Das verflixte siebte Jahr ist ein hervorragendes Jahr!

Von Monika Griefahn/Pressemitteilung

Deutscher Computerspielpreis 2015

Es war die beste Gala, seit es den Computerspielpreis gibt: Kurzweilig und mit einem tollen Show-Act – „Laing“ aus Berlin, sozusagen das weibliche Pendant zu Kraftwerk!

Ich habe gemeinsam mit Dorothee Bär von der CSU, die heute parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Vorsitzende der Jury ist, Mitte der 2000er Jahre einen Antrag im Bundestag gestellt, um die guten Computerspiele, die in Deutschland entwickelt werden zu würdigen. Daraus ist der Computerspielpreis entstanden. Die Spielebranche ist eine Branche, die damals schon mehr Umsatz machte als die Filmbranche. Ich freue mich, dass der Preis sich etabliert hat und den Eltern Hilfestellung in der Auswahl von Spielen für ihre Kinder gibt. Ich freue mich auch, dass das Ministerium auch die Arbeit der Stiftung Digitale Spielkultur, deren Beiratsvorsitzende ich sein darf, kontinuierlicher unterstützen will. Auch wenn meine Kinder inzwischen als Testspieler ausfallen, habe ich mich gefreut, dass ich die Laudatio für die Hamburger Spielentwickler des Besten Deutschen Kinderspiels „Fire“ halten konnte.

Nachfolgend Auszüge aus der offiziellen Pressemitteilung:

In 13 Kategorien sind am 21. April die besten Spiele des Jahres mit dem Deutschen Computerspielpreis im Berliner „ewerk“ ausgezeichnet worden. Neu in diesem Jahr: die Kategorien „Beste Innovation“, „Beste Inszenierung“, „Bestes Gamedesign” sowie die drei undotierten internationalen Kategorien „Bestes internationales Spiel“, „Bestes internationales Multiplayer-Spiel“ und „Beste internationale neue Spielwelt“. Premiere feierte in diesem Jahr auch der Publikumspreis, über den allein die Spieler und Fans per Online-Voting entschieden haben. Vor über 600 Gästen aus der Computer- und Videospielbranche, Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien präsentierte Moderatorin Judith Rakers gemeinsam mit prominenten Rednern und Laudatoren die Sieger. Ermittelt wurden die Gewinner aus 320 Einreichungen durch eine mit Experten besetzte Fachjury sowie eine Hauptjury. Große Freude gab es auch bei den Nachwuchs-Spieleentwicklern: Insgesamt 60.000 Euro gingen an Studenten aus Trier, Köln und Darmstadt, die in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept Fördergeld erhielten.

Verliehen wird der DCP durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und die Branchenverbände BIU und GAME. Auf der Grundlage unabhängiger Entscheidungen von Fach- und Hauptjurys wird die Entwicklung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele „Made in Germany“ gefördert. Ein weiteres wichtiges Kriterium, das über die Prämierung entscheidet, ist zudem Spielspaß. Der DCP wird ab 2015 erstmals in bis zu 14 Kategorien vergeben, um der Vielfalt von Computerspielen gerecht zu werden. Neu dabei sind der Publikumspreis und drei internationale Kategorien.

Alle Gewinner des Deutschen Computerspielpreises 2015:

  • Bestes Kinderspiel: Fire (Hamburg), Daedalic Entertainment
  • Bestes Jugendspiel: TRI: Of Friendship and Madness (Halle), Rat King Entertainment, Rising Star Games
  • Bestes Serious Game: Utopolis – Aufbruch der Tiere (München), Reality Twist, Nemetschek Stiftung
  • Bestes Nachwuchskonzept: In Between (Trier), Hochschule Trier, UnderRaid (Darmstadt), Hochschule Darmstadt / Mediencampus Dieburg, Simon Cooks (Köln), SAE Institute Köln
  • Bestes Mobiles Spiel: Rules! (München), The Coding Monkeys
  • Bestes Gamedesign: The Last Tinker – City of Colors (München), Mimimi Productions
  • Beste Inszenierung: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Innovation: Spiel des Friedens (Ludwigsburg), Studio Fizbin, Landesmuseum für Kunst und Kultur Münster
  • Bestes Deutsches Spiel: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Internationale neue Spielewelt: This War of Mine (Polen), 11Bit Studios, Koch Media
  • Bestes Internationales Multiplayer-Spiel: Hearthstone: Heroes of Warcraft, Blizzard
  • Bestes Internationales Spiel: This War of Mine (Polen), 11bit Studios, Koch Media
  • Publikumspreis: Dark Souls 2, From Software, Bandai Namco Entertainment

Großes Kino mit kleinem Budget

Von Monika Griefahn (Jurymitglied Ökofilmtour)

 Sie finden die diesjährigen Preisträger untenstehend!

IMG_8196_blogIn diesem Jahr tourt das Festival des Umwelt- und Naturfilms, die Ökofilmtour, zum zehnten Mal durch Brandenburg. Das Programm ist richtig gut: tolle Filme, kreative Ideen, engagierte Regisseure und Autoren, zahlreiche Ehrenamtliche, die mit anpacken. Dass dieses Festival bis heute immer wieder zittern muss, dass genug Fördergelder zusammenkommen, das ist grundfalsch. Immerhin: Das Land Brandenburg honoriert die Arbeit der Festival-Organisatoren jetzt mit einer festen Haushaltsposition. Dafür danke. Vielleicht eifert diesem Vorbild ja jemand nach, damit das Festival endlich Planungssicherheit bekommt! Liebe Unternehmen – hier gibt es ein wunderbares kulturelles Angebot, für das sich finanzielles Engagement wirklich lohnt!

Kultur, haben wir in der SPD immer gesagt, ist Lebensmittel. Was wir gemeint haben – und was ich auch heute immer noch meine -, ist: Kultur befriedigt elementare Bedürfnisse. Musik, Gesang, Tanz – all diese kulturellen Phänomene sind elementar im Leben eines Menschen. Und der Mensch befriedigt diese Bedürfnisse ja ständig, wenn es möglich ist – egal, ob er unter der Dusche singt, in die Disko oder in ein Konzert geht.

Im ländlichen Raum ist das in mancherlei Hinsicht schwierig: Das Angebot an Theatern, Museen und andere Einrichtungen ist nicht so vielfältig wie in der Stadt. Das bedeutet nicht, dass es keine kulturellen Angebote auf dem Land gibt – oft existieren Musikschulen, Kulturinitiativen oder Heimatvereine. Wo Kommunen mit der Kulturförderung nicht nachkommen können, wächst oft das Bürgerengagement. Das zeigt noch einmal mehr, dass kulturelle Bildung oder Unterhaltung ein wichtiges Bedürfnis der Menschen ist.

Die Ökofilmtour erreicht ebenfalls den ländlichen Raum. Im Gepäck hat sie hohe Qualität! Mit den nominierten und prämierten Filmen reisen Organisator Ernst-Alfred Müller und seine Mitstreiter Jahr für Jahr durch 60 bis 70 Orte in Brandenburg, in denen es keine Kinos gibt. In der Fläche zeigen sie Filme, diskutieren mit dem Publikum oder erörtern sie mit Schulklassen. Oft sind Regisseure oder Autoren mit von der Partie. Die Zuschauer können sie hautnah erleben und viel über ihre Arbeit erfahren.

200 ehrenamtliche Mitveranstalter gibt es im ganzen Land, und was dann auf Leinwänden gezeigt wird, legt thematisch entweder den Finger in die Wunde oder zeigt wunderbare Bilder von der Schönheit der Natur. In diesem Jahr spielen Themen wie Landgrabbing eine Rolle – das ist brandaktuell und hochbrisant in den östlichen Bundesländern – oder auch die Themen TTIP, Atomausstieg oder die ökologischen Folgen von Kriegen.

Die Filme stammen von Autoren, die zu den besten Dokumentaristen und Naturfilmern Deutschlands gehören. Wenn wir mit ihnen sprechen, wird deutlich, wie schwer es ist, sich mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die meisten von ihnen sind Freiberufler, und deren Honorare stagnieren seit Jahren. Sie packen brisante Themen an, die intensive, lange, manchmal teure und zu Teil auch gefährliche Recherche und viel Hartnäckigkeit erfordern. Haben sie ihr Material erfolgreich zusammen, dann müssen sie darum kämpfen, dass ihre Filme auch gezeigt werden. Und allzu oft erhält dann leider eine großartige Reportage einen Sendeplatz irgendwann gegen Mitternacht, wenn die meisten Menschen im Bett liegen.

Es werden so unglaublich hohe Summen für die Rechte von Sportübertragungen gezahlt, da muss doch bei den Medienanstalten ein bisschen mehr Geld übrig sein für Autoren und Regisseure, die mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen und die echte Bildungsarbeit leisten! Mein Appell richtet sich besonders an die Öffentlich-rechtlichen, denn Bildung gehört ausdrücklich zu ihrem Auftrag.

Die Preisträger 2015 sind:

IMG_2873_beaZukunftsfilmpreis
„Energie vom Feld“, von Lorenz Knauer
Produktion für den Bayerischen Rundfunk

Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm
„Natur unter Beschuss – ökologische Folgen des Krieges“ von Maximilian Mönch
Produktion für 3sat

Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung, verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
„Böse Mine, gutes Geld. Das schmutzige Geschäft mit der Kohle“ von Peter Ruppert, Jo Schück und Michael Strompen
Produktion für das ZDF

Bester Kinder- und Jugendfilm
„Karussell des Lebens – die Streuobstwiese“ von Annette und Klaus Scheurich, Mi-Yong Brehm und Moritz Mayerle
Produktion für BR, WDR, ZDF und ARTE

Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung
„Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten“ von Cornelia Grünberg
Kino-Produktion

Lobende Erwähnung der Jury
„Ozon unterwegs: Fleisch vom Fließband – Massentierhaltung und ihre Folgen“ von Hartmut Sommerschuh, Maren Schibilsky, Felix Krüger und Wolfgang Albus
Produktion fürs rbb Fernsehen

Publikumspreis
„Das Salz der Erde“ von Wim Wenders, David Rosier und Juliano Ribeiro Salgado
Kino-Produktion

 Mehr zur Ökofilmtour

Grimme-Preis in Marl – eine bodenständige Veranstaltung

Von Monika Griefahn

Sie holten einen syrischen Flüchtlingschor auf die Bühne und kritisierten gleichzeitig spitzzüngig die Abschottungspolitik Deutschlands – für ihre künstlerischen Leistungen in der ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ sind Claus von Wagner, Max Uthoff und ihr Kollege Dietrich Krauss jetzt in der Kategorie „Unterhaltung“ mit einem Grimme-Preis bedacht worden. „Sie haben aus der Gewohnheit, Kabarettsendungen als Werbeflächen für Bühnenprogramme zu missbrauchen, die Tugend einer packenden Ensembleaufführung gemacht“, hieß es in der Begründung der elfköpfigen Jury.

IMG_20150327_Grimme_blogDer Grimme-Preis gilt als prestige-reichste Fernsehauszeichnung Deutschlands. In diesem Jahr vergab die Jury, die sich unter anderem aus Fachleuten und Medienjournalisten zusammensetzt, in den drei Wettbewerbskategorien „Fiktion“, „Information & Kultur“ und „Unterhaltung“ zwölf Preise für herausragende TV-Produktionen. Dazu kamen Sonderpreise und -ehrungen. Es gewannen dieses Jahr nur öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die Grimme-Preis-Verleihung ist eine Veranstaltung ohne den üblichen Sternchen-Glamour. Eine roten Teppich gibt es zwar, aber davor auch gleichzeitig eine Demo, die auf ein Problem vor Ort aufmerksam macht: die schlechte Ausstattung eines Flüchtlingsheims.

Gut, dass es noch immer den Ehrgeiz von Filmemacherinnen und -machern gibt, einen Grimme-Preis zu erhalten. Denn auch die Öffentlich-Rechtlichen schauen immer mehr nach der Quote und kommen ihrem Auftrag, Fernsehen für alle und auch Bildung zu machen, häufig nur zu nachtschlafender Zeit nach. Außerdem leiden gerade die Dokumentarfilmer daran, dass ihre Honorare seit 20 Jahren nicht gestiegen sind, wohl aber die Entstehungskosten ihrer Produktionen. Umso bemerkenswerter die ausgezeichneten Werke: zum Beispiel „Camp 14“ über nordkoreanische Lager von Marc Wiese oder „Wir waren Rebellen“ über den Südsudan von Katharina Schröder und Florian Schewe, die Aufwand und Gefahr in der Produktion auf sich nahmen.

Und wie Hermine Hundgeburth, die ihren vierten Grimme-Preis mitnahm, so schön sagte: Auch Frauen haben immer noch weniger Chancen, Aufträge zu bekommen, obwohl gleich viele Frauen ausgebildet werden: „Vollständig erklären kann ich das nicht. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich von einer bekannten Drehbuchautorin gehört habe. Der wurde in einer Runde mit Redakteuren und Produzenten eine Liste von Namen vorgelegt, wer für die Regie in Frage käme. Darunter war keine einzige Frau. Als die Autorin nachfragte, warum das so sei, war die Antwort: ,Uns fallen keine Regisseurinnen ein.‘ Allein deshalb ist ,Pro Quote Regie‘ schon sinnvoll: Sie macht die Vielzahl von guten Regisseurinnen sichtbar, die es in Deutschland gibt, und die Lust haben zu arbeiten“ berichtete die erfolgreiche Regisseurin gegenüber Spiegel-online.

Geballte Frauenpower und solare Technik für den Alltag

Von Monika Griefahn

Right Livelihood Laureates and observers at Asian Regional Confe

 

Klick here for the english version.

Immer wieder überraschen und überwältigen mich das Engagement und die Durchsetzungskraft unsere Alternativen Nobelpreis-Gewinner!

Vom 3. bis zum 6. März trafen sich die Preisträger aus dem asiatischen und pazifischen Raum auf Einladung der Tata-Universität, Centre for Livelihoods and Social Innovation (CLSI) in Mumbai, Indien. Da stellte nicht nur Huang Ming aus China seinen transportablen Solarkocher vor, sondern Shrikrishna Upadhyay aus dem Nepal vermittelte uns auch, welche Kräfte die eine Million Menschen, die im ländlichen Nepal ihre Lebensbedingungen gemeinschaftlich verbessert haben, mobilisieren konnten.

Monika Griefahn, Huang MingBesonders beeindruckend waren wieder einmal die Frauen: Sima Samar aus Afghanistan sowie Medha Patkar und Ruth Manorama aus Indien, unterstützt durch den Menschenrechtler Basil Fernando aus Hongkong/Sri Lanka, stellten sehr deutlich dar, wie wichtig die Bildung und Gesundheitsversorgung von Frauen für die Weiterentwicklung von Gesellschaften ist.

Madha Patkar streitet für die Wanderarbeiter/innen, die noch nicht einmal die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen, da sie keinen festen Wohnsitz haben. Und die Angehörigen der Dalit, der unteren Kaste in Indien, die es eigentlich laut Verfassung nicht mehr gibt, werden noch immer aus Geschäften gejagt (ich habe es selbst gesehen!) und bekommen auch viel weniger die Möglichkeiten, eine anständige Ausbildung zu machen. Ruth Manorama hat als charismatische Kämpferin schon viel für die Schwächsten in der Gesellschaft erreicht. Aber das Bewusstsein ist noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen. Und Sima Samar hat aus Mangel an Einrichtungen mal eben selbst ein Krankenhaus, eine Schule und eine Universität und Ausbildungseinrichtungen – eben auch für Frauen – gegründet und vorangetrieben. Als ich dieser Diskussion „Transforming Livelihoods: Creating an Enabling Environment for Civil Society in the Asia-Pacific“ so zuhörte, fühlten sich unsere Diskussionen hier in Europa schon fast als Jammern auf hohem Niveau an.

Diese anstrengende und lehrreiche Woche, die aber auch zeigte, dass es überall Menschen gibt, die für das Gute eintreten und es auch erreichen, endete mit einer Ersten Konferenz der Right Livelihood Colleges. Das sind die sieben Universitäten (in Mumbai in Indien, Addis Abeba in Äthiopien, Port Hartcourt in Nigeria, Valdivia in Chile, Lund in Schweden, Bonn in Deutschland und Santa Cruz in den USA) weltweit, die genau das versuchen weiterzugeben: den Geist der Innovation und Möglichkeiten, und zwar in einer menschlichen und nicht nur in einer technischen Hinsicht – wie unsere Gastgeberin Prof. Dr. Swati Banerjee vom Tata-Institute for Social Sciences ihren Bildungsauftrag beschrieb.

Jeder kann „kompensieren“!

Von Monika Griefahn

Bei Aida haben wir eine wichtige Kooperation festgezurrt: Die Kreuzfahrtreederei und Atmosfair arbeiten beim Klimaschutz jetzt zusammen. AIDA kompensiert die CO2-Emissionen der dienstlich veranlassten Reisen mit dem Flugzeug oder Mietwagen über Atmosfair-Klimaschutzprojekte. Und AIDA-Gäste können den CO2-Ausstoß, den ihre Kreuzfahrt verursacht, ebenfalls kompensieren, indem auch sie Projekte unterstützten, die dem Klima und den Menschen helfen.

Das Geld aus dieser Kooperation fließt an ein Biomassekraftwerk im nördlichen Indien, das aus Ernteresten grünen Strom für 40.000 Haushalte produziert, 30.000 Tonnen CO2 jährlich spart und zusätzlich einen Beitrag zur Entwicklung der Region mit neuen Arbeitsplätzen und Einnahmequellen für Bauern bietet. Die Kompensationsprojekte sind so ausgelegt, dass sie selbst das Klima schützen, also zum Beispiel fossile Energie ersetzen oder Böden schonen.

Klar ist aber auch: Kompensation sollte immer nur das letzte Mittel der Wahl sein. Ein „Freikaufen“ aus der Verpflichtung, für sich uns die Welt zu sorgen, ist nicht der richtige Weg. Bei AIDA haben wir vieles entwickelt, das Emissionen verringert – zurzeit werden Filtersysteme in AIDA-Schiffe eingebaut, die Schwefel, Stickoxide und Rußpartikel herausfiltern. Die LNG-Hybrid-Barge wird in dieser Saison im Hamburger Hafen ihren Dienst aufnehmen und Strom für Kreuzfahrtschiffe produzieren, damit sie weniger CO2, keinen Schwefel und Ruß emittieren. Außerdem hat das Unternehmen seit jeher in Maßnahmen investiert, die den Treibstoffverbrauch generell verringern. Diese Anstrengungen werden auch weiterhin gemacht, CO2-Kompensationen sind ein ergänzendes Element.

In meiner eigenen Firma, dem Institut für Medien Umwelt Kultur, verfahren wir nach dem gleichen Muster. Auf Dienstreise gehen wir sehr oft mit dem Zug, aber wenn IMUK-Dienstreisen nur per Flugzeug möglich sind, dann kompensieren wir auch über Atmosfair – für sinnvolle Klimaprojekte.

Was ich damit sagen will: Jeder kann etwas tun! Jeder muss etwas tun.

Es ist neben den eigenen Bemühungen, weniger Klimagase auszustoßen, wirklich eine einfache Art zu helfen, und Atmosfair ist auch nicht der einzige Anbieter, der die Förderung von Klimaschutzprojekten durch Kompensation organisiert. Auf den Internetseiten der Anbieter gibt es Rechner, mit denen sich der CO2-Ausstoß bestimmen lässt und die dann den Betrag errechnen, der überwiesen werden müsste.

Wenn Unternehmen und Privatpersonen in dieser Reihenfolge handeln – vermeiden, einsparen, kompensieren -, dann ist eine Kompensation von CO2-Emissionen eine hilfreiche Sache. Es ist die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Das Klima wirkt global, und hier haben wir einen globalen Ansatz des Klimaschutzes.

Zum Nachhaltigkeitsbericht von AIDA Cruises.

Klima. Wandel. Gerechtigkeit. Welchen Fußabdruck willst du hinterlassen?

Von Moritz Petersmann, Leuphana-Student

Podium mit Monika GriefahnDrei Tage lang elektrisierende Stimmung auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg: Die jährlich stattfindende Konferenzwoche hat es wieder geschafft, viele junge Menschen in ihren Bann zu ziehen. Sie ist ein beeindruckender Höhepunkt des Studienmoduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“  an unserer Universität.

Vom 25.  bis zum 27. Februar machten sich in Lüneburg etwa 1500 Studierende des ersten Semesters bei der Konferenz auf verschiedene Wege des Wandels, um den Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Es lockten große Arenen mit prominenten Gästen wie Klaus Töpfer, langjähriger Direktor bei den Vereinten Nationen, Stefan Wenzel, niedersächsischer Umweltminister, Katharina Fegebank, Landesvorsitzende der Grünen in Hamburg, Menschenrechtsaktivistin Ruth Weiss, Club of Rome-Mitglied Uwe Schneidewind, Starköchin Sarah Wiener oder dem Yale-Philosophen Thomas Pogge.

Doch auch die Studierenden selbst prägen mit der Präsentationen ihrer Forschungsergebnisse die Konferenz maßgeblich mit. Der „Gallery Walk“ verwandelt zum Beispiel den Hörsaalgang dann in eine bunte Messe mit viel Ideenreichtum. Ein beeindruckendes Beispiel aus diesem Jahr ist das Projekt „Papp Dich“. Inspiriert durch den „Cradle to Cradle“-Gedanken will die Projektgruppe mit einem flexiblen und nachhaltigen Möbelsystem ein klares Statement setzen für Kreativität und Wirtschaften in Kreisläufen.

Neben den geläufigen Formaten einer Konferenz bietet die Leuphana Konferenzwoche immer auch einige Spezialitäten. So kann man auf der Spielwiese dem Konferenztrubel entfliehen und neben einem wunderbaren Angebot veganer und vegetarischer Köstlichkeiten das Thema gesellschaftliche Verantwortung erkunden. Kunst, Musik und interaktive Formate kultureller und sozialer Initiativen finden dort Platz.

Gast am dritten Konferenztag war auch Monika Griefahn. Zum „Kampf der Strategien“ hatten sich neben ihr auch BUND-Ehrenvorsitzende Angelika Zahrnt, Leonie Bellina, Expertin u.a. zum Thema Environmental Justice (umweltbezogene Gerechtigkeit) und der Dekan der Lüneburger Nachhaltigkeitswissenschaften Leuphana-LogoDaniel Lang auf dem Podium zusammengefunden. Dort wurde klar: Wir brauchen eine integrierende Strategie, die sich Gerechtigkeit zum Ziel (und zum Weg) macht. Das Nebeneinander von Suffizienz-, Konsistenz-, Effizienz- und weiteren Strategien des Wandels reicht also nicht aus. Gefordert ist vor allem auch das Engagement jedes Einzelnen!

Zum Abschluss der Konferenz spürten wir Studenten neben der Erschöpfung dreier intensiver Tage voller Lernen und Begegnung eine Aufbruchsstimmung auf dem Campus. Die wollen wir mitnehmen in das nächste Semester und darüber hinaus. Damit ist klar: Die Konferenzwoche hat ihr Ziel erreicht. Sie setzt Impulse für Transformation – im Kleinen wie im Großen.

Nächstes Jahr, Ende Februar 2016, ist es wieder soweit. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen und willkommen. Wir sehen uns!

Zur Leuphana-Konferenzwoche

Die Berlinale bleibt politisch

Von Monika Griefahn

Berlinale - mit Benny Andersson von ABBA.

Bewegende Bilder sind wieder in Berlin zu sehen – wie jedes Jahr im Februar. Die Berlinale läuft, die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Sie sind ein Publikumsfestival. Mehr als 300.000 Eintrittskarten zählen die Kinokassen, und nahezu 20.000 Fachbesucher aus 124 Ländern tummeln sich im halbwinterlichen Berlin.

Und Dieter Kosslick, jetzt zum 14. Mal Direktor dieses wichtigen A-Festivals der Filmbranche, zeigt es allen: Mit „Taxi“ wird zum wiederholten Male Jafar Panahi aus dem Iran präsentiert, der eigentlich Arbeitsverbot hat und im Gefängnis sitzen müsste. Und dennoch erhält sich der Regisseur seine bissige und satirische Sicht auf sein Land und die politischen Verhältnisse. Er hat eine Low-Budget Produktion verwirklicht, die zuweilen auch die Lachmuskeln beschäftigt. Panahi selbst sitzt am Steuer eines Taxis, und die vielen Fahrgäste erzählen die Facetten des Lebens. Ein Mann fordert die Todesstrafe für Nichtigkeiten, ein anderer macht nach einem Motorradumfall ein Handy-Testament zugunsten seiner Frau. Dazu muss man wissen, dass im Fall des Todes des Mannes eine Frau vollkommen rechtlos ist… Eine Anwältin fährt mit – sie besucht eine Gefangene im Hungerstreik und hat Rosen dabei. Wie lange sie selbst noch praktizieren darf, weiß sie nicht.

Herauszuheben ist auch „Ixcanul Vulcano“, ein Film von Jayro Bustamante, der auf einfühlsame Weise beschreibt, wie die armen Bauern in Guatemala noch immer fast Leibeigene der Landbesitzer sind. Selbst Babys werden unter der Behauptung weggenommen, sie seien tot.

Eine Kinderjury gibt es bei der Berlinale ebenfalls, und die Jugendlichen kommen auf ihre Kosten, zum Beispiel mit dem schwedischen Film „The Circle“. Der Streifen zeigt unter der Handlung mit allerlei Hexen-Brimborium das Zusammenwachsen von fünf Mädchen zu Freundinnen. Attraktion bei dieser Film-Präsentation waren allerdings neben den fünf hübschen Schwedinnen der ABBA-Sänger und Komponist Benny Andersson (Bild oben, 2. v.r.) und sein Sohn Ludvig, selbst Songwriter und Musiker.

Auch wenn es zur Berlinale immer viel Glamour und Glitzer in Berlin gibt, so zeigt die Branche doch auch, dass das Medium Film politisch sein und Geschichte und Zeitgeschehen auf interessante, intensive Weise vermitteln kann. Ich wünsche Dieter Kosslick noch viele produktive Jahre und freue mich, dass sein Vertrag gerade bis 2019 verlängert wurde.

Berlinale

Neuer Wind in Ägypten

Von Monika Griefahn

Sekem-Besuch

Ich komme gerade aus Kairo zurück, wo ich als Vorstandsmitglied der Heliopolis-Universität unterwegs war. Die Nachhaltigkeits-Universität Heliopolis gehört zu Sekem, einer Initiative für organischen Landbau und ganzheitliche Produktion, die tausenden Menschen dort Arbeit gibt. An der Uni, die 2012 gegründet wurde, werden inzwischen 554 Studenten ausgebildet, davon 397 in (Pflanzen-)Pharmazie, 92 Ingenieure, und 65 in Sustainable Business und Marketing.

Nicht nur reine Fachausbildung wird dort geleistet, sondern die zum Teil sehr schüchternen Studenten entwickeln sich zu Persönlichkeiten und lernen auch, dass Musik, Kunst und anderen soziale Fähigkeiten ihnen helfen, Konflikte anders anzugehen und auf andere zuzugehen. Das sind die Menschen, die wir in einem Land, dass so viele Umstürze hinter sich, aber noch nie echte Demokratie erlebt hat, dringend brauchen. Ägypten ist aber ein Land, in dem gute Hoffnungen bestehen, dass der arabische Frühling dauerhaft Früchte trägt – umso wichtiger ist das Engagement der Heliopolis.

Die Forschungen an der Universität zeigen auch, dass nur biologischer Landbau die zukünftige Ernährung sichern kann – nicht Gentechnik oder andere konventionelle Techniken. Sekem ist ohnehin seit Jahrzehnten der beste Beweis dafür.

Das bedeutet kein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert, wie so oft geunkt wird. Denn in der biologischen Landwirtschaft kommen gleichwohl neueste Techniken zum Einsatz. In Sekem arbeitet man mit Solarpumpen, die die unterirdische Bewässerungen der Felder noch nachhaltiger gestalten, und  mit Gewächshäusern aus Photovoltaikplatten, die Aquakultur ermöglichen. Das Projekt wird von der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft der KfW, gefördert. Mit Extrakten aus Heilkräutern ist es außerdem möglich, nicht gewünschte Insekten fernzuhalten.

Vieles, was die Uni erforscht oder lehrt, kommt auch gleichzeitig direkt der „Commmunity“ – was Gemeinde und Gemeinschaft bedeutet – zugute. Beispiel Wasser – ein rares Gut in Ägypten. Im Prinzip müssen 40 Prozent des Wassers importiert werden, also geht alles darum, den „Wasserfußabdruck“ zu verringern. Aber wie, wenn man weiß, dass für eine Pizzaschnitte schon 1260 Liter verbraucht werden? Das rechnete Dr. Hani Sewilami von der RWTH Aachen vor (Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen). Frische organische Lebensmittel sind da eine Alternative. Wie anerkannt Sekem inzwischen ist, zeigt, dass auch die internationale Demeter-Gesellschaft im Juni in Sekem tagen wird – ein Bio-Verband, der eine lange Tradition hat und hohes Vertrauen genießt.

Die drei Säulen der Heliopolis-Universität verbinden Bildung und Forschung mit Anwendung in der „Community“. Wenn man die leuchtenden Augen der Studenten bei der Präsentation ihrer Labors sieht, dann weiß man, dass die Sekem-Gruppe um den Alternativen Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish mit der Verwirklichung ihrer Vision die richtige Entscheidung getroffen hat: Inzwischen bestehen ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Firma, die die Produkte verarbeitet, ein Kindergarten und eine Schule, eine Lehrwerkstatt… Da war es ganz folgerichtig, auch eine Universität zu gründen, um die Erfahrungen aus der Initiative weiterzutragen, aber auch, um sie zu dokumentieren und weiter zu erforschen.

Lassen Sie uns diese engagierten und mutigen Menschen unterstützen!

Das ist Sekem.

Das ist die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.

Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz!

Von Monika Griefahn

SPD-Neujahrsempfang Hanstedt

Unsere Gesellschaft altert, und das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft und auf die Systeme, die unsere Gesellschaft zusammenhalten: Es fehlen beispielsweise Fachkräfte, und bald hat ein aktiver Beschäftigter für einen Rentner aufzukommen. Politik muss darauf reagieren, umso mehr, als angesichts dieser Tatsachen Ängste in der Bevölkerung zu überwinden sind – die Ängste vor fremden Namen und anderer Hautfarbe. Einreisewilligen per se den Weg zu versperren, ist aber nicht der richtige Weg. Viele Flüchtlinge, die zurzeit aus Syrien und anderen Unruheländern kommen, brauchen eine Zuflucht und sind oft gut ausgebildete Menschen. Sie können und wollen sofort hier arbeiten, und sie wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen.

Es gibt auch genug Angebote von Firmen für viele dieser Menschen. Und es gibt zahlreiche Hilfsangebote von Nachbarn und anderen Engagierten, beim „Hier-heimisch-Werden“ zu helfen – sei es durch Sprachkurse, durch praktische Hilfe mit Behörden oder einfach freundliche Nachbarschaft. Landkreise unterstützen das oft, zum Beispiel mit der Ausbildung von ehrenamtlichen Integrationslotsen. Umso weniger ist zu akzeptieren, dass einige Menschen und Gruppierungen besonders in Städten, wo es wenige Auswärtige gibt, Angst verbreiten.

Wir benötigen aber natürlich für ein friedliches Zusammenleben eine sinnvolle und funktionierende Verteilung von Flüchtlingen, genügend Angebote, unsere Sprache zu lernen und Beschäftigungsmöglichkeiten für alle, die bei uns Schutz suchen. Denn Menschen mit teils traumatischen Erlebnissen, die mit Fremden auf engem Raum und ohne Perspektive über längere Zeit lebMonika Griefahn, Yasmin Fahimien müssen, werden mutlos und unter Umständen aggressiv. Insofern hat Yasmin Fahimi Recht, wenn sie dazu aufruft, schnell ein Einwanderungsgesetz zu beschließen. Die Generalsekretärin der SPD war am 18. Januar beim traditionellen Neujahrsempfang der SPD in Hanstedt (Fotos) zu Gast und warb dort dafür, Einwanderung positiv mit Leben zu füllen.

Es hilft niemanden, wenn Menschen auf der einen Seite nicht arbeiten können und gezwungen werden, monatelang im Notaufnahmelager zu leben, und auf der anderen Seite Anwohner sich beschweren, dass die zu uns Gekommenen nichts tun und aus Steuergeldern versorgt werden. Ein Einwanderungsgesetz kann das regeln.

Uns geht es immer noch sehr gut in Deutschland. Seien wir dankbar, dass wir nicht im Krieg leben. Und lassen Sie uns ein wenig teilen. Jeder hat etwas übrig: der eine Winterkleidung, der andere Zeit. Was uns im Großen und Ganzen in unserer Gesellschaft doch manchmal verloren gegangen ist, ist Wärme und Mitgefühl. Ich bin sehr froh, dass ich beides bei vielen, die sich für die Flüchtlinge engagieren und gegen Pegida demonstrieren, wiedergefunden habe. Danke.

Je suis Charlie

Ich bin bestürzt. Ich bin traurig. Ich bin wütend.

Ich bin bestürzt, weil ich dieses Ausmaß an Brutalität mir vor wenigen Monaten noch nicht habe vorstellen können, auch wenn es durch die Massaker in Syrien immer näher gekommen ist.

Ich bin traurig, weil ich Charlie Hebdo und seine Menschen seit vielen Jahren kenne. Besonders schätzen gelernt habe ich sie in der Zeit , als der französische Staat selbst Terror ausgeübt hat und durch seinen Geheimdienst DGSE das Greenpeace Schiff Rainbow Warrior in Neuseeland mit einen Bombenanschlag versenken ließ. Dabei starb der Fotograph Fernando Pereira. Ich arbeitete in der Zeit der Aufklärung des Falls in Paris. Die Kollegen von Charlie Hebdo waren in der Gruppe der Wenigen, die uns halfen und uns nicht als Staatsfeinde betrachteten. Sie trugen erheblich zur Aufklärung des Anschlages bei. Und nun mussten sie selbst sterben.

Ich bin wütend, dass es uns nicht gelungen ist, die Werte der Aufklärung allen in unserer Gesellschaft nahezubringen. Aus unserer Mitte ziehen junge (vorwiegend) Männer in den „Heiligen Krieg“ und kommen verroht und zu Terrormaschinen ausgebildet zurück. Das rüttelt an unserer Freiheit. Schon werden die Rufe nach strengeren Gesetzen und -wie in Frankreich von der Rechten um Le Pen verlautbart – nach Todesstrafe lauter.

Umso wichtiger ist es jetzt, dass alle, die für Demokratie und Freiheit kämpfen, zusammenstehen und an jeder Stelle – auch auf der Straße, aber auch an den Wahlurnen – dafür eintreten und sich nicht raushalten. Ich werde dabei sein!