Dieses Jahr kommen zwei wichtige Daten in der Kulturpolitik und für mich persönlich zusammen: Die Kulturpolitische Gesellschaft KuPoGe feiert ihr 50-jähriges Bestehen, und ihr Gründungspräsident Olaf Schwencke wurde 90 Jahre alt. Er ist für mich ein großes Vorbild in seinem Engagement als Europa-Politiker und Kulturmensch und hat auch meine aktive Zeit als Kulturpolitikerin im Bundestag entscheidend mitgeprägt.

Die KuPoGe wurde 1976 unter dem Eindruck des reformpolitischen Engagement der 1970er Jahre gegründet – alle gesellschaftlichen Schichten sollten Zugang zu Kunst und Kultur bekommen, und eine entsprechende Politik sollte das ermöglichen. Bis heute, und hoffentlich noch lange, ist die KuPoGe ein wichtiges Sprachrohr, eine diskursfreudige Gestalterin und eine aufmerksame Begleiterin gesellschaftlicher Prozesse.
KANN KULTURPOLITIK HEUTE IMMER NOCH AKZENTE SETZEN?
Beim 71. Loccumer Kulturpolitisches Kolloquium in Loccum ging es in diesem Januar darum, die 50 Jahre zu analysieren und die Wirkung der KuPoGe einzuschätzen – und darum, ihre heutige Rolle zu definieren.
Denn in der digitalisierten Gegenwart entwickeln sich gesellschaftliche Strömungen, Trends und kulturelle Entwicklungen meist parallel zur Kulturpolitik und in einem rasanten Tempo. Kann darum Kulturpolitik nur adaptieren anstatt Akzente zu setzen? Und wie kann sie überhaupt mit ihren kurzfristigen Förderszenarien eine Konstante in der Welt der Künstler und Kulturschaffenden sein?
„RESILIENTE KULTURPOLITIK“
Markus Hilgert, der heute Präsident der KuPoGe ist, hat dazu den Begriff „Resiliente Kulturpolitik“ geprägt und meint damit, dass Kulturpolitik stärker Orientierung geben soll. Sie soll sich ausrichten an einer Unterstützung von „Nachhaltigkeit, Vielfalt, Redundanz, Kompetenzaufbau sowie institutioneller Stabilität.“ Damit stärke sie „zugleich die Resilienz der Gesellschaft insgesamt und trägt damit auch zur langfristigen Sicherung demokratischer Handlungsfähigkeit bei.“
Hier zum Artikel vom Markus Hilgert in „Politik & Kultur“.
Ich bin seiner Meinung. Aus meiner Sicht ist Kultur die Basis für alle Debatten, die wir führen. Die Kultur einer Gesellschaft entscheidet darüber, welche Werte uns wichtig sind oder wie wir in bestimmten Situationen agieren oder reagieren. Das, was uns an Rahmen mit auf den Weg gegeben wird, entscheidet darüber, ob und wie wir uns engagieren. Auch alle Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes müssen unter dieser Auslegung des Kulturbegriffs betrachtet werden – also Kultur breit verstanden als die Gesamtheit der geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte, die eine Gesellschaft kennzeichnet. Den Kulturbegriff in dieses breite Selbstverständnis zu öffnen, hat ermöglicht, Kultur als Grundlage für nachhaltige Entwicklung zu verstehen. Auch Olaf Schwencke hat Kultur und Natur immer zusammen gedacht. Es brauchte aber Jahre, bis das Thema innerhalb der KuPoGe an Relevanz gewann. Seit Ende der 1990er Jahre sind nun Nachhaltigkeit und Klimaschutz fester Bestandteil in der KuPoGe-Programmatik.
KULTURPOLITIK AUCH FÜR FIRMEN UND VERWALTUNGEN
Welche Rolle muss nun Kulturpolitik heute spielen? Ich liege mit meinem Ansatz innerhalb dessen, was Markus Hilfert als „Resiliente Kulturpolitik“ beschreibt. Kulturpolitik muss das fördern, was die Menschen sich als kreative, ernsthaft nachhaltig denkende und handelnde Wesen entfalten lässt. Das heißt, sie muss die Fähigkeit entwickeln, Probleme zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten zu finden, nach ethischen Grundsätzen zu handeln, eigene Initiativen mit Handlungsmöglichkeiten anderer Menschen zu verbinden und diese zu fördern. Sie muss Bildung und Teilhabe in diese Richtung fördern, zum Beispiel durch die Strategie der Zukunftswerkstätten in der Bildungsarbeit.
Es geht mir dabei nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern auch um die Umsetzung in Firmen oder Verwaltungen. Das wäre auch ein neuer Einkommenszweig für Kulturschaffende! Die KuPoGe ist durch ihre beiden Säulen der Wissenschaft und politischen Arbeit bestens geeignet, diesen Schwerpunkt zu forcieren und den Diskurs zu gestalten.
Buch „50 Jahre KuPoGe“ im Online-Shop der KuPoGe
Monika Griefahn GmbH
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