Olaf Schwencke – ein Mann mit Herz für Europa und die Kultur

Von Monika GriefahnBei der Buchvorstellung.

 

Olaf Schwencke war Europa immer wichtig, solange ich ihn kenne. Und Kultur war ihm immer wichtig! Wenn es nicht ein kulturelles Projekt Europa gibt, dann bricht alles auseinander – so sein Plädoyer. Europa existiere nicht ohne ethische Grundlage, aber auch die Region sei ein wichtiger Faktor für Europa. Eine größere Krise gab es da bereits 2005, als Frankreich und die Niederlande in Volksentscheiden die neue Verfassung Europas abgelehnt haben. Der Lissabon-Vertrag brachte eine Korrektur, doch heute scheint dieses (kulturelle) Projekt Europa gefährdeter denn je.

Dieses und viele weitere europäische und bundesdeutsche Hintergründe und Geschichten erzählt Olaf Schwenke in seinem Buch Europa. Kultur. Politik. Die kulturelle Dimension im Unionsprozess“, das kürzlich von Thorsten Schäfer Gümbel, Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie, und dem Bundestagsabgeordneten Axel Schäfer im Willy-Brandt-Haus in Berlin vorgestellt wurde. Es ist eine spannende Textsammlung über die letzten 70 Jahre ohne Krieg in Europa, mit Zeitzeugen aus Deutschland und Gedanken an die über 60 Loccumer Kulturpolitischen Kolloquien in Kooperation mit der Kulturpolitischen Gesellschaft in Bonn, dessen Gründungspräsident Schwencke war und die er von 1976 für zwei Jahrzehnte geleitet hat.

Vieles aus dem Leben Schwenckes, der Bundestags- und Europa-Abgeordneter war, der als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Loccum arbeitete, der Professor und Doktorvater vieler (so auch meiner) kultur- und europapolitischen Dissertationen war, kann man in dem Buch nachlesen. Die Diskussion zu den Texten hat in der Veranstaltung lebendig deutlich gemacht, wie vielfältig das Leben von Olaf Schwencke ist! Denn nicht nur Europa und Kultur beschäftigt ihn, sondern auch Umwelt und Partizipation. Als Wegbegleiter von Robert Jungk hat er die kritische Atomdebatte aber auch das positive Konzept von Zukunftswerkstätten begleitet. Und immerhin hat er vor seinem Studium der Germanistik, Theologie, Soziologie und Pädagogik eine grundsolide Ausbildung als Schiffsmaschinenschlosser gemacht, um seinen Jugendtraum zu erfüllen, zur See zu fahren!

Nun wird Olaf Schwencke 80 Jahre alt. Ich sage herzlichen Glückwunsch und wünsche ihm, dass er noch lange auf seinen geliebten Wanderwegen tippeln kann. Wir feiern ihn am 29. Januar von 15 bis 19 Uhr im Willy-Brandt-Haus mit der Veranstaltung „Kulturpolitik als Demokratiepolitik“. Darin wird es einen Blick auf die Kulturpolitik der vergangenen Jahrzehnte geben, und mit der Diskussion darüber, ob wir die Neue Kulturpolitik noch brauchen, auch einen Blick nach vorn. Ich bin außerdem schon sehr gespannt auf die Laudatio, die Wolfgang Thierse halten wird.

Das Foto zeigt: (v.l.) Axel Schäfer, Thorsten Schäfer Gümbel und Olaf Schwencke bei der Buchvorstellung.

Das Programm mit dem Link zur Anmeldung (bis 27.1.2016): Kulturpolitik als Demokratiepolitik

 

„Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“

Von Petra Reinken

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Auf der Bühne steht Machu: dunkle Klamotten, dunkle Haut und in der Hand ein knallrotes Musikinstrument. Er beginnt zu spielen auf diesem – was immer das ist – und es wird ruhig im Raum. Er braucht nicht einmal die vollen zwei Lieder, um das Publikum zu verzaubern. Machu, ein Flüchtling aus Eritrea. Einer wie wir, der Musik mag und Gesang. Sein Instrument ist eine Krar.

Wenige Tage vorher hatten die Anschläge in Paris die westliche Welt aus den Angeln gehoben. Im Gymnasium Tostedt, wo Machu sein Gastspiel gegeben hat, zündeten wir eine Kerze an und schwiegen für eine Minute – wie der Rest Europas. Irgendwie und indirekt hatte das, weswegen wir hier versammelt waren, mit Machu zu tun und mit Paris. Die weiterführenden Schulen in Tostedt luden nämlich ein zur Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ – eine Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Inzwischen haben die Geschehnisse in Köln, Hamburg und anderen Städten, wo mutmaßlich viele Flüchtlinge Frauen belästigt und bestohlen haben, es vielen Vertretern einer Willkommenskultur schwerer gemacht; haben das Vertrauen in das Gute erschüttert. Nun der Anschlag in Istanbul. Tagtäglich Anschläge in den arabischen Ländern, aber wenn es in Europa passiert, oder wenn es deutsche Opfer sind, trifft das ins Mark, was sonst nur in den Nachrichten passiert. Aber dennoch – ist nicht die Antwort immer noch die gleiche?

Eine starke Demokratie benötigen wir: um ein gutes Modell gegen den Terror des IS und anderen fanatischen Gruppen leben zu können und um eine Antwort gegen die inneren Feinde von rechts zu haben. Um so zu leben, wie wir es wollen: frei. Wir haben das bei Veranstaltungen des Aktionskreises „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ selbst erlebt: Wenn Neonazis im Raum sind und versuchen, die Diskussion an sich zu reißen, dann wird die Stimmung kalt und der Nachhauseweg ist angstbegleitet. Doch Pegida zeigt, wie ungemütlich es in dieser Gesellschaft erst einmal wird, wenn die Demokraten zu Hause bleiben.

Andreas Speit ist einer, der seit Jahren gegen diesen Trend arbeitet. Der Journalist und Kenner der rechtsextremistischen Szene hielt bei der Ausstellungseröffnung in Tostedt einen beeindruckenden Vortrag. 182 Tote habe es in Deutschland durch Rassisten und Rechtsextreme schon gegeben – das Jahr 2015 hat hunderte Angriffe auf Flüchtlingsheime gezählt. Auf ganz normale Menschen wie Machu mit der Krar. Es sei bei einigen Übergriffen nachzuzeichnen, dass der verbalen Hetze im Internet Taten gefolgt seien – mit Alkohol als Katalysator.

Beim Thema Islam und Flüchtlinge, da gingen alle Szenen zusammen: rechte Parteien, Hooligans, das Rockermilieu, die intellektuelle Rechte und Bürger. Wer früher noch Hemmungen gehabt habe, mitzumarschieren, wenn die NPD dabei war, habe heute jede Scham verloren, konstatierte Speit.

Tostedt und seine Schulen setzen seit vielen Jahren Aufklärung und Engagement dagegen – mit dieser Ausstellung und vielen anderen Veranstaltungen in der Vergangenheit. Wo er konnte, hilft der Aktionskreis „Gesicht zeigen!“. Nach einem Benefizkonzert, das Monika Griefahn mit Konstantin Wecker vor Jahren in der Buchholzer Empore organisierte, verfügt der Aktionskreis über einen Geldbetrag, mit dem er bis heute Projekte fördert. Nicht nur die Tostedter Ausstellung, für die mit dem Geld Ausstellungslotsen unter den Schülern ausgebildet worden sind, gehört dazu. Erst kürzlich wurde die Oberschule Meckelfeld „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, und wir konnten diesen Prozess unterstützen. Wir machen das weiter, solange noch Geld da ist. Weil es wichtig ist.

Die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ ist weitergezogen und zum Beispiel vom 8. bis zum 19. Februar 2016 im Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz (Nordheide) zu sehen.

Bericht auf der Seite des Gymnasiums Tostedt

Politisches Vermächtnis vom Querdenker der SPD

Von Monika Griefahn Buchvorstellung Willy Brandt Haus

Ich kenne Erhard Eppler natürlich als „Urgestein“ der SPD. Schon in den 1970er Jahren hat er von „Lebensqualität“ gesprochen und ist durch seine Arbeit als Entwicklungsminister auch zu dem Umwelt- und Friedenspolitiker der SPD geworden. Lange war er bei den Obergenossen nicht en vogue, wie auch sehr schön in seinem neuen Buch „Links leben“, das er im Willy-Brandt-Haus vorgestellt hat, in der Auseinandersetzung mit Helmut Schmidt beschrieben wird. Er trat sogar als Minister zurück, weil nach dem Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler und Helmut Schmidts Amtsübernahme dieser den Entwicklungshilfeetat erheblich kürzte.

Für meine Doktorarbeit habe ich Erhard Eppler interviewt. Wir saßen bei ihm zu Hause, seine Frau servierte Tee. Wir aßen selbstgezüchtetes Biogemüse aus seinem Garten, und wir sprachen über seine aktive Zeit in der SPD. Wie er als Entwicklungsminister erkannt hat, dass Umweltschutz wichtig ist in der internationalen Zusammenarbeit, wie er versuchte, Willy Brandt das Thema Nachhaltigkeit in seine Reden zu schreiben, wie er mit den Protesten gegen Whyl sein Nein zur Atomkraft formte, wie er als einer der ersten einen Unterschied machte zwischen dem finanziellen Lebenswohl und der allgemeinen Lebensqualität – und das auf einer IG-Metall-Tagung in den 1970er Jahren! Er ist ein weiser Mann, dessen Engagement sich aus den Erfahrungen speist, die er in seinem persönlichen Leben, in seiner Arbeit gemacht hat.

Erhard Eppler hat fast ein Jahrhundert Zeitgeschichte miterlebt, und so direkt wie er auch redet – heute mit Respekt angehört –, so ist auch sein Buch geschrieben.

Es ist ein Lebensbericht und ein Zeitzeugnis. Das Kulturforum der Sozialdemokratie nennt es auch ein „politisches Vermächtnis“. Und der Ullstein-Verlag schreibt: „Das sehr persönliche Buch eines politischen Vordenkers, das fast ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte erzählt und einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen bundesrepublikanischer Macht wirft.“ Klar ist: Erhard Eppler hat wichtige Jahre der Bundesrepublik Deutschland mit geprägt. Es ist fein, dass er selbst mit fast 90 Jahren noch einen 27-jährigen taz-Redakteur beeindrucken konnte, der im Dezember zur Buchvorstellung gegangen war. Als einer, der Erhard Eppler gar nicht mehr in politischer Verantwortung erlebt hat, befand der Journalist am Ende seines Artikels „Dieser Eppler ist gar nicht so übel.“

 

Klimawandel endlich adé? Die Klimakonferenz in Paris

Von Monika Griefahn

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Nicht gleich wieder unken, nicht gleich miesepetrig sein: Nein, dass es auf der Klimakonferenz in Paris einen Durchbruch gegeben hat, davor muss man den Hut ziehen. Seit 2012 ist das Kyoto-Protokoll ausgelaufen, 2010 das Debakel mit der gescheiterten Konferenz in Kopenhagen. Jetzt ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen darüber zu haben, dass die Erderwärmung nicht um mehr als zwei Grad steigen soll, möglichst nicht mehr als 1,5 Grad, ist erst einmal ohne Wenn und Aber ein großartiger Erfolg.

Es gab dieses Mal einen stärkeren Willen, zu einem Abschluss zu kommen als 2010. Wenn wegen Smog in Peking Alarmstufe rot ausgerufen werden muss und die Menschen dort kaum die Hand vor Augen sehen können, dann wird jedem – außer vielleicht Donald Trump klar – dass es so nicht weitergehen kann. Das Thema wurde in Paris höher aufgehängt als in Kopenhagen, was den Druck, zu einer Einigung zu kommen, verstärkt hat. Zu Beginn der Konferenz sind alle Staats- und Regierungschefs nach Paris gefahren und haben Gesicht gezeigt. Auch die Ressortminister waren vor Ort – ich war selbst im Zug mit Umweltministerin Barbara Hendricks nach Paris unterwegs, und meines Erachtens trägt vieles in der Vereinbarung auch die deutsche Handschrift.

Weiterhin gab es eine ausgefeiltere Diplomatie als 2010. Frankreichs Außenminister Fabius, Frankreichs Politik insgesamt, hat im Vorfeld der Konferenz für einen erfolgreichen Abschluss geworben und während der Konferenz geschickt agiert. Nicht zu vergessen: Diese Konferenz ist gewissenhafter vorbereitet worden – was wiederum den stärkeren Willen ausdrückt, ein Ergebnis erzielen zu wollen.

Auch ein Mann, den ich noch nicht lange persönlich kenne, aber der mir schnell sehr wichtig geworden ist, hat alles in die Waagschale geworfen, was er hatte: Tony de Brum, der Außenminister der Marshall-Inseln, den wir gerade erst mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet haben. Auf den Marschallinseln sind Springfluten längst Alltag, da der Meeresspiegel steigt.

Schon bei einer Festveranstaltung des Right Livelihood Awards in Genf, kurz nach Beginn der Klimakonferenz, haben Barbara Hendricks und er deutlich gemacht, wie wichtig das Klima-Abkommen ist. Vielleicht haben der „Alternative Nobelpreis“ und Barbara Hendricks‘ Laudatio geholfen, Tony de Brum das Gehör zu verschaffen, das er benötigt hat. Wenn ja, dann hat die Auszeichnung genau den Zweck erfüllt, für die sie ins Leben gerufen wurde.

Jetzt sind also die neuen Klimaziele da:IMG_3473_Rohloff.Pictures_quelle_Jonas-Rohloff_blog

  • Die Erderwärmung soll im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um maximal 2 Grad steigen, besser noch nur um 1,5 Grad.
  • Bis 2100 sollen nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als durch Senken wieder kompensiert werden können. Man merke auf: Es geht nicht nur um CO2 – es geht um alle Treibhausgase, also auch Methan und Lachgas.
  • Alle fünf Jahre sollen die Ziele nachgebessert werden, wenn nötig
  • Industriestaaten sollen ihre Entwicklungshilfe in Richtung Klimaschutz intensivieren, ärmeren Staaten soll geholfen werden.

Was die Staaten derzeit in ihren nationalen Klimaschutzplänen zusammengetragen haben, reicht noch nicht, um diese Ziele zu erreichen. Es liegt aber ja auf der Hand, was jeder tun muss, und ich wünsche mir, dass Deutschland die Sache wieder so ernst nimmt wir zu Zeiten der Rot-grünen Koalition:

  • Mehr Naturschutz, Förderung ökologischer Landwirtschaft und naturnaher Waldwirtschaft. Denn gesunde Böden, reife Wälder und unberührte Moore sind hervorragende natürliche Speicher von Treibhausgas.
  • Ein konsequenter Weg hin zu 100 Prozent erneuerbare Energien. Hermann Scheer hat in seinem Buch „Der energethische Imperativ“ aufgezeigt, wie es geht. Und bitte nicht von den etablierten Playern Angst machen lassen. Der Strukturwandel auf dem Energiesektor ist unumgänglich.
  • Veränderte Mobilitätskonzepte mit alternativen Antrieben wie Öko-Elektro oder – für den Übergang – Erdgas.
  • Bewusstseinsänderung: Vielleicht ist das die wichtigste und schwierigsten Aufgabe, die die Staaten haben: Sie müssen es schaffen, aus jedem Beitrag zum Klimaschutz eine gute Tat zu machen. Durch Anreize, die sie entwickeln, durch Bilder, die sie zeichnen, durch Konzepte, die sie anbieten. Jeder Beitrag zum Klimaschutz ist eine gute Tat, wird aber allzu oft noch als Gängelung oder Verzicht oder unattraktive Notwendigkeit empfunden. Erst, wenn die Menschen Spaß daran haben, das Klima zu schützen (sprich: sich selbst und ihre Gesundheit zu schützen), dann werden sie es als wohltuend und gewinnbringend empfinden. Und erst dann wird es 100prozentig funktionieren.

Also: los geht’s.

Das Foto oben zeigt Jakob von Uexküll, Tony de Brum und Monika Griefahn. Das Foto weiter unten zeigt Tony de Brum und Barbara Hendricks auf der RLA-Festveranstaltung in Genf. Foto: Jonas Rohloff.

„Train to Paris“: Unternehmer in der Verantwortung

Von Monika Griefahn

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Die Klimakonferenz in Paris hat begonnen, und es versteht sich von selbst, dass ich nun endlich auf ein Nachfolgeprogramm für das Kyoto-Protokoll hoffe. Mir ist unverständlich, warum es keinen allgemeinen Konsens über die Notwendigkeit gibt, das Klima zu schützen und die Erderwärmung zu begrenzen. Gerade torpedieren die Republikaner in den USA die Pläne von Präsident Obama wieder. Haben die denn keine Kinder, die saubere Luft atmen, Lebensmittel anbauen und im Meer baden möchten?

Ich war zu Beginn des Klimagipfels mit dem „Train to Paris“ unterwegs und habe a) meine Überzeugungen und b) Aida Cruises als Mitglied der Stiftung 2° vertreten. Dieser Sonderzug der Deutschen Bahn war Teil eines gemeinsamen Projekts verschiedener europäischer Länder und fuhr eine deutsche Delegation aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft umweltschonend zu den Klimaverhandlungen nach Paris. An Bord waren unter anderem unsere Umweltministerin Barbara Hendricks, weitere Vertreter aus dem Ministerium, aber auch Unternehmer wie Michael Otto als Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group oder Andreas Engelhardt, geschäftsführender Gesellschafter von Schüco, die aktiv etwas für den Klimaschutz tun und sich in der Stiftung 2° engagieren. Sie sind der Meinung, dass Unternehmer wesentliche Schritte für den Klimaschutz machen können.

Die Stiftung veranstaltete in einem eigenen Waggon ein Programm zu konkreten Beispielen und wirtschaftlichen Chancen von unternehmerischem Klimaschutz. Ich selbst habe am Beispiel von Aida über Maßnahmen zur Energieeffizienz gesprochen, die jedes Unternehmen nachmachen kann. Aida hat in den vergangenen Jahren viel investiert. Die Rostocker Reederei, für die ich als Direktorin für Umwelt und Gesellschaft tätig bin, errichtete zum Beispiel ihr neues Bürogebäude nach den Prinzipien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), bezieht an Land zu 100 Prozent Ökostrom und bestückt seinen Fuhrpark unter anderem mit Elektrofahrzeugen. Auch die Schiffe werden ständig weiterentwickelt, um Energie zu sparen und auf umweltschonendere Treibstoffe wie LNG (flüssiges Erdgas) umsteigen zu können.

LED-Beleuchtung oder Bewegungsmelder helfen, den Energiebedarf beim Licht um bis zu zwei Drittel zu reduzieren. Bei Klimaanlagen hilft die Wärmerückgewinnung aus Motoren und und und. Grundsätzlich ist mein Credo, dass jeder Unternehmer auf die Materialien achten sollte, die er für Bau, Produktion oder Betrieb einsetzt: Giftige Bestandteile sind nicht nur gesundheitsschädlich, sondern können auch nicht wiedergewonnen und erneut genutzt werden. Deshalb ist es auch Ressourcen- und Energieschonung, wenn man auf das Cradle-to-Cradle-Prinzip setzt, da Materialien wiederverwendet und mit geringerem Aufwand wieder neu genutzt werden können, wie auch Schüco sehr schön zeigt.Train2Paris-58_blog

Spannend für mich war auch der Impulsvortrag von Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik zum Thema „Dekarbonisierung der globalen Ökonomie“. Denn es geht ja darum, die Wirtschaft insgesamt zu transformieren, den Energiebedarf insgesamt aus erneuerbaren Energien zu decken. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel (oder wie die Pazifik-Staaten, die besonders vom Steigen des Meeresspiegels bedroht sind, fordern, nur 1,5 Grad) erreichen wollen, müssen 70 Prozent der fossilen Rohstoffen in der Erde bleiben. Eine gewaltige Herausforderung! Dirk Messner setzt auf Vorreiter, um eine kritische Masse, eine „Häufigkeitsverdichtung“, zu erreichen. Die Vorreiter zeigen, wie es geht, und können es damit zum Trend zu machen! In der Stiftung 2° sind einige, die sich aus der Deckung wagen und andere mitziehen können. Bei Aida versuchen wir ebenfalls, gutes Beispiel zu sein, indem die nächsten Schiffe ab 2019 auf Erdgas als Treibstoff setzen. Idealerweise ziehen nicht nur die anderen Kreuzfahrer nach, sondern auch der Rest der Schifffahrt. Das wäre ein echter Durchbruch!

Dafür müssen noch politisch bessere Rahmenbedingungen erarbeitet werden. Allzu oft reicht Freiwilligkeit nicht aus. Und so schließt sich der Kreis: Der Klimagipfel in Paris ist eine riesige Chance, mutig zu sein und Nägel mit Köpfen zu machen. Die Verhandler sollten sie nutzen!

Fotos: Björn Förster

Wir sind Paris

Von Monika Griefahn

Ich bin zutiefst betroffen, nach Charlie Hebdo erneut mit meinen Freunden in Paris trauern zu müssen.

Was soll ich sagen? Seit drei Tagen sprachlos komme ich zu der Erkenntnis, dass das Wort „Krieg“ nicht das ist, was wir antworten sollten. Seit drei Tagen sprachlos wird doch deutlich, was die Menschen, die vor dem IS-Terror und den Truppen Assads in Syrien in die Nachbarländer und nach Europa fliehen, in den vergangenen fünf Jahren ausgehalten haben. Seit drei Tagen sprachlos formt sich ein „Jetzt erst recht“ in mir: Jetzt erst recht für unsere Werte kämpfen – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Demokratie. Freie Meinungsäußerung. Menschenrechte, aber auch die westliche Lebensart und Kultur. Im Namen der Religion zu morden, ist nur Barberei.

Ich kenne Länder, in denen der bewaffnete Polizist in den Straßen die Regel ist. Ich war in Ländern, in denen ich mit gepanzerten Autos vom Flughafen in die Botschaft gefahren worden bin. Länder, in denen es nicht sicher ist, ob man abends heile nach Hause kommt, wenn man morgens aus dem Haus gegangen ist. Und immer wieder freue ich mich, hier in Europa in Gesellschaften fallen zu können, die anders sind: offen, empathisch, frei. Ich freue mich, dass meine Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren können und sich am Nachmittag alleine mit ihren Freunden im Sportverein oder Eiskcafé treffen können. Die Gefahr, dass die Staaten all dies opfern für vermeintliche Sicherheit, ist groß. Es wäre der größte Erfolg, den der IS erzielen könnte – dass Rechtsstaat und Freiheit, also das, was man schützen will, kaputt gemacht werden.

Das Wort „Besonnenheit“ machte unter Politikern am Wochenende auch die Runde, und es ist allemal die bessere Wahl als „Krieg“.

Selbst wenn es so war, dass einer der Attentäter als Flüchtling nach Europa eingereist ist, werden geschlossene Grenzen nicht die Lösung sein. Die Flüchtenden und die Täter sollte niemand verwechseln. Und für Menschen auf der Flucht bieten wir Werte und eine Gesellschaftsordnung, die dem Terror das Wasser abgraben kann. Darum müssen wir Schulen und Arbeitsmärkte öffnen, Menschenrechte wahren, uns generelles Misstrauen verbieten. Für die eigene Würde ist für jeden Menschen wichtig, selbst etwas beizutragen zur Gesellschaft und für das Auskommen seiner Familie. Deshalb sind wir aufgefordert, konsequent weiterzumachen damit, unsere Werteordnung vorzuleben und andere aufzunehmen. Das ist die gebotene Reaktion auf die Anschläge in Paris. Am Ende, vielleicht nach vielen Jahren, wird es die richtige Lösung sein. Krieg war noch nie eine Lösung.

Klimaschutz: Hoffnung für Paris?

Von Monika Griefahn

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Viele Länder haben die Bedrohung unseres Lebens auf der Erde durch den Klimawandel erkannt und machen sich mit konkreten Absichten und konkretem Engagement auf den Weg nach Paris, wo am 30. November die UN-Klimakonferenz beginnt. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion sowie die Preisträger des diesjährigen DBU-Umweltpreises, des am höchsten dotierten Umweltpreises in Europa, verliehen durch den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck. In Paris soll endlich ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen für den Schutz des Klimas abgeschlossen werden.

Auch zwei mir sehr liebe Bekannte waren dieses Jahr unter den Preisträgern bei der DBU, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt:

Klimaforscher Mojib Latif, der wissenschaftliche Zusammenhänge auch für Kinder verständlich erklärt und mit mir bei AIDA in seiner Funktion als Schirmherr der Organisation „atmosfair“ für eine klimafreundliche Kreuzfahrt arbeitet. Er zeigt eindringlich, dass Meeresschutz auch Klimaschutz ist, weil versauerte Meere keine Puffer mehr für die CO2-Speicherung haben.

Und Michael Succow, der auch als Alternativer Nobelpreisträger von 1997 vorgestellt wurde. Er hat gezeigt, dass guter Naturschutz und der Erhalt der Artenvielfalt viel zum Klimaschutz beiträgt. Er ist mein Vorbild, da er in den letzten Tagen der DDR auf einen Schlag zehn Großschutzgebiete (Nationalparke und Biosphärenreservate) ausgewiesen hat, während man zu der Zeit in Westdeutschland schon zehn Jahre lang über ein einziges diskutierte. (In meiner Amtszeit als Umweltministerin in Niedersachsen habe ich drei Großschutzgebiete verwirklichen können: Harz, Elbtalaue und die Ergänzung zum UNESCO-Welterbe „Man and Biosphere“ des Niedersächsischen Wattenmeeres).

Besonders gefreut hat mich, dass diese Mal die Stadt Essen Gastgeber für den Umweltpreis war. Essen wird 2017 Umwelthauptstadt Europas sein (nachdem sie 2010 bereits Kulturhauptstadt war) und zeigt sich als ein Motor der Umwelttechnik und Konversion. So fand die Verleihungsgala beispielsweise in einer alten Krupp-Werkhalle statt. Hier erlebt die spröde Malocher-Architektur ein Recycling als Kulturort (Colosseum Theater) und die Versöhnung mit der Umwelt (DBU-Preise). So also stelle ich mir die Verwirklichung des Mottos „Schwerter zu Pflugscharen“ im 21. Jahrhundert vor – nachdem in den 1990er Jahren zum Beispiel schon die Kaserne von Lüneburg zur Universität umgewidmet und umgebaut wurde.

Zum Foto:

Das Foto zeigt (v.l.): Preisträger Prof. Dr. Mojib Latif und Prof. Dr. Johan Rockström, DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, Ehrenpreisträger Prof. em. Dr. Michael Succow, Bundespräsident Joachim Gauck, NRW-Umweltminister Johannes Remmel und DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann. © DBU/Peter Himsel

„Die Lösungen sind da“

Pressemitteilung zum erfolgreichen Cradle-to-Cradle-Kongress in Lüneburg

Lernortwechsel

Viele gute Beispiele für eine Welt ohne Abfall beim zweiten Cradle to Cradle Kongress in Lüneburg „Es gibt sie, die Lösungen für zahlreiche Herausforderungen unserer Zeit. Aber es braucht mehr Menschen mit dem Mut, ihre guten Ideen umzusetzen.“ – Das war das zentrale Ergebnis des zweiten Cradle to Cradle Kongresses, der am vergangenen Samstag in Lüneburg über die Bühne ging. An der Leuphana Universität trafen sich in einer bunten Mischung aus engagierten, kreativen Menschen auch jene Pionier-Unternehmen und – Organisationen, die bereits Lösungen anbieten – so zum Beispiel Vertreter der Firma Werner & Mertz, bekannt durch die Reinigungsprodukte der Marke „Frosch“, oder Helmy Abouleish als Verfechter und Praktiker einer biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Dass selbst Politiker dem C2C-Designkonzept nicht mehr abwehrend gegenüberstehen, zeigte sich in einer Diskussionsrunde mit dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) und dem Bundestagsabgeordneten Michael Thews (SPD). Fazit der Veranstalter: Es waren inspirierende Diskussionen, und rund 600 Teilnehmer sind mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass sie die Welt positiv verändern können.

Die Schirmherrschaft haben erneut die Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität, übernommen. Nach dem fulminanten Auftakt im vergangenen Jahr schafften die Veranstalter, der Cradle to Cradle e.V. es mit der zweiten Auflage, den Kongress als bedeutende Plattform für den Gedankenaustausch zur C2C Denkschule zu etablieren. Das zentrale Anliegen ist, Akteure mit guten Ideen und Fähigkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzubringen und an Lösungen dafür zu arbeiten, wie Menschen einen positiven Fußabdruck auf der Erde hinterlassen können.

Cradle to Cradle, übersetzt „von der Wiege zur Wiege“, steht für kontinuierliche Stoffkreisläufe und positiv definierte Materialien, die für Mensch und Umwelt gesund sind. Das Konzept umfasst die Nutzung erneuerbarer Energien, um Kreisläufe zu ermöglichen. In einer Cradle to Cradle Welt gibt es keinen Abfall, da alle Produkte bereits während der Konzeption aus gesunden und kreislauffähigen Materialien erdacht sind und durch neue Geschäftsmodelle clever in sortenreinen Materialpools geführt werden. Cradle to Cradle versteht sich als Qualitäts- und Innovationskonzept.

Der Cradle to Cradle e.V. verfolgt ein Ziel im Besonderen: Die C2C Denkschule in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu etablieren. Dies tut er mit einer breit aufgestellten Bildungs- und Vernetzungsarbeit, in deren Rahmen der alljährliche Kongress zentraler Dreh- und Angelpunkt ist. In der C2C Denkschule steht der Mensch im Fokus. Menschen werden hier als Nützlinge betrachtet, die einen positiven Fußabdruck hinterlassen können. Statt sich immer nur darauf zu konzentrieren, „weniger schlecht“ zu sein, soll das menschliche Handeln darauf gerichtet sein, etwas Positives zu bewirken.

Diese Denkweise lag in Lüneburg buchstäglich in der Luft – von Pessimismus und Weltuntergangsstimmung keine Spur. Schon in der Begrüßung lobte die Vorsitzende des Cradle to Cradle e.V., Dr. Monika Griefahn, die Vielfalt in der Zuhörerschaft – von Studierenden bis hin zu den Chefetagen international agierender Unternehmen war alles vertreten.

Zukunftsforscher Matthias Horx stimmte die Gäste mit einer – wie er es nannte – “liebevollen Provokation” auf das Thema ein. Seinen Ausführungen nach sei Weltuntergangsstimmung eine Atmosphäre, in der es sich trefflich verweilen ließe. Bevor der Mensch die Welt zugrunde gerichtet habe, noch einmal mit einem SUV über die Straße brausen, das sei doch feiner, als nach Lösungen für den Klimawandel zu suchen. Er forderte einen „ökologischen Hedonismus“, eine „lustbetonte Ökologie“ und mahnte: „Wer sich zu sehr auf das Problem fixiert, der findet die Lösung nicht.“

Dr. Verena Metze Mangold, die Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise der Kulturpolitik: Eine Änderung der Kultur wichtig. Metze-Mangold betonte, dass Kulturgüter zwar handelbar seien, aber auch „vehicles of value“. Kultur und kulturelle Vielfalt würden über die Konvention zur kulturellen Vielfalt geschützt und entwickelt.

Eine intensive Diskussion über Ernährung und Ernährungssicherung spannte sich über anderthalb Stunden in einer weiteren Diskussionsrunde. Gutes Beispiel war das Projekt Sekem, dessen Geschäftsführer Helmy Abouleish aus Ägypten angereist war. Sekem wirtschaftet seit Jahrzehnten auf großen Flächen biologisch-dynamisch. „Es läuft gut, jeder lobt unsere Herangehensweise. Warum ist sie dann noch nicht Mainstream?“ fragte Abouleish, dessen Ziel es ist, dass die gesamte ägyptische Landwirtschaft einmal biologisch-dynamisch arbeiten soll. Er stellte damit die Frage, die sich durch alle Foren zog: Warum ist es so schwer, gute Beispiele aus der Nische zu bekommen?

In den Wirtschaftsforen diskutierten darüber zum Beispiel Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz, und Michel Giannuzzi, Geschäftsführer der Tarkett Gruppe. Beide haben den Gedanken einer positiven Wirtschaftsweise schon seit Jahrzehnten integriert und sich nun mit dem Ziel, Produkte nach dem Cradle to Cradle Konzept herzustellen, einer neuen Herausforderung gestellt. „Cradle to Cradle bedeutet, die Perspektive zu ändern“, sagt Timothy Glaz. Man müsse Recycling von Anfang an mitdenken. Und C2C Pionier Prof. Dr. Michael Braungart stellt fest: “Wenn Sie etwas komplett Neues machen, konkurrieren Sie mit perfekt optimierten Produkten aus dem derzeitigen, falschen System.“ Das mache es schwer, Innovationen in den Markt zu bringen. Die Unternehmer lobten unterdessen die Offenheit des C2C-Konzeptes und die Bereitschaft der Pionier-Unternehmen, ihre Erfahrungen und Entwicklungen zu teilen. Darin sahen sie die große Chance dafür, dass C2C sich weiter durchsetzt.

In einer munteren Abschlussrunde mit gesellschaftlich sehr engagierten Akteuren wie Jakob von Uexküll, dem Gründer des World Future Councils, Francoise Wilhelmi de Toledo, Ärztin und Leiterin der Buchinger Wilhelmi Klinik, und dem “Ritter Sport”-Unternehmer Alfred T. Ritter ging der Kongress zu Ende. Die Ausstellungsstände mit Glasflaschen und ökologischem Tee, der Cradle to Cradle Online-Shop Cradlelution und die Quellwasser-Tankstelle packten ein, dann ging es zum vegetarischen Büffet. Und wer noch Energie hatte, tanzte bis spät in die Nacht.

Kongress 2016

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress: Mit wichtigen Themen und guten Beispielen wird der Cradle to Cradle Kongress am 24. September 2016 wieder an der Leuphana Universität in Lüneburg stattfinden.

Fotos: Hannes Harnack, www.fotografiemh.de

Arbeit am Atomausstieg wird konkret

Von Monika Griefahn

Der Atomausstieg geht vom Beschluss in konkretes Handeln über – und ich kann dabei sein. So viele Jahre habe ich mich für ein Ende der Atomenergie eingesetzt! Dann kam der Ausstiegsbeschluss durch Rot-Grün, die Rücknahme des Ausstiegs, wir demonstrierten weiter, und nach Fukushima kam die endgültige Wende!

Jetzt kann ich mitwirken in der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK), die Empfehlungen erarbeiten soll, „wie die Sicherstellung der Finanzierung von Stilllegung, Rückbau und Entsorgung so ausgestaltet werden kann, dass die Unternehmen auch langfristig wirtschaftlich in der Lage sind, ihre Verpflichtungen aus dem Atombereich zu erfüllen.“ Die Einsetzung dieser Kommission geht einher mit dem „Gesetz zur Nachhaftung für Rückbau- und Entsorgungskosten im Kernenergiebereich“, das jetzt zunächst im Bundeskabinett beschlossen wurde. Damit sollen Haftungslücken geschlossen werden.

Ich bin gespannt auf die Aufgabe, die mich erwartet. Für mich ist der Ausstieg aus der Atomenergie, für den ich mich seit den 1970er Jahren einsetze, ein Teilaspekt der großen Energiewende, von der ich möchte, dass sie gelingt. Ich möchte nicht, dass Steuer- und Gebührenzahler für Rückbau und Entsorgung zahlen müssen, und ich hoffe, dass ich in der Kommission an diesem Ziel tatkräftig arbeiten kann. Der Beschluss zur Nachhaftung zeigt, dass es erklärter Wille der Bundesregierung ist, weder den Steuerzahler noch die öffentlichen Haushalte damit zu belasten. Meiner ist es auch.

Zur Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

„Alternative Nobelpreise“ gehen nach Italien, Uganda, Kanada und an die Marshallinseln

Aus der Pressemitteilung der Right Livelihood Award Stiftung

Der Außenminister der Marshallinseln, der mit den Mitteln des Völkerrechts die Atommächte herausfordert; eine Inuit-Aktivistin, die für die Erhaltung der Arktis im Angesicht des Klimawandels kämpft; eine ugandische Menschenrechtlerin, die sich gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Afrika einsetzt und ein italienischer Arzt und Kriegsgegner, der zahllose Menschenleben in bewaffneten Konflikten gerettet hat, sind die diesjährigen Preisträger des Right Livelihood Award, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.

De Brum & Todd SternDer Ehrenpreis geht in diesem Jahr an

Tony de Brum und das Volk der Marshallinseln, „in Anerkennung ihrer Vision und ihres Mutes, mit rechtlichen Mitteln gegen die Atommächte vorzugehen, weil diese ihren Abrüstungsverpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht nachkommen”. (Foto: Public domain; Tony de Brum (l.) with US Special Envoy for Climate Change Todd Stern)

Sheila Watt-CloutierDrei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von umgerechnet rund 320.000 Euro:

Die Jury ehrt Sheila Watt-Cloutier aus Kanada „für ihren lebenslangen Einsatz für die Rechte der Inuit und für den Erhalt ihrer Lebensgrundlage und Kultur, die vom Klimawandel akut bedroht sind“. (Foto: Stephen
Lowe)Kasha Jaqueline Nabagesera

Die Jury zeichnet Kasha Jacqueline Nabagesera aus Uganda aus, „weil sie sich trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt mit Mut und Hartnäckigkeit für das Recht von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen auf ein Leben ohne Vorurteile und Verfolgung einsetzt“. (Foto: Christine DierenbGino Stradaach)

Gino Strada, Mitgründer der Organisation EMERGENCY (Italien), erhält den Preis „für die Schaffung hervorragender medizinischer und chirurgischer Nothilfe für die Opfer von Konflikt und Ungerechtigkeit und für seinen furchtlosen Einsatz gegen die Ursachen von Krieg“. (Foto: Emergency)

Die Preisträger wurden unlängst von der Vorsitzenden der Right Livelihood Award Stiftung, Dr. Monika Griefahn, und dem Stiftungsdirektor Ole von Uexküll in Stockholm bekannt gegeben. Die Stiftung übergibt die Preise am 30. November feierlich im schwedischen Parlament.

Ole von Uexküll zeigte sich beeindruckt von den persönlichen Leistungen und dem unerschütterlichen Engagement der Preisträger: „Die vier tun nicht weniger, als für unsere Grundrechte zu kämpfen – für die Rechte von indigenen Völkern oder Homosexuellen und für das Recht aller Bürger auf ein Leben frei von Krieg und Klimachaos. Mit ihrer unermüdlichen Arbeit, an den Schauplätzen globaler Krisen und in Gerichtssälen, verteidigen sie die Werte, die vor 70 Jahren zur Gründung der Vereinten Nationen führten. Im Angesicht sich zuspitzender humanitärer Notstände bieten sie konkrete Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Krieg, Klimawandel und Diskriminierung.“

Monika Griefahn zollte den eigenen Preisträgern ihren Respekt, freut sich aber auch darüber, dass der Friedensnobelpreis 2015 an das Quartett für den Nationalen Dialog aus Tunesien ging. Der Gruppe wünscht sie viel Erfolg in ihren Bemühungen um eine pluralistische Demokratie. Das sei eine schwere Aufgabe.

Weitere Informationen zu den Preisträgern des „Alternativen Nobelpreises“ gibt es auf der Internetseite der Right Livelihood Award Stiftung.

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