Woodcube – Bauen mit Zukunft?

Von Monika Griefahn

Woodcube Hamburg-Wilhelmsburg„Cradle to Cradle“ – abgekürzt „C2C“ – ist meine Leidenschaft. Und am sogenannten „Woodcube“ in Hamburg kann man gut sehen, was genau C2C von anderen Recyclingideen und sonstigen Nachhaltigkeitsansätzen unterscheidet. Der Woodcube ist ein Haus nahezu komplett aus Holz, das für die Internationale Bauausstellung 2013 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg entstanden ist.

Diverse Hauser sind dort für die Bauausstellung unter energieeffizienten und vermeintlich innovativen Gesichtspunkten gebaut worden. Die Betrachtung nach einem Jahr ist ernüchternd: In einigen Häusern stehen die Wohnungen leer, in anderen gibt es Probleme mit der aufwändigen Technik, die für die Entlüftung und Bewirtschaftung der Passivenergiehäuser nötig ist.

Nicht so im Woodcube, den wir vor Kurzem besichtigt haben. Die Raumatmosphäre fühlt sich gut an, die Bewohner haben weniger Allergiebeschwerden als vorher, das Ganze kommt mit einem Minimum an Technik aus.

Und das Interessante ist: Der Brandschutz bei richtig gebauten Holzhäusern ist wesentlich höher als bei Stahl-Beton-Konstruktionen. Leider haben sich die Genehmigungsbehörden beim Woodcube in Wilhelmsburg nicht getraut, diesem Umstand Rechnung zu tragen, so dass hier das Treppenhaus aus Beton errichtet werden musste.

Sie glauben mir nicht und meinen, ein Holzhaus brenne doch schneller als eines aus Beton? Falsch. Man muss nur einige Dinge beachten: das Holz muss – wie von alters her bekannt – im Winter geschlagen sein, wenn es „saftlos“ ist, es muss trocknen, bevor es verbaut wird, und es sollten auch keine Elemente aus Woodcube Hamburg-WilhelmsburgMetall in den Wänden vorhanden sein, da diese viel schneller heiß werden als Holz. Im Woodcube werden die Wände durch Holzdübel verbunden, die in ihren Löchern quellen und die Schichten unlösbar zusammenhalten. Holzhäuser halten 100 Jahre und mehr, wenn man diese Grundsätze und eine durchdachte Bautechnik beachtet. Wie mag es sein mit den gängigen, styroporgedämmten Gebäuden? Zerkrümelt die Isolierung nicht irgendwann? Auf jeden Fall hat man eine Menge unrecyclebaren Müll, wenn diese Häuser abgerissen werden müssen. Da ist mir der Woodcube 100.000 Mal lieber!

Das Wohnklima in Holzhäusern ist harmonisch und angenehm – jeder, der in einem wohnt oder mal gewohnt hat, weiß das. Die 32 Zentimeter dicken Schichtwände des Woodcube sind schon von der Grundausstattung her sehr warm und brauchen auch kein extra Lüftungssystem. Das könnte schimmeln. Für mich ist ein zentrales Wohlfühlargument auch, dass man die Fenster normal benutzen kann und lüftet, wenn einem danach ist.

Die sachkundige Erklärung von Matthias Korff, dem Bauherrn, begeisterte nicht nur mich, sondern auch die junge Harburger Regionalgruppe des Cradle-to-Cradle-Vereins, mit der ich gemeinsam das erste mehrstöckige Referenzgebäude am Inselpark besuchte.

Matthias Korff wird übrigens auch Rede und Antwort stehen im Forum Architektur beim ersten Cradle-to-Cradle-Kongress am 15. November in Lüneburg. Eine Anmeldung ist in Kürze möglich – save the date!

Mehr zum Woodcube in Hamburg finden Sie hier.

Was „Abrissbirnen“ mit Demokratie zu tun haben…

Von Manuela Wilczek

Mauerrest, Berlin


Wow – drei Tage Demokratie hautnah!

Ich habe eine Informationsfahrt unserer Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler selbst mitgemacht, um das Berlin kennenzulernen, in dem Gesichte geschrieben und Politik gemacht wird. Und es war total gelungen: Höhepunkt der 3-Tages-Reise für mich war die Bundestagsdebatte, die ich live im Parlament verfolgen konnte.

Denn da ging es um die Novelle zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz begegnet mir bei meiner Arbeit immer wieder, insofern hätte das Thema spannender nicht sein können. Live mitzuerleben, wie die Opposition Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel als „Abrissbirne“ für die erneuerbaren Energien beschimpft, und zu sehen, wie er souverän kontert, das war schon was! Diskussion und Abstimmung – ich habe hautnah miterlebt, wie Demokratie funktioniert! Sehr beeindruckend!

Das weitere Programm war auch klasse: Wir schauten uns die Stadt unter historischen und politischen Gesichtspunkten an, besuchten den Bundesrat und die neue Synagoge. Die Diskussion mit Svenja Stadler selbst im Paul-Löbe-Haus war auch ein toller Höhepunkt. Svenja Stadler stand uns Rede und Antwort, und immer wieder blitzten ihre Augen vor Begeisterung. Das hat mir imponiert. Sie hat Lust auf Politik und Gestaltung der Gesellschaft, und das zu sehen, motiviert einen auch selbst, sich einzumischen.

Klar aber, dass in diesen Zeiten der Fußball nicht fehlen durfte. Ich habe mich zwar nicht in das Getümmel der Weltmeisterschafts-Fans auf der Fanmeile gestürzt. Aber bei der Stadtrundfahrt war der Trubel schon spürbar. Lautsprecher und Übertragungsleinwand waren so aufgestellt, dass sie das Brandenburger Tor verdeckten und die Quadriga scheinbar nicht mehr auf dem Tor, sondern über der Bühne thronte. Für ein paar Tage ist der Fußball eben auch hier König.

Strandascher für kippenfreie Ostseestrände

Von Monika Griefahn
Präsentation des StrandaschersMehr als 6000 Zigarettenstummel hatte der Verein „AIDA Freunde der Meere“, dessen Vorsitzende ich bin, 2013 bei einer Strandsammelaktion im Sand von Warnemünde gefunden. Viel zu viele, fanden wir, und haben darum jetzt den „Strandascher“ entworfen, der in diesem Sommer an zahlreichen Plätzen an der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste kostenlos verteilt wird. Die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde und der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder unterstützen uns bei unserem Bestreben, damit die Strände sauberer zu halten. Das ist ein tolles Gemeinschaftsprojekt, jetzt müssen die Raucher unser neues Angebot nur noch annehmen.

Der Strandascher passt in jede Hosentasche. Wer also am Strand raucht, kann seine Kippe einfach hineintun und sie dann bei nächster Gelegenheit korrekt entsorgen. Das ist wichtig, denn Zigarettenfilter sind nicht einfach biologisch abbaubar. Sie sind mit Kunststoff überzogen, und das verrottet nur sehr langsam. Es dauert Jahre, und darum haben die Kippen im Sand nichts verloren.

In dieser Badesaison erhalten Raucher die Strandascher rund um die belebtesten Hotspots an den Stränden im Raum Rostock. Sie werden beispielsweise ausgegeben bei Supreme Surf, im Besitos sowie bei ausgewählten Strandkorbverleihern in den Ostseebädern zwischen Boltenhagen und Graal-Müritz. Insgesamt haben wir 3000 Stück produzieren lassen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website von „AIDA Freunde der Meere“. Auch der NDR hat über unsere Idee berichtet und einen schönen Beitrag gemacht, der – für eine begrenzte Zeit – in der NDR-Mediathek zu finden ist.

Ein Weckruf auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Von Moritz Petersmann

Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages im Gespräch mit Andreas Jung (MdB)
Blickt man zurück auf die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 2. Juni 2014, bleibt besonders der „Weckruf“ von Konstantin Wecker in Erinnerung. Mit seiner Forderung nach mehr Poesie in der Politik prägte er die 14. Jahreskonferenz zum Abschluss nochmals entscheidend. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon viele Teilnehmer verabschiedet.

Unter dem Motto „verstehen, vermitteln, verändern“ fand die diesjährige Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung im bcc Berlin Congress Center statt. Die Bandbreite der Themen war enorm, das zeigte gleich der Auftakt. Besonders Harald Welzer stach hervor. Er untersucht Bürgervisionen und lokale Initiativen, wie zum Beispiel die Elektrizitätswerke Schönau, die aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden. Erfolgsbedingungen für solche Initiativen seien eine flexible Zielverfolgung, Vertrauensbeziehungen auf lokaler Kultur und Kunden als Teilhaber des Veränderungsprozesses, so Welzer. An die Politik richtete er die Forderung, dass das derzeitige Nischendasein dieser vielen lokalen Initiativen überwunden werden müsse!

Vom Nischendasein zum Mainstream, dieser Weg muss für Nachhaltigkeitsbestrebungen geebnet werden. Darüber herrscht Konsens. Wie dies tatsächlich geschehen soll, dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich dazu im Rahmen der Konferenz und betonte besonders, dass man weltweit eine Verbindung von Wohlstand und Nachhaltigkeit erreichen müsse, um sich erfolgreich auf den Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung zu machen. Die Rolle des Rates für Nachhaltige Entwicklung stellte sich im Gespräch mit Angela Merkel als die eines „Wachhundes“ heraus, der wachsam und teils bissig die Aktivitäten der Bundespolitik beeinflusst. Den Wachhund imitierten am Nachmittag dann auch drei jugendliche Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages, als sie Andreas Jung (MdB) mit den dringlichsten Forderungen ihrer Agenda für Nachhaltigkeit konfrontierten.

Inwiefern es wünschenswert ist, dass Nachhaltigkeitsbelange mit Hilfe eines Wachhundes durchgesetzt werden, bleibt jedem selbst zu urteilen. Konstantin Wecker sprach am Ende zumindest jeden einzeln an, als er mehr Idealismus und mehr „zu sich selbst stehen“ forderte. Nachhaltigkeit muss im Grundgesetz verankert sein, der Würde des Menschen zuliebe, so Konstantin Wecker. Der Weg dorthin ist noch weit, aber je mehr Menschen dem Aufruf folgen, desto eher kommen wir der Idee einer nachhaltigen Entwicklung näher.

Konstantin Wecker

Praxis an der Uni: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Von Monika Griefahn

Achim LohrieSeit 2012 unterrichte ich an der Technischen Universität Hamburg-Harburg das Wahlpflichtfach „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“, und von Beginn an gehört zu meinem Konzept, Experten aus der Praxis in die Uni zu holen. So waren schon Abgeordnete aus dem Land- und Bundestag und aus dem Europäischen Parlament zu Gast, um aus ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben außerdem mit Unternehmensvertretern und Vertreter von NGOs diskutiert. Jetzt war Achim Lohrie im Seminar. Er ist „Direktor Unternehmensverantwortung“ bei Tchibo und erzählte, wie das Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit in seine Geschäftsstrategie verankert.

Nachhaltigkeit müsse in allen Unternehmensbereichen mitgedacht werden und in die Budgetplanung einfließen, stellte Lohrie klar. Auch im Bonussystem für die Mitarbeiter werde berücksichtigt, wie gut die Nachhaltigkeitsziele erreicht würden.

Tchibo setzt mehr auf Kooperation denn auf Kontrolle. Es würden Partner mit ins Boot geholt, die über spezifisches Know-how verfügten, zum Beispiel Zertifizierungsorganisationen. Kooperativ werde auch auf die Kaffee- und Baumwollbauern zugegangen. In Produktionsbetrieben erarbeite man mit Dialogtrainern und den Instrumenten des Brainstormings, mit Rollenspielen und ähnlichen Maßnahmen gemeinsame Ziele, die eine nachhaltige Produktion und Arbeit garantieren sollen. Es sei ein langer Prozess, zwei bis fünf Jahre dauere es manchmal, bis die Betriebe so arbeiteten, wie Tchibo es für sich beanspruche. Gleichzeitig führe das zu besseren Arbeitsbedingungen in den Betrieben und Wissen und Bildung auch für die Kinder.

Lohrie betonte jedoch auch die ökonomische Nachhaltigkeit. Es sei niemandem geholfen, wenn „wir am Endverbraucher vorbei optimieren“, meinte er. Einzelportionierung bei Kaffee zum Beispiel sei der Trend im Markt, dem könne sich Tchibo nicht verschließen, auch wenn die Kapseln Müll verursachten. Darum forsche man an Kapseln aus nachwachsenden Rohstoffen oder an Maschinen, die den Kapselmechanismus integriert hätten.

Ich hoffe, dass Besuche wie der von Achim Lohrie – aber genauso die Diskussionen mit Politikern und NGOs – den Studierenden in meinem Seminar helfen, die breite Palette gesellschaftlicher Akteure kennenzulernen. Die jungen Leute an der TUHH stecken allesamt in technischen Studiengängen. Aber technische Entwicklungen gesellschaftsfähig zu machen, dazu gehört auch, die Akteure der Gesellschaft zu kennen und zu verstehen. Das versuche ich rüberzubringen.

Dicke Luft im Hafen?

Von Petra Reinken

Ökumenisches Forum Hafencity - Podium und Zuhörer Wie schlimm ist es nun wirklich mit der Luftbelastung durch den Schiffsverkehr im Hamburger Hafen? Lebt es sich gesünder in der Hafencity mit den Emissionen der Schiffe oder am Rödingsmarkt mit den Emissionen durch den Autoverkehr? Wo soll die saubere Energie herkommen, die all die Schiffe benötigen, und bemühen sich die Verantwortlichen aus Hafen und Stadt sowie die Reeder genügend um Nachhaltigkeit und Lebensqualität? All diese Fragen wurden beim Ökumenischen Forum Hafencity unter dem Thema „Dicke Luft im Hafen“ aufgeworfen – und teilweise auch beantwortet. Auf dem Podium: Monika Griefahn in ihrer Funktion als Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises, Lutz Birke von der Hamburg Port Authority (HPA), Umweltpastor Jan Christensen sowie Malte Siegert vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Dass Anwohner sich Sorgen machen, ist nachvollziehbar, schaut man auf die Zahlen: 10.000 Schiffe, so hieß es, kämen pro Jahr in den Hamburger Hafen, 200 Mal sollen 2015 Kreuzfahrtschiffe dort anlegen. Dass die HPA sich Wachstum, einen höheren Warenumschlag und mehr Wertschöpfung zum Ziel gesetzt hat und gleichzeitig die Umwelt und die Lebensqualität erhalten will, brachte einige Zuhörer zum Zweifeln.

Dennoch wurde deutlich: Die Hafenwirtschaft arbeitet daran, IT-gestützte Logistik aufzubauen, um Verkehrsströme besser zu lenken. Sie will Energie im Hafen selbst erzeugen und Energie effizient nutzen. Teil des Energiekonzepts ist der Landstromanschluss in Altona, der bis Juni 2015 realisiert werden soll, und die Infrastruktur an Land für die LNG Power Barge.

Diese „Barge“ ist quasi ein Schiff mit einem Blockheizkraftwerk, das mit Gas betrieben wird. Schiffe, die im Hafen liegen, können damit ihren Energiebedarf sauberer decken als wenn sie die eigenen Motoren laufen ließen. AIDA Cruises, informierte Monika Griefahn, würde diese Energie abnehmen können. Auf den Schiffen der Kreuzfahrtreederei würden zudem seit diesem Jahr sukzessive Filter eingebaut, die Schwefel, Stickoxide und Rußpartikel erheblich reduzierten.

Was blieb nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion? Zum einen der Eindruck, dass der Energiebedarf der Hafenwirtschaft beängstigend hoch ist. Zum anderen der Eindruck, dass alle Beteiligten das Thema „auf dem Zettel“ haben und Konzepte vorliegen, um Schadstoffe zu reduzieren. Und es blieb die einhellige Aussage, dass trotz allem der Schiffsverkehr die ökologischte Art des motorisierten Transportes sei. Immerhin.

Ökofilme – Umweltbildung der besonderen Art

Von Monika Griefahn

Preisverleihung Ökofilmtour

Tolle Filme en masse wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 besonders in Brandenburg in zahlreichen Orten vorgestellt. Viele Filme sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen zum Diskurs an und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Und das ist genau der Sinn! Mit den Autoren und Filmemachern, aber auch mit Aktiven aus den jeweils beschriebenen Bereichen diskutierten die Organisatoren sowie viele ehrenamtliche Helfer im ganzen Land – auch da, wo es keine Kinos mehr gibt, in Schulen und öffentlichen Räumen.

Schwierig ist es, aus einer solchen Vielfalt an wertvollen Filmproduktionen Gewinner für die verschiedenen Preiskategorien zu küren. Jedes Jahr sucht eine hochkarätige Jury Filme aus und kürt die besten unter ihnen in den Kategorien „Bester Kinder- und Jugendfilm“, „Bester Naturfilm“, „Beste Künstlerische Leistung“ und „Beste journalistische Leistung“. Auch gibt es einen Zukunftsfilmpreis und eine Zuschauerpreis. Der Dokumentarfilm „Die Akte Aluminium“ zum Beispiel zeigt, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Dafür gab es dann auch die Auszeichnung für die beste journalistische Leistung – einen Preis, den auch der Film „Die Fukushima-Lüge“ erhielt.

„Das Geheimnis der Bäume“ zeigt in wundervoller Weise die Schönheit, Vielfalt, aber auch die Bedrohung unserer Wälder. Gefühlvoll kommentiert und mit hervorragenden Naturaufnahmen unterlegt entführt der Film seine Zuschauer in die Welt der Bäume und hinterlässt Ehrfurcht und Staunen über die Lebendigkeit eines Waldes. Aber auch Trauer und das Gefühl von Verlust werden hervorgerufen, weil wir heute alle wissen, dass wir mit rasanter Geschwindigkeit uralte (Regen-)Waldflächen zerstören. Für diesen Beitrag gab es den Preis für die beste künstlerische Leistung.

Einen ebenso intensiven Einblick gibt der Film „More than Honey – Eine Reise in die wunderbare Welt der Biene“ – bedacht mit der Auszeichnung des Zukunftsfilmpreises. Er sensibilisiert in eindrucksvoller Weise für das Bienensterben und geht diesem Phänomen auf den Grund.

Natürlich durfte auch das Publikum einen Film auszeichnen und wählte dazu den Spielfilm „Die Piroge“. Die packende Geschichte aus dem Senegal dreht sich um eine Gruppe, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem kleinen Fischerboot auf den Weg nach Europa macht.

All diese Filme sind absolut sehenswert, und ich kann euch nur empfehlen sie euch anzuschauen! Wer mehr wissen will, findet die Liste der ausgezeichneten Filme und die Begründungen der Jury auf www.oekofilmtour.de.

Musikalischer Rahmen Preisverleihung Ökofilmtour

Konferenz der Weltverbesserer im positivsten Sinne

Von Monika Griefahn

(Click here for the English version)

Monika Griefahn und Ibrahim Abouleish

„Regionalkonferenz klingt klein und überschaubar. Die Regionalkonferenz der Right Livelihood Award Foundation – also der Stiftung, die den „Alternativen Nobelpreis“ vergibt –umfasste jedoch ganz Afrika und den Nahen Osten. Sie fand Pfingsten in Sekem nahe Kairo statt. Aus dieser „Region“ waren zehn Preisträger zusammengekommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und eine Plattform für ihr Anliegen zu schaffen. Nicht zuletzt ging es darum, mit dieser neuen Öffentlichkeit den Schutz der Einzelnen zu erhöhen und perspektivisch enger zusammenzuarbeiten, um den großen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.

Für mich war es ein großartiges Gefühl, wieder in Sekem zu sein. Das Projekt wurde 2003 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet, und es ist eine Freude zu sehen, wie diese Oase in der Wüste sich entwickelt.

Aber der Reihe nach: Wer nahm an der Konferenz teil? Das waren:

-          Dr. Ibrahim Abouleish, Sekem-Gründer, Ägyptent (RLA 2003) und Helmy Abouleish, der Geschäftsführer von Sekem

-          Nnimmo Bassey, Nigeria (RLA 2010)

-          Matron Sr. Tenadam Bekele Wolde, Äthiopien (RLA 2009)

-          Jumanda Gakelebone, Botswana (RLA 2005)

-          Guillaume Harushimana, Burundi (RLA 2002)

-          Legborsi Saro Pyagbara, Nigeria (RLA 1994)

-          Jacqueline Moudeina, Tschad (RLA 2011)

-          René Ngongo, Demokratische Republik Kongo (RLA 2009)

-          Nomewende Joël Ouedraogo, Burkina Faso, (RLA 1990)

Raji Sourani aus dem Gaza-Streifen (RLA 2013) konnte nicht kommen, da die Grenze schon seit Monaten geschlossen ist; ebenso mussten Dr. Ruchama Marton (RLA 2010) und Adam Keller von Gosh Schalom ihre Teilnahme absagen, weil kein Visum für israelische Teilnehmer ausgestellt wurde. Gekommen war hingegen noch Dr. Hans Herren aus der Schweiz/Kenia (RLA 2013).

Der Name „Sekem“ ist jetzt ein paar Mal gefallen – es ist ein Betrieb, der von dem Ägypter Ibrahim Abouleish im Jahre 1978 mitten in der Wüste aufgebaut wurde. Heute gibt es dort eine Produktion für biologische Lebensmittel in Demeter-Qualität, ein pharmazeutisches Unternehmen für Pflanzenmedizin, einen Betrieb für Kleidungsstücke aus ökologischer Baumwolle, die auch in Deutschland zum Beispiel bei dm verkauft werden. Ferner umfasst das Gelände eine Schule, einen Kindergarten, eine Krippe, eine Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen, eine Ausbildungsstätte für Tischler, Elektriker, Maschinenbauer und Erzieher sowie den Bereich der Lehrerfortbildung. 2012 hat sogar eine „Nachhaltigkeitsuniversität“ ihren Betrieb aufgenommen – die Heliopolis Universität mit den Fachbereichen Pharmazie, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften.

Das Treffen gab wichtige Inspirationen für Zusammenarbeit zwischen den Preisträgern, die in sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern agieren – zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte oder der organischen Landwirtschaft. Auch ging es um Gesundheitsfragen, zum Beispiel um die Fistelerkrankungen vieler beschnittener Frauen auf dem afrikanischen Kontinent.

An der Uni hatten wir die Chance, mit ägyptischen Organisationen besonders aus dem NGO-Bereich zu diskutieren. Schnell konnten wir feststellen, dass die (nicht)Unabhängigkeit des Rechtssystems in Tschad ein ähnliches Problem ist wie eine überforderte oder nicht handelnde Regierung im Ogoniland in Nigeria. Dort wird die seit 2011 existierende UN- Resolution nicht umsetzt, das ölverseuchte Land zu sanieren. Auch die „Bushmen“ in Burkina Faso stoßen an Grenzen: Ihr Recht auf ihr Land wird ignoriert, obwohl nur noch 5000 von ihnen dort leben.

Aber wir bekamen auch Hoffnung: Sekem, aus dem Nichts aufgebaut, gibt heute mehr als 3000 Menschen Arbeit, und bezieht Lieferungen von Hunderten Bauern im Nildelta, die auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben. Hans Herren zeigte auf, dass die Zukunft der Ernährung nicht in der Gentechnik liegt, und mithin nicht bei den großen Konzern wir Monsanto oder Syngenta, sondern in Familienbetrieben, die heute 75 Prozent der Lebensmittel zur Verfügung stellen.

Die Preisträger vereinbarten eine gemeinsame Pressearbeit, Petitionen und starteten gleich mit einer Unterschriftenaktion zur ökologischen Landwirtschaft. So sieht Engagement aus!

"Right Livelihood"-Regionalkonferenz in Kairo

Bangladesch auf dem Weg zur „Solar-Nation“

Von Moritz Petersmann

(Click here for the English version)

Man kommt ins Staunen, wenn man Dipal Chandra Barua berichten hört von seiner Arbeit und seiner Vision: Bangladesch soll die weltweit erste „Solar-Nation“ werden! Das mag im ersten Moment nach einer Träumerei klingen, schaut man sich jedoch genauer an, was der Träger des Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) leistet, stimmt das optimistisch. Auf der Konferenz „Teaching Right Livelihood“ – ausführlicher bloggte Monika Griefahn dazu am 27. Mai 2014 – hatte ich die Ehre ihn zu treffen und an einem Workshop teilzunehmen, in dem er seine Arbeit vorstellte und anschließend mit dem Publikum diskutierte.

Dipal Barua

Schnell konnte man feststellen, dass Dipal Chandra Barua nicht nur über Probleme und Missstände lamentiert, sondern selbst aktiv ist, vor Ort Probleme direkt an der Wurzel anpackt und langfristige Lösungen anbietet. Tausende Dörfer in Bangladesch besuchte Dipal Chandra Barua bereits und machte sich vor Ort ein Bild. Oft leben die Menschen in diesen ländlichen Gebieten Bangladeschs ohne einen Anschluss an das Stromnetz (1996 etwa 85 Prozent der Bevölkerung) und somit nach Sonnenuntergang in absoluter Dunkelheit. Als Lichtquelle dienen an erster Stelle kerosinbetriebene Lampen.

Seit Gründung der Non-Profit-Organisation Grameen Shakti 1996 verändert sich die Lebenssituation in den beschriebenen ländlichen Gebieten jedoch zusehends. Denn Dipal Chandra Barua bietet mit seinem Modell zur Verbreitung nachhaltiger Beleuchtung und Energie eine Win-Win Situation: Die ländliche Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Chance durch Installation eigener „Solar Home“-Systeme (SHS) den Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer, klimafreundlicher Energien voranzutreiben. Dabei hilft ein finanzieller Mechanismus, der die Kosten für eine eigene Solaranlage auf die monatlichen Kosten für Kerosin reduziert. Und das Modell hat Erfolg: Bis heute wurden etwa 3 Millionen „Solar Home“-Systeme in ländlichen Gebieten Bangladeschs installiert. Bemerkenswert ist ebenso, dass Dipal Chandra Barua durch seine Green Technology Center (GTC) explizit Frauen unterstützt und ermutigt, eine technische Ausbildung zu absolvieren. Auch dies mit Erfolg! Viele Frauen arbeiten als „grüne Entrepreneure“ im wachsenden Markt der erneuerbaren Energien und bewirken neben dem positiven Umweltnutzen auch ein verändertes Ansehen von Frauen in der muslimisch geprägten Gesellschaft Bangladeschs…

Dipal Barua zeigt wie es funktionieren kann mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern: dezentral und mit einem Mehrwert für Gesundheit, Bildung und Produktivität. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann Dipal Chandra Baruas Vision in Erfüllung geht und 75 Millionen Menschen in Bangladesch von der Nutzung erneuerbarer Energien profitieren!

Leichtmetall mit schweren Folgen: “Akte Aluminium” – ein Filmtipp

Plakat der ÖkofilmtourVon Moritz Petersmann

Zahlreiche Filme wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 vorgestellt. Viele der Produktionen sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen auch zum Diskurs an. Hervorgestochen hat unter anderem der Film „Akte Aluminium“. Zum Abschluss der Ökofilmtour wurde er mit dem Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung ausgezeichnet.
Der Dokumentarfilm porträtiert das Metall der Moderne in seinen verschiedenen Facetten von der Produktion bis hin zum Inhaltsstoff diverser Produkte. Es wird schnell deutlich, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Seine toxische Wirkung kann gravierende Folgen für Mensch und Umwelt bewirken. Dabei ist Aluminium Bestandteil vieler Produkte, die uns tagtäglich umgeben! Wieso müssen wir unser Trinkwasser mit Aluminium reinigen? Wieso müssen Deos, Sonnencremes, Medikamente und Kaugummis allesamt dieses giftige Metall enthalten?

Wenn nicht einmal die Aluminium-Lobby bestreitet, dass Aluminium giftig ist, warum wählen wir für unsere Produkte nicht gleich zu Beginn Bestandteile aus, die nicht gesundheitsschädlich sind? Wir können sogar Produkte entwerfen, die nützlich für uns und unsere Umwelt sind! Also: Augen auf beim Einkauf! Und wer noch mehr machen will, dem seien darüber hinaus auch eigene Aktivitäten empfohlen für einen positiven Fußabdruck und umfassende Qualität in Produkten und Prozessen – zum Beispiel im Verein Cradle to Cradle e.V.