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Sie sind hier: Startseite / Allgemein / Vom Hund als Kindersatz, und von Kindern, die stören

4. September 2026 | Monika Griefahn

Vom Hund als Kindersatz, und von Kindern, die stören

Werden Hunde vermenschlicht und Kinder stören nur noch? So pauschal wohl nicht, aber seit ich neuerdings manchmal mit vier Enkelkindern unterwegs bin, nehme ich Situationen wahr, die ich von früher nicht kannte. Ich möchte beschreiben, was ich in den vergangenen Wochen in verschiedenen Städten und an der Ostsee beobachtet habe.

Ich sehe immer wieder Hunde, die in Buggys durch die Gegend geschoben werden, und frage mich: Wieso laufen die nicht? Ein halbhoher Mischling zum Beispiel, der im Wagen neben seinem Frauchen ausharrt, die auf einer Parkbank sitzt. Augenscheinlich ist er nicht alt und krank und hätte wahrscheinlich auch große Lust zu toben und sich zu bewegen. Mir behagt es nicht, dass er das nicht ausleben kann, sondern wie ein Baby im Wagen herumgeschoben wird. Nachdem mir ähnliches auch in Berlin, Hannover und Potsdam begegnet ist, habe ich recherchiert: Der Markt für Hundebuggys boomt, teils kosten sie 800 Euro. Meine Beobachtungen scheinen einen Trend wiederzugeben.

DIE GESELLSCHAFT VERÄNDERT SICH, ABER…

Wir hatten unseren Hund auch oft dabei – im Urlaub oder wenn wir eingeladen waren. Aber auf die Idee, ihn in einen Buggy zu setzen, sind wir nie gekommen. Dass heutzutage nicht immer automatisch jemand zu Hause ist, wie zu Zeiten, als Männer noch Alleinverdiener waren, dass man also auch den Hund nicht mehr so einfach zu Hause lassen kann – kein Problem. Die Gesellschaft ändert sich, aber wieso diese Vermenschlichung von Hunden (und die Einschränkung seiner Bedürfnisse und natürlichen Verhaltensweisen)?

Und gleichzeitig stelle ich fest: Da, wo ich menschliches Verhalten erwarte, wo ich es von früher als positiv, freundlich und gesellig in Erinnerung habe, da vermisse ich es – nämlich bei Kindern. Wir waren zu viert, als wir klein waren, und tobten in den Ferien immer mit vielen anderen Kindern an der Ostsee herum. Und heute sind meine vier Enkel klein und toben so, wie Kinder toben. Nur die Reaktionen der Erwachsenen sind ganz anders als früher. Wir hören die Nachbarn tuscheln, sie drehen genervt die Augen, teils sagen sie uns, dass die Kinder stören.

Die Zahl der Hunde hat sich seit 2015 deutlich erhöht – 10, 6 Millionen Hunde gab es in Deutschland im Jahr 2025. Das sind rund 2,5 Millionen mehr als zehn Jahre zuvor. Sie spielen gesellschaftlich offenbar eine immer größere Rolle – vielleicht ist es die Folge von immer mehr Single-Haushalten? Ein Hund als treuer Begleiter – wieso nicht? Aber wird es nicht an der Stelle schwierig, wo wir ihn entgegen seiner Bedürfnisse wie einen Menschen behandeln? Die Gesellschaft wird immer hundefreundlicher, und das ist ja auch gut. Sie können in Restaurants mitgenommen werden, sie dürfen oft mit ins Büro, was im Vergleich zur Zwinger- und Hofhaltung früherer Jahrzehnte eine gute Entwicklung für die Tiere ist. Ich habe aber ein bisschen Sorge, dass wir gerade übers Ziel hinausschießen.

Dass Kinder scheinbar immer weniger akzeptiert werden, besorgt mich genauso. Haben wir uns abgewöhnt, Kinder zu mögen und zu tolerieren – jetzt, da es deutlich weniger Kinder gibt als früher, und deutlich mehr alte Menschen? Müssen die Älteren nicht trotzdem sagen: Kinder sind die Zukunft?!

SCHWIERIG GENUG FÜR JUNGE FAMILIEN…

Es gibt so viele Dinge, die junge Menschen davon abhalten können, eine Familie zu gründen: Die teuren Mieten, unbezahlbare Immobilien, der ausufernde Verkehr als ständige Gefahr, der Arbeitsmarkt, an den man sich immer wieder neu anpassen muss, die allgemeine krisenhaften Weltlage. Wenn sie sich dann trotzdem entscheiden, Kinder zu bekommen, sollten nicht auch noch Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Lärm auf sie zukommen. Wir sollten doch weiter eine Gesellschaft bleiben, die Kinder mit offenen Armen begrüßt und sich an ihnen erfreut. Mein Eindruck ist, dass in Deutschland auch im Vergleich zu anderen Ländern die Toleranzgrenze gegenüber normalem Kinderverhalten geringer ist.

Dabei benötigen wir die neue Generation doch für unser Zusammenleben. Dafür, kreativ und offen zu bleiben, dafür, die Welt immer neu zu erleben und von ihr fasziniert zu werden wie es bei Kindern der Fall ist. Und wenn Sie so wollen auch für unsere sozialen Sicherungssysteme. Egal, welcher Aspekt Ihnen da am wichtigsten ist – Kinder sind die Zukunft. Und gerne dann auch noch ein Hund, der Hund bleiben darf.

Kinder essen Eis auf einer Bank.

Was ist Ihr Eindruck, welche Erlebnisse haben Sie zu diesen Phänomenen gemacht? Kommentieren Sie diesen Beitrag gerne. Wir veröffentlichen alle respektvollen Kommentare.

Kategorie: Allgemein, Meinung

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