hier arbeiten, und sie wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen.

Es gibt auch genug Angebote von Firmen für viele dieser Menschen. Und es gibt zahlreiche Hilfsangebote von Nachbarn und anderen Engagierten, beim „Hier-heimisch-Werden“ zu helfen – sei es durch Sprachkurse, durch praktische Hilfe mit Behörden oder einfach freundliche Nachbarschaft. Landkreise unterstützen das oft, zum Beispiel mit der Ausbildung von ehrenamtlichen Integrationslotsen. Umso weniger ist zu akzeptieren, dass einige Menschen und Gruppierungen besonders in Städten, wo es wenige Auswärtige gibt, Angst verbreiten.

Wir benötigen aber natürlich für ein friedliches Zusammenleben eine sinnvolle und funktionierende Verteilung von Flüchtlingen, genügend Angebote, unsere Sprache zu lernen und Beschäftigungsmöglichkeiten für alle, die bei uns Schutz suchen. Denn Menschen mit teils traumatischen Erlebnissen, die mit Fremden auf engem Raum und ohne Perspektive über längere Zeit lebMonika Griefahn, Yasmin Fahimien müssen, werden mutlos und unter Umständen aggressiv. Insofern hat Yasmin Fahimi Recht, wenn sie dazu aufruft, schnell ein Einwanderungsgesetz zu beschließen. Die Generalsekretärin der SPD war am 18. Januar beim traditionellen Neujahrsempfang der SPD in Hanstedt (Fotos) zu Gast und warb dort dafür, Einwanderung positiv mit Leben zu füllen.

Es hilft niemanden, wenn Menschen auf der einen Seite nicht arbeiten können und gezwungen werden, monatelang im Notaufnahmelager zu leben, und auf der anderen Seite Anwohner sich beschweren, dass die zu uns Gekommenen nichts tun und aus Steuergeldern versorgt werden. Ein Einwanderungsgesetz kann das regeln.

Uns geht es immer noch sehr gut in Deutschland. Seien wir dankbar, dass wir nicht im Krieg leben. Und lassen Sie uns ein wenig teilen. Jeder hat etwas übrig: der eine Winterkleidung, der andere Zeit. Was uns im Großen und Ganzen in unserer Gesellschaft doch manchmal verloren gegangen ist, ist Wärme und Mitgefühl. Ich bin sehr froh, dass ich beides bei vielen, die sich für die Flüchtlinge engagieren und gegen Pegida demonstrieren, wiedergefunden habe. Danke.

Je suis Charlie

Ich bin bestürzt. Ich bin traurig. Ich bin wütend.

Ich bin bestürzt, weil ich dieses Ausmaß an Brutalität mir vor wenigen Monaten noch nicht habe vorstellen können, auch wenn es durch die Massaker in Syrien immer näher gekommen ist.

Ich bin traurig, weil ich Charlie Hebdo und seine Menschen seit vielen Jahren kenne. Besonders schätzen gelernt habe ich sie in der Zeit , als der französische Staat selbst Terror ausgeübt hat und durch seinen Geheimdienst DGSE das Greenpeace Schiff Rainbow Warrior in Neuseeland mit einen Bombenanschlag versenken ließ. Dabei starb der Fotograph Fernando Pereira. Ich arbeitete in der Zeit der Aufklärung des Falls in Paris. Die Kollegen von Charlie Hebdo waren in der Gruppe der Wenigen, die uns halfen und uns nicht als Staatsfeinde betrachteten. Sie trugen erheblich zur Aufklärung des Anschlages bei. Und nun mussten sie selbst sterben.

Ich bin wütend, dass es uns nicht gelungen ist, die Werte der Aufklärung allen in unserer Gesellschaft nahezubringen. Aus unserer Mitte ziehen junge (vorwiegend) Männer in den „Heiligen Krieg“ und kommen verroht und zu Terrormaschinen ausgebildet zurück. Das rüttelt an unserer Freiheit. Schon werden die Rufe nach strengeren Gesetzen und -wie in Frankreich von der Rechten um Le Pen verlautbart – nach Todesstrafe lauter.

Umso wichtiger ist es jetzt, dass alle, die für Demokratie und Freiheit kämpfen, zusammenstehen und an jeder Stelle – auch auf der Straße, aber auch an den Wahlurnen – dafür eintreten und sich nicht raushalten. Ich werde dabei sein!

Für Freiheit und Demokratie!

Aufruf zur Kundgebung am Montag, 12. Januar 2015 von 18 bis 20 Uhr, auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz in Hamburg (weitere Aufrufe und Termine untenstehend).

Je suis Charlie

Die Organisatoren, darunter der DGB, rufen Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften, Kulturschaffende, Gewerkschaften und Unternehmer/innen in Hamburg auf, um nach dem Anschlag auf das Pariser Satire-Magazin auf einer Kundgebung für Freiheit und Demokratie und gegen Terror, Rassismus und Ausgrenzung aufzustehen. Dieser Anschlag ist ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit und unsere Werte. Wir alle sind gefordert, uns gegen den Hass zu wehren, mit dem uns die Terroristen und Rassisten anstecken wollen. Am Montag sagen wir unmissverständlich: wir lassen die Radikalisierung unserer Gesellschaft nicht zu.

Liste der SPD mit Terminen zu Demonstrationen für Freiheit ohne Angst.

Appell von Campact.

Stille Lichterkette in Buchholz; Aufruf von Greenpeace-, Amnesty- und  Friedensgruppe in Buchholz: Montag, 12.1.2015, 18.00 -18.30 Uhr, Treffpunkt Pauluskirche 18 Uhr.

Das sind tolle Beispiele für den Cradle-to-Cradle-Gedanken!

Von Monika Griefahn

Diskussionsrunde in Weiden

Michael Spitzbarth (Foto unten, links), Gründer und CEO der „bleed clothing gmbh“ macht es vor: Er ist Textildesigner und war irgendwann nicht mehr zufrieden mit den herkömmlichen Kollektionen. Kurzerhand gründet er sein eigenes Label: bleed. „Bluten?“ fragte ich mich als Moderatorin der Veranstaltung „Ressourceneffizienz neu denken und neu handeln“ des Netzwerkes Ressourceneffizienz und des RKW Bayern in Weiden. Ich gruselte mich ein wenig. Doch da wird Michael Spitzbarth genauer. Er produziere Outdoor- und Freizeitkleidung aus biologischer Baumwolle – eine faire Produktion und vegan nach dazu, also ohne Leder und Fell. Stattdessen setzt der Designer Kork ein und unterstützt damit auch die klammen Korkbauern in Portugal.

Monika Griefahn im Gespräch

Der Betrieb von Michael Spitzbarth ist klein, nur sechs Mitarbeiter sind dort tätig. Deshalb macht der Chef viel selbst: Kontrolle der Lieferanten vor Ort, Kollektionen prüfen und eben auch über das reden, was er tut, auf Veranstaltungen wie dieser. Der Designer zeigt, dass man etwas ändern kann, wenn man sich nur drum kümmert. Und das ist ja auch das, was Cradle to Cradle will: dass man positive Substanzen aussucht, die dem Menschen und der Umwelt nicht schaden, sondern nützen. Substanzen, die faire Arbeitsverhältnisse erlauben in Unternehmen, die für ihre Produktion erneuerbare Energien nutzen.

Und solche Beispiele gab es einige bei der Veranstaltung in Weiden. So präsentierte Werner Maass, der Mitglied der Geschäftsleitung des VDI Zentrums für Ressourceneffizienz in Berlin ist, das Beispiel einer Firma, die jetzt LED-Glühbirnen in herkömmlichem Design aus nur sechs Komponenten zusammensteckt. Das macht die Einzelbestandteile wieder leichter trenn- und recyclebar. Das ist eine Revolution nach all den zusammengeklebten und ineffektiven, Müll verursachenden Energiesparlampen der letzten Jahre! Und das Beste: Diese neuen Lampen kann man in Zukunft bei einem großen nordeuropäischem Möbelhaus kaufen – auch das ist ein Fortschritt.

Mit auf dem Podium war auch Michael Korndörfer (Foto: rechts) von der CERC Umweltberatung, der darauf hinwies, dass gerade Holz in Kaskaden genutzt werden und nicht sofort als Pellet in Heizungsanlagen landen sollte. Ein Baum sollte mindestens eine so lange Lebensdauer haben, wie er gebraucht hat, um für uns zu Holz zu werden.

Dem RKW Bayern ist große Anerkennung und Dank auszusprechen, dass sie den bayrischen Mittelstandsunternehmen mit der Veranstaltung aufgezeigt hat, was alles möglich ist und dass die Innovationen gerade aus dem Mittelstand kommen. Wenn das kein Ansporn für mehr ist!

Michael Spitzbarth und Michael Korndörfer._blog

Hundertprozentig positiver Fußabdruck

Von Ina Rieck

Beim Cradle-to-Cradle-Kongress

„Es geht darum, die Menschen als Chance zu sehen und zu feiern!“ rief Professor Michael Braungart dem Auditorium zu. Und so kam es auch. Der erste Cradle to Cradle (C2C) Kongress am Wochenende an der Leuphana Universität in Lüneburg war ein regelrechtes Fest: ein Feuerwerk an Ideen und Inspiration, das Lust macht auf Mehr und Mut für die Zukunft. Mit dabei: Über 600 Menschen, quer durch alle Bereiche von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik bis Kultur und Zivilgesellschaft.
Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende des Cradle to Cradle  – Von der Wiege zur Wiege e. V., nannte den Kongress ein Meilenstein zum Ziel, dass die Vision C2C in naher Zukunft selbstverständlich ist.

Was ist C2C? Dieses radikal andere Umweltverständnis verdanken wir Professor Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough: Wir sollen mit der Umwelt nicht sparsamer, sondern intelligenter umgehen! Es ist die Vision einer Welt ohne Abfall. Kompostierbare T-Shirts werden zu Humus, Metalle werden unendlich oft zu Waschmaschinen. In dieser Kreislaufwirtschaft sind Menschen Nützlinge mit positivem Fußabdruck.

In einer scharfsinnigen Rede kritisierte Braungart bisherige Strategien: „Ökoeffizienz reicht nicht. Falsches effizient gemacht, wird nicht gut.“ Die erste Frage müsse deshalb sein: Was ist das Richtige? Es geht ihm um Effektivität, nicht um Effizienz: „Treppensteigen kostet fünfmal mehr Energie, als den Aufzug zu nehmen und ist dennoch sinnvoll für die Gesundheit. Auch Lippenstift ist vollkommen ineffizient, aber sehr effektiv.“
Dr. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Schriftsteller, bezeichnete in seiner Keynote C2C als vierte industrielle Revolution. Seine Antwort auf Kritik, das Konzept sei weder technologisch noch gesellschaftlich umsetzbar: „Mangel an Fantasie ist nicht zu verwechseln mit Realismus.“

Der C2C Verein hatte im Vorfeld betont, der Kongress sollte keine wissenschaftliche Veranstaltung werden. Das ist gelungen: Die Fantasie der Teilnehmenden wurde genährt, praktische Anregungen gab es in den zahlreichen Vorträgen, Workshops und Diskussionen im Überfluss. C2C begegnet einem im Alltag öfter als man meint: in Sitzbezügen, Teppichen, Verpackungen, Spülmitteln – und Lippenstiften. Schönheit, Vielfalt und Qualität sind also möglich, wenn Ingenieure, Designer und Marketing anders denken und zusammenarbeiten.

Anders, positiv anders, waren auch Stimmung und Atmosphäre. Das lag daran, dass die Veranstalter vieles auch anders organisiert hatten: vegetarisches Catering, zubereitet in Zelten, wiederbefüllbare Flaschen zum Mit-Nachhause-Nehmen, „essbare“ Kongressunterlagen auf C2C-Papier und Strom, sehr effektiv über Kunst generiert. Dr. Monika Griefahn und ihr junges Team aus vielen ehrenamtlichen Helfern wurden mit minutenlangem Standing Ovation gefeiert.
Die Bilanz des ersten Cradle to Cradle Kongresses? Ein hundertprozentig positiver Fußabdruck!

Ina Rieck ist Beraterin für Nachhaltigkeitskommunikation in Berlin

Der Cradle to Cradle e.V.

Die Akteure des Cradle-to-Cradle-Kongresses.

„Weil wir es wollen“

Von Petra Reinken

Monika Griefahn, Frank Horch und die Stecker

Zugegeben, um Schiffe hatte ich mich bis vor einigen Jahren nicht besonders gekümmert. Das ist anders, seit Monika Griefahn Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises ist und wir uns im IMUK, ihrem Institut, mit Themen rund um Kreuzfahrten, Schiffsemissionen, Energieversorgung von Schiffen oder Plastikmüll im Meer befassen. Darum war die Taufe der LNG Hybrid Barge am vergangenen Samstag im Hamburger Hafen auch für mich ein bemerkenswerter Meilenstein. Aber besser, ich erzähle von Anfang an.

In der gesamten Schifffahrt wird das Thema Emissionen inzwischen immer wichtiger, da ab 2015 strengere Emmissionsvorgaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) gelten. Schiffe mit Flüssiggas fahren zu lassen, ist seit einigen Jahren in der Praxis erprobt, besonders Fähren fahren heute schon mit Flüssiggas. Die Emissionen sind damit deutlich geringer als bei einem Dieselantrieb. Aida wird die Schiffe, die nächstes und übernächstes Jahr in den Dienst gestellt werden, mit Dual-Fuel-Motoren ausstatten –also mit Motoren, die auch mit Gas angetrieben werden können. Ein reiner Gasantrieb für Kreuzfahrtschiffe ist allerdings noch Zukunftsmusik. Was aber geht, ist, das Schiff im Hafen mit Strom zu versorgen, der über Gasantrieb hergestellt wird.

Dass eine Kreuzfahrtreederei das auch tatsächlich macht, ist ein absolutes Novum – darum war es ein wirklicher Durchbruch, dass die LNG Hybrid Barge jetzt im Hamburger Hafen liegt. Sie ist das Schiff, das den großen Kreuzfahrer dort mit Strom versorgt. Vier fette Stecker sorgen dafür, dass der Strom aufs Aida-Schiff gelangt. Die AIDAsol kann dann ihre (Diesel)Motoren abschalten, und so werden Emissionen im Hafen erheblich reduziert. Denn bei der Verbrennung von Gas fallen keine Rußpartikel und keine Schwefelemissionen an. Stickoxide und CO2 werden um fast 90 beziehungsweise 20 Prozent reduziert.

Darum war die Taufe der „Hummel“ – so heißt die Barge seit Sonnabend – sicherlich für die Aida-Verantwortlichen ein großer Erfolg, besonders aber für die Konstrukteure von Becker Marine Systems (BMS). Mich hat das auch beeindruckt: BMS hat 16 Millionen Euro in ein Projekt gesteckt, das noch keine Vorbilder hatte. Ich fand gut, was BMS-Chef Lehmann zu den Beweggründen gesagt hat, so ein wirtschaftliches Wagnis einzugehen: „Normalerweise antworte ich auf die Frage, warum wir etwas tun, immer: Weil wir es können. Dieses Mal habe ich gesagt: Weil wir es wollen.“

Den Verdacht hatte ich ja schon lange: Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg.

Petra Reinken arbeitet im Institut für Medien Umwelt Kultur und ist freie Texterin

Video zur Taufe

Monika Griefahn erhält den B.A.U.M.-Umweltpreis 2014

Vom Blog-Team

Verleihung B.A.U.M.-Umweltpreis 2014

Zusammen mit Aida-Präsident Michael Ungerer hat Monika Griefahn jetzt den B.A.U.M.-Umweltpreis 2014 in der Kategorie „Großunternehmen“ erhalten. Monika Griefahn nimmt für das Kreuzfahrtunternehmen die Funktion Direktorin für Umwelt und Gesellschaft wahr.

„Mit unserem Preis zeichnen wir diejenigen aus, die den Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie meistern. Sie schlagen dank ihres Engagements eine heute immer tragfähigere Brücke zwischen Umwelt und Wirtschaft. So wachsen beide nachhaltig zusammen. Dabei würdigen wir in erster Linie die Macher aber zugleich die Institutionen, in denen sie wirken können“, so Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M.‐Mitbegründer und Vorsitzender.

Monika Griefahn sagte: „Den B.A.U.M.-Umweltpreis zu bekommen, ist eine große Freude für mich. Er ist Anerkennung und Motivation zugleich, mit derselben Energie und Leidenschaft weiter zu machen.“

Griefahns Werdegang begann ebenfalls auf dem Meer – mit dem Schlauchboot war sie in den 1980er Jahren unter den Greenpeace-Aktivisten, die sich gegen die Dünnsäureverklappung in der Nordsee einsetzten. Dass sie heute für ein Kreuzfahrtunternehmen arbeitet, empfindet sie weniger als einen Seitenwechsel als vielmehr die Weiterentwicklung ihres Engagements für eine saubere Umwelt. „Aida ist ein sehr konstruktiver Auftraggeber. Wir haben in den zwei Jahren, in denen ich die Entwicklung dort begleite, vieles erreicht. Das beginnt mit vermeintlich kleinen Dingen wie umweltfreundlichen Büromaterialien und geht bis zu den großen Durchbrüchen bei der Filtertechnologie und der Verringerung der schädlichen Emissionen.“ Was ihr aber besonders wichtig sei, und was sich bei Aida mehr und mehr bemerkbar mache, sei ein Umdenken bei den Mitarbeitern. Immer mehr würden für das Thema sensibler, machten eigene Vorschläge für Verbesserungen und begännen, nachhaltiges Denken zu leben. Das sei eine gute Erfahrung.