Cradle to Cradle e.V. zieht in neues Büro

Von Monika Griefahn und dem Redaktionsteam des Cradle to Cradle e.V.

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Der Verein wird flügge: Im Jahr 2012 haben wir den „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V.“ gegründet, und jetzt sind die Aktiven in Berlin in ein schönes helles Büro mit mehreren Arbeitsplätzen gezogen. Nach wie vor lebt der Verein vom Ehrenamt, vom Engagement vieler. Doch das Büro mit der hauptamtlichen Struktur, wie wir sie inzwischen haben, ist wichtige Anlaufstelle für all die Menschen, die helfen, die Cradle-to-Cradle-Denkschule in die Gesellschaft zu bringen.

Am Donnerstag, den 9. Juli 2015, begrüßten wir Aktive, Partner, Freunde und Bekannte in den ersten eigenen Räumen. Seit Anfang 2015 arbeitet das Team des e.V. in der Naugarder Straße 43 in Berlin. Unter den Gästen der Einweihungsfeier waren unter anderem die Schauspielerin, Geschäftsführerin des Miwai Eco Fashion Onlinestores und Beirätin des C2C e.V. Inez Bjørg David, die Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Clara West, der Geschäftsführer von Biomimicry Germany Dr. Arndt Pechstein, die Gründerin von Schule im Aufbruch und Schulleiterin Margret Rasfeld, der Vizepräsident der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit Martin Wittkau, Sascha Rieth von der Biocompany sowie weitere Personen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Geschäftsführer Nora Sophie Griefahn und Tim Janßen berichteten aus der Arbeit und den aktuellen Projekten. So betreut das Büroteam unter anderem die 22 Regionalgruppen im ganzen Bundesgebiet, engagiert sich in der Vorbereitung der „Akademie“ vom 21. bis 22. August und bereitet natürlich den kommenden, zweiten Cradle-to-Cradle-Kongress unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am 31. Oktober 2015 in Lüneburg vor.

Vielen Dank für die konstruktiven und freundlichen Gespräche! Das C2C-Team (siehe Foto unten, mit Monika Griefahn und Inez Bjørg David) freut sich auf die weitere Zusammenarbeit in Berlin.

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„Aida“ in Eutin

Von Monika Griefahn

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Nein, dieses Mal erzähle ich nicht von dem Kreuzfahrtunternehmen, für das ich tätig bin, sondern von der Verdi-Oper „Aida“, die 1871 in Kairo uraufgeführt wurde. In wunderbarer Kulisse in Eutin erfreuten ausdrucksstarke Sänger jetzt die 1600 Premierengäste der diesjährigen Eutiner Festspiele. Seit 65 Jahren und mit viel Auf und Ab engagieren sich die künstlerische Leitung sowie viele Unterstützer immer wieder aufs Neue, im Norden ein Kultur-Highlight in toller Umgebung zu präsentieren. Das gelingt immer wieder – ich empfehle also unbedingt einen Ausflug an die Ostseeküste. Bis Ende August stehen Aufführungen der Oper „Aida“ oder der Operette „Der Vogelhändler“ auf dem Programm.

In der großen Oper von Giuseppe Verdi geht es um Liebe und Macht. Es sind die Themen, die über die Jahrhunderte ihre Aktualität nicht verlieren, auch, wenn die historische Einkleidung wechseln mag. Zum Inhalt: Aida, Tochter des äthiopischen Königs, wurde nach Ägypten verschleppt. Sie liebt Radames, der ihre Liebe erwidert, doch als die Äthiopier nach Ägypten vordringen, um die Prinzessin zu befreien, muss Radames das ägyptische Heer anführen. Er sieht sich nicht nur diesem Konflikt ausgesetzt, sondern steht auch zwischen zwei Frauen, die ihn begehren: neben Aida noch die Tochter des ägyptischen Pharaos Amneris.

Die beiden Frauen werden zu Rivalinnen. Lügen und Berechnung, Verrat und Opferfähigkeit machen die Kriegs- und Gefühlswirren komplett. Am Ende, so beschreiben es die Verantwortlichen der Eutiner Festspiele auf ihrer Homepage, am Ende „siegt die Liebe: ,Leb wohl, o Erde, du Tal der Tränen‘ singen Radames und Aida – nur im Tode endlich vereint.“

Schon, als die Oper 1871 ihre Uraufführung erlebte, rissen die „prächtigen Chorszenen, die mitreißenden Arien und romantischen Duette“ die Zuschauer von ihren Plätzen. Die Premiere zur Eröffnung der Eutiner Festspiele 2015, also 144 Jahre später, begeisterte nun mich und viele um mich herum – so muss es auch damals gewesen sein. Neben dem exzellenten Ensemble und dem monumental-puristischen Bühnenbild macht auch die Anlage an sich einen Teil des Opern-Erlebnisses in Eutin aus: Die Freilichtbühne liegt im Schlossgarten am Ufer des Eutiner Sees. Ein perfektes Erlebnis, wenn das Wetter mitspielt – und das hat es bei der Premiere getan. (Foto: Eutiner Festspiele)

Zu den Eutiner Festspielen

„Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“ – Austausch ohne Durchbruch

Von Petra Reinken

Die Evangelische Akademie Loccum ist ein Garant für inspirierende Fortbildungen und perfekten Austausch zwischen den Teilnehmern von Seminaren. So war es auch bei der Fortbildung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“. Lehrer, Vertreter außerschulischer Bildungseinrichtungen, Professoren, kommunale Verantwortliche, engagierte Bürger, Agenda-Aktive – das Publikum kam zwar mehrheitlich aus dem Lehramtsbereich, war aber immer noch eine bunte Mischung all derer, die sich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE – engagieren.

Es zeigte sich, dass auf der Ebene von Schulen, Kommunen oder eigenem Engagement in Sachen BNE sehr viel passiert, sehr viele Ideale gelebt werden. Die Diskussionen offenbarten aber auch: Sobald die Prinzipien der BNE (siehe dazu Link am Ende des Textes) verstetigt werden sollen – sei es in kommunale Leitlinien, in Prüfungsplänen oder in gemeinsame Grundsätze einer Schule -, gerät individuelles Engagement an seine Grenzen. Lehrer stoßen bei ihren Kollegen auf Ablehnung, wenn sie Flugreisen thematisieren. Agenda-Aktiven geht der Ansatz der eigenen Stadtverwaltung nicht weit genug. Den Meister im Betrieb interessiert wenig, was der Azubi in der Berufsschule über den nachhaltigen Einsatz von Materialien gelernt hat.

Leider gelang auch bei dieser Fortbildung kein Durchbruch. Was besprochen wurde, drehte sich im geschlossenen Kreis von „Energie sparen“, „Kommunen haben kein Geld“ oder „Ich bin Einzelkämpfer“. Diskussionen zeigten bei allem Engagement eine Ratlosigkeit, wie dieser Kreis zu öffnen sei  – oder mündeten auch in dem Unwillen, neue Wege zu denken, wenn die alten nicht funktionieren. Welche Strategien müssen erprobt werden? Vorsichtshalber wurde in einem Seminarmodul denn auch abgelehnt, „am ganz großen Rad zu drehen“.

Die vielfach erfolgreichen Grundsätze der Werbung anzuwenden und zu versuchen, Nachhaltigkeit „sexy“ zu machen, sie zu verkaufen, stieß somit nicht auf Gegenliebe bei den vielen individuellen Idealisten, wurden als „irgendwie schmutzig“ empfunden. Oder in der Berufsbildung: Der Bruch, an dem Nachhaltigkeitsgrundsätze wieder abhandenkommen, diagnostizierten die Teilnehmer eines Seminar-Moduls am Übergang von der Schule in die Berufswelt. Gleichwohl kam keiner auf die Idee, BNE stärker in der betrieblichen Praxis unterzubringen. Ein Berufsschullehrer vermutete den „Wirkungsgrad von Schule bei zehn Prozent“, dennoch stand am Ende des Moduls lediglich die Forderung, BNE in Prüfungsanforderungen einzubinden.

Es gibt viele Strategien, wie Gesellschaft auf diese Unzulänglichkeiten reagieren könnte, um sich selbst zu retten, und es ist schwer zu sagen, welche wohl die richtige ist – beziehungsweise, wie sie alle ineinander greifen können. Konsistenzstrategie, Gemeinwohlökonomie, Postwachstum – Ansätze für einen Paradigmenwechsel gibt es. Aber diese zu diskutieren, soweit sind wir in dem Seminar nicht gekommen. Es war ein wichtiger Austausch, und doch bleibt am Ende das Gefühl, nur auf der Stelle zu treten. Dafür aber haben wir keine Zeit.

Zu den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Zur Evangelischen Akademie Loccum

Klare Worte von SPD-Urgestein Eppler

Von Monika Griefahn

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Es war ein intensiver Abend, und ich danke dem Arbeitskreis der Christinnen und Christen in der SPD, dass sie ihn während des Deutschen Evangelischen Kirchentages organisiert haben. Sehr persönlich sprachen Familienministerin Manuela Schwesig, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Entwicklungshilfeminister Erhard Eppler über ihre Eindrücke beim Kirchentag und über den Zustand der Gesellschaft und der Welt.

Ein besonderes Erlebnis für mich war es, Erhard Eppler nach langer Zeit einmal wiederzutreffen. Er ist der Vordenker in der SPD in Sachen Umweltpolitik, er musste Willy Brandt und Helmut Schmidt erst darauf bringen, dass Umweltschutz und Entwicklungshilfe wichtige Aufgaben von Politik sind. Er prägte auf einer IG-Metall-Tagung den Begriff des qualitativen Wachstums (heute spricht die IG-Metall-Vorstandsfrau Christiane Benner von der Kampagne „Besser statt billiger“!) Eppler hat als einer der ersten in der SPD erkannt, wie gefährlich die Nutzung der Atomenergie ist. Er ist inzwischen 88 Jahre alt.

Erhard Eppler wurde auf dem – wie er sagte „seinem letzten“ – Kirchentag sehr deutlich in seiner Kritik an der gegenwärtigen Biedermeierpolitik der Bundeskanzlerin. Scheinbar gehe es uns gut und wir lehnten uns bräsig zurück. Aber der Konflikt mit Russland sei nicht durch Ausgrenzung, sondern nur durch Dialog zu lösen, forderte er. Russland, China, Indien und Brasilien gehörten mit an den Tisch, und wir würden übersehen, dass gerade in China zurzeit das größte Programm der Welt für erneuerbare Energien laufe. Ausruhen ginge nicht, meinte Eppler, und die Konflikte lösten wir sicher nicht durch Abschottung. „Dafür müssen wir noch viel tun!“

Cradle to Cradle auf dem Kirchentag

Von Monika Griefahn

Diskussionsrunde

Baden-Württemberg hat einen grünen Ministerpräsidenten und viele finden ihn gut. Selbst ein Taxifahrer, mit dem ich letztens sprach, hatte keine Zweifel an seiner Wiederwahl. Was liegt also näher als in Baden-Württemberg nach der Umsetzung von Cradle to Cradle zu fragen?

Am Samstag startete der Morgen auf dem Deutschen evangelischen Kirchentag in Stuttgart mit einer spannenden Debatte. Die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Rita Schwarzelühr-Sutter, zeigte in ihrer Rede auf, dass Effizienz alleine unsere Ressourcen-Engpässe nicht wird beenden können. Auch Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Co-Präsident des Club of Rome, ergänzte seine Aussagen zum Faktor 5 um die Notwendigkeit – wie im Cradle-to-Cradle-Ansatz – alle Produkte von Anfang an so zu denken, dass ihre Materialien nach Gebrauch wieder einsetzbar oder biologisch abbaubar sind.

Reiner Mangold von Audi zeigte auf, dass Energieeffizienz bei den Autos nicht das Hauptkriterium für den Kauf sei. Insofern ist noch viel Entwicklung zu betreiben: Auch andere Treibstoffe oder neue Serviceformen für Mobilität müssen neben Carsharing-Modellen entwickeln werden. , wenn die Automobilbranche auch in Zukunft noch ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland sein will.

Ich habe das Cradle-to-Cradle-Konzept mit seinen Upcycling-Kreisläufen von Rohstoffen erklärt. Rund 1600 Zuhörer haben die Diskussion unter der fachkundigen Moderation von Elisabeth von Thadden, Journalistin bei der Zeit, verfolgt und trotz heißem Zelt in brütender Stuttgarter Sonne bis zum Mittag ausgeharrt.

Zum Thema Arbeitsplätze und eine Zukunft in Verantwortung ging es auch am Nachmittag in der Diskussion „Sparen reicht nicht – Umgang mit Ressourcen in Wirtschaft und Gesellschaft“ weiter. Die Unternehmerin Susanne Henkel arbeitet schon seit vielen Jahren mit Qualität und Reparatur-Freundlichkeit „Made in Germany“. Und hat Erfolg. Eine kompetente Runde diskutierte anschließend: Richard Arnold (Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd), Christiane Benner (IG Metall), Peter Hofelich (Staatssekretär im Finanz- und Wirtschaftsministerium in Stuttgart), Dr. Anton Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) und Martin Lutz (Dress & Sommer).

Besonders beeindruckend war, dass Christiane Benner für das Konzept „Besser statt billiger“ stritt und sich damit voll für das C2C-Konzept engagierte. Auch Martin Lutz stellte dar, dass gerade im Baubereich viel passiere, um Häuser als „Materiallager“ zu begreifen und so die Rohstoffe zu erhalten.

Richard Arnold erklärte, dass gerade die Kommunen mit ihren Vorgaben durch die Rechnungshöfe immer noch Schwierigkeiten hätten, die besseren, statt die billigeren, Materialien und Produkte zu beschaffen. Da kann eigentlich nur eine andere Beschaffungsrichtlinie helfen. Diese Anregung nahm Staatssekretär Peter Hofelich auf.

Moderatorin Ines Pohl (taz) fühlte auch dem Grünen Aton Hofreiter auf den Zahn: Was müsse sich denn eigentlich politisch ändern, damit Unternehmen, die konsequent auf Cradle to Cradle setzten, nicht benachteiligt würden? Noch sind die Ansätze da nicht ausgereift, aber unsere Foren auf dem Kirchentag haben hoffentlich geholfen, die Cradle-to-Cradle-Idee zu verbreiten, auch wenn das Konzept am Nachmittag leider nicht ausführlich erklärt werden konnte.

Weltpremiere: Strom für AIDAsol aus Mega-Steckdosen

Von Monika Griefahn / Pressemitteilung

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Wenn man lange auf etwas hingearbeitet hat, und dann ist der große Tag da, das ist schon aufregend! Am 30. Mai war so ein Tag: AIDA Cruises, wo ich Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bin, und Becker Marine Systems haben ein gemeinsames Projekt in die Realität umgesetzt. Im Hamburger Hafen hat die sogenannte LNG Hybrid Barge erstmals emissionsarmen Strom aus Flüssigerdgas (LNG-Strom) an das Schiff AIDAsol übergeben. Damit kann das Kreuzfahrtschiff seine Motoren während der Liegezeit letztlich abschalten, und der Strom wird aus Gas in fünf Blockheizkraftwerksmotoren auf einer Schute hergestellt und sichert dadurch die Energieversorgung des Schiffes. Das verringert die Emissionen erheblich. Es ist wunderbar, dieses Projekt wirklich zum Laufen gebracht zu haben, denn es ist eine Weltpremiere.

Mein Dank gilt den Ingenieuren von Becker Marine Systems. Vieles an dieser Barge war komplett neu, immer wieder brauchte es Genehmigungen, Gutachten und Erlaubnisse. Auch die Testphase war aufwändig – Tag für Tag waren die Techniker in den Wochen vor der ersten richtigen Stromversorgung am Anleger, haben Bordsysteme und Handhabung getestet, damit dann am 30. Mai auch alles klappt.

Die Barge funktioniert wie ein schwimmendes Kraftwerk. In der Gasaufbereitungsanlage wird das tiefkalte (-163°C), flüssige Gas erhitzt und anschließend zu den Generatoren weitergeleitet, die den Strom für den Schiffsbetrieb während der Liegezeit erzeugen. Die Leistung, die durch die Gasmotoren auf der Barge bereitgestellt wird, beträgt 7,5 Megawatt, also Strom wie für eine Kleinstadt.

Durch den Einsatz von Flüssigerdgas zur Energieversorgung von Schiffen wird der Emissions- und Partikelausstoß erheblich reduziert. Im Vergleich zur Nutzung von herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelanteil werden keine Schwefeloxide und keine Rußpartikel emittiert. Die Emission von Stickoxiden verringert sich um bis zu 80 Prozent, der Ausstoß von Kohlendioxid um 20 Prozent.

Übrigens: Wir haben schriftlich, dass wir mit der Barge etwas Besonderes verwirklicht haben. Es gab vor Kurzem für das gemeinsame, mit AIDA entwickelte Projekt den GreenTec Award 2015 in der Kategorie „Reise“ vom Deutschen Reiseverband (DRV) für Becker Marine Systems, einem echten Hamburger Unternehmen.

Holz und sonst gar nichts

Von Monika Griefahn und Petra Reinken

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Matthias Korff hatte schwer zu tragen, als er beim Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ an der TU Hamburg-Harburg in den Seminarraum kam. Er hatte das Muster eines Wandquerschnitts mitgebracht – komplett aus Vollholz, so, wie er Häuser baut. Matthias Korff ist der Geschäftsführer von Deepgreen Development und hat den markanten „Woodcube“ auf der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 in Hamburg-Wilhelmsburg gebaut. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist dieses mehrstöckige Wohngebäude komplett aus Holz.

Im Seminar „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“ haben wir in jedem Semester externe Referenten zu Gast, die aus ihrer Arbeitswelt oder von ihrem Engagement erzählen. Sie kommen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und schaffen genau das, was mit dem Seminar erreicht werden soll: Die Studierenden, allesamt angehende Ingenieure, bekommen einen Einblick in das Denken und Handeln anderer gesellschaftlicher Akteure.

Korff erzählte, wie er zum Holz kam. Krank sei er geworden durch Chemie in Baumaterialien. Inzwischen ist er voller Überzeugung für ein Bauen ohne Kleber, ohne Beschichtungen oder synthetische Verbundstoffe. In seinen Entwürfen lässt er nur den Baustoff Holz gelten. Den Studierenden erzählte er von seinem Besuch in einer Holzproduktion, wo Schicht um Schicht mit Leim verklebt wurde – ein Leim, dessen mehrseitige Schadstoffdeklaration ihm Angst gemacht habe. In seinen eigenen Häusern, zeigte er an dem schweren Modell, das er auf den Tresen gehievt hat, sei nichts verklebt. Die einzelnen Brettlagen hielten durch Buchenholzschrauben. Einen Naturbaustoff so zu behandeln, dass er dann zu Sondermüll werde, das nennt er zynisch.

Korff erzählte, dass es kein einfacher Weg sei, mit Vollholzhäusern sein Geld verdienen zu wollen. Allein all die Tests und Gutachten, die er zum Thema Brandschutz und Dämmeigenschaften habe nachweisen müssen. Und, dass geschafft, dann der steinige Weg in der Praxis. „Wir hatten 50.000 Besucher auf der IBA bei uns im Woodcube, und ich möchte sagen, alle waren begeistert von dem Haus. Doch dann geht einer, der so ein Haus bauen will, zum Architekten und zum Bauträger, und die kennen das alles nicht und trauen sich dann auch nicht an so ein Projekt.“

Korff will das ändern, auch deswegen hat er die Einladung in unser Seminar angenommen. Er möchte, dass mehr Berufsgruppen dem Baustoff Holz wieder mehr zutrauen und ihn so nutzen, wie es seiner Meinung nach am besten ist. Pur. Bei den Studierenden hat er jedenfalls die Aufmerksamkeit für seine Herangehensweise geweckt – und dieses „Offen sein für andere Wege“ ist ja das, was wir mit dem Seminar auch erreichen möchten. Einige der jungen Leute stehen noch nach dem Seminar um den Referenten und sein Wandmodell herum und stellen Fragen. Einer sagt, er wolle mit seinem Prof über Vollholzprojekte sprechen, ein anderer fragt Korff, ob er ihn mal kontaktieren könne, wenn er in zehn Jahren ein Haus bauen wolle.

Das verflixte siebte Jahr ist ein hervorragendes Jahr!

Von Monika Griefahn/Pressemitteilung

Deutscher Computerspielpreis 2015

Es war die beste Gala, seit es den Computerspielpreis gibt: Kurzweilig und mit einem tollen Show-Act – „Laing“ aus Berlin, sozusagen das weibliche Pendant zu Kraftwerk!

Ich habe gemeinsam mit Dorothee Bär von der CSU, die heute parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Vorsitzende der Jury ist, Mitte der 2000er Jahre einen Antrag im Bundestag gestellt, um die guten Computerspiele, die in Deutschland entwickelt werden zu würdigen. Daraus ist der Computerspielpreis entstanden. Die Spielebranche ist eine Branche, die damals schon mehr Umsatz machte als die Filmbranche. Ich freue mich, dass der Preis sich etabliert hat und den Eltern Hilfestellung in der Auswahl von Spielen für ihre Kinder gibt. Ich freue mich auch, dass das Ministerium auch die Arbeit der Stiftung Digitale Spielkultur, deren Beiratsvorsitzende ich sein darf, kontinuierlicher unterstützen will. Auch wenn meine Kinder inzwischen als Testspieler ausfallen, habe ich mich gefreut, dass ich die Laudatio für die Hamburger Spielentwickler des Besten Deutschen Kinderspiels „Fire“ halten konnte.

Nachfolgend Auszüge aus der offiziellen Pressemitteilung:

In 13 Kategorien sind am 21. April die besten Spiele des Jahres mit dem Deutschen Computerspielpreis im Berliner „ewerk“ ausgezeichnet worden. Neu in diesem Jahr: die Kategorien „Beste Innovation“, „Beste Inszenierung“, „Bestes Gamedesign“ sowie die drei undotierten internationalen Kategorien „Bestes internationales Spiel“, „Bestes internationales Multiplayer-Spiel“ und „Beste internationale neue Spielwelt“. Premiere feierte in diesem Jahr auch der Publikumspreis, über den allein die Spieler und Fans per Online-Voting entschieden haben. Vor über 600 Gästen aus der Computer- und Videospielbranche, Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien präsentierte Moderatorin Judith Rakers gemeinsam mit prominenten Rednern und Laudatoren die Sieger. Ermittelt wurden die Gewinner aus 320 Einreichungen durch eine mit Experten besetzte Fachjury sowie eine Hauptjury. Große Freude gab es auch bei den Nachwuchs-Spieleentwicklern: Insgesamt 60.000 Euro gingen an Studenten aus Trier, Köln und Darmstadt, die in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept Fördergeld erhielten.

Verliehen wird der DCP durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und die Branchenverbände BIU und GAME. Auf der Grundlage unabhängiger Entscheidungen von Fach- und Hauptjurys wird die Entwicklung qualitativ hochwertiger, innovativer sowie kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele „Made in Germany“ gefördert. Ein weiteres wichtiges Kriterium, das über die Prämierung entscheidet, ist zudem Spielspaß. Der DCP wird ab 2015 erstmals in bis zu 14 Kategorien vergeben, um der Vielfalt von Computerspielen gerecht zu werden. Neu dabei sind der Publikumspreis und drei internationale Kategorien.

Alle Gewinner des Deutschen Computerspielpreises 2015:

  • Bestes Kinderspiel: Fire (Hamburg), Daedalic Entertainment
  • Bestes Jugendspiel: TRI: Of Friendship and Madness (Halle), Rat King Entertainment, Rising Star Games
  • Bestes Serious Game: Utopolis – Aufbruch der Tiere (München), Reality Twist, Nemetschek Stiftung
  • Bestes Nachwuchskonzept: In Between (Trier), Hochschule Trier, UnderRaid (Darmstadt), Hochschule Darmstadt / Mediencampus Dieburg, Simon Cooks (Köln), SAE Institute Köln
  • Bestes Mobiles Spiel: Rules! (München), The Coding Monkeys
  • Bestes Gamedesign: The Last Tinker – City of Colors (München), Mimimi Productions
  • Beste Inszenierung: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Innovation: Spiel des Friedens (Ludwigsburg), Studio Fizbin, Landesmuseum für Kunst und Kultur Münster
  • Bestes Deutsches Spiel: Lords of the Fallen (Frankfurt am Main), Deck13, CI Games S.A.
  • Beste Internationale neue Spielewelt: This War of Mine (Polen), 11Bit Studios, Koch Media
  • Bestes Internationales Multiplayer-Spiel: Hearthstone: Heroes of Warcraft, Blizzard
  • Bestes Internationales Spiel: This War of Mine (Polen), 11bit Studios, Koch Media
  • Publikumspreis: Dark Souls 2, From Software, Bandai Namco Entertainment

Großes Kino mit kleinem Budget

Von Monika Griefahn (Jurymitglied Ökofilmtour)

 Sie finden die diesjährigen Preisträger untenstehend!

IMG_8196_blogIn diesem Jahr tourt das Festival des Umwelt- und Naturfilms, die Ökofilmtour, zum zehnten Mal durch Brandenburg. Das Programm ist richtig gut: tolle Filme, kreative Ideen, engagierte Regisseure und Autoren, zahlreiche Ehrenamtliche, die mit anpacken. Dass dieses Festival bis heute immer wieder zittern muss, dass genug Fördergelder zusammenkommen, das ist grundfalsch. Immerhin: Das Land Brandenburg honoriert die Arbeit der Festival-Organisatoren jetzt mit einer festen Haushaltsposition. Dafür danke. Vielleicht eifert diesem Vorbild ja jemand nach, damit das Festival endlich Planungssicherheit bekommt! Liebe Unternehmen – hier gibt es ein wunderbares kulturelles Angebot, für das sich finanzielles Engagement wirklich lohnt!

Kultur, haben wir in der SPD immer gesagt, ist Lebensmittel. Was wir gemeint haben – und was ich auch heute immer noch meine -, ist: Kultur befriedigt elementare Bedürfnisse. Musik, Gesang, Tanz – all diese kulturellen Phänomene sind elementar im Leben eines Menschen. Und der Mensch befriedigt diese Bedürfnisse ja ständig, wenn es möglich ist – egal, ob er unter der Dusche singt, in die Disko oder in ein Konzert geht.

Im ländlichen Raum ist das in mancherlei Hinsicht schwierig: Das Angebot an Theatern, Museen und andere Einrichtungen ist nicht so vielfältig wie in der Stadt. Das bedeutet nicht, dass es keine kulturellen Angebote auf dem Land gibt – oft existieren Musikschulen, Kulturinitiativen oder Heimatvereine. Wo Kommunen mit der Kulturförderung nicht nachkommen können, wächst oft das Bürgerengagement. Das zeigt noch einmal mehr, dass kulturelle Bildung oder Unterhaltung ein wichtiges Bedürfnis der Menschen ist.

Die Ökofilmtour erreicht ebenfalls den ländlichen Raum. Im Gepäck hat sie hohe Qualität! Mit den nominierten und prämierten Filmen reisen Organisator Ernst-Alfred Müller und seine Mitstreiter Jahr für Jahr durch 60 bis 70 Orte in Brandenburg, in denen es keine Kinos gibt. In der Fläche zeigen sie Filme, diskutieren mit dem Publikum oder erörtern sie mit Schulklassen. Oft sind Regisseure oder Autoren mit von der Partie. Die Zuschauer können sie hautnah erleben und viel über ihre Arbeit erfahren.

200 ehrenamtliche Mitveranstalter gibt es im ganzen Land, und was dann auf Leinwänden gezeigt wird, legt thematisch entweder den Finger in die Wunde oder zeigt wunderbare Bilder von der Schönheit der Natur. In diesem Jahr spielen Themen wie Landgrabbing eine Rolle – das ist brandaktuell und hochbrisant in den östlichen Bundesländern – oder auch die Themen TTIP, Atomausstieg oder die ökologischen Folgen von Kriegen.

Die Filme stammen von Autoren, die zu den besten Dokumentaristen und Naturfilmern Deutschlands gehören. Wenn wir mit ihnen sprechen, wird deutlich, wie schwer es ist, sich mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die meisten von ihnen sind Freiberufler, und deren Honorare stagnieren seit Jahren. Sie packen brisante Themen an, die intensive, lange, manchmal teure und zu Teil auch gefährliche Recherche und viel Hartnäckigkeit erfordern. Haben sie ihr Material erfolgreich zusammen, dann müssen sie darum kämpfen, dass ihre Filme auch gezeigt werden. Und allzu oft erhält dann leider eine großartige Reportage einen Sendeplatz irgendwann gegen Mitternacht, wenn die meisten Menschen im Bett liegen.

Es werden so unglaublich hohe Summen für die Rechte von Sportübertragungen gezahlt, da muss doch bei den Medienanstalten ein bisschen mehr Geld übrig sein für Autoren und Regisseure, die mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen und die echte Bildungsarbeit leisten! Mein Appell richtet sich besonders an die Öffentlich-rechtlichen, denn Bildung gehört ausdrücklich zu ihrem Auftrag.

Die Preisträger 2015 sind:

IMG_2873_beaZukunftsfilmpreis
„Energie vom Feld“, von Lorenz Knauer
Produktion für den Bayerischen Rundfunk

Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm
„Natur unter Beschuss – ökologische Folgen des Krieges“ von Maximilian Mönch
Produktion für 3sat

Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung, verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
„Böse Mine, gutes Geld. Das schmutzige Geschäft mit der Kohle“ von Peter Ruppert, Jo Schück und Michael Strompen
Produktion für das ZDF

Bester Kinder- und Jugendfilm
„Karussell des Lebens – die Streuobstwiese“ von Annette und Klaus Scheurich, Mi-Yong Brehm und Moritz Mayerle
Produktion für BR, WDR, ZDF und ARTE

Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung
„Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten“ von Cornelia Grünberg
Kino-Produktion

Lobende Erwähnung der Jury
„Ozon unterwegs: Fleisch vom Fließband – Massentierhaltung und ihre Folgen“ von Hartmut Sommerschuh, Maren Schibilsky, Felix Krüger und Wolfgang Albus
Produktion fürs rbb Fernsehen

Publikumspreis
„Das Salz der Erde“ von Wim Wenders, David Rosier und Juliano Ribeiro Salgado
Kino-Produktion

 Mehr zur Ökofilmtour

Grimme-Preis in Marl – eine bodenständige Veranstaltung

Von Monika Griefahn

Sie holten einen syrischen Flüchtlingschor auf die Bühne und kritisierten gleichzeitig spitzzüngig die Abschottungspolitik Deutschlands – für ihre künstlerischen Leistungen in der ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ sind Claus von Wagner, Max Uthoff und ihr Kollege Dietrich Krauss jetzt in der Kategorie „Unterhaltung“ mit einem Grimme-Preis bedacht worden. „Sie haben aus der Gewohnheit, Kabarettsendungen als Werbeflächen für Bühnenprogramme zu missbrauchen, die Tugend einer packenden Ensembleaufführung gemacht“, hieß es in der Begründung der elfköpfigen Jury.

IMG_20150327_Grimme_blogDer Grimme-Preis gilt als prestige-reichste Fernsehauszeichnung Deutschlands. In diesem Jahr vergab die Jury, die sich unter anderem aus Fachleuten und Medienjournalisten zusammensetzt, in den drei Wettbewerbskategorien „Fiktion“, „Information & Kultur“ und „Unterhaltung“ zwölf Preise für herausragende TV-Produktionen. Dazu kamen Sonderpreise und -ehrungen. Es gewannen dieses Jahr nur öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die Grimme-Preis-Verleihung ist eine Veranstaltung ohne den üblichen Sternchen-Glamour. Eine roten Teppich gibt es zwar, aber davor auch gleichzeitig eine Demo, die auf ein Problem vor Ort aufmerksam macht: die schlechte Ausstattung eines Flüchtlingsheims.

Gut, dass es noch immer den Ehrgeiz von Filmemacherinnen und -machern gibt, einen Grimme-Preis zu erhalten. Denn auch die Öffentlich-Rechtlichen schauen immer mehr nach der Quote und kommen ihrem Auftrag, Fernsehen für alle und auch Bildung zu machen, häufig nur zu nachtschlafender Zeit nach. Außerdem leiden gerade die Dokumentarfilmer daran, dass ihre Honorare seit 20 Jahren nicht gestiegen sind, wohl aber die Entstehungskosten ihrer Produktionen. Umso bemerkenswerter die ausgezeichneten Werke: zum Beispiel „Camp 14“ über nordkoreanische Lager von Marc Wiese oder „Wir waren Rebellen“ über den Südsudan von Katharina Schröder und Florian Schewe, die Aufwand und Gefahr in der Produktion auf sich nahmen.

Und wie Hermine Hundgeburth, die ihren vierten Grimme-Preis mitnahm, so schön sagte: Auch Frauen haben immer noch weniger Chancen, Aufträge zu bekommen, obwohl gleich viele Frauen ausgebildet werden: „Vollständig erklären kann ich das nicht. Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich von einer bekannten Drehbuchautorin gehört habe. Der wurde in einer Runde mit Redakteuren und Produzenten eine Liste von Namen vorgelegt, wer für die Regie in Frage käme. Darunter war keine einzige Frau. Als die Autorin nachfragte, warum das so sei, war die Antwort: ,Uns fallen keine Regisseurinnen ein.‘ Allein deshalb ist ,Pro Quote Regie‘ schon sinnvoll: Sie macht die Vielzahl von guten Regisseurinnen sichtbar, die es in Deutschland gibt, und die Lust haben zu arbeiten“ berichtete die erfolgreiche Regisseurin gegenüber Spiegel-online.