Kategorie-Archiv: Kultur und Medien

Was schafft Kultur? Gute Gespräche bei Buchvorstellung im WBH

Von Monika Griefahn

(v.l.) Monika Griefahn, Edda Rydzy, Klaus-Jürgen Scherer und Karin Seidel

Mal ganz abgesehen davon, dass Edda Rydzy und ich unser gemeinsames Buch „Natürlich wachsen“ vorgestellt haben und es danach noch tolle Gespräche gab, empfand ich den Abend im Willy-Brandt-Haus auch aus anderer Sicht sehr gelungen. Klaus-Jürgen Scherer vom Kulturforum der Sozialdemokratie hat eine tiefgründige Einleitung zu unserem Buch gegeben, und Karin Seidel von der Buchhandlung im Willy-Brandt-Haus hatte einen wunderbaren Rahmen für die Buchvorstellung organisiert. Wir haben in der „vorwärts“-Buchhandlung „gelesen“, und das gab mir Gelegenheit, nach „getaner Arbeit“ einmal selbst in aller Ruhe wieder nach schönen Büchern zu stöbern. Es gibt doch kaum etwas Inspirierenderes als das!

Schön war, in den Gesprächen über unser Buch zu spüren, dass wir, Edda Rydzy und ich, ebenfalls inspirieren konnten. Unsere Grundfrage lautet: Was können Kultur und Kulturpolitik leisten, um zu helfen, große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit zu lösen? Die existenzielle Herausforderung dieser Zeit ist unserer Meinung nach, wie Menschen mit den limitierten „Ressourcen“ umgehen  können.

Wo und wie kann Kultur und Kulturpolitik einen Unterschied machen, wenn es um Wachstum und den Umgang mit Ressourcen geht?

Wachstum existiert immer. Auch, wenn wir uns vornähmen, in Europa als Menschen nicht mehr zu existieren, gäbe es weiterhin Wachstum: von Bäumen, von den Menschen weltweit, ….. Wir können von der Natur lernen: Sie kennt keinen Abfall. Wir müssen Nährstoffe (also Materialien ) so einsetzen, dass sie entweder biologisch abbaubar sind, also neue Erde bilden, oder in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, also neue Produkte werden. Kultur und Kulturpolitik verkörpern die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen, sie sind gefragt. Sie unterscheiden uns Menschen von den anderen Lebewesen!

Als realistischen Weg einer intelligenten Produktions- und Stoffpolitik haben wir das „Cradle to Cradle“-Prinzip vorgestellt. Es beschreibt eine Welt, in der das Konzept „Abfall“ nicht mehr existiert und Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht werden. Menschen sind Teil der Natur. Sie können als kulturelle Wesen Produkte und Produktionsprozesse neu gestalten. Kultur und Kulturpolitik sollten dabei das Leitmotiv „Nachhaltigkeit“ neu definieren, und zwar auf der Seite des gestaltenden, positiven Prozesses. Effizienz alleine reicht nicht. Dann könnten wir auch eine Tablette zur Ernährung nutzen, statt aus der Vielfalt der Lebensmittel zur wählen. Die ästhetische und musische Bildung im frühkindlichen Alter hat nachweislich Einfluss auf die Hirnentwicklung, kann somit grundlegende Kompetenzen und Verhaltensweisen, insbesondere die Kreativität, prägen. Und die Kreativität ist notwendig, um Ingenieure, Designer und Entwickler zu gemeinsamen konstruktiven Lösungen zu bewegen!

Let’s make Music as Friends (Leonard Bernstein)

Von Monika Griefahn

Let's make music as friends

Die Waffen ruhen nicht. Im Nordirak, in Gaza und Israel. In der Ukraine sterben sinnlos Kinder, Frauen, Männer. Warum ist dort kein Dialog möglich? Warum gibt es keine Verständigungsmöglichkeiten? Und darüber hinaus entwickeln demokratisch gewählte Staatsoberhäupter wie Putin oder Erdogan immer autoritärere Züge.

Könnte es nicht alles einfacher sein? Es gibt doch gute Vorbilder! Nelson Mandela hat zur Versöhnung aufgerufen und dafür die Wahrheits- und Versöhnungskommission eingerichtet. Künstler haben immer wieder beispielhafte Initiativen gestartet, das Miteinander zu lernen. Wie zum Beispiel Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus Palästina und Israel, aber auch aus Ägypten, Syrien, dem Iran und dem Libanon, aus Jordanien, Tunesien und Andalusien zusammen Musik machen. Oder auch Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen ist zu nennen. Begründer einer Kultur – und zwar im Sinne von praktizierter Kultur – der Versöhnung und Verständigung hier in Deutschland war aber Leonard Bernstein mit der Orchesterakademie auf dem Schleswig-Holstein-Musikfestival im Jahre 1987, an dem auch Yehudi Menuhin intensiv mitwirkte. Und diese Idee lebt bis heute fort!

Auf der Nord-Art

Ich durfte es in Rendsburg gerade selbst erleben, wie 120 junge Musiker aus 34 Ländern, alle unter 26 Jahren, bravourös die 5. Sinfonie von Gustav Mahler meisterten, obwohl sie sich fünf Wochen zuvor noch nicht einmal gekannt hatten. Sie verständigten sich unter der klugen Anleitung von Pedro Halffter.

Mich bewegt jedes Mal, wenn ich eines der internationalen Jugendorchester erlebe. Und ich denke: Können wir das Miteinander nicht überall schaffen?

Was dort auf der Bühne geschieht in Sachen Verständigung und Kultur, geht über das bloße Konzert hinaus! Zeitgenössische Künstler aus China, den Baltischen Staaten, Deutschland, Mexiko, Polen, Südkorea und und und sind auch in der Büdelsdorfer Carlshütte auf der Nord-Art zu sehen. Die Ausstellung zeigt seit schon seit 1999 in den Sommermonaten zeitgenössische Kunst. Mehr als 200 Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Bilder, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen. Die Nord-Art läuft noch bis zum 12. Oktober und ist absolut empfehlenswert.

Nord-Art

Ökofilme – Umweltbildung der besonderen Art

Von Monika Griefahn

Preisverleihung Ökofilmtour

Tolle Filme en masse wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 besonders in Brandenburg in zahlreichen Orten vorgestellt. Viele Filme sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen zum Diskurs an und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Und das ist genau der Sinn! Mit den Autoren und Filmemachern, aber auch mit Aktiven aus den jeweils beschriebenen Bereichen diskutierten die Organisatoren sowie viele ehrenamtliche Helfer im ganzen Land – auch da, wo es keine Kinos mehr gibt, in Schulen und öffentlichen Räumen.

Schwierig ist es, aus einer solchen Vielfalt an wertvollen Filmproduktionen Gewinner für die verschiedenen Preiskategorien zu küren. Jedes Jahr sucht eine hochkarätige Jury Filme aus und kürt die besten unter ihnen in den Kategorien „Bester Kinder- und Jugendfilm“, „Bester Naturfilm“, „Beste Künstlerische Leistung“ und „Beste journalistische Leistung“. Auch gibt es einen Zukunftsfilmpreis und eine Zuschauerpreis. Der Dokumentarfilm „Die Akte Aluminium“ zum Beispiel zeigt, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Dafür gab es dann auch die Auszeichnung für die beste journalistische Leistung – einen Preis, den auch der Film „Die Fukushima-Lüge“ erhielt.

„Das Geheimnis der Bäume“ zeigt in wundervoller Weise die Schönheit, Vielfalt, aber auch die Bedrohung unserer Wälder. Gefühlvoll kommentiert und mit hervorragenden Naturaufnahmen unterlegt entführt der Film seine Zuschauer in die Welt der Bäume und hinterlässt Ehrfurcht und Staunen über die Lebendigkeit eines Waldes. Aber auch Trauer und das Gefühl von Verlust werden hervorgerufen, weil wir heute alle wissen, dass wir mit rasanter Geschwindigkeit uralte (Regen-)Waldflächen zerstören. Für diesen Beitrag gab es den Preis für die beste künstlerische Leistung.

Einen ebenso intensiven Einblick gibt der Film „More than Honey – Eine Reise in die wunderbare Welt der Biene“ – bedacht mit der Auszeichnung des Zukunftsfilmpreises. Er sensibilisiert in eindrucksvoller Weise für das Bienensterben und geht diesem Phänomen auf den Grund.

Natürlich durfte auch das Publikum einen Film auszeichnen und wählte dazu den Spielfilm „Die Piroge“. Die packende Geschichte aus dem Senegal dreht sich um eine Gruppe, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem kleinen Fischerboot auf den Weg nach Europa macht.

All diese Filme sind absolut sehenswert, und ich kann euch nur empfehlen sie euch anzuschauen! Wer mehr wissen will, findet die Liste der ausgezeichneten Filme und die Begründungen der Jury auf www.oekofilmtour.de.

Musikalischer Rahmen Preisverleihung Ökofilmtour

„Natürlich wachsen“-Lesung in Hannover

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Von Monika Griefahn

Seit Edda Rydzy und ich unser Buch „Natürlich wachsen. Erkundungen über Mensch, Natur und Wachstum aus kulturpolitischem Anlass.“ im Oktober 2013 vorgestellt haben, gab es einige Lesungen bzw. Vorträge zum Inhalt. Bei den „Lindener Literaturtagen“ durfte ich ebenfalls aus dem Buch berichten. Dank an die ASF-Frauen, die den Abend organisiert und mich eingeladen haben!

Das Buch stellt die Kurzfassung der Doktorarbeit dar, mit der wir im Jahr 2013 promovierten. Die gesamte Arbeit trägt den Titel „Der Grundwiderspruch der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Cradle to Cradle als möglicher Lösungsweg. Ansatzpunkte und strategische Potenziale von Kulturpolitik“. Sie ist in der Online-Bibliothek der FU Berlin zu finden.

Die Langfassung enthält einen Anhang mit insgesamt 24 Interviews mit bedeutenden Nachhaltigkeits-Praktikern dieser Zeit aus vielen Ländern der Welt, die mit mir über den Einfluss von Kultur auf ihr Leben und Handeln sprachen, und zwar mit Ibrahim Abouleish (Ägypten), Marianne Anderson (Schweden), Maude Barlow (Kanada), Dipal. C. Barua (Bangladesch), Anke Kohler-Brummer (Deutschland), Paul Ekins (Großbritannien), Erhard Eppler (Deutschland), Anwar Fazal (Malaysia), Maximilian Gege (Deutschland), Pat Mooney (Kanada), René Ngongo (Demokratische Republik Kongo), Juan Pablo Orrego (Chile), Michael Otto (Deutschland), Vithal Raja (Indien), Vandana Shiva (Indien), Michael Succow (Deutschland), Alice Tepper-Marlin (USA), Andreas Troge (Deutschland), Jakob von Uexküll (Deutschland/Schweden), Alyn Ware (Neuseeland), Ernst-Ulrich von Weizsäcker (Deutschland), Alla Yaroshinskaya (Russland), Angelika Zahrndt (Deutschland).