Konferenz der Weltverbesserer im positivsten Sinne

Von Monika Griefahn

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Monika Griefahn und Ibrahim Abouleish

„Regionalkonferenz klingt klein und überschaubar. Die Regionalkonferenz der Right Livelihood Award Foundation – also der Stiftung, die den „Alternativen Nobelpreis“ vergibt –umfasste jedoch ganz Afrika und den Nahen Osten. Sie fand Pfingsten in Sekem nahe Kairo statt. Aus dieser „Region“ waren zehn Preisträger zusammengekommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und eine Plattform für ihr Anliegen zu schaffen. Nicht zuletzt ging es darum, mit dieser neuen Öffentlichkeit den Schutz der Einzelnen zu erhöhen und perspektivisch enger zusammenzuarbeiten, um den großen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.

Für mich war es ein großartiges Gefühl, wieder in Sekem zu sein. Das Projekt wurde 2003 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet, und es ist eine Freude zu sehen, wie diese Oase in der Wüste sich entwickelt.

Aber der Reihe nach: Wer nahm an der Konferenz teil? Das waren:

–          Dr. Ibrahim Abouleish, Sekem-Gründer, Ägyptent (RLA 2003) und Helmy Abouleish, der Geschäftsführer von Sekem

–          Nnimmo Bassey, Nigeria (RLA 2010)

–          Matron Sr. Tenadam Bekele Wolde, Äthiopien (RLA 2009)

–          Jumanda Gakelebone, Botswana (RLA 2005)

–          Guillaume Harushimana, Burundi (RLA 2002)

–          Legborsi Saro Pyagbara, Nigeria (RLA 1994)

–          Jacqueline Moudeina, Tschad (RLA 2011)

–          René Ngongo, Demokratische Republik Kongo (RLA 2009)

–          Nomewende Joël Ouedraogo, Burkina Faso, (RLA 1990)

Raji Sourani aus dem Gaza-Streifen (RLA 2013) konnte nicht kommen, da die Grenze schon seit Monaten geschlossen ist; ebenso mussten Dr. Ruchama Marton (RLA 2010) und Adam Keller von Gosh Schalom ihre Teilnahme absagen, weil kein Visum für israelische Teilnehmer ausgestellt wurde. Gekommen war hingegen noch Dr. Hans Herren aus der Schweiz/Kenia (RLA 2013).

Der Name „Sekem“ ist jetzt ein paar Mal gefallen – es ist ein Betrieb, der von dem Ägypter Ibrahim Abouleish im Jahre 1978 mitten in der Wüste aufgebaut wurde. Heute gibt es dort eine Produktion für biologische Lebensmittel in Demeter-Qualität, ein pharmazeutisches Unternehmen für Pflanzenmedizin, einen Betrieb für Kleidungsstücke aus ökologischer Baumwolle, die auch in Deutschland zum Beispiel bei dm verkauft werden. Ferner umfasst das Gelände eine Schule, einen Kindergarten, eine Krippe, eine Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen, eine Ausbildungsstätte für Tischler, Elektriker, Maschinenbauer und Erzieher sowie den Bereich der Lehrerfortbildung. 2012 hat sogar eine „Nachhaltigkeitsuniversität“ ihren Betrieb aufgenommen – die Heliopolis Universität mit den Fachbereichen Pharmazie, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften.

Das Treffen gab wichtige Inspirationen für Zusammenarbeit zwischen den Preisträgern, die in sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern agieren – zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte oder der organischen Landwirtschaft. Auch ging es um Gesundheitsfragen, zum Beispiel um die Fistelerkrankungen vieler beschnittener Frauen auf dem afrikanischen Kontinent.

An der Uni hatten wir die Chance, mit ägyptischen Organisationen besonders aus dem NGO-Bereich zu diskutieren. Schnell konnten wir feststellen, dass die (nicht)Unabhängigkeit des Rechtssystems in Tschad ein ähnliches Problem ist wie eine überforderte oder nicht handelnde Regierung im Ogoniland in Nigeria. Dort wird die seit 2011 existierende UN- Resolution nicht umsetzt, das ölverseuchte Land zu sanieren. Auch die „Bushmen“ in Burkina Faso stoßen an Grenzen: Ihr Recht auf ihr Land wird ignoriert, obwohl nur noch 5000 von ihnen dort leben.

Aber wir bekamen auch Hoffnung: Sekem, aus dem Nichts aufgebaut, gibt heute mehr als 3000 Menschen Arbeit, und bezieht Lieferungen von Hunderten Bauern im Nildelta, die auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben. Hans Herren zeigte auf, dass die Zukunft der Ernährung nicht in der Gentechnik liegt, und mithin nicht bei den großen Konzern wir Monsanto oder Syngenta, sondern in Familienbetrieben, die heute 75 Prozent der Lebensmittel zur Verfügung stellen.

Die Preisträger vereinbarten eine gemeinsame Pressearbeit, Petitionen und starteten gleich mit einer Unterschriftenaktion zur ökologischen Landwirtschaft. So sieht Engagement aus!

"Right Livelihood"-Regionalkonferenz in Kairo

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