Bangladesch auf dem Weg zur „Solar-Nation“

Von Moritz Petersmann

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Man kommt ins Staunen, wenn man Dipal Chandra Barua berichten hört von seiner Arbeit und seiner Vision: Bangladesch soll die weltweit erste „Solar-Nation“ werden! Das mag im ersten Moment nach einer Träumerei klingen, schaut man sich jedoch genauer an, was der Träger des Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) leistet, stimmt das optimistisch. Auf der Konferenz „Teaching Right Livelihood“ – ausführlicher bloggte Monika Griefahn dazu am 27. Mai 2014 – hatte ich die Ehre ihn zu treffen und an einem Workshop teilzunehmen, in dem er seine Arbeit vorstellte und anschließend mit dem Publikum diskutierte.

Dipal Barua

Schnell konnte man feststellen, dass Dipal Chandra Barua nicht nur über Probleme und Missstände lamentiert, sondern selbst aktiv ist, vor Ort Probleme direkt an der Wurzel anpackt und langfristige Lösungen anbietet. Tausende Dörfer in Bangladesch besuchte Dipal Chandra Barua bereits und machte sich vor Ort ein Bild. Oft leben die Menschen in diesen ländlichen Gebieten Bangladeschs ohne einen Anschluss an das Stromnetz (1996 etwa 85 Prozent der Bevölkerung) und somit nach Sonnenuntergang in absoluter Dunkelheit. Als Lichtquelle dienen an erster Stelle kerosinbetriebene Lampen.

Seit Gründung der Non-Profit-Organisation Grameen Shakti 1996 verändert sich die Lebenssituation in den beschriebenen ländlichen Gebieten jedoch zusehends. Denn Dipal Chandra Barua bietet mit seinem Modell zur Verbreitung nachhaltiger Beleuchtung und Energie eine Win-Win Situation: Die ländliche Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Chance durch Installation eigener „Solar Home“-Systeme (SHS) den Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer, klimafreundlicher Energien voranzutreiben. Dabei hilft ein finanzieller Mechanismus, der die Kosten für eine eigene Solaranlage auf die monatlichen Kosten für Kerosin reduziert. Und das Modell hat Erfolg: Bis heute wurden etwa 3 Millionen „Solar Home“-Systeme in ländlichen Gebieten Bangladeschs installiert. Bemerkenswert ist ebenso, dass Dipal Chandra Barua durch seine Green Technology Center (GTC) explizit Frauen unterstützt und ermutigt, eine technische Ausbildung zu absolvieren. Auch dies mit Erfolg! Viele Frauen arbeiten als „grüne Entrepreneure“ im wachsenden Markt der erneuerbaren Energien und bewirken neben dem positiven Umweltnutzen auch ein verändertes Ansehen von Frauen in der muslimisch geprägten Gesellschaft Bangladeschs…

Dipal Barua zeigt wie es funktionieren kann mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern: dezentral und mit einem Mehrwert für Gesundheit, Bildung und Produktivität. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann Dipal Chandra Baruas Vision in Erfüllung geht und 75 Millionen Menschen in Bangladesch von der Nutzung erneuerbarer Energien profitieren!

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